klassenspiegel

  • Ich persönlich finde, dazu reicht in erster Näherung auch der Notendurchschnitt, es muss nicht unbedingt der Notenspiegel sein.


    Allerdings macht auch der Notendurchschnitt es den Kindern leicht, exakt zu bestimmen, ob sie nun über- oder unterdurchschnittlich "sind".
    Ich bin ganz froh, dass es bei uns in der 3. Klasse noch nicht so gehandhabt wird.
    (Töchterchen fände da sicher toll. Aber sie soll sich möglichst wenig über die Noten definiert, sie soll auf mich hören. Das ist sicherer. :D )



    - Martin

    Acht Semester mitlesen ersetzt das Lehramtsstudium. ;)

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  • Zitat

    Flexi schrieb am 06.04.2006 14:34:



    Hallo Herr Rau, viele schlechte Noten könnten aber auch nicht ausreichende Stoffvermittlung bedeuten.. :)



    Nein, meines Erachtens nicht unbedingt. Nehme ich z.B. den Vokabeltest, den ich eigentlich für heute angekündigt hatte, der aber wegen einer erst heute publik gemachten Exkursion, die mir die Hälfte des Kurses geraubt hat, auf morgen verschoben wurde, so weiß ich, dass die heute Anwesenden sicherlich eine schlechte Note geschrieben hätten. Dies aber nicht, weil ich nicht in der Lage war, ihnen die Vokabeln zu vermitteln, sondern weil sie seit der Ankündigung des Tests vor einer Woche nichts getan haben. Dass der Test nicht gut geworden wäre, weiß ich daher, dass die Schüler selbst gesagt haben, dass sie nichts getan haben und bei den Übungen mit dem Vokabular immer noch jedes Wort nachschlagen müssen.

  • Zitat

    broblin schrieb am 06.04.2006 12:11:
    Hallo,


    irgendwie verstehe ich das nicht, sorry.


    Da wird immer von Lehrerseite beklagt, dass die Eltern sich für die Schule und Leistungen ihrer Kinder nicht interessieren. Jetzt möchten Eltern gerne den Notenspiegel einzelner Klassenarbeiten wissen und schon kommt der pädagogische Zeigefinger.


    Hi Broblin,
    ich habe auch nicht gesagt, dass ich das nicht sinnvoll halte. Jedoch sollte man sich erst Gedanken machen über die wenigen schlechten Noten. Datenschutz ist per Gesetz geregelt! Da haben Eltern nicht viel zu sagen. Wenn es keine 5 und 6 gibt, der Rest zwischen 1 und 4 verteilt ist, ist das kein Problem. Ausserdem können doch Eltern am Durchschnitt erkennen, wie ihr Kind steht.

  • Nur noch mal am Rande zum Zustandekommen von Leistungen: seit einer Woche ist ein Vokabeltest angekündigt, es hieß die Vokabeln der Lektion x, auf Nachfrage "Ihr müsst die Uhrzeiten können, reflexive Verben und natürlich die auch konjugieren können". Seit 5 Stunden hängen wir an diesem Kapitel, alles dreht sich immer wieder um den Lektionstext von 10 Sätzen und Fragen wie "Wann klingelt dein Wecker?". Ich habe mich also erdreistet im Test auch das Wort "Der Wecker" abzufragen - Empörung auf höchster Linie. Von "Wecker" hätte ich nix gesagt!!! (eine Jahrgangsstufe 11, 2. oder 3. Fremdsprache)

  • Wenn der Klassenspiegel (=Notenspiegel) in Hessen seit vielen Jahren vorgeschrieben ist (VO Schulverhältnis), kann er nicht gegen den Datenschutz verstoßen. Datenschutz bezieht sich immer nur auf eine Einzelperson.


    Ohne Notenspiegel kann ich als Vater gar nicht sehen, ob die Arbeit wegen Überschreitens des erlaubten Anteils an 5en und 6en (war in Hessen 1/4, ist jetzt 1/3) wiederholt werden muss.
    Mich interessiert auch die Streuung der Noten in der Klasse.
    Mich interessiert ebenso, von wieviel Punkten bis wieviel Punkte die einzelnen Noten gegeben wurden.
    Ich möchte auch sehen, wie die eine Aufgabe zur anderen gewichtet wurde.


    Auf all das habe ich vom Schulrecht her einen Anspruch, weil ich vollständig informiert werden soll und werden muss, wenn ich pädagogisch mitziehen soll.
    Man kann uns Eltern diese Informationen doch guten Gewissens geben - oder?


