Ich bin auch ganz klar für die Abschaffung von Reli-Unterricht und dafür Ethik/Wertevermittlung für alle im Klassenverband (und interessanterweise teilt unsere Religionslehrerin diese Ansicht!), frage mich aber, ob es dafür wirklich ein eigenes Fach braucht mit ganzen 2 Stunden die Woche. Das sind bei mir in Klasse 2 z.B. genauso viele Stunden, wie ich sie für Sachkunde zur Verfügung habe. Für Sachkunde reicht das unter anderem nicht wirklich, weil wir in Berlin verpflichtend Klassenrat machen müssen (was ich grundsätzlich super weil es für mich u.a. gelebte Werteerziehung ist) und ich die Zeit davon zur Hälfte aus Sachkunde nehme und zur Hälfte aus Deutsch (wieder weniger Zeit zum Lesen!). Für mich gäbe es absolut Sinn, diese beiden Stunden zur Hälfte an Deutsch zu geben (mehr Übungszeit) und zur Hälfte an Sachkunde und gleichzeitig ethische Themen, Wissensvermittlung zu Religionen etc. verbindlich mit in den Sachunterricht zu integrieren.
Zu sagen das Ganze wäre doch freiwillig, hilft gar nichts: die beiden Stunden besetzen den Platz im Stundenplan und stehen nicht für anderes zu Verfügung. Und auch die Aufnahmekapazität der Kinder hat ihre Grenzen, d.h. einfach nur zusätzliche Unterrichtszeit scheitert nicht nur am Lehrkräftemangel .
Was m.E. noch viel zu wenig im Blick ist, sind die Möglichkeiten des Ganztags. Ein Problem scheint ja zu sein, dass in vielen Familien nicht mehr ausreichend lesen geübt wird. Gleichzeitig verbringen immer mehr Kinder ihre Nachmittage im Ganztag. Wieso also nicht Menschen finden, die mit den Kindern in dieser Zeit lesen üben? Also genau das übernehmen, was eigentlich Aufgabe der Eltern wäre? Dafür braucht es keine ausgebildeten Lehrer oder Erzieher.