Brauche eure Hilfe: dringende Frage zur Bewertung von Deutscharbeiten

  • Wie bewertet ihr eigentlich Rechtschreibaufgaben, die keine Diktate sind. Normalerweise (v.a. in Englisch) bin ich es so gewöhnt, dass jedes richtige Wort einen Punkt gibt und man bis zur Hälfte der Punkte eine 4 bekommt. Soweit so gut, dabei geht es ja um eine Fremdsprache und um eine umfangreiche Eigenleistung.


    Wie sieht es aber beispielsweise aus, wenn man in einer Klassenarbeit unter anderem z.B. einen Text gibt, der komplett in Kleinschreibung geschrieben wurde und den die Schüler jetzt mit richtiger Groß- und Kleinschreibung abschreiben müssen. Bewertet ihr solche Aufgaben ebenso, dass ihr für die Hälfte richtiger Lösungen eine 4 gebt und dann in mehr oder weniger gleichen Intervallen die anderen Notenschritte setzt?
    Mich verwundert daran, dass dies dann ja bei einem Diktat entsprechend bedeuten würde, dass man in einem 100-Wort-Diktat bei 50 Fehlern noch eine 4 geben würde. Und ein Text, bei dem man ja nur einzelne Buchstaben verändern muss, ist doch wesentlich leichter als ein Diktat.


    Irgendwo ist das unlogisch, aber wie bewertet ihr solche Aufgaben?


    ?(


    Ich wäre froh, wenn ihr mir berichten könntet, wie ihr ähnliche Aufgaben bewertet.

  • Kommt auf die Jahrgangsstufe an. Gezählt werden nicht Punkte, sondern Fehler. Je nach Zahl der Wörter variiert der Schlüssel natürlich. Für einen Text, der etwa eine Seite lang ist (durchschnittliche Schülerschrift) kenne ich folgenden Schlüssel:


    Fehler - Note


    0/1 - 1
    2/3 - 2
    4/5 - 3
    6/7 - 4
    8/9 - 5
    10/11 - 6

  • Vielen Dank, Scooby.


    Es geht um die 5. Klasse und um einen sehr einfachen Text, bei dem man nur erkennen muss, dass man Nomen groß schreibt und dass am Satzanfang groß geschrieben wird. Es gibt 20 Wörter, die groß geschrieben werden müssen, also im Prinzip 20 mögliche Fehlerquellen. Der Text hat nur ca. 60 Wörter aber trotzdem erscheint es mir seltsam, bei 10 Fehlern noch eine 4 zu geben, während Diktate schwieriger sind und strenger bewertet werden.


    Würdet ihr in so einem Fall keine Punkte- sondern eine Fehlerbewertung machen? Welche Notenschritte haltet ihr für angebracht? ?(


    Was macht ihr mit Abschreibfehlern im restlichen Text? Es gibt ja immer Kinder, die zwar die Großschreibung richtig machen, aber viele Abschreibfehler in den Text bauen, während andere alles richtig abschreiben, aber mit der Groß- und Kleinschreibung Probleme haben. ?(

  • Hallo du,


    ich habe auch in der 5 einen ähnlichen Test geschrieben wie du. Das waren ca. 4 - 5 Zeilen alles groß geschrieben. Die Schüler sollten den Text RICHTIG abschreiben (Groß- Kleinschreibung hatten wir vorher geübt). Für jeden Fehler gabs eine Note schlechter - ich war da knallhart. Für Fehler beim ABSCHREIBEN gebe ich bei sowas einen halben Fehler.
    Eine Mutter hat sich dann bei mir beschwert, dass der Junior mit 3 Fehlern eine 4 hat, das fand sie doch reichlich fies. Ich hab ihr aber dargelegt, dass 3 Fehler bei so einem Text viel zu viel sind und dass die Arbeit noch dazu super ausgefallen ist (gaaaanz viele 2er) und irgendwie hat sies dann verstanden (glaube ich zumindest).


    Jetzt in einer Arbeit habe ich eine ähnliche Übung gemacht, da mussten Redezeichen der wörtlichen Rede eingesetzt werden. Da dies ein Teil der Arbeit war, habe ich die Aufgabe bepunktet (ich glaube, 15 Punkte, obwohl viel mehr einzusetzen war) und für jeden Fehler habe ich einen Punkt abgezogen.

    Vermeintliche Rechtschreibfehler sind ein Vorgriff auf kommende Rechtschreibreformen und deren Widerruf.

