Uneinheitliche Notenberechnung

  • Es wäre aber natürlich extrem blauäugig, zu glauben, dass irgendeine Form von Rechnen irgendetwas objektiver machen kann.

    Da das jetzt ungefähr zum 3. mal geschrieben wird: Wer glaubt das denn? Ich meine ... ausser offenbar dem TE?


    insgesamt eine Note durch Berechnen bekäme, die meinem Gesamteindruck widersprechen, schaue ich noch einmal in die Einzelbewertungen

    Warum? Werden die Einzelbewertungen plötzlich schlechter weil Dein "Eindruck" am Ende ein anderer ist? Du überlegst Dir doch beim Erstellen der Prüfung wie schwierig die Aufgaben sind und was mit wie vielen Punkten gewertet und damit gewichtet wird. Hast Du Dich dann etwa geirrt, wenn Dein "Gefühl" (aka "Eindruck") am Ende der errechneten Note widerspricht? Angenommen ein Schüler kommt bei mir am Ende "zu gut" weg, dann ist wohl eher mit dem Niveau meiner Prüfungen was falsch als dass ich mich am Ende hinsetze und finde ... ach, die Note ändere ich jetzt fix noch mal. Ich bin in den letzten Jahren immer anspruchsvoller in der Korrektur geworden, weil ich zu Beginn meiner Karriere tatsächlich hin und wieder genau dieses "Gefühl" hatte. Da kann dann aber der Schüler nix dafür, den Bock habe ich geschossen.

  • @Wollsocken Das Niveau, welches ich mit der Klausur abbilden will, geht mir inzwischen auch ganz flott von der Hand, das ist nicht mehr das Problem. DIe Punktebewertungsraster sind aber oft etwas zu starr (ich muss mich da an die Raster aus den Abiturklausuren anlehnen), so kann es bei Ansätzen und Rechenwegen bzw. Darstellungen von Lösungsansätzen durchaus Bewertungspunkte geben, die die Fähigkeiten eines SuS nicht gut abbilden.

    Oder nimm mal den Fall, dass jemand punktemäßig häufig an der Grenze zu der nächstbesseren Note hängt (bei uns von 6 bis 1+ im Raster von 15 Punkten als 1+). Dann halte ich es für sinnvoll, noch einmal genau darauf zu schauen, wie die Einzelnoten entstanden sind.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Uiuiui... Du musst dich an ein vorgegebenes Raster halten? Und das soll jetzt besser sein als Zehntelnoten zu einem arithmetischen Mittel zu verrechnen? Ich leg mein Raster halt gleich selbst fest, dann muss ich am Ende nicht "wursten". Ich hoffe, dass spätestens an der Stelle die Lächerlichkeit der ganzen Diskussion klar wird.

  • Natürlich ist das nicht besser. Aber es is ja auch nix wirklich besser, es kommt immer darauf an, was man aus den Gegebenheiten mit seinem pädagogischen Freiraum so alles macht.

    Und ich muss mich nicht immer ans Raster halten, muss aber die SuS auf eine so bewertete Abiklausur vorbereiten! Also verwende ich es bei ähnlichen Klausuraufgaben so, dass die SuS da eine realistische Orientierung bekommen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • (...) Die Juristen haben das für ihre Examina bundeseinheitlich gerichtlich geklärt und auf eine einfache Formel gebracht:"Lineare Punkteskalen in Klausuren müssen linear auf die Notenskala übertragen werden"
    Dazu braucht's kein Berechnungsprogramm, das macht der Taschenrechner:

    |(erreichte Punktzahl/erreichbare Punktzahl)*5 - 6| = Betrag der Dezimalnote, die durch Grenzwerte auf die 21-stufige Notenskala umgerechnet (gerundet) wird.
    Damit ergibt sich bei 50% der Punktanzahl die Note 3-4 (...)