    Natürlich sagt ein Notenspiegel auch aus, wie gut das pädagogische Bemühen des Lehrers bei den Schülern angekommen ist. Macht das Angst?


    Bitte erwartet in heutiger Zeit nicht mehr, dass die Eltern Euch die Kinder blind überlassen.


    Und wer nichts überblickt und versteht, der geht auch zu keinem Elternabend oder -sprechtag.


    Grüße, reiski

  • Zitat

    reiski schrieb am 10.04.2006 00:16:
    Ohne Notenspiegel kann ich als Vater gar nicht sehen, ob die Arbeit wegen Überschreitens des erlaubten Anteils an 5en und 6en (war in Hessen 1/4, ist jetzt 1/3) wiederholt werden muss.


    Eine derartige Regelung gibt es in Bayern am Gymnasium nicht. Und wenn es sie gäbe, würden die Lehrer sich dran halten, auch ohne die Kontrolle durch die Eltern. (Es gibt schließlich die Kontrolle durch die Schulleitung.) Fadenscheiniges Argument.


    Zitat

    Mich interessiert auch die Streuung der Noten in der Klasse.


    Mag sein. Aus dem Interesse ein Recht auf diese Information abzuleiten, ist eine andere Sache.


    Zitat

    Mich interessiert ebenso, von wieviel Punkten bis wieviel Punkte die einzelnen Noten gegeben wurden.


    Darauf hast du ein Recht. Das ist unbedingt nötige Information.


    Zitat

    Ich möchte auch sehen, wie die eine Aufgabe zur anderen gewichtet wurde.


    Diese Angabe ist in Bayern am Gymnasium Vorschrift und muss auf dem Aufgabenblatt zu erkennen sein.


    Zitat

    Natürlich sagt ein Notenspiegel auch aus, wie gut das pädagogische Bemühen des Lehrers bei den Schülern angekommen ist. Macht das Angst?


    Wie gesagt, wie mehrfach gesagt, dafür reicht der Notendurchschnitt auch.
    An meiner Schule teilt jeder Lehrer den Notenspiegel mit, jedesmal. Ich halte es auch für sinnvoll, nur die Argumentation, die ich hier gelegentlich höre, leuchtet mir nicht ein.


    Wenn man den Notenspiegel nicht mitteilen möchte, ist das entweder eine je nach Bundesland und vielleicht auch Schulform unterschiedliche Vorschrift. Oder eine pädagogisch vernünftige Idee, deren Durchsetzung ich für zu umständlich halte.
    Und drittens wirkt das wie eine Misstrauenserklärung an die Eltern. Schließlich sagt man damit, dass man Eltern nicht zutraut, den Notenspiegel richtig zu interpretieren. Vermutlich hat man damit Recht - wenn der erste Gedanke der Eltern ist, dass da der Lehrer nicht gut gearbeitet hat. Das ist eine mögliche Interpretation, die zutreffen kann, aber nicht die einzige. Es gibt schlechte Klassenleistungen, das kann man vernünftigerweise nicht leugnen.


    Die Praxis ist ohnehin anders. Ein Lehrer, der schlecht arbeitet, und dessen pädagogisches Bemühen so gar nicht bei den Schülern ankommt, wird einen Teufel tun und einen schlechten Notendurchschnitt ohne Normalverteilung zu liefern. Es ist viel einfacher, dann so großzügig zu bewerten, dass gute Noten herauskommen. Damit entschuldigt man sich quasi bei den Schülern für den schlechten Unterricht. Und die Eltern und die Schulleitung sind auch zufrieden. Ob die Schüler etwas lernen, ist zweitrangig.


    Zitat

    Bitte erwartet in heutiger Zeit nicht mehr, dass die Eltern Euch die Kinder blind überlassen.


    Ohne Notenspiegel = blind? Halte ich für etwas übertrieben.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Zitat

    reiski schrieb am 10.04.2006 00:16:
    Wenn der Klassenspiegel (=Notenspiegel) in Hessen seit vielen Jahren vorgeschrieben ist (VO Schulverhältnis), kann er nicht gegen den Datenschutz verstoßen. Datenschutz bezieht sich immer nur auf eine Einzelperson.



