Beiträge von Ilse2

    Gerade dieser Thread zeigt wieder, dass wir noch meilenweit weg sind vom inklusiven Denken (und das soll jetzt kein Vorwurf sein!). Schule kann nicht einfach ganz normal weiter laufen, wenn Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf da sind, die zum Teil komplett andere Bedürfnisse haben, als viele Regelkinder. Dafür ist aber niemand ausgebildet, auch nicht die Sonderpädagogen. Das klappt auch nur, wenn man mit der Haltung ran geht, alle Kinder in ihren jeweiligen Besonderheiten anzunehmen und zu fördern. Dafür muss Unterricht zwangsläufig anders gestaltet werden als gewohnt und auch anders, als man das in der Ausbildung gelernt hat. Das ist nicht einfach, vor allem nicht, sich vom Gewohnten und scheinbar Bewährtem zu verabschieden. Schlimm ist, das Inklusion von Kollegen getragen werden muss, die dazu bisher nicht bereit sind (auch aus nachvollziehbaren Gründen) . Das kann und wird nicht funktionieren.

    Doch, ansich ist Inklusion der Königsweg! Aber man kann nicht "Inklusion machen" aber alles bleibt wie es immer war. Gelebte Inklusion bedeutet Veränderung. Und da stimme ich zu, soweit sind die meisten Schulen und vor allem Menschen in den Schulen noch nicht. Aber trotzdem muss der Weg gegangen werden, damit sich etwas verändert! Von wirklich gelebter Inklusion profitieren alle, auch die "Regelkinder"!

    Ich gestehe, in meiner Funktion als Sonderpädagogin an einer Regelschule, eingesetzt in mehreren Klassen, würde mir tatsächlich mehr Teamsitzungen wünschen, die ernst genommen werden und in denen man gemeinsam verbindlich plant. Auch, wenn ich damit vermutlich allein auf weiter Flur bin.

    wenn man sich vor Augen führt, WIE entscheidend vor allem die ersten 3 Lebensjahre für die Entwicklung sind, müsste tatsächlich direkt nach der Geburt eingegriffen werden. Und selbst dann. Genetik, Unfälle, Mutationen usw. nein. Eine Chancengleichheit kann es nicht geben, das ist völlig utopisch.

    Und auch nicht die Schuld der Schule. Oder des Systems. Oder der Gesellschaft. Obwohl unsere Gesellschaft wie gesagt schon noch Potential hätte, mehr zu machen, um Lebenschancen zu erhöhen.

    Und dann kommt auch noch dazu, dass wir als Lehrer, vielleicht auch eine ganz andere Vorstellung davon haben, was zu einem erfolgreichen Leben gehört. Ein Sozialarbeiter an einer meiner letzten Schulen hat immer gesagt, "ihr müsst mal eure Mittelschichtsbrille abnehmen".

    Ich glaube er hatte Recht. Eltern wollen meistens das Beste für ihr Kind. Das ist aber nicht zwangsläufig das, was wir als Lehrer als das Beste für das Kind ansehen.

    Ich denke, nein, das geht nicht!Die Kinder bekommen die Startbedingungen durch ihre Familien, sowohl durch Genetik als auch durch Umweltfaktoren. Die kann man nicht wirklich "gleich" machen, auch, wenn man sich schon mehr bemühen könnte, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Kindet, die durch nicht so gute Genetik und/ oder Umweltfaktoren schlechtere Karten haben, diese zumindest ein Stück weit ausgleichen können.

    das mit dem Gehalt bei Angestellten funktioniert aber auch nur dann, wenn es jedes mal eine neue, andere Diagnose gibt! Ansonsten gibt es Krankengeld. Erhöht in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass de Kollege wirklich ernstlich erkrankt ist!

    In meinem Fall kommt ja auch noch dazu, dass ich Material eigentlich nur für einzelne Kinder habe, die alle auf unterschiedlichem Niveau arbeiten. Irgendwo kam auch die Idee auf, Material per Post zu verschicken. Die Idee hatte ich auch, wurde aber bei uns durch die Schulrätin untersagt. Infektionsketten und so:grimmig:.

    Du warst ja eine derjenigen Userinnen, die meinte, dass der Kontakt zu den Eltern derzeit schwierig sei. Wenn Post wohl auch nicht infrage kommt, ist das wohl derzeit eine missliche Lage für Lehrer, die in Einzugsgebieten wie deinem, arbeiten :/ .

    Ja, ist es tatsächlich. Ich arbeite an einer Schule mit ähnlichem Einzugsgebiet und der einfachste und sicherste Weg, die Schüler bzw. deren Eltern zu erreichen ist WhatsApp. Nicht irgendein ähnlich funktionierendes, aber sicheres Programm sondern schlicht WhatsApp. SMS werden in der Regel nicht beantwortet. Problem ist eben, dass das datenschutzmäßig schwierig ist. Wir dürfen, wenn wir denn unsere Nummer rausgeben wollen, mit einzelnen Familien schreiben/sprechen, aber nicht in Gruppen.

