Soll jeder Lehrer das verdienen was er verdient?

  • Stimmt. Das Problem ist, das Kapital in D wesentlich begünstigt wird. Das Argument ist gerne, dass Kapital mobiler ist und bei höherer Besteuerung abgezogen wird. Das Argument wird halt gerne von bestimmten Gruppen forciert.


    Genauso wie das Argument der Reichensteuer von 45% als "faires Element " angepriesen. Das ist so ein Schwachsinn, aber das Volk glaubt es gerne.


    Damit befreien sich die sehr Vermögenden von der gesellschaftlichen Mitfinanzierung entsprechend ihrer Fähigkeiten.


    Wir sind keine so faire Gesellschaft wie wir sein könnten.
    Fair bedeutet aber nicht alles gleich; dann fehlen in der Tat Leistungsanreize.
    Wir sind aber in den letzten Jahren immer ungleicher geworden und die Speerspitze davon war die "Arbeiterpartei SPD".

  • Das ist schon richtig, dass es auch in früheren Gesellschaften eine ungleiche Verteilung des Vermögens gab - aber was soll aus dieser Feststellung folgen?
    Legitmiert eine frühere ökonomische Ungleichheit unserer heutige oder zukünftige?


    "Wie viel Ungleicheit wäre denn noch ok?" halte ich für die falsche Frage. Relevant scheint mir, was die Ursache der Ungleicheit ist!


    Dass es Menschen gibt, die Arbeiten müssen und darüber erpressbar sind, und andere Menschen, die nicht arbeiten müssen, aber andere dazu erpressen können - das bewerte ich persönlich als ungerecht.

  • Das können wir jetzt auf eine pädagogisch-psychologische Diskussion zurückführen...ist die Ursache für eine Störung der relevante Teil (Psychoanalyse) oder ist allein relevant wie wir die Störung beheben können (Verhaltenstherapie)? Ich finde, dass es nicht zielführend ist die Ursachen für Ungleichheit zu ergründen, solange wir nicht in der Lage sind diese Ungleichheit wirkungsvoll zu bekämpfen und dass in diese Bekämpfung viel mehr investiert werden müsste (weniger Geld, mehr politischer Wille). Das Hauptproblem dürfte aktuell sein, dass heute viele Politiker glauben durch geringere Steuern ein besseres Gemeinwesen auf die Beine stellen zu können (Zahlen hier oder hier), was meiner Meinung nach ein selten blöder Fehlschluss ist. Ich bin auch kein Fan von hohen Steuern, aber irgendwer muss unseren Staat bezahlen und da sollten vornehmlich die Besserverdiener (zu denen wir als Lehrer übrigens auch gehören, ein Single mit A13 dürfte zu den oberen 10% in der Einkommensverteilung gehören) und vor allem die Vermögenden (hier aber mMn einmalig und gestreckt um Bürokratie zu vermeiden) herangezogen werden...


    Wie weiter vorne schon gesagt, es gab eine solche ungleiche Verteilung von Gütern bereits wiederholt und es gibt diverse Lösungsmöglichkeiten für eine Umverteilung (die Jahrtausende lang praktikabelste Möglichkeit wäre Krieg, weil das glaube ich keiner mehr möchte, sollten wir ernsthaft über so etwas wie Lastenausgleich nachdenken)

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Ich finde, dass es nicht zielführend ist die Ursachen für Ungleichheit zu ergründen, solange wir nicht in der Lage sind diese Ungleichheit wirkungsvoll zu bekämpfen

    Ich persönlich halte es schon für nötig zu verstehen, woher das Problem überhaupt kommt, wenn man es bekämpfen will. Ansonsten bekämpft man womöglich nur Symptome.


    Ob man an dieser materiellen Ungleichheit überhaupt etwas ändern kann weiß ich nicht. Aber ich weiß, wer ganz sicher nichts daran ändern wird: diejenigen die dieses System durchsetzen und davon profitieren.
    (Ironisch, dass ausgerechnet diese immer wieder zum Adressat solcher Änderungswünsche werden. Spätestens daran merkt man, wer herrscht und wer beherrscht wird.)

