Mal eine andere Frage: Hat jemand von euch in der Schule das Lesen liebengelernt? Oder hat sich euer Leseverhalten in der Schule irgendwie geändert?
Ohne die Schule hätte ich nicht gewusst, wo die Stadtbibliothek ist und die Fernsehzeitschrift wäre das gewesen, was das Lesesupport im Haus war. Mein Vater hat zwar viel gelesen, aber im Zug auf dem Weg zur Arbeit und nicht als Vorbild im Haus.
3 verschiedene Lehrerinnen in der Grundschule, alle drei hatten verstanden, dass ich / man lesen darf, wenn ich mit allen Aufgaben fertig ist. Es gab in den Klassen Leseecken mit Büchern (die ich allerdings sehr schnell alle durch hatte) und es war etwas, was gefördert wurde (na gut, in den Pausen hatte ich 10 Minuten Bewegungspflicht, aber sonst war es okay und die Schule hat dafür gesorgt, dass meine Mutter dieses "merkwürdige Verhalten" trotzdem akzeptiert.)
Und die Schule war es dann in der Pubertät, die mich vom Lesen abhielt. Ich habe bis zur 9. Klasse quasi ein angewachsenes Buch in der Hand gehabt, bin die Treppe zum Klassenraum mit einem Buch gelaufen und so weiter.
Da aber die Französischlehrer*innen meine Literaturwahl ständig kritisiert haben (ich stand auf Jugendbücher, auf geschichtlich angerauchte Romane, auf Krimis oder einfach auf das, was mir in die Hände fiel) und mich unbedingt zur "richtigen" Literatur führen wollten (Zola, Balzac, Maupassant, usw..), habe ich irgendwann aufgehört zu lesen, weil ich dachte, lieber gar nichts, als kritisiert werden.
(man stelle sich vor, man würde heutzutage die Leseratte der 9. Klasse sagen, es sei doch langsam Zeit, Thomas Mann und Schiller zu lesen, statt weitere Bücher).
Zwischen dem 15. und grob 22. Lebensjahr habe ich fast nur noch die Pflichtliteratur des Schul- und Uniunterrichts gelesen. Einzige Ausnahmen: Jugendbücher auf Deutsch, wenn ich in Deutschland war und mir ein Buch gönnte. DAS machte mich zwar noch seltsamer aber da traute sich kein Mensch, was zu sagen.
Jaja, die Schule kann viel Gutes tun, aber auch viel Schlechtes.