    Ich stehe mit "meinen" Förderkindern gerade ausschließlich darüber in Kontakt, weil es funktioniert. Email und andere Alternativen leider nicht. Aber ich habe eben auch meine Handynummer rausgegeben, finde das aber auch nicht so problematisch. Wer mich nervt, wird blockiert:pirat:.

    Wie fördert ihr diese Kinder? Welche Nachteilsausgleiche setzt ihr ein? Werden Deutsch-Noten ausgesetzt?

    Ich habe aktuell zwei Kinder in Klasse 3 in parallelen Lerngruppen, beide mit Migrationshintergrund, aber seit ca. 5 Jahren in Deutschland. Beide haben massive Artikulationsprobleme und noch mehr Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben ( da sind sie jetzt etwa auf dem Stand Ende Klasse 1 ). In allen anderen Fächern sind die Leistungen in Ordnung, sie werden nicht zieldifferent unterrichtet. Wie läuft sowas bei euch? Ich bin gerade ein bisschen ideenlos, vor allem, was die Bewertung angeht.🤔

    Manchmal muss man sich aber schon fragen, wie sinnvoll ein in katholische und evangelische Religion überhaupt ist. An meiner Schule sind beispielsweise etwa 35 Kinder christlich getauft. Ungefähr 40 nehmen am Religionsunterricht teil. Wir haben 6 (!) Religionslehrer (insgesamt sind wir etwa 20), die je eine Religruppe unterrichten (weil sie alle Religion unterrichten möchten). Da fragt man sich schon, ob das sein muss, ob das nicht eine Verschwendung von Ressourcen ist. Zumal wir 90% Kinder mit Migrationshintergrund haben und dringend DaZ-Förderung bräuchten, die dann in fast Klassengröße stattfindet. Noch besser sind die alle 2 Monate stattfindenden Schulgottesdienste. Da marschieren dann die Klassenlehrer mit den paar Kindern in die Kirche, der große (!) Rest wird von 2 Kollegen auf dem Schulhof beaufsichtigt. Da kann man als Ungläubiger schon am Verstand der religiösen Planer zweifeln...

    Aha. Und warum "haben" sie ein "Problem"? Weil sie es von sich aus wissen oder weil man es ihnen sagt oder gar weil die deutsche Schulpflicht sie zwingt, jahrelang jeden Tag viele Stunden relativ regungslos in einem Klassenraum voller Reize zu verbringen? Wie groß ist denn der Anteil der Umgebung an diesem Wissenserwerb? Und was ist die Motivation dieser Umgebung, darauf hinzudrängen, dass ein nerviges aber letztendlich in allen Belangen abhängiges Kind diesen Wissenserwerb vollzieht??

    sie haben das Problem, weil sie in dieser Gesellschaft leben und so ganz grundsätzlich auch Teil dieser Gesellschaft sein wollen. Menschen sind einfach soziale Wesen, die den Kontakt zu anderen Menschen in der Regel brauchen.
    Auch ohne Schule und Schulpflicht haben bzw hätten ADHSler sehr oft massive soziale Schwierigkeiten. Da hilft es auch nicht, so zu tun, als wären die Probleme nicht vorhanden. Unsere Gesellschaft wird sich nicht so schnell verändern, dass ein heute betroffenes Kind ohne erhebliche Probleme erwachsen werden kann. Das kann man traurig finden, ist aber so. Ich hatte ja vorhin schon geschrieben, dass beispielsweise Suchterkrankungen bei (unbehandelten) Betroffenen überdurchschnittlich häufig vorkommen. Das kann man natürlich als Eltern ignorieren, ich würde das nicht tun.

    Es ist ein Unterschied, ob er ruhig genug ist, oder ob er ruhig gestellt wird. Es ist auch ein Unterschied, ob ein Betroffener die Umgebung bekommt, seine Stärken zu zeigen, oder ob man sie ihm verweigert und ihm stattdessen ein Rezept in die Hand drückt (und ihm damit durch die Blume auch mitteilt, er sei das "Problem"). Wir holen die Kinder nicht immer da ab, wo sie stehen, oft genug selbst wenn wir es könnten.

    Betroffene Kinder (Erwachsene) wissen in aller Regel, dass sie ei Problem haben! Unbehandeltes ADHS kann zu sehr erheblichen Problemen führen, die oft schon damit anfangen, dass sie aufgrund ihres Verhaltens ständig Stress und Ärger haben, möglicherweise keinen Schulabschluss oder einen, der weit unter ihren eigentlichen Möglichkeiten liegt, schaffen. Suchtprobleme sind sehr, sehr häufig bei Betroffenen usw.
    Nach meinen Erfahrungen, und das wird hier im Thread ja auch bestätigt, eröffnet eine Medikation für Betroffene neue Welten mit Chancen, die zuvor nicht möglich waren. Oft macht die Medikation eine Verhaltenstherapie auch erst möglich, weil der Betroffene sich ohne gar nicht ausreichend auf die Therapie einlassen kann.
    Letztlich lehnen wir als Lehrer uns auch sehr weit aus dem Fenster, wenn wir über die Diagnostik und Behandlung der Erkrankung spekulieren. Das ist Aufgabe der Medizin, nicht der Pädagogik.

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