  • Ich meine, jeder weiß, was als Lehrer seine Aufgaben sind und jeder hat eine Schulleitung, die darauf achtet, dass man das auch macht. Gesetze, Verordnungen, Erlasse lassen einem eh keine Luft zum Atmen mehr und wehe, Eltern beschweren sich.


    Und dann gibt es wie immer die Übereifrigen, die alle anderen faul nennen und möchten, dass nach Leistung bezahlt wird. Die machen mehr als jeder andere, ja, weil sie jung sind und unerfahren und weil sie für ihren Beruf leben. Schön und gut. Tolle Sache! Aber nach einem halben Jahr sind sie ausgebrannt und bleiben dauerkrank zu Hause - und die anderen, die weniger verdienen sollen, weil sie nicht so engagiert sind (?), dürfen ihre Stunden übernehmen.


    Ist das gerecht?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • weil sie jung sind und unerfahren und weil sie für ihren Beruf leben. Schön und gut. Tolle Sache! Aber nach einem halben Jahr sind sie ausgebrannt und bleiben dauerkrank zu Hause

    Sonst noch irgendwelche Plattitüden?

  • Die von denen Du geschrieben hast. Nur junge, dumme und unerfahrene Kollegen, die sich in grenzenloser Naivität für glänzende Kinderaugen aufopfern bekommen Burnout. *gähn*


    Einer meiner liebsten Kollegen liegt gerade mit sowas, was man heutzutage "Burnout" nennt in einer Klinik. Hat jetzt mit leistungsbezogener Bezahlung bzw. Honorierung besonderer Leistungen im Lehrerberuf echt nichts zu tun.

  • Die von denen Du geschrieben hast. Nur junge, dumme und unerfahrene Kollegen, die sich in grenzenloser Naivität für glänzende Kinderaugen aufopfern bekommen Burnout. *gähn*


    Einer meiner liebsten Kollegen liegt gerade mit sowas, was man heutzutage "Burnout" nennt in einer Klinik. Hat jetzt mit leistungsbezogener Bezahlung bzw. Honorierung besonderer Leistungen im Lehrerberuf echt nichts zu tun.


    Ich bitte um Belege dafür, @Wollsocken80 dass ich dumm und naiv schrieb. Diese deine Auslegung ist deine Auslegung!!! Aber vielleicht kamen dir diese Assoziationen, weil du so denkst? Mir liegt das fern!


    Auch den zweiten "Zusammenhang" stellst du her, nicht ich. Ich habe mich nicht dafür ausgesprochen, dass die "Überengagierten", die leider oft anfällig fürs Ausbrennen sind, mehr verdienen. Dass das so sein sollte, schlug hier jemand anderes vor. Ich sagte, am Ende müssen "wir anderen", die wir mit unseren Ressourcen haushalten (was ich wichtig finde, um fit zu bleiben !), aber deshalb weniger verdienen sollen (nicht meine Meinung, sondern die anderer), den Vertretungsunterricht machen.


    Sollte man dann nicht auch honorieren, wer immer da ist und immer einspringt, wenn andere fehlen, auch wenn derjenige sich nicht bei jeder Zusatzaufgabe freiwillig meldet ?


    Deinen dir lieben Kollegen kenne ich nicht. Ich kann dazu nichts sagen. Ich wünsche ihm oder ihr gute Besserung.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Niemand und wirklich absolut niemand war während 10 Seiten Thread der Meinung dass jemand der "seine Ressourcen schont" weniger verdienen sollte, als jemand der "überengagiert" ist.

  • Ein hochmotivierter Junglehrer für den sein Job die Berufung ist...und der nächste Burn-Out-Kandidat :victory:


    Wenn ich schon lese, dass die Kollegin häufig Muffins für die Schüler backt :autsch:


    @Wollsocken80,


    stimmt womöglich, jedenfalls lese ich das gerade auf Seite 1 und das trifft sich ja mit meinen Aussagen, nicht wahr?!

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • ...


