schulrecht und mützen - eine erstaunliche entdeckung...

  • im schulrechtsforum von www.recht.de bin ich direkt auf einen thread gestoßen, in dem es um das tragen von mützen im unterricht geht:


    Link


    schüler tim m. fragt:


    Zitat

    Gibt es irgendein Gesetz oder eine Verordnung, die das tragen von Mützen im Unterricht verbietet? Ich fühle mich einfach wohler mit Mütze auf dem Kopf, es hat keinen religiösen Hintergrund.


    Kurz mein Standpunkt: ich bestehe im Unterricht auf das Absetzen von Mützen, weil diese Mützen m.E. das Klassen-/Gesprächsklima verändern: Man ist 'noch nicht richtig angekommen', da man ja noch für draußen angezogen ist...


    So - und nun die (nicht-juristische) Antwort eines Rechtsanwalts:



    Durchaus nicht uninteressante kulturgeschichtliche Thesen, aber: Bin ich ein Gorilla, weil ich auf bestimmten zivilisatorischen Regeln im Klassenraum bestehe...?


    Übrigens kommt besagter Anwalt dann doch zu einem mit meiner Auffassung vereinbaren Statement:



    Zitat

    Dass etwas "schon fast Standard bei jungen Leuten" ist, kann - und ich meine: wird gewiß - nicht der rechtliche Maßstab dafür sein, was eine Schule an Ordnungsregeln festlegen darf.
    Immerhin gehört es in Mitteleuropa noch immer - auch wenn viele das nicht gelernt haben - zu den geltenden Regeln des Umgangs miteinander, dass man "im Haus den Hut abnimmt".
    Im Zweifel wird man - und das könnte ich rechtlich nachvollziehen - bei der Bestimmung dessen, was als angemessen und mithin auch durchsetzbar anzusehen ist, auf den Konsens unter den Lehrern abstellen.


    Wie seht ihr das mit den Mützen? Ist das so kontrovers wie die Sache mit den Rosa-T-Shirts (zum Auffinden des Threads mal "Büßerhemd" in die Suchfunktion eingeben)?

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  • Hallo!
    Ich bestehe auch darauf, dass meine Schüler im Unterricht die Mützen abnehmen. Inzwischen tun sie es auch freiwillig wenn sie das Klassenzimmer betreten. Nur manchmal muss ich noch darauf hin weisen (meist in Klassen, die ich nur eine Stunde pro Woche unterrichte). Aber es war sehr schwierig sie davon zu überzeugen, denn sie kennen diese Umgangsregel in der Tat nicht, und sehen die Mützen eher als modisches Accessoire. Für viele ist es weniger ein Schutz gegen schlechtes Wetter oder so.


    Schwierig finde ich es dann nur wo man die Grenze ziehen soll zwischen zweckmäßig getragener Mütze und Modeartikel. Eine dicke Wollmütze ist klar, eine Baseballmütze wohl auch noch, aber schon die Nickitüchern, die sich manche (Jungs und Mädchen) zur Verschönerung ihrer Frisur über den ganzen Kopf ziehen, finde ich grenzwertig. Zählt das als Mütze, oder zählt es nur so viel wie ein Haarreif oder so? Wenn ich von einem Schüler verlange dieses Tuch abzunehmen, steht er in der nächsten Pause vor dem Spiegel und puzzelt es mühsam wieder auf den Kopf... Ich fidne es schwierig, da eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden. ?(


    Gruß, Musikmaus

  • ....mir sind die Mützen ehrlich gesagt egal, eben weil sie nur Modeaccessoires sind - ich greife nur in dem Moment ein, wenn sie die Sicht behindern, aus Spaß heruntergerissen werden etc. Daran hat aber kaum ein Schüler noch Interesse, eben weil sie so selbstverständlich sind. Mich persönlich stören sie kein bisschen - warum also in diesem Bereich Kämpfe ausfechten, deren Sinn weder ich noch die Kinder erkennen.
    Grüße,
    JJ
    P.S.: Einen Schüler habe ich jetzt seit über einem Jahr, der NOCH NIE ohne Skimütze im Unterricht war, sogar auf einer Exkursion hatte er sie bei knapp 30 Gard durchgehend auf... erstaunlich!