    So wie ich es schon geschrieben habe: Auf einzelne Personen bezieht sich der Datenschutz! Und der ist nicht mehr gegeben, wenn eben nur eine Person eine 5 geschrieben hat! Etwas anderes habe ich nicht geschrieben! Und in NRW ist der Spiegel eine kann-Bestimmung! Anspruch besteht nicht. Außerdem ist der Durschnitt ebenso ein gutes Maß, da man sich dort auch einordnen kann, die Schüler selbst sowie deren Eltern!

  • Zitat

    Mylonith schrieb: ".. der Datenschutz! Und der ist nicht mehr gegeben, wenn eben nur eine Person eine 5 geschrieben hat!"


    Die Ziffer 1 in der Spalte der Noten 5 nennt keinen Namen und verletzt deshalb auch keinen Datenschutz.


    Unter einem rechnerischen Notendurchschnitt stellen sich die Wenigsten etwas Genaueres vor.
    Durchschnitt "3" kann heißen
    - alle haben eine 3 bekommen
    - gleich viele haben je eine 2, eine 3 und eine 4 bekommen - keine anderen Noten
    - gleich viele haben je eine 1 und je eine 5 bekommen - keine anderen Noten
    Und so lassen sich viele Beispiele bilden.


    Kommen nicht doch alle gegen den Notenspiegel/Klassenspiegel vorgebrachten Argumente aus der Haltung der Verweigerung einer Information?
    "Ich lass mir doch nicht in die Karten gucken!" ?
    Alleinwissen ist Macht ? Und Alleinwissen verunsichert die Unwissenden?


    Zitat

    Herr Rau schrieb (schon selbst in Klammern eingeschränkt): "(Es gibt schließlich die Kontrolle durch die Schulleitung.)"


    Ja, ja! In Bayern ist man gläubiger als anderswo. Die Eltern sollen nur glauben, obwohl diese "Kontrolle" oft nicht funktioniert .


    Warum so viele Argumente und nicht einfach ein Klassenspiegel ?!
    Vertrauen geben und Vertrauen zurückbekommen.


    Grüße. reiski

  • Lieber Reiski,


    Zitat

    Ja, ja! In Bayern ist man gläubiger als anderswo. Die Eltern sollen nur glauben, obwohl diese "Kontrolle" oft nicht funktioniert .


    Warum so viele Argumente und nicht einfach ein Klassenspiegel ?!
    Vertrauen geben und Vertrauen zurückbekommen.


    es ist nun einmal einfach so (Bayern, Grundschule), dass es nicht erlaubt ist, den Klassenspiegel herauszugeben. Wie ich relativ am Anfang bereits geschrieben habe, hast du (so du denn aus Bayern kommst) als Elternteil keinerlei Ansprüche auf Informationen, die nicht dein Kind betreffen. Und die Note deines Kindes kennst du, die der anderen darfst du nicht wissen - auch ohne Namensnennung nicht.


    Zitat

    Die Ziffer 1 in der Spalte der Noten 5 nennt keinen Namen und verletzt deshalb auch keinen Datenschutz.


    Das stimmt nur begrenzt. In meiner Klasse wüssten alle sofort, wer den 5er hat. Evtl. könnte zwischen 2 Kindern gerätselt werden. Und das ist in anderen Klassen wohl ähnlich. Ohne Bekanntgabe des Klassenspiegels könnte das betreffende Kind aber eine 6, 5, 4 oder sogar 3 haben (andere Noten wären zumindest unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen). Keiner weiß es, außer das Kind sagt es jemandem.


    Liebe Grüße
    Biene Maja

  • An unserer Schule gab es vor ein paar Jahren Eltern, die eben dies verhindern wollten (das Bloßstellen der KInder mit schlechten Noten durch den Klassenspiegel.) Sie verlangten (!) auf einem Elternabend von der Lehrerin, dass sie den Klassenspiegel in verschlossenen Umschlägen mit den Arbeiten den Kindern mitgab. Die Lehrerin hat sich darauf eingelassen - ich hätte es nicht gemacht.


    venti :D

  • Versteh ich jetzt auch nicht ganz... Was soll das auch bringen? Außer dass nicht frühs in der Klasse jeder schon weiß, wer die 5 hat. Es hat ja doch jedes Kind den Klassenspiegel und am Nachmittag kommt's auf's gleiche raus... ?(
    Vielleicht höchstens, dass die Eltern von dem Kind mit der 5 es ihm nicht sagen, dass es das einzige ist... Sehr seltsam...


