Ich kenne mich in HH nicht aus, aber offenbar gibt es Stadtviertel, in denen ein Viertel der Kinder mit Empfehlung die Schulform wechselt und Stadtviertel, in denen kaum ein Kind das Gym verlassen muss. Ich schlussfolgere daraus, dass in bestimmten Vierteln die GS-Lehrkräfte die Kinder oft zu gut einschätzen, weil sie dies klassennormbezogen tun. Das würde dafür sprechen, dass die Empfehlungen zum Gutteil auf einem Gefühl beruhen, wer zu "den Besseren" gehört und wahrscheinlich am Gymnasium "klarkommen" wird. Das finge dann wohl bei der Notengebung an, die sich zu wenig an Lehrplanzielen orientiert und zu sehr am Klassenschnitt. In einem "schwierigen" Einzugsgebiet will man nicht nur 4en und 5en verteilen, weswegen man beginnt, Leistungskontrollen so zu verfassen, dass 2en und 3en für das Gros der Klasse möglich sind.
Ich kenne das Dilemma jedenfalls von der Lernförderschule, in der entschieden werden muss, wer den Hauptschulzweig besuchen kann. Wir schwimmen da manches Mal, weil es (außer bestimmten Noten) keine Kriterien oder Aufnahmeprüfung gibt.
Dazu kommt auch noch, dass es zumindest in NRW grundsätzlich erstmal die Empfehlung Haupt- und Gesamtschule, Real- und Gesamtschule und Gymnasium und Gesamtschule gibt. Da kann es durchaus sein, dass ein Kind grundsätzlich zwar kognitiv in der Lage wäre, das Gymnasium zu schaffen, die Noten such entsprechend sind, aber beispielsweise das Arbeitsverhalten oder auch Sprachkenntnisse vielleicht eigentlich besser an einer Gesamtschule gefördert werden könnte. Das wird den Eltern im Gespräch erklärt, auf der Empfehlung steht dann aber formal richtig aufgrund der Noten trotzdem Gymnasium und Gesamtschule und die Eltern melden trotz anderer Beratung am Gymnasium an. Ich weiß natürlich jetzt nicht, ob das in Hamburg auch so ist.