Beiträge von chilipaprika

    nein, ich meinte, ein sehr häufiges "Zweitfach" bei BBS/BK-Lehramt.
    Gefühlt hatte das jede*r Dritte (im BK-Lehramt) in meiner Uni-Zeit.

    Das Fach heißt, wie ich gerade nachgeguckt habe "Wirtschaftslehre/Politik", studiert wird "Sozialwissenschaften bzw. im Bachelor entweder WiWi, Soziologie oder Politik" (und die zwei anderen Fächer kommen dazu und im Master, interessantes NRW-Konstrukt für das Fächerbündel). Nur mit WiWi-Schwerpunkt dürfte man nicht mit der beruflichen Fachrichtung kombinieren (was an meiner Uni eh nicht existiert).

    Aber war nur ein bisschen Aufregen aus Betroffenheit, weil ich Fächer habe (außer Französisch), wo so viele denken "ach, war nett in der Schule" (das denkt keiner von Französisch) "kriege ich im Studium locker hin" ... und oft scheitern (Deutsch) oder auch oberflächlich rumkommen (Politik oder Päda) (und natürlich gibt es auch diejenigen, die das voller Überzeugung und Engagement und mit tollem Erfolg studieren.).

    In ENglisch gibt es ja auch viele, die das "eh können", aber die Hürde ist eine andere als für Deutsch.

    MICH würde an dem Fach an der BBS aufregen, dass es oft einstündig ist, sehr viele Klassen mit sich bringt und die allermeisten SuS das Fach als irrelevant (in der Stundentafel) sehen (was ja in den meisten Ausbildungsgängen notentechnisch auch der Fall sein dürfte).

    Schon alleine deswegen würde ICH immer von dem Fach als BBS-Fach abraten. Ist ja aber für den TE total irrelevant.

    "Aus Verlegenheit" wird m. E. zwar des Öfteren Politik als Unterrichtsfach gewählt, Deutsch seltener.

    Der/die TE beginnt aber laut eigener Aussage das Studium der "Wirtschaftspädagogik", also ist "Wirtschaftswissenschaften" seine/ihre berufliche Fachrichtung (und somit erstes Unterrichtsfach) ;) .

    Ja, weil die Kombi Wipäd/WiPo (hoffentlich!) nicht geht. In NRW ist es aktuell nicht zulässig, aber es gab Zeiten, das war zulässig, ich bin ziemlich sicher,
    1) in meinem Studium einen WiPädler in meinem "Sozialkunde"-Studium gehabt zu haben
    2) hier im Forum einen User mit der Kombi zu kennen.

    Und sonst ist es eben ein sehr häufiges "Zweitfach" ("ein bisschen allgemein politisch reden kann ja jede*r" - Klingt nach der selben Argumentation, warum das Fach bei uns in unteren Klassen oft vom KL unterrichtet wird)

    Ich glaube zu verstehen, was du glaubst zu wissen (zugegeben: meine Annahme fusst auch auf deiner Fächerangabe.), aber es ist ein breiter Irrglaube, dass die Schulfächer (Schulniveau) sich so stark unterscheiden.
    Als Lehrkraft ist es sowieso egal, ich habe eh das notwendige Wissen oder das Werkzeug, mich schnell einzuarbeiten und meine größte Arbeit ist die didaktische Reduktion unter Berücksichtigung didaktischer Prinzipien, die sich natürlich von Fach zu Fach unterscheiden.

    Mir wäre es sooo lieb, wenn die vielen Schüler*innen, die sich als "Naturwissenschaftler*innen" verstehen und "nichts mit Sprache am Gut haben" das anders betrachten würden und das ach so "analytische" Werkzeug auch bei einer Gedichtsinterpretation oder Fremdsprachenlernen einsetzen würde.
    Ich behaupte mal von mir: Ich bin nicht nur sowas von analytisch unterwegs, sondern sehr "strukturiert denkend", literarische Interpretationen waren in meiner Schulzeit "hokus pokus" und das Gefühl, der Autor sei high gewesen, wenn er sich wirklich diese Gedanken gemacht hat. Sprachgefühl habe ich nicht wirklich (Fragt die Italienischlehrerin der Schule, Spanisch ging im Romanistik-Studium gerade so), hatte aber Latein-LK, konnte mit Lego-Denken gute Grundlagen in mehreren Sprachen aufbauen.

    Ich gehe aber mit dir mit: "Womit will ich mich 30-40 Jahre lang beschäftigen?" ist eine nicht unwichtige Frage. Zumal man keinen Anspruch auf einen bestimmten Einsatz hat und es sein kann, dass man jahrelang 80% der Zeit in einem bestimmten Fach verbringt. Allerdings kann ich für mich sagen: Vorlieben ändern sich auch.


    @TE:
    Ich habe leider keine Ahnung von BBS und sowieso nicht in NDS.
    Spanisch und Französisch sind halt als zweite Fremdsprache Nischenfächer. Französisch für BBS würde ich grundsätzlich als rotes Tuch sehen (weil alle, die das schon in der Sek1 hatten, das nur fortführen dürfen und nicht neu anfangen können. Fortführen werden es aber die allerwenigsten (Gymnasialzweig, und selbst da werden viele eine neue FS anfangen...)
    Spanisch wird mehr Stunden (als Französisch) haben aber auch nicht der Bringer sein.
    Wenn du also keine dieser zwei Sprachen eh schon perfekt sprichst, usw.. lass es lieber.

