Beiträge von Valerianus

    Bei uns ist nach jedem Dreierblock mindestens 30' Zeit, in der Zeit werden die Begründungen geschrieben. Bei nicht zu erwartendem Widerspruch eher oberflächlich, bei erwartbarem Stress (Bestehensfragen/starke Abweichung zur Vornote) ausführlicher. Bei uns ist keine Kommission länger als 30' nach der letzten Prüfung im Haus, das klingt mehr nach einem Planungsfehler oder Angst vor erfolgreichen Widersprüchen (ich hatte noch nie einen erfolgreichen in meinen Kommissionen).

    Am Tag der meisten Prüfungen findet kein Unterricht statt. Die Kollegen, die wenig/keine Prüfungen haben werden bevorzugt als Aufsicht im Gang oder Vorbereitungsraum eingesetzt. Niemand schreibt mehr als sechs Protokolle (ich werde als Vorsitz bei 10+ Prüfungen schon bekloppt, als Protokollführer geht das noch schneller).

    Wer sich in einer Auseinandersetzung mit einem neunjährigen in körperlicher Gefahr befindet, sollte vielleicht zum Amtsarzt geschickt werden. Es geht um real existierende körperliche Gefahr für die konkrete Person. Wenn sich bei uns zwei Zehntklässler prügeln gehe ich dazwischen, wenn die auf Zuruf nicht aufhören (selten), die 1,60 Kollegin belässt es vielleicht bei verbaler Aufforderung das zu beenden und lässt dann Hilfe holen.

    Im Falle eines Amoklaufes schließt du dich mit der Klasse ein und bietest im Rahmen deiner Möglichkeiten psychischen Support an. Der Polizist rennt in die Schule und beendet den Amoklaufes, one way or another.

    Wenn ein Schüler in den Rhein fällt, dann springst du nicht hinterher, selbst der Polizist darf sich das ganz genau überlegen und im Zweifel doch lieber die Strömungsrettung verständigen, die haben auch nix davon zwei Leichen zu bergen.

    Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Lehrern und Polizisten/Feuerwehrleuten/Soldaten auch in der Garantenstellung. Als Lehrer greifst du natürlich ein und ignorierst das nicht, du musst dich aber körperlich nicht in Gefahr begeben um den Konflikt zu beenden, wenn körperliche Verletzungen zu erwarten wären. Das erwartet von dir als Lehrer niemand. Als Polizist musst du in so einer Situation das staatliche Gewaltmonopol durchsetzen.

    Du hast eine pädagogische Fürsorgepflicht gegenüber deinen Schülern. Der Polizist hat das Recht und in diesem Fall auch die Pflicht unmittelbaren Zwang einzusetzen (Polizeigesetze der Länder), als Lehrer kannst du dich auf Nothilfe berufen, das ist deine Rechtsgrundlage für körperliche Gewalt.

    Ich finde auch gar nicht, dass das in der Presse thematisiert werden muss. Es geht mir mehr darum, dass man über Dinge die man gar nicht erhebt auch gar keine Aussagen treffen kann. Gibt es ein größeres Problem mit deutschen Jugendlichen mit einem bestimmten Migrationshintergrund oder ist das alles sozio-kulturell zu erklären? Dazu kann man auf Basis der erhobenen Daten im Moment halt gar nix sagen und das öffnet dann Tür und Tor für "Lügenpresse" "die da oben wollen das verheimlichen" und so einem Unsinn.

    Ich finde aus mathematischer Sicht auch keinen Fake (über die Beschriftung kann man reden, die ist suggestiv).

    Was würde ich einem Schüler beibringen? Paula hat von 10 Elfmeter 9 getroffen, Paul von 27 genau 11.

    Bei unterschiedlichen Bezugsgrößen werden die relativen Werte genutzt um die Werte zu vergleichen. Es ist irreführend zu sagen, dass Paul zwei Elfmeter mehr getroffen hat als Paula, auch wenn es wahr ist.

    Wenn wir das auf eine Metaebene zur AfD Diskussion bringen, ist das meiner Meinung nach auch einer der Gründe, warum viele Menschen die wählen. Es wird ganz offensichtlich so getan als wären die Menschen zu dumm um solche Zahlen zu verstehen. "Nein, in der polizeilichen Kriminalstatistik soll keine zweite Staatsangehörigkeit erfasst werden, wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft hat, steht der da als deutsch drin." Faktisch korrekt, aber ganz offensichtliche Verschleierung von Tatsachen (völlig abgesehen von den Ursachen dafür). Und dann wirkt es halt so, als wolle nur die AfD die Wahrheit sehen (auch wenn die CDU ja jetzt nachziehen möchte, darin mMn aber nur nochals schlechte Kopie gesehen wird.