  • Ich finde, man sollte das nicht so ernst nehmen. Für die Kids in der Grundschule haben die Mützen sicher nichts mit Machtgehabe zu tun. Sie sind einfach stolz, wenn sie z.B. ihre Vorliebe für einen bestimmten Fußballverein damit dokumentieren können. Allerdings bestehe ich darauf, dass sie während des Unterrichts den Schirm nach hinten drehen, denn ich möchte, dass man ihnen beim Gespräch in die Augen sehen kann. Das verstehen sie. Jetzt im 4.Schuljahr ist es eigentlich kein Thema mehr. Ich denke auch, je weniger Wirbel man darum macht, desdo weniger wichtig wird es.
    Heidi

  • Für meinen syrischen Viertklässler hat die Mütze (in seinem Fall eine weiße mit dem Schirm nach hinten gedrehte Kappe) sehr wohl mit Machtgehabe zu tun - sowie er sie auf hat, zeigt er sehr deutlich sein Imponiergehabe. Ich erlaube darum nicht, dass er sie im Unterricht trägt, und oft fällt mir auf Grund seines Benehmens erst auf, dass er sie doch wieder auf dem Kopf hat ...


    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

  • an meiner Schule ist es allgemeiner Konsens, dass die Mützen (i.d.R. Baseballkappen) im Unterricht nichts auf den Köpfen zu suchen haben und ich achte auch darauf, dass sie dort nicht fünf Minuten vor Pausenbeginn auftauchen..... (Klingt fast schon zickig, oder?)
    Aber ich habe häufiger das Gefühl, dass Schüler (v.a. in der 7./8. Klasse), WENN sie dann doch mal mit Mütze im Unterricht sitzen, damit auch bewusst ein Statement abgeben (vor allem in Kombination mit 'kippelnd auf em Stuhl zurückgelehnt, Mützenschirm ins Gesicht gezogen') bzw. auch Coolness demonstrieren und/oder Grenzen austesten wollen.
    Vor allem in den Klassen, die ich selten im Unterricht habe achte ich deshalb relativ streng darauf, ebenso wie auf das Verbot von Handys und MP3-Playern in Unterricht.
    Das gehört (neben dem ewigen Kampf des Refi um Disziplin :rolleyes: für mich auch zu einer angenehmen und konzentrierten Arbeitsathmosphäre und verhindert außerdem von vorneherein Rangeleien und Mützen, Handys und Kopfhörer - was nicht auf dem Tisch/Kopf zu sehen ist, kann den Nachbarn auch nicht auf dumme Gedanken bringen ;)
    Also oute ich mich hiermit als entschiedene Vertreterin des 'Verbots nicht unterrichtrelevanter Gegenstände auf/in Schülerköpfen bzw. Händen', zumal die großen Klassen >30, mit denen ich es zumeist zu tun habe, auch sonst genügend Möglichkeiten der 'Zerstreuung' finden.


    viele Grüße,


    carla

    Nehmen Sie die Menschen so wie sie sind.
    Es gibt keine anderen

  • Ich habe in meinem Bekanntenkreis einige Mittzwanziger, für die seit 10 Jahren die Mütze wichtiges Kleidungsutensil ist. Diesen erwachsenen, berufstätigen Menschen vorzuwerfen, sie trügen die Mützen aus Imponiergehabe ist schlichtweg lächerlich.

    Zitat

    carla schrieb am 13.03.2005 12:29:
    häufiger das Gefühl, dass Schüler (v.a. in der 7./8. Klasse), WENN sie dann doch mal mit Mütze im Unterricht sitzen, damit auch bewusst ein Statement abgeben (vor allem in Kombination mit 'kippelnd auf em Stuhl zurückgelehnt, Mützenschirm ins Gesicht gezogen') bzw. auch Coolness demonstrieren und/oder Grenzen austesten wollen.


