Die Qual der Wahl

  • Hallo :)


    Ich beginne im Herbst mit dem Lehramtsstudium in Österreich. (Bei uns gibt es keine Trennung zwischen den Sekundarstufen) Allerdings bin ich mir bei der Fächerkombination noch nicht ganz sicher. Mir schwebt generell Mathematik und Italienisch vor, wobei ich Mathematik auf alle Fälle studieren möchte, denn einerseits interessiert es mich und andererseits ist man hier als Mathematiklehrer in Österreich gut beraten. Bei Italienisch ist das Problem, dass die Sprache selbst in den Lehrveranstaltungen anscheinend nicht wirklich gefestigt wird und ein Auslandssemester kann ich mir zur Zeit nicht wirklich vorstellen. Abgesehen davon stelle ich es mir sehr zeitaufwendig und mühsam vor, Vorträge in Italienisch anzuhören und auch Arbeiten in Italienisch zu schreiben. In Deutsch bin ich um Wellen besser, allerdings interessiert mich hier die Literaturgeschichte nur teilweise, wobei mich diese im italiensichen Sprachraum überhaupt nicht interessiert.


    Unterrichtet hier zufällig jemand Italienisch, der über dieses Fach genauere Auskünfte geben kann, oder kann jemand einen Vergleich zwischen Deutsch und romanischen Fremdsprachen ziehen?


    Danke im Voraus!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Josh!


    Ich gehe davon aus, dass Dir im Laufe dieses Tages oder der nächsten Tage Aktenklammer dazu etwas sagen kann, denn sie kennt sich damit bestens aus.


    Meine Frage an Dich wäre, wieso Du ausgerechnet auf Italienisch kommst, wenn Du nicht auch nur ein Argument dafür nennst, wieso Du das studieren willst.


    Du interessierst Dich nicht für die italienische Literatur, Du stellst es Dir mühsam vor, Italienisch zu lernen und willst auch nicht ins Ausland.


    Wie willst Du Dir dann die Sprachkenntnisse und die fachlichen Kenntnisse aneignen, wenn Du dazu zum einen nicht bereit bist und es Dich zum anderen auch nicht wirklich interessiert?


    Gruß
    Bolzbold

  • Hallo Bolzbold,


    danke für deine Antwort.


    Ich habe Italienisch 4 Jahre in der Schule gelernt, das heißt, ich bin in der Lage, Texte zu verstehen, zu bearbeiten und auch selber welche zu produzieren. Aufgrund dieser kurzen Unterrichtszeit (insgesamt 12 Wochenstunden) spielte aber das Hören eine untergeordnete Rolle, deshalb glaube ich, mir da schwer zu tun. Laut meiner Italienischlehrerin wird die Sprache im Italienischstudium auch nicht wirklich "beigebracht", wenn man von der Grammatik absieht. Mir geht es aber um das Sprechenkönnen und das Hörverständnis, das man anscheinend nur im Ausland wirklich lernen kann.


    Ich möchte aber in Kombination mit Mathematik unbedingt eine Sprache (außer Englisch) unterrichten, weil sich einerseits die didaktischen Methoden und andererseits die Aufbereitung des Unterrichts sehr unterscheiden und diese Abwechslung wäre sehr interessant. Auf meiner Uni wird aber nur Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch angeboten. Englisch interessiert mich nicht und Französisch habe ich nie gelernt, weshalb insofern nur Italienisch oder Deutsch übrig bliebe.


    Warum ich Italienisch unterrichten möchte? Ich würde sagen, ich hatte ein gutes Vorbild, der Italienischunterricht war immer lustig und abwechslungsreich und ich hatte auch durchwegs sehr gute Noten in Italienisch. Das Land, die Leute und die Kultur faszinieren mich (dass ich kein Auslandssemester machen will, liegt daran, dass ich Angst habe, es nicht zu schaffen), zumal ich finde, dass die Sprache einen sehr schönen Klang hat. Aber so langsam bekomme ich kalte Füße, wenn ich daran denke, dass ich diese Sprache nur vier Jahre hatte und ich beim Studium wegen mangelndem Verständnis nicht mitkommen könnte.


    Was die Literatur betrifft: Das Desinteresse kommt wahrscheinlich daher, dass die "alten Schinken" mit meinen Sprachkenntnissen nicht wirklich zu verstehen sind. Natürlich lese ich aber