    Guter Journalismus war, wenn ich mich richtig erinnere auch noch nie subjektives Wunschkonzert, sondern folgt klar definierten handwerklichen Standards und die legen Profis (wie der deutsche Presserat) fest. Mit der selben Argumentation gehen ja Homöopathie-Anhänger immer wieder gegen Menschen vor die mit medizinischen Leitlinien argumentieren. Ist halt nur leider kein sachliches Argument, genauso wie hier, sondern reine Relativierung und billige Polemik, um sich einer inhaltlichen Diskussion zu entziehen. Verdammt, von welcher im Bundestag vertretenden Partei kenne ich das denn nur?

    Es ist übrigens auch durchaus möglich, dass ein Landesverband gemäßigter ist und der andere gesichert verfassungsfeindlich, genauso wie das für Flügel in Parteien auch möglich ist (da hat die Linkspartei ja jahrzehntelang abgeräumt). Aber aus Hessen kommen ja erfahrungsgemäß die gemäßigten Lehrkräfte in den Reihen der AfD.

    In solchen Momenten ist es schön an einer katholischen Ersatzschule zu arbeiten, wo der Dienstgeber ganz klar sagt, dass die Mitgliedschaft in oder Wahl derAfD unvereinbar mit dem katholischen Glauben ist. Auch an einer staatlichen Schule darf man übrigens darauf hinweisen, dass die AFD in Teilen gesichert rechtsextrem ist und wiederholt gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung agiert. Ganz toll sind auch so Spiele wie "Höcke oder Hitler".

    Faschisten hören nicht auf Faschisten zu sein, weil sie von einer größeren Zahl von Menschen gewählt werden. In der Oberstufe kann man auch gut Umberto Eco lesen (der ewige Faschismus), da kann man mit den Schülern dann Bingo spielen in Bezug auf die AFD.

    Vielleicht nochmal etwas deutlicher, weil ich an einem Lehrstuhl für pädagogische Psychologie gearbeitet habe (und auch Einblick in andere Lehrstühle deutschlandweit hatte (vor 10+ Jahren):

    Keine Lehrkraft in Deutschland hat standardmäßig Ahnung von psychologischer Diagnostik, es gibt Ausnahmen die ihre Examens-/Masterarbeit im Bereich pädagogische Psychologie gemacht haben oder vielleicht noch Sonderpädagogen an manchen Universitäten, aber die meisten Unis sind da ganz dünn aufgestellt. Der erziehungswissenschaftliche Anteil wurde (vielleicht ist das ja inzwischen besser, meine Erfahrung mit Praktikanten und Referendaren sagt eher nein) damals sehr von Theorieschwätzern aus der Pädagogik dominiert und die empirische Bildungsforschung (inkl. Psychologie) musste sich bei den Studieninhalten immer durchkämpfen (dafür gabs immer mehr DFG und BMBF Drittmittel :) ). Und die Bezugsnormtheorie ist aus den 70er Jahren und hat international nie wirklich durchgeschlagen, wenn's das dann an psychologischem Diagnostikwissen gewesen ist, ist man etwas outdated...

    Ich glaube man kann sich darauf einigen, dass der Anteil psychologischer Diagnostik in jedem Lehramtsstudiengang ausbaufähig wäre, dass das aber für das Thema hochgradig irrelevant ist, weil wir in Bezug auf die Leistungen der SuS hier im Beitrag alle kriterial arbeiten. "Die Schüler können lesen, rechnen und schreiben" (oder eben nicht).

    Ob sie das besser können als vor meinem Unterricht (das hoffe ich sehr) ist, aber für das Abitur irrelevant, da gibt es einen Erwartungshorizont und wenn in Geschichte ein Schüler der deutschen Sprache mäßig mächtig ist, dann bekommt der mindestens eine vier in jeder Klausur, ohne irgendwas gelernt zu haben vor der Klausur. Mit ein bisschen Hintergrundwissen ist man bei der zwei und das ohne eigenes Denkvermögen, Erwartungshorizonten sei Dank :)

    Interessante Theorie, falls wir gerade 1870 hätten. Die Jobs die weltweit aktuell verloren gehen sind Einsteigerjobs für Menschen mit Hochschulabschluss, eine hübsche Powerpoint oder 200 Seiten Aktenlage zusammenfassen macht eine KI dir billiger. Wie Robotik oder KI im Handwerk negativ rumpfuschen könnten, müsstest du mir nochmal erklären. Im Pflegebereich setzen Japan und Südkorea (aufgrund des Fachkräftemangels) verstärkt auf Robotik, ist außerhalb von Asien aber noch nicht wirklich angekommen.