    Ich finde das absolut OK so, weil man an meiner Schule eigentlich nichts zu befürchten hat, wenn man seinen Job einfach anständig macht. Ich meine jetzt wirklich "nur" anständig und nicht überengagiert. Ich hab mich dieses Schuljahr tatsächlich ein bisschen überengagiert, wofür ich nun einen Zusatzarbeitsvertrag am Hals habe, der mein Pensum auf 100 % aufstockt. Dazu schiebe ich immer noch Plusstunden, die in die Stundenbuchhaltung gehen und betreue einen Studenten der PH, was separat vergütet wird. Ich hab mir das so ausgesucht und mich entsprechend profiliert um zu bekommen, was ich will muss aber ehrlich sagen, dass ich heilfroh bin, wenn ich meine lauschigen 86 % zurück habe. Dazu kann ich nächstes Schuljahr noch 4 Plusstunden abfeiern und das ist sehr gut, weil ich mit dem Geld, das ich dieses Jahr verdiene und der Zeit, die ich nächstes Schuljahr haben werde, für mich ganz persönlich ganz konkret so einiges vorhabe. :)


    @Wollsocken80,


    ach, jetzt verstehe ich: Getretende Hunde bellen. :)


    Aber wenn du nicht mehr kannst und wir dann deine Stunden übernehmen müssen, dann wird's eben doch unfair !

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Der Kommentar von dir, sofawolf, macht keinen Sinn. Natürlich ist es erst einmal anstrengend, wenn man sein Arbeitspensum erhöht. In der Regel macht man das aber nicht "für immer", sondern zeitlich begrenzt zur Finanzierung eines bestimmten Ziels, z.B. für die Familienplanung, das Eigenheim oder ein neues Auto. Ähnlich verhält es sich ja auch bei Leuten, die neben ihrem Hauptjob noch einen oder sogar mehrere Nebentätigkeiten ausüben. Wollsocken hat offensichtlich ein Ziel im Kopf und da profitiert sie natürlich davon, dass sie durch Zusatzarbeiten schneller besagtes Ziel realisieren kann - ohne dass das zwangsläufig im Nachhinein Mehrarbeit für die Kollegen bedeutet (wobei es da ja evtl. auch den einen oder anderen gibt, der laut "Hier!" ruft, um seine Rechnungen etwas schneller bezahlen zu können ;) ).

  • Und das Eigenheim ist in 3 Jahren abgezahlt?
    Passt ja nicht so ganz. Und noch schlimmer ist es dann nach 3 Jahren wieder auf Geld zu verzichten weil man die Mehrarbeit nicht mehr schafft.
    Ich bin mit vielen Beiträgen von sofawolf oftmals auch nicht ganz einverstanden, muss ihm hier aber recht geben.
    Ich kenne viele zumeist Junglehrerinnen, die in den ersten 2 Jahren die Schule verändern wollen und das auch tun.
    Kurz nach ihrer Verbeamtung werden sie dann schwanger und geben dann auch zu, dass sie dieses Pensum keine 40 Jahre weiterfahren könnten. Viele werden jetzt sagen: Einzelfall. Ist es aber nicht.
    Mehrarbeit bzw. das was hier mehr oder weniger gefordert ist geht auf Kosten der Gesundheit.
    Es kann mir keiner erzählen, dass er mit seinem Unterricht und allem was mittlerweile dazu gehört, nicht ausgelastet ist.

  • Es geht in meinem Fall nicht um ein Eigenheim. Aber das geht euch gar nichts an. Den Rest hat Lehramtsstudent korrekt zusammengefasst.



    Mehrarbeit bzw. das was hier mehr oder weniger gefordert ist geht auf Kosten der Gesundheit.

    Ich schrieb es in einem anderen Thread schon mal: der erwähnte Kollege, der nun leider mit einem Burnout in der Klinik liegt, ist in einem Kollegium mit über 100 Lehrpersonen auch diese Woche wieder der einzige, der sich überhaupt im Krankenstand befindet. Es gibt eben keinen monokausalen Zusammenhang "Mehrarbeit = Burnout".

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • Verstehe ich jetzt nicht. Das heißt, dass alle Kollegen bei euch Mehrarbeit verrichten? Ich habe deinen Beitrag aus dem anderen Thread jetzt nicht im Kopf.
    Ich kenne immer nur einige wenige Kollegen, die sich überdurchschnittlich engagieren. Meist mit einem Ziel im Kopf, so wie du. Da es diese zusätzliche Bezahlung bei uns nicht (mehr) gibt, ist das meist die Perspektive Schulleiter (wenig) oder einen Posten im Schulamt oder Seminar (eher häufiger).
    Ansonsten sind wir in unserem Kollegium alle recht gut ausgelastet. Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung, Fortbildungen, GLKs, Teamsitzungen...