    * Musst du für Englisch für dein BBS-Lehramt ins Ausland und kannst / willst du das? Finanziell gibt es mittlerweile (sehr!) hohe (garantierte) Hilfen, aber es ist trotzdem eine organisatorische Sache, die man gewillt sein will, durchzuziehen.

    Deutsch ist ein Fach, das alle SuS haben, aber sicher auch ein Fach, das viele BBS-ler*innen aus Verlegenheit als allgemeinbildendes Fach nehmen (immerhin hast du nicht "Wirtschaft" oder "Politik" genannt..), trotzdem sicher gut, weil überall einsetzbar (wie Englisch und Mathe) und trotz häufiger Anwahl zur Zeit Mangelfächer.

    Dass Mathe und Info dauerhaft Mangelfächer bleiben, was man bei Deutsch und Englisch nicht garantieren kann, haben andere schon geschrieben, das kannst du dir denken.
    Die Korrekturbelastung an der BBS würde ich nicht so stark gewichten wie am Gym, trotzdem realistisch einplanen.
    Aber auch realistisch gucken: was macht mir Spass, was kann ich mir vorstellen, mein Leben lang zu machen. Und auch realistisch bleiben: es ist und bleibt ein Job.
    Also: Gedichtinterpretation und Literaturanalyse auf Schulniveau unterrichte ich mittlerweile super gerne und mein Linguistikschwerpunkt der Uni tut mir weh, aber mit SuS macht es kaum noch Spass, weil sie den Zugang weniger haben (leider!).

    sie können sich in NRW Zeit lassen, wenn sie dafür vor der Sommerpause das andere Maßnahmenpaket verabschieden. Ich will mein Lebensarbeitszeitkonto. und den Rest.
    (und bin für die pauschale Beihilfe auch noch dazu)

    deswegen gibt es auch immer eine "Schulnote", die je nach BL echt nicht wenig Bedeutung hat.
    Ja, man kann sich über die Macht der SL auch unterhalten, aber zumindest in meinem BL schreibt die SL auf der Basis der Rückmeldungen aller Ausbildungslehrkräfte, die also auch Alltagsunterricht sehen.
    Der Bäcker-Azubi zeigt zum Abschluss auch nicht (nur) Weißmehlbrötchen, sondern auch Gebäck und Brot, das er nur selten machen würde, weil es zu den besonderen Sachen gehört. Auch eine Hochzeitstorte ist vll ein Konditorei-Abschlussprodukt, aber nicht alltäglich. Trotzdem muss man eben die ganze Bandbreite können.

    Oder glaubst du etwa, dass die Gedichtsanalyse "nur" eine Gedichtsanalyse ist, die man jeden Tag macht? und es nicht um das Schulen vieler kleinen Teilkompetenzen (Verständnis, Interpretation, Rhetorik, eigene Produktion...), die man im Alltag sehr wohl bewusst und unbewusst verwendet?

    Ich kenne die Lehrerausbildung in einigen europäischen Ländern. Keines dieser Länder hat etwas Ähnliches wie das Referendariat. Und die Kollegen dort unterrichten genauso gut wie hierzulande.

    Frankreich: Die Hürde ist, überhaupt in den praktischen Teil zu kommen, bei dem man zwar - außer man fällt durch - schon eine feste Stelle hat, aber 1) nicht an der einen Schule, 2) die Noten am Ende entscheiden auch über die weitere Verwendung (und die vorherigen Noten haben nicht nur entschieden, OB man überhaupt Lehrer werden darf, sondern auch 2) in welcher Ecke Frankreichs (also: Brennpunkt in der Pariser Gegend, Pariser Gegend oder mit seeeeeeehr viel Glück (aka perfekten Noten) seiner Heimatregion). Besoldung: auch schlechter als die eh schon schlechte Besoldung.

    England: ich bin mir ziemlich sicher, dass sowohl QTS als auch PGCE keine Garantie auf eine Stelle geben. Und während der Ausbildung ist man Student und bezahlt hohe Studiengebühren, außer man hat ein Mangelfach und da gibt es hohe Stipendien, die die Studiengebühren übernehmen und manchmal sogar Geld für den Unterhalt geben (aber nicht jede*r hat Physik studiert).
    Relativ neu: NQT (Neu qualified teachers) bekommen in den ersten 2 Jahren bei voller (schlechter!) Bezahlung 2 Stunden Ermässigung, um den Schock der ersten Jahre durchzukriegen, Studien zeigten, dass viele da das Handtuch werfen.

    Irland und Schottland (SCT?) ist meines Wissens relativ ähnlich dem englischen System.

    Klar, innerhalb des Refs kann man schon lange vorher sagen, wer gut und wer wohl weniger gut abschneiden wird. Da die Umstände in diesem Ausbildungsabschnitt aber nur in Spurenelementen mit dem Tagesgeschäft als "echter Lehrer" übereinstimmen, würde ich ein gutes Ref nicht zu hoch hängen. Und bei einem schlechten nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.

    Du hast Recht. Innerhalb der Facharztweiterbildung hat alles nicht mit dem echten Leben zu tun, das Medizinstudium erst recht nicht. Ist mir doch egal, ob meine Frauenärztin bestanden hat und eine Eileiterschwangerschaft übersieht oder nicht und ob die Ärzte Ultraschallbilder lesen können und Entzündungen sehen.
    Ach, diese weltfremden Ausbildungen, wo man die Azubis fordert und fördert.

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