    Womit ich einerseits endlich weiß, woher die Formel die ich von einem meiner Mentoren übernommen habe und verwende tatsächlich kommt (danke dafür @alias :rose: ) und andererseits mir persönlich klar ist, warum mir diese so vertraut vorkam von Beginn an (Jurastudium...) und direkt sympathisch war, so dass ich die vom anderen Mentor übernommene Variante direkt dafür gekickt habe. :D


    Am Ende ist es aber eben, wie ja schon ein paar angemerkt haben nicht die Berechnung der Note, die entscheidend wäre, sondern vielmehr die vielen Entscheidungen davor, wenn ich eine Klassenarbeit konzipiere (Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, Punkteverteilung, Zeitvorgaben,...) mittels derer ich maßgeblich Einfluss darauf nehme, mit welchem Ergebnis meine Klasse am Ende heraus kommt. Diese Dinge lassen sich nicht für jede einzelne Klassenarbeit jeder einzelnen Schulart jedes einzelnen Bundeslandes vereinheitlichen- zum Glück! Die pädagogische Freiheit ist ein hohes Gut in unserem Beruf, dem wir denke ich alle gerecht zu werden suchen. Die Fehler, die wir dabei machen sind menschlich und wir hoffentlich letztlich alle professionell genug, entsprechend damit umzugehen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Das ist alles richtig. Nur so ganz "zufällig" passiert das eben auch alles nicht dass man behaupten könnte, es gäbe keine Objektivität. Unser Rahmenlehrplan Chemie fürs Gymnasium ist sehr sparsam ausformuliert, entsprechend viel Freiheit habe ich gewissermassen offiziell in der Unterrichtsgestaltung, wobei ich mich auch inoffiziell immer gleich entscheiden würde, auch wenn im Lehrplan was anderes stünde. Kräht bei uns am Ende eh kein Hahn danach, wir haben ja keine zentralen Prüfungen. Bezüglich der Fachinhalte orientiere ich mich vor allem im Schwerpunktfach häufig an den universitären Anforderungen im Nebenfach, hier v. a. Medizin. Warum mache ich das? Weil viele SuS, die das Profil B wählen, später Medizin studieren wollen. So und so bilden wir für die Studierfähigkeit aus und ich hoffe doch dass jeder von uns heisst, was das bedeutet. Ich weiss, was hinterher kommt und gebraucht wird und genau darauf versuche ich vorzubereiten. Dementsprechend sehen meine Prüfungsaufgaben aus und bei deren Bewertung gibt es zwischen "richtig" und "falsch" nicht allzu viel Ermessensspielraum. Natürlich gibt's Teilpunkte für halbe Wahrheiten und natürlich kategorisiere ich nach "kann man auswendig lernen" und "muss man verstanden haben". Aber auch das ist nicht ausgewürfelt sondern ... meine Güte, es ist halt so und ja, das nennt man dann wohl "objektiv".

  • Ein sehr berechtigter Punkt. Notenberechnung sollte transparent, einheitlich und nachvollziehbar sein, um Fairness für alle zu gewährleisten. Klare Vorgaben würden viele Missverständnisse vermeiden. Für eine einfache und transparente Berechnung kann dieser Rechner hilfreich sein:
    [Hier stand ein Link, der entfernt wurde / Chili]

  • In NRW zumindest ein eine Notenberechnung mit einem Taschenrechner oder Ähnlichem nicht erlaubt (in Bayern schon). Aber ich möchte als NRW Lehkraft schon noch meinen päd. Spielraum nutzen für die Notengebung. (Somi + Endnote auf dem Zeugnis). Für Klassenarbeiten/ Klausuren nutzen wir ein verbindliches Notenraster (ab wie viel % gibt es eine bestimmte Note?)

  • Solange wir nicht alle den identischen Unterricht und die identischen Arbeiten schreiben lassen, finde ich es nicht sinnvoll, bei der Note, die auf Unterricht und Klassenarbeit folgt, identische Kriterien zu verwenden.