    Natürlich mag es einige Schüler geben, die aus genannten Gründen die Mütze aufhaben.
    Ein gesundes Rechtsverständnis verbietet aber eine Art "Sippenhaft" und legt auf Verhältnismäßigkeit Wert. Auch ist die Frage, bei welchen Kleidungsassesoirs du denn aufhörst; coole Ketten, Kapuzenpullis, "Bomberjacken"... Was müssen denn die Schüler alles ausziehen, dass sie nicht mehr cool aussehen?!
    Ein Kollege hat einmal ehrlich gesagt, warum er die Mützen abnehmen lässt: Es sei eine Machtfrage und damit könne man schon in der ersten Stunden klären, wer das Sagen habe.
    Genau das scheint auch hier bei einigen Antworten durch.
    Dazu kann ich nur sagen, dass ich auf eine solche Polterpädagogik nicht stehe...
    Viele vollziehen das bestimmt nur unwillkürlich nach, aber eine andere vernünftige Argumentation habe ich noch nicht gefunden.
    Aber ich freue mich auch, wenn eine Generation noch mit Kleinigkeiten provozieren kann, in einer Zeit, in der man meint, fast alles werde toleriert.. .
    ;)

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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  • Hallo Timm,


    es geht nicht so sehr um Kapuzenpullis (sofern die Kapuze nicht aufgezogen ist) oder Ketten, aber ich stimme grundsätzlich der Cap und Jacken-Regel zu. Wenn ich Caps oder Jacken im Unterricht zulassen werde, komme ich mir vor, als ob ich in einer Durchgangshalle o.ä. zu tun habe.
    Da stimme ich Philo zu:

    Zitat

    Man ist 'noch nicht richtig angekommen', da man ja noch für draußen angezogen ist...


    Meine FL hat eine gute Art, damit umzugehen:
    "Du kannst zwar die Sachen anlassen, aber dann beeinflusst du u.U., wie du auf mich wirkst. Und zwar wirkst du im Moment so, als ob du lieber draussen wärst und was anderes machst..." etc


    Damit stellt man es den Schülern frei. Ähnlich würde ich es auch mit Kaugummi halten, weil ich keine dreissig Kühe vor mir sitzen haben will. Nenn mich altmodisch oder zickig oder sonstwas, aber das gehört bei mir halt noch zum Anstand. :)


    LG,
    Tina

  • Ist es denn nicht so, dass man auch in den meisten Berufen etc. eben nicht mit Käppi bzw. Mütze raumlaufen kann (es sei denn, man arbeitet irgendwie als Plakatkleber draußen??), ich weiß es nicht genau, aber wann immer ich im beruflichen Bereich mit Menschen zu tun habe, tragen die weder Mützen noch Käppis.
    Meine Schlussfolgerung wäre also, Mützen, Käppis können natürlich gerne im privaten Bereich getragen werden.
    Und auch wenn Schule nicht nur für die Berufsvorbereitung da sein sollte, müssen doch eben auch Dinge, die in der Gesellschaft als Regel gelten, bereits in der Schule eingeführt bzw. die Schüler daran herangeführt werden?


    Ich kann jetzt hier nicht mit praktischen Ideen kommen, da ich noch nicht in der Schule bin, soweit ich mich erinnere, war das in meiner Schulzeit selten Thema. Ich erinnere mich an eine Episode, wo die Jungs die Käppis abnehmen mussten, aber ein Mädchen mit langen Haaren, die durch dieses Loch hinten als Pferdeschwanz durchgezogen waren, dieses Käppi nicht abnehmen musste. Da waren die Jungs verständlicherweise knatschig.