  • Zitat

    Jetzt in einer Arbeit habe ich eine ähnliche Übung gemacht (schlechtes Deutsch, aber strenge Noten!), da mussten Redezeichen der wörtlichen Rede eingesetzt werden. Da dies ein Teil der Arbeit war, habe ich die Aufgabe bepunktet (ich glaube, 15 Punkte, obwohl viel mehr einzusetzen war) und für jeden Fehler habe ich einen Punkt abgezogen.



    Verstehe ich dich richtig, dass viel mehr als 15 Redezeichen einzusetzen waren? Z.B. 25 Redezeichen?
    Und du hast für alle 25 nur 15 Punkte gegeben?
    Und für jedes fehlende Redezeichen einen ganzen Punkt abgezogen?


    Du darfs für eine bestimmte erwartete Leistung nicht mehr Negativpunkte abziehen als du Positivpunkte gibst!
    Sonst kommst Du ja irgendwann in den Minusbereich. Willst du schreiben "Von 15 erreichbaren Punkten -3 erreicht."?


    In Hessen ist in der Verordnung Schulverhältnis vorgegeben, dass knapp die Hälfte der erreichbaren Leistung die Untergrenze für "ausreichend" ist - also etwa 45 % deiner Gesamtpunktzahl.


    Grüße, reiski

  • Zitat

    Du darfs für eine bestimmte erwartete Leistung nicht mehr Negativpunkte abziehen als du Positivpunkte gibst!
    Sonst kommst Du ja irgendwann in den Minusbereich. Willst du schreiben "Von 15 erreichbaren Punkten -3 erreicht."?


    Wo siehst du ein Problem? Wenn jemand mehr als 15 Fehler hat, gibt´s Null Punkte.


    In BY ist es üblich, dass 50% die letzte vier ist.

  • Es ist für mich einfach undenkbar, für ein richtig gesetztes Redezeichen nur 2/3 Punkt zu geben, aber für ein falsches oder fehlendes Redezeichen 1/1 ganzen Punkt abzuziehen.


    Ich messe etwas einen ganz bestimmten Wert bei - denselben Wert im Guten wie im Schlechten.


    Grüße, reiski

  • Hallo Referendarin!


    Ich hatte gerade meine mündliche Prüfung in EW zu dem Thema "Bewertung". Dabei kam für ein Diktat das folgende Benotungsmodell vor: (allerdings weiss ich nun nicht, ob das Ganze "praxistauglich" ist)


    Da ein Diktat das 100 Wörter hat auch 100 Fehlerquellen (oder Aufgaben) besitzt, kann der Schlüssel bei dem es bei 50 richtigen "Aufgaben" eine 4 gibt nicht greifen. Man solle die Wörter, auf die es bei dem Diktat besonders ankam (beispielsweise dehnungs-h) anders bewerten, als die Wörter, sie die Kinder schon beherrschen sollten. Dafür müssen dann verschiedene Benotungsmodelle eingesetzt werden.


    Wie das genau geht werde ich ja (vielleicht) noch lernen. :)


    Ich hoffe das hilft Dir etwas.


    LG Sinfini

    Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. (A. Einstein)


    Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ging, um einmal nach zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge! (H. Pestalozzi)


    Im ganzen ist man kummervoll und weiß nicht, was man sagen soll. (W. Busch)

  • Hallo Reiski,


    dann mach du doch mal einen Vorschlag, wie man diese Aufgaben gewichten soll!


    Wenn ich in der besagten Übung 20 Redezeichen hatte (weiß gar nicht mehr genau, wie viele es waren), dann wären 10 Fehler die Untergrenze der 4 gewesen (ja, so gewichte ich "Arbeiten" auch!).
    Diese eine Übung war allerdings nur ein Teil einer großen Arbeit und die wurde mit dem üblichen Notenschlüssel bepunktet. Wer allerdings mehr als 15 Zeichen falsch gesetzt hatte, ging bei dieser Übung leider leer aus, was ich als durchaus gerechtfertigt ansehe, denn wer da so viele Fehler macht hat nicht geübt und das ist nicht ausreichend.


    Zitat

    Jetzt in einer Arbeit habe ich eine ähnliche Übung gemacht (schlechtes Deutsch, aber strenge Noten!), da mussten Redezeichen der wörtlichen Rede eingesetzt werden.


    Ja, so bin ich. Selber eine Null in Deutsch und saufies in der Bewertung 8o .

    Vermeintliche Rechtschreibfehler sind ein Vorgriff auf kommende Rechtschreibreformen und deren Widerruf.

  • Ich greife das Thema noch einmal auf. Hat irgendjemand von euch Literaturangaben, richtlinienähnliche Bewertungsschlüssel für Diktate? So in der Art von Scoobys Schlüssel? Allerdings mit Angabe, wer das vorgibt. Ich bräuchte so etwas für meine Examensarbeit.
    Viele Grüße
    Delphine

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