Wie öffnet man Unterricht?

  • Diese Frage klingt bestimmt total lächerlich und im Studium hätte ich bestimmt eine passende Antwort drauf gewusst. Aber Theorie (im Studium) ist eben doch was anderes als Praxis (als Berufsanfänger und Erstklassenlehrer). Deshalb wage ich es einmal, hier doch meine Frage zu stellen:


    Wie öffne ich meinen (Anfangs-)Unterricht?


    Bei uns hat die Schule erst vor zwei Wochen begonnen, die Erstklässler sind also noch ganz frisch in der Schule. Trotzdem habe ich natürlich schon stärkere und schwächere Schüler bemerkt. Diese Kinder möchte ich nun ihren Fähigkeiten entsprechend fördern und fordern, aber es fällt mir so schwer! :( Im MOment tut es mir richtig Leid, was ich ihnen "antue"! Immer so lange ruhig sitzen, möglichst viel Stoff schaffen, damit wir nächste Woche endlich mit den Buchstaben anfangen können, Arbeitsblätter etc. Ich fühle mich wirklich dumm im Moment, aber ich weiß auch nicht wirklich, wie ich es besser machen kann.


    Aber zurück zur Öffnung des Unterrichts: Bisher haben immer alle Kinder dasselbe gemacht, und wer fertig war, durfte eben schon mal was spielen, oder etwas anmalen oder so. Aber so soll das dauerhaft nicht weitergehen. Ab der nächsten Woche führe ich die Buchstaben und die Ziffern einzeln ein (das wird an der Schule so gemacht und das soll ich auch beibehalten, auch wenn ich da ja wieder "vorgeben" muss, was die Schüler tun sollen). Aber wie kann ich dabei doch individuell auf die Schüler eingehen? Mit Wochen- und Tagesplan?


    Da stellt sich mir dann aber die Frage, wie ich so etwas einführe. Erstmal "nur" einen Tagesplan? Wie viel Zeit sollten die Kinder dafür haben? Ich bin nämlich an den meisten Tagen nur eine Stunde in meiner eigenen Klasse, sodass ich nur diese Zeit zur Verfügung habe.


    Das erst einmal für den Moment. Mir schwirrt gerade so viel durch den Kopf, vielleicht ergänze ich später noch mehr Fragen oder Probleme. Aber vielleicht könnt ihr mir ja so schon weiterhelfen..?

  • Informier dich doch mal über die Rechtschreibwerkstatt von Sommer-Stumpenhorst. Da kann man mit den Laut-Bild-Karten bereits im 1. Schuljahr beginnen. Jedes Kind arbeitet nach seinem Tempo, das eine kann das, das andere etwas anderes üben. Die Einführung von Buchstaben läuft parallel daneben für alle Kinder.

    Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient.

  • Hallo nani,
    in der ersten Klasse habe ich mit einem Tagesplan gearbeitet und mir dabei zu Anfang alles zeigen lassen und auch abgehakt auf meiner Liste, denn einige der Kleinen verwechselten das zu Beginn gerne mit einer Spielstunde.


    Mit dem Wochenplan habe ich in der zweiten Klasse begonnen. Wenn du natürlich so wenige Stunden in deiner Klasse hast, würde ich u.U. auch schon in der ersten Klasse damit anfangen. Du wirst wesentlich zufriedener werden!! Das Spielen sollte auf jeden Fall im Programm sein, damit auch schwächere Kinder in diesen Genuss kommen.
    Nur Mut !


    Gruß venti :)

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe mit meiner letzten, sehr lebendigen 1. Klasse nach den Herbstferien mit einem "Stundenplan" (hieß es im Seminar) angefangen:
    Die Kinder bekamen 2 Aufgaben und durften wählen, mit welcher sie anfingen und welche sie danach machten. Gesamtarbeitszeit 25 min, vorher 5 min erklären, mehr hielten sie nicht durch, ohne das Ganze mit dem Sportunterricht zu verwechseln.
    Ich habe die Aufgaben dann in 2 bis 3 Quantitäten oder Qualitäten angeboten. Das macht aber sehr viel Arbeit und ging auf Kosten meines Schlafes und meiner sozialen Kontakte. Würde ich so extrem nicht mehr machen.


    Später gab es dann mehr Aufgaben, darunter Pflichtaufgaben und Wahlaufgaben. Damit hatte ich das Problem "nur Spielen und toben" umgangen, da auch die Kinder mit den Wahlaufgaben nicht mehr alles machen (und damit auch nicht mehr zu stark rumtoben) konnten. Dabei war unter den Pflichtaufgaben immer eine zum Basteln oder Kneten oder Biegen (Buchstaben aus Biegeplüsch z.B.). Zusätzlich habe ich einmal wöchentlich in der 5. Stunde eine halbe Stunde Ess-/Trink-/Spielzeit eingeführt, da kamen die Kinder vom Sport. Da waren dann alle Spiele erlaubt, aber auch Bücher oder Lesehefte.


    Grüße,
    Conni

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • Ich krame das Thema wieder hoch, weil ich auch gerne den AU öffnen würde und zum ersten Mal eine 1. Klasse habe..
    Meine Überlegung war auch mit dem Tagesplan anzufangen. Denke aber das der "Stunden"plan erstmal besser ist.
    Was passiert denn mit den Kinder, die absolut nichts gebacken kriegen? Arbeiten die zuhause nach? Das ist immer mein Problem.
    Würde gern in Zukunft öfter offener Arbeiten, habe aber son paar Schnarchnasen, die selbst nach genauer Anweisung nicht mal einen Rechenabschnitt schaffen, wo die anderen Seitenweise rechnen. Nicht weils zu schwer ist, sondern weil sie vor sich hinträumen oder lieber zum anderen gucken gehen.

  • Huhu,


    also ich hab mit Buchstabentagen begonnen, da aber einige Eltern mehr *gestört* haben als dass sie *genutzt* haben, bin ich davon rasch wieder abgekommen, jetzt mache ich es so, ich habe einen Wochenplan für jedes Kind. Diesen bekommen sie am Montag plus allen Arbeitsblättern. Diese kommen in eine Flügelmappe. Jeden Tag gibt es 1-2 Stunden in denen an diesen Blätter bzw. Stationen, die sonst noch aufgebaut sind gearbeitet werden muss. Nachdem ich mir alle erledigten Aufgaben notiere, kann ich immer wieder einzelne Kinder fragen, wieso ich denn noch garnichts von ihnen habe. Nicht fertige Arbeitsblätter schicke ich am Wochenende mit nach Hause. Besonders lobe ich die Kinder, die alles geschafft haben.
    - Diese haben dann am Freitag keine Hausübung.


    Liebe Grüße MM

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