    Liebe Grüße
    Katta

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

  • Zitat

    katta schrieb am 13.03.2005 14:27:
    Ist es denn nicht so, dass man auch in den meisten Berufen etc. eben nicht mit Käppi bzw. Mütze raumlaufen kann (es sei denn, man arbeitet irgendwie als Plakatkleber draußen??), ich weiß es nicht genau, aber wann immer ich im beruflichen Bereich mit Menschen zu tun habe, tragen die weder Mützen noch Käppis.
    Meine Schlussfolgerung wäre also, Mützen, Käppis können natürlich gerne im privaten Bereich getragen werden.


    Das Argument hatte ich erwartet. Dein Arbeitnehmer wird dir das Tragen einer Mütze nicht verbieten können, wenn das nicht zum notwendigen Auftreten eines Berufsbildes bzw. zum Einhalten der Standards in Bezug auf UVV gehört. Außerdem kann ich mir als Arbeitnehmer auswählen, ob ich einen derartigen Beruf ausüben will und mich dann in meiner persönlichen Freiheit einschränke.
    Der Schulbesuch ist verpflichtend, der Schüler hat also keine Wahlfreiheit.


    Das Argument von Tina_NE und philosophus halte ich für konstruiert. Ich habe ja schon oben geschildert, dass Mützen eben für viele Jugendliche und junge Erwachsene fester Bestandteil der Bekleidung sind und keineswegs als Kopfbedeckung zum Witterungsschutz o.ä. dienen. Wenn ihr trotzdem das anders empfindet und meint, die Schüler seien noch nicht angekommen ist das m.E. euer privates Problem. Es kann aber doch nicht sein, dass aus einem privaten Gefühl ohne erzieherische Begründung hunderten von Schülern ein Wille aufoktroyiert wird, der in die grundgesetzlich gesicherte Privatsphäre eingreift!


    Letztlich halte ich das Ganze - so kommt es dann doch auch wieder bei Tina_NE am Ende des Beirags heraus - für ein Machtspiel nach dem Motto meiner Signatur.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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  • Ob das rechtens ist oder nicht, mich nerven die Käppis schlichtweg, genau so, wie die Kapuzen an den T-shirts, wenn sie über den Kopf gezogen sind.
    Buben wie Mädchen müssen die abnehmen (wird ja erst im Frühjahr/Sommer wieder aktuell werden) - erstens ist es absolut warm genug, und zweitens hat es für mich etwas von sich abgrenzen gegen das, was im Raum los ist, nicht dabei sein, schon wieder am Sprung nach Hause sein - kann's nicht gut erklären.


    Die meisten Kinder nehmen die Mützen auch problemlos ab, außer diejenigen Schüler, denen es eben doch um Provokation geht.

  • check check...ich bin tina_NE und nicht Tina34.


    Zitat

    Es kann aber doch nicht sein, dass aus einem privaten Gefühl ohne erzieherische Begründung hunderten von Schülern ein Wille aufoktroyiert wird


    Also ist das Grüßen im Gang auch privater Wille, der aufoktroyiert wird??? Natürlich gibt es bei 10 Personen 10 verschiedene Auffassungen von Respekt, Anstand etc. Warum nicht einfach dazwischen schreien, wenn mir eine Meinung nicht passt ?? (so eine Kollegin habe ich im Hauptseminar!). Es gibt halt einfach Regeln, die den persönlichen Umgang miteinander leichter machen. Warum darf man nicht im Gespräch miteinander solche Regeln finden?


    Ich habe nie von aufoktroyieren gesprochen, noch von der Art wie ich die Regeln einführen werde. Also bitte keine verfälschenden Annahmen :)
    Die erzieherische Wirkung liegt m.E. darin, dass die Schüler gegenseitigen Respekt und Achtung lernen. Dazu gehört auch, das pubertierende Girlies nicht halbnackt in die Schule rennen und den Jungs das Lernen erschweren. Oder ist das auch nur ein persönliches Problem?