    Sorry, aber ein Dachdecker verdient heute im Durchschnitt besser, als jemand mit einem Bachelor im Bereich BWL. Wenn wir dann noch vom "Ausbildungsniveau" her gleich einen Dachdeckermeister mit einem Bachelorabsolventen vergleichen, ist der einzige Trost, dass Hochschule in Deutschland immerhin relativ kostengünstig ist. :P

    P.S.: Gerne kannst du 50-70 Jahre in die Zukunft gucken, die meisten Leute haben vor 10 Jahren KI nicht in dem Ausmaß vorhergesehen, ich würde trotzdem gerne erstmal mit lesen, schreiben und rechnen anfangen, weil das doch relativ zentrale Kulturtechniken sind und ich auch in der Oberstufe noch Schüler habe, denen ich sinnentnehmendes Lesen von komplexen Texten nicht unterschreiben würde als "Kompetenz". ;)

    1.) Entweder Gesamtschulsystem oder mehrgliedriges System. Gymnasium neben Gesamtschule ist ein dämliches System, weil die Gesamtschule damit automatisch zur Resterampe wird, der häufigste Grund aus dem wirklich gute Kinder auf die Gesamtschule gehen ist Elternideologie (von wenigen Ausnahmen abgesehen, z.B. ev. Gesamtschule Gelsenkirchen).

    2.) Aufhören so zu tun, als würde in Ländern mit Gesamtschulsystem nicht nach Leistung separiert. In den USA gibt es das tracking System ab der Middle School und jeder Lehrer erkennt an der Belegung sofort wie stark ein Schüler ist, von Honors oder AP Klassen mal ganz abgesehen. In China kannst du allein an der besuchten High School direkt erkennen was der Schüler drauf hat (Aufnahmeprüfungen am Ende der Middle School), in Japan und Südkorea hast du Profilklassen und leistungsdifferenzierte Kurse. Jetzt kommt natürlich: Ja, aber in der middle school sind alle zusammen in einem Klassenraum und lernen zusammen. Wer das glaubt, soll sich mal anschauen wie in juku/hagwon (Nachmittagsschule) jede Woche nach Leistung differenziert die Klasse gewechselt werden muss, je nachdem wie gut man in der Klasse der Vorwoche mitgearbeitet hat. Über Skandinavien kann man meinetwegen reden, da sind aber auch 2-3 Lehrkräfte im Klassenraum und erreichen so echte Binnendifferenzierung, die trennen dann erst nach der Mittelschule).

    3.) Lehrkräftemangel - daraus folgt doch direkt, dass Binnendifferenzierung und Inklusion so nicht funktionieren können. Wenn man "neue Themen" einführt, braucht man entweder mehr Personal oder muss altes Zeug weglassen. Wenn du dann immer mehr Leute in die gymnasiale Oberstufe schiebst, anstatt sie ins duale System zu entlassen, verschärfst du das Problem noch zusätzlich. Warum muss jemand der ein Handwerk erlernt Abitur machen? Damit er sicher lesen, schreiben und rechnen kann? Das ging früher auch nach der achtjährigen Volksschule...

    Die Frage von Zauberwald ist übrigens pathologisch für das Bildungssystem (in mindestens NRW): wie förderst du schwache Kinder?

    Wie oft wird diese Frage gestellt (auch von der Bildungsverwaltung), aber wie selten die Frage: wie förderst du die richtig starken Kinder?

    Realität ist doch oft: die werden sie unbezahlte Nachhilfelehrer genutzt.

    Geh einfach Mal ins Archiv und schau dir alte Abiturklausuren an oder an der Grundschule alte Schülerhefte. Heute haben unsere Schüler Kompetenzen, damals konnten sie noch lesen, schreiben und rechnen. Ki beschleunigt gerade nur den Verfall der Leistung und es liegt nicht daran, dass die Schüler dümmer wären, man muss es ihnen nur einfach abverlangen...

    Die Schwerbehinderung ist der Schlüssel, wie oben schon einmal gesagt. Dein Arzt schreibt auf, dass du aus Gründen xyz einen freien Tag brauchst und dann sorgt die/der Schwerbehindertenbeauftragte dafür, dass das auch passiert und zwar mit ganz wenigen Ausnahmen (Abitureinleitungskonferenz wäre so ein Beispiel, Fachkonferenz Deutsch (mit sehr engen Ausnahmen) ganz sicher nicht).

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