    In Baden-Württemberg war es bisher nicht festgelegt, mit Wechsel zu G 9 soll dies erstmals geschehen (und ich habe jetzt von 3 offiziellen 3 verschiedene Antworten erhalten, wie identisch die Notenvergabe erfolgen muss). Mal schauen.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Das kann ich leider nur bestätigen. Erst sind "Notenkorridore" erlaubt, dann nicht, dann wieder schon (aber nur geringfügige) - und man fragt sich, was das soll, wenn an der Nachbarschule gänzlich andere Regularien gelten. Da ist es mit der Vergleichbarkeit schnell geschehen...

  • Ich sage es gerne immer wieder: Noten sind ordinal skalierte Daten, auf denen sich eine Durchschnittsbildung im Sinne eines arithmetischen Mittels ohnehin verbietet. Und ohne zugehörige Verteilung der bewerteten Aufgaben auf die drei Anforderungsbereiche in Bezug auf den erfolgten Unterricht ist eine Vergleichbarkeit ohnehin nur bedingt gegeben. Die ganzen Versuche, das durch scheinbare Genauigkeit bei Berechnungen zu übertünchen, mögen einem ein besseres Gefühl von Sicherheit geben, belastbarer wird die Bewertung dadurch nicht.

  • Noten sind ordinal skalierte Daten, auf denen sich eine Durchschnittsbildung im Sinne eines arithmetischen Mittels ohnehin verbietet.

    Leider kapiert das kaum einer.

    Es ist immer wieder amüsant und auch traurig zu sehen, wie jemand daher kommt und der Meinung ist Noten so mathematisch korrekt zu errechnen. :autsch:

  • Zitat

    Es ist immer wieder amüsant und auch traurig zu sehen, wie jemand daher kommt und der Meinung ist Noten so mathematisch korrekt zu errechnen.

    Das wird in den einzelnen BL durchaus unterschiedlich gesehen.

  • Das wird in den einzelnen BL durchaus unterschiedlich gesehen.

    Also bei euch in Thüringen sieht weder die Thüringer Schulordnung noch das Thüringer Schulgesetz die Ermittlung der Gesamtnote durch Berechnung vor. Dort heißt es dazu:

    Zitat von §48 Abs. 3 ThürSchulG

    (3) Unter Berücksichtigung der einzelnen schriftlichen, mündlichen und praktischen Leistungen werden Zeugnisse erteilt. Zeugnisse werden in der Regel jeweils zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende ausgestellt. Die gesamten Leistungen eines Schülers werden vom Lehrer unter Wahrung der Gleichbehandlung aller Schüler in pädagogischer Verantwortung bewertet. Die Transparenz der Notengebung ist für Schüler und Eltern insbesondere durch die Bekanntgabe der Bewertungsmaßstäbe und die Begründung der Noten zu gewährleisten.

  • Das wird in den einzelnen BL durchaus unterschiedlich gesehen.

    Das mag anders gesehen werden. Das macht aber diese Sichtweisen, wie in Bayern z.B. nicht richtig.

  • dass man Noten arithmetisch berechnen muss oder darf. Dass man pädagogischen Spielraum hat oder eben so gut wie nicht hat.

    Sorry, meine Frage war rhetorisch-sarkastisch. Ich bin lange genug im Forum unterwegs, um zu wissen, dass einige BL bis zur Nachkommastelle berechnen und einen grandiosen Spielraum von 0,2 haben, und auch weiß ich, dass man als Teil des Systems sich dessen Regeln unterzuwerfen hat, ABER: die mathematischen /statistischen Regeln sind nicht dadurch ausgesetzt und ich finde es immer wieder lustig.
    (aber eyh: eine SL bat mich auch mal, zum Notenspiegel auch den Durchschnitt anzugeben, sie möchte es nicht immer selbst ausrechnen, weil ich es auslasse).

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