    LG,
    Tina

  • Ich oute mich auch mal als eine von der altmodischen Sorte: Auch ich möchte keine Schüler mit Mütze oder Kapuze auf im Unterricht sehen. Genauso wenig wie welche mit Winterjacke im 22 °C warmen Raum. Auch die Kaugummis sollen während meines Musikunterrichts in den Mülleimer (oder meinethalben in die Brotdose). Wenn ein Schüler seinen Kaugummi auf den Boden spuckt, darf er das dann auch wegräumen. Auch herumgeschmissenes Frühstück sammle ich nicht selber auf (oder überlasse es den Putzfrauen oder dem nächsten Lehrer).
    Ich stell mir grad vor, ich würde mit Basecap und Kaugummi kauend vor meinen Schülern stehen und ihnen das neue Lied vorsingen oder die Wörter für das Wortdiktat ansagen.


    Conni,
    an diesem Wochenende ausnahmsweise schon am Samstag um 4 Uhr mit der Unterrichtsplanung bis Dienstag fertig.

    Ich beantrage hiermit das 9 3/4-€-Ticket nach Hogwarts.

  • Zitat

    Timm schrieb am 13.03.2005 14:44:
    Das Argument hatte ich erwartet. Dein Arbeitnehmer wird dir das Tragen einer Mütze nicht verbieten können, wenn das nicht zum notwendigen Auftreten eines Berufsbildes bzw. zum Einhalten der Standards in Bezug auf UVV gehört. Außerdem kann ich mir als Arbeitnehmer auswählen, ob ich einen derartigen Beruf ausüben will und mich dann in meiner persönlichen Freiheit einschränke.
    Der Schulbesuch ist verpflichtend, der Schüler hat also keine Wahlfreiheit.


    Hallo Timm,
    meiner Ansicht nach geht es hier aber weniger um ein privates Problem der Lehrer, sondern um die Einlösung des Erziehungsauftrag als Lehrer, insbesondere in der Mittelstufe. Wie sollen Schüler, die nie gelernt haben, dass man in "offiziellen" Situationen wie Unterricht, Bewerbungsgespräch etc. eben ohne Cap erscheint, in die von dir geschilderte Situation kommen, in einem Arbeitsverhältnis stehend sich das Recht auf das Tragen der Cap herausnehmen zu können? Sie kriegen den Job einfach nicht und werden nie erfahren warum. Gerade vor dem Hintergrund der prekären Situation auf dem Arbeitsmarkt bzw. Lehrstellenmarkt mit der entsprechend strengen Selektion finde ich es fahrlässig zu suggerieren, man käme mit der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit schon irgendwie durch.
    Mir geht es darum den Schülen Wissen um gesellschaftlich akzeptierte Regeln zu vermitteln. Die Schüler selbst können dann (bei mir in der Oberstufe) frei entscheiden, wie sie mit diesem Wissen umgehen.


    LG
    Maria Leticia


    der ihre langweilige Lehrerkluft mächtig auf den Senkel geht, die sich aber sicher ist, dass sie größte Probleme kriegen würde wenn sie sich im Job so anziehen würde, wie es ihr gefällt...

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Zitat

    Timm schrieb am 13.03.2005 14:44:
    Das Argument von Tina_NE und philosophus halte ich für konstruiert. Ich habe ja schon oben geschildert, dass Mützen eben für viele Jugendliche und junge Erwachsene fester Bestandteil der Bekleidung sind und keineswegs als Kopfbedeckung zum Witterungsschutz o.ä. dienen. Wenn ihr trotzdem das anders empfindet und meint, die Schüler seien noch nicht angekommen ist das m.E. euer privates Problem. Es kann aber doch nicht sein, dass aus einem privaten Gefühl ohne erzieherische Begründung hunderten von Schülern ein Wille aufoktroyiert wird, der in die grundgesetzlich gesicherte Privatsphäre eingreift!


