Es hängt sicher von der eigenen Person ab: ich finde es einfacher zu lernen (ähnliche grammatikalische Strukturen), aber gleichzeitig viel schwieriger, weil die Vokabeln, die Aussprache und die Betonung auseinanderzuhalten auch eine Herausforderung ist.
Ich fände es ehrlich gesagt traurig, wenn Personen, die Englisch studiert haben, immer noch den gleichen Wortschatz und die gleiche Ausdrucksfähigkeit hätten, wie ihrem beim Abi. 
Englisch können ist ein dehnbarer Begriff.
Natürlich lernt man noch Wörter. Ich lerne (als nicht-Anglistin) auch ständig neue Wörter, wenn ich englischsprachige Texte in meinen Fächern lese. Das ist eben lebenslanges Lernen. Auch lernt man im Englischstudium durch die Auseinandersetzung mit bestimmten "Fachthemen" neue Fachbegriffe.
Die "Perfektion" erreicht man nur durch die Immersion im Zielland, das ist nicht die Aufgabe der Hochschule.
und die kleinen Sprachprüfungen sind eben nur Mini-Teile des gesamten Studiums.
und ob du es glaubst oder nicht: mir wurde eben im Studium gesagt, dass ich keinen Vorteil haben dürfe, sprich: ich bekomme keine 1,0 im Kurs "Conversation", sondern der Kurs wurde komplett anerkannt mit "bestanden" (gut, ich habe nicht modularisiert studiert), und in meiner Endprüfung, die auf Französisch war, aber über (u.a.) Literatur des 18. Jahrhunderts und über einen bestimmten Text im Altfranzösischen war, wäre offiziell "sprachliche Richtigkeit" ein Kriterium gewesen, mir / uns wurde aber gesagt, dass der Teil bei mir eben nicht berücksichtigt wird, wir könnten es eh.
Und richtig berücksichtigt wurde es allgemein nur, wenn jemand wirklich SEHR SCHLECHT war. Ich kenne Leute, die mit 1,7 rausgekommen sind und ich keinem LK zumuten möchte.
Sorry, wenn ich da jetzt mehrere Leute getriggert habe, mir ging es im Grunde auch nur darum, dass ich es lustig finde, wenn Leute (die bestimmt Muttersprachler sind) Türkisch oder Russisch auf Lehramt studieren, obwohl diese Fächer quasi gar nicht gefragt sind. Da kommt mir dann schon der Gedanke von Bequemlichkeit in den Sinn, gleich wie das dann im Studium tatsächlich aussieht.
Russisch ist womöglich nicht mehr an der Speerspitze der gesuchten Fächer, das ist aber auch nicht der Fall bei vielen Nischenfächer im berufsbildenden Bereich, das studieren dann auch oft die Expert*innen, die vorher die Ausbildung hatten. Umso besser, dass die Qualifikation am Anfang des Studiums hoch ist.
Türkisch ist nicht VIEL gesucht, aber ganz ehrlich: das wird (oder sollte) sich ändern. und zwar nicht nur als "Wir lernen unsere Muttersprache richtig sprechen, lesen und deren Literatur", sondern auch "eyh, eine ganz andere herausfordernde Fremdsprache mit einer Kultur, die viele Berührungspunkte mit unserer Gesellschaft hat".
Ein einfaches Beispiel dafür ist mMn das Verstehen von Personen, die einen Dialekt sprechen. Ich kann z.B. in Deutsch Personen mit unterschiedlichen Dialikten bis zu einem gewissen Grad verstehen; da tun sich Leute, deren Muttersprache es nicht ist, deutlich schwerer. Auch bin ich überzeugt, dass ich aus dem Stegreif eine Handvoll Wörter des Deutschen finden könnte, die ein Nicht-Muttersprachler (der nicht schon Jahrzehnte hier lebt) nicht kennen würde.
Aber dann ist es die Frage des "Muttersprachlers". Ich bin eine ECHTE Muttersprachlerin, im Heimatland sozialisiert. Aber nunmal vor 20 Jahren ausgewandert.
Meine fiktiven bilingual erzogenen Kinder würden MEINE Muttersprache lernen.
Die türkisch bilingual erzogenen Kinder in Deutschland lernen in ihrem Auslandsaufenthalt in Istanbul GANZ VIELE Wörter.