    Liebe Grüße

  • zur Ergänzung:

    Zitat

    Enja schrieb am 10.04. im Parallel-Thread: "Schnitte von 4,3 sind bei uns nicht besonders selten. Der Schulleiter genehmigt solche Anträge eigentlich immer."


    Ein Schnitt von 4,3 bedeutet, dass fast so viele Schüler 5 und 6 bekommen haben wie 4 oder besser.


    Gibt es da nicht ein Problem auf Lehrer- und Schulseite neben den Problemen bei Schülern und Eltern?


    Grüße, reiski

  • Du hast vollkommen Recht, biene. Und die Lehrer haben die Vorschrift nicht erfunden, sie müssen sie nur ausführen. Und in einer 2. Klasse ist das schon heftig.
    Gruß venti :)

  • Man sollte sich vielleicht erstmal in die Situation des Schülers versetzen. Einzige 5 in der Klasse, alle schauen ihn an. Tolle Sache! Haben wir als Lehrer doch viel erreicht.
    Wenn er es von alleine dann sagt, ist das seine Sache. Wir haben die Weisung bekommen, bei diesen Fällen nur den Schnitt anzuschreiben und ich finde, dass dies ein guter Indikator ist. Bei einem Schnitt von 3 kann der Schüler schon ablesen, ob er über oder unter dem Schnitt liegt! Dumm sind die nicht, und die Eltern vermutlich auch nicht.


    In allen anderen Fällen schreibe ich auch den Spiegel an, das ist kein Thema.

  • Ich bin mir nicht so sicher, ob das "einzige 5" Problem hier nicht dramatisiert wird. Wenn ein Schüler eine 5 hat, sieht es schon mal der Nachbar, eventuell auch die SS in den Bänken davor und dahinter. Das macht dann ziemlich schnell die Runde. Natürlich wird das Stigma verstärkt, wenn bekannt ist, dass es nur eine 5 gab, andererseits können sich die SS das auch ohne Notenspiegel schnell zusammenreimen.


    Und gehört es nicht auch - zumindest in der Sekundarstufe - auch dazu, zu lernen, Misserfolge nicht nur selbst zu verkraften, sondern auch nach außen zu vertreten?

    Einmal editiert, zuletzt von gelöschter User ()

  • Aber sobald wir unser Studium beginnen, werden wir uns dermassen aufregen, dass der Prof die Namen und dahinter die Note der Klausur/Hausarbeit etc. aushängt. MAcht doch nichts, früher oder später kennt man auch im Semester die Pappenheimer.


    Und mit dem Misserfolg werden die Schüler sicherlich auch umgehen können, wenn man nicht sofort mitteilt, wer die 5 hat. Natürlich muss man das nicht auf die untere Extreme beziehen. Auch bei einer 1 - mal wieder der beste-streber-aussenseiter sollte man ähnlich verfahren.


    Abschließend muss es aber jeder selbst wissen. Wenn man es muss, kann man nicht anders. Ich habe die Weisung von der FK.

  • Die Kinder wissen meist sowieso, wer die Fünfen hat. Dazu brauchen sie keinen Klassenspiegel.


    Ich bin gewöhnt dran und finde das gut. In unserer Zeit in NRW haben wir ihn vermisst. Der KL hatte die ungünstige Gewohnheit, jedem immer zu versichern, sein Kind sei unglaublich schlecht im Verhältnis zur Klasse. Einmal zum Beispiel erklärte er mir, die Drei meines Kindes gehöre zu den schlechtesten Arbeiten. In Wirklichkeit war es die einzige Drei. Wie ich rausbekommen habe indem ich bei allen Eltern nachfragte (bei einer funktionierenden Klassengemeinschaft mit e-mail-Verteiler kein Problem). Die anderen hatten alle Vieren und schlechter.


    Anschließend in B-W gab es auch keine Klassenspiegel. An unserer Schule aber ein nettes vertrauensvolles Verhältnis zu den Lehrern. Da fiel uns das nicht weiter unangenehm auf.


    Grüße Enja

  • Zitat

    Enja schrieb am 11.04.2006 16:14:
    Anschließend in B-W gab es auch keine Klassenspiegel. An unserer Schule aber ein nettes vertrauensvolles Verhältnis zu den Lehrern. Da fiel uns das nicht weiter unangenehm auf.


    Da hast du recht. in funktionierenden klassen ist das kein problem. aber es gibt auch andere klassen. da sollte man sich das auch überlegen. meistens ist die eine ausreissernote häufig auch immer der gleiche schüler. dann weiss es auch sofort jeder.

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