    Das Beispiel ist keineswegs konstruiert; in der Schule, in der ich unterrichte, gibt es einige Klassenräume in Bauten auf dem Schulhof, die so schlecht isoliert sind, dass man noch jetzt im März bei aufgedrehter Heizung fast Außentemperaturen hat. Da kommt es häufiger vor, dass die SuS ihre Jacken anbehalten. Was übrigens, auch von mir, pragmatisch gestattet wird, denn es ist ja nun mal de facto kalt. Gleichwohl verändert dieser Umstand, dass die SuS dort dann vermummt sitzen, das Unterrichtsklima erheblich - und zwar zum Schlechteren.


    Und deshalb möchte ich in den Klassen, in denen die äußerlichen Umstände besser sind, nicht solche 'Nebeneffekte' haben.


    Dem wäre noch das hinzuzufügen, was Tina und ML geschrieben haben.

  • Das Ganze hat eben eine rechtliche Komponente; wenn wir unsere Schüler zu guten Bürgern im Sinne der FDGO erziehen wollen, sollten wir hier Vorbild sein.
    Schule bedeutet eben kein Rechtsverhältnis der besonderen Art (wie bis in die 70iger), bei dem grundgesetzlich verankerte Garantien außer Kraft gesetzt werden können!
    Wenn ihr eine Güterabwägung zwischen verfassungsmäßigen Grundrechten trefft (Art. 2GG versus Art. 6GG bzw. den Regelungen der Landesverfassungen), müsst ihr hier insbesonders das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wahren.
    Maria Leticias Erziehungsziel lässt es sehr wohl zu, dass man die Schüler zum Absetzen der Mütze zwingt. Dieser Einschnitt in das Persönlichkeitsrecht muss aber so gering wie möglich ausfallen. Das heißt konkret, dass man in Trainingsphasen für Bewerbungen, bei Präsentationen und Referaten... auf das Absetzen der Mütze besteht (machen meine Schüler automatisch; so doof sind sie nicht!!!), aber es heißt eben nicht, dass ich einen dauernden Eingriff rechtfertigen kann.
    Natürlich kann ich auf Grüßen bestehen, das ist doch erzieherisch gerechtfertigt; das Tragen einer Mütze hat aber für viele objektiv nichts mit Respekt und Anstand zu tun, sondern ist - wie ich nur gebetsmühlenartig wiederholen kann - Teil ihrer Bekleidung. Wenn wir aber Kleidungsordnungen konsequent und glaubhaft einführen wollen, bleibt letztenendes nur die Schuluniform!
    Provokativ: Wo bezeugt ihr Respekt und Anstand gegenüber Jugendlichen, die dabei sind, ihre Persönlichkeit zu entfalten?


    edit:
    @philsophus: Ich kenne das Problem und verstehe den Teil mit den Jacken gut. Das Ganze gibt aber rechtlich nichts her...

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

  • Zitat

    Timm schrieb am 13.03.2005 15:51:
    Das Ganze hat eben eine rechtliche Komponente; wenn wir unsere Schüler zu guten Bürgern im Sinne der FDGO erziehen wollen, sollten wir hier Vorbild sein.


    Ich habe ja in das erste Posting einen Link zu einem Schulrechtsforum gesetzt, in dem ja gerade die Frage nach der Rechtmäßigkeit erörtert wird. Dort vertritt übrigens jemand deine Auffassung:


    Der user Klaus schreibt dort:

    Zitat

    Ich gehe davon aus, dass die Mütze ein Kleidungsstück ist und somit Ausdruck des Persönlichkeitsrecht. Auf überkommene Moralvorstellungen kommt es nicht an. Das Mützetragen ist geschützt durch 2 I GG. Ein Rechtseingriff bedarf eines formellen Gesetzes. Der Eingriff muss auch einen legitimen Zweck verfolgen. Dieser ist hier nicht erkennbar. Ausnahmen zB bei Sport oder Schwimmunterricht.


    Antwort des schon zitierten Anwalts:

    Zitat

    Natürlich kommt es bei der Bestimmung dessen, was als Persönlichkeitsentfaltung i.S. 2 I GG zulässig ist und welche Grenzen zu beachten sind, auch auf gesellschaftliche Wertkonsense an. Alles andere wäre ja absurd.
    Ich darf nicht öffentliches Ärgernis erregen(bis vor einigen Jahren noch strafbar!), indem ich in Entfaltung meiner Persönlichkeit nackt durch die Stadt laufe. Öffentliche Ordnung, deren Einhaltung die Polizei sicherzustellen hat, umfasst die Gesamtheit der ungeschriebenen Regeln "deren Befolgung nach den jeweils herrschenden sozialen und ethischen Anschauungen als unerlässliche Voraussetzungen menschlichen Zusammenlebens innerhalb eines bestimmten Gebietes" angesehen wird" (BVerfGE 69, 315, 352)
    Das konkretisiert sich nätürlich zusätzlich im jeweiligen konkreten Funktionszusammenhang. Ein Schüler, der in der Schule in einer Ritterrüstung erscheint oder in der Badehose oder im Nachthemd, kann sich auch nicht auf Art. 2 I GG berufen.
    Und mit Moral hat das ja nun schon gar nichts zu tun.


    Und dass es für die Einführung eines Verhaltenskodex incl. einer gewissen, wenn auch nicht zu engen Kleiderordnung in der Schule in Gestalt einer Schulordnung eines förmlichen Gesetzes bedürfe, werden Sie selbst dem BVerfG nicht beibringen können, das bisher immerhin die Auffassung vertritt, dass es nicht einmal für die Bestimmung von Noten und Versetzungsvoraussetzungen eines förmlichen Gesetzes bedürfe, sondern dass da die hergebrachten Grundsätze und Maßstäbe der Pädagogik genügen (was ich persönlich nicht teile).


    "Hut ab" ist ein Synonym für Achtung. Das genügt.


    Ich will damit nicht die Anwaltsmeinung grundsätzlich über deine stellen, aber es gibt wohl doch divergierende Auffassungen, wie das Ganze juristisch zu bewerten sei.

  • Zitat

    Maria Leticia schrieb am 13.03.2005 15:25:
    LG
    Maria Leticia


    der ihre langweilige Lehrerkluft mächtig auf den Senkel geht, die sich aber sicher ist, dass sie größte Probleme kriegen würde wenn sie sich im Job so anziehen würde, wie es ihr gefällt...


    Da fällt mir noch ein:
    Wie kleidet sich denn eurer Kollegium, vor allem wenn es auf den Sommer zugeht?
    In meinen Dienstjahren ist mir all das schon begegnet:
    - Kollegin angezogen à la "polnischer Straßenstrich" (kein Spruch von mir)
    - Kollege angezogen à la Standurlauber (Shorts, Hawaiihemd, Sonnenbrille im blondieren Haar)
    - Kollegin angezogen à la Woodstockkonzertbesucherin
    - Sockenloser Birkenstockträger in Kleidung, die sowohl vom Stil als auch vom Abtragen aus den 70igern stammen musste
    ...


    Da sind unsere Schülerinnen und Schüler (mit und ohne Käppi) wirklich im Großen und Ganzen überaus appetitlicher!


    edit:
    @philosophus: In dubio pro reo?

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

  • Ich verstehe jetzt nicht wirklich was dein Beitrag sagen will, aber soweit ich weiß bin ich nur für mich verantwortlich. Weder bin ich befugt anderen Weisungen zu erteilen, noch interessiert es mich wenn sich diese zum Affen machen...


    Zu deinem anderen Beitrag später mehr, muss jetzt nochmal ranklotzen bei den Korrekturen.

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Zitat

    Maria Leticia schrieb am 13.03.2005 16:24:
    Ich verstehe jetzt nicht wirklich was dein Beitrag sagen will, aber soweit ich weiß bin ich nur für mich verantwortlich. Weder bin ich befugt anderen Weisungen zu erteilen, noch interessiert es mich wenn sich diese zum Affen machen...


    Vorbildlernen.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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