  • Es empfiehlt sich, meinen Beitrag einfach mal genau zu lesen. Ich bin eigentlich mit einem 86 % Pensum angestellt und habe für dieses Schuljahr einen Zusatzvertrag, der auf 100 % aufstockt. Tatsächlich habe ich immer noch 2 Lektionen mehr, die in die Stundenbuchhaltung gehen und betreue einen Studenten der PH, was aber separat vergütet wird. Mit meiner "Mehrarbeit" bin ich also ganz sicher weit entfernt von einem Burnout ;)

  • Es geht in meinem Fall nicht um ein Eigenheim. Aber das geht euch gar nichts an. Den Rest hat Lehramtsstudent korrekt zusammengefasst.



    Ich schrieb es in einem anderen Thread schon mal: der erwähnte Kollege, der nun leider mit einem Burnout in der Klinik liegt, ist in einem Kollegium mit über 100 Lehrpersonen auch diese Woche wieder der einzige, der sich überhaupt im Krankenstand befindet. Es gibt eben keinen monokausalen Zusammenhang "Mehrarbeit = Burnout".


    Aber das Beispiel mit diesem lieben Kollegen brachtest du. Dann hättest du es lassen sollen, @Wollsocken80. Es wirkte irgendwie so "moralisierend".


    Es geht ja nicht um die, die aus ganz anderen Gründen ausbrennen. (Aus welchen anderen Gründen eigentlich?) Es geht um die, die sich für den Job aufreiben und - solange sie noch nicht ausgebrannt sind - es von allen anderen auch erwarten bzw. die, die ihnen darin nicht folgen, "faul reden" und nach dem hiesigen Vorschlag mehr verdienen sollen für ihr Mehr-Engagement.


    Am Ende aber sind es "diese Faulen", die die Projekte zu Ende führen müssen, den Unterricht übernehmen müssen, die geplanten Veranstaltungen retten müssen ... Darum geht es (mir). Ich predige nicht die Faulheit und das Desinteresse und den "Job nach Vorschrift". Ich sagte ja (hier oder anderswo?), wir bekommen unser Geld nicht nur für die Stunden, die wir geben, sondern auch für das ganze Drumherum.


    Früher sagte ich oft, dass 3 Dinge im (Arbeits-)Leben zusammengehören: Gut essen, gut schlafen, gut arbeiten! Ihr versteht, was ich meine. Um in unserem Beruf zu bestehen (und dafür braucht man wirklich starke Nerven), muss man auf seine Gesundheit achten und da geht es nicht nur um Husten oder Schnupfen oder die Grippeschutzimpfung, da geht es auch um die gesamte psychische und physische Gesundheit und Regeneration. Jeden Tag!


    (Und das ist doch in jedem Beruf so.)

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Ich schrieb es in einem anderen Thread schon mal: der erwähnte Kollege, der nun leider mit einem Burnout in der Klinik liegt, ist in einem Kollegium mit über 100 Lehrpersonen auch diese Woche wieder der einzige, der sich überhaupt im Krankenstand befindet. Es gibt eben keinen monokausalen Zusammenhang "Mehrarbeit = Burnout".


    Doch, dazu sah ich gerade einen Fernsehbeitrag. Dass dauerhafte Mehrbelastung (Überlastung) zwingend zu gesundheitlichen Problemen führt. Ich kann es nur nicht mehr im Detail wiedergeben.


    Die Frage ist halt, was ist noch normale Arbeitsbelastung und was ist schon zu viel. Und jeder reagiert anders darauf und jeder hat eine andere Toleranz. Manch einer lässt nach außen nichts blicken und man merkt es erst, wenn er plötzlich fehlt und wie viele Chefs haben ihren Mitarbeiter jahrelang angetrieben, bevor sie selbst wegen Herzinfarkt ausschieden.


    Früher stand halt ein anderer vor der Tür, der den Job mit Kusshand übernahm. In Zeiten des Lehrermangels haben wir die Chance, darauf zu pochen, dass man doch etwas pflegsamer mit uns umgehen solle, wenn man nicht will, dass wir auch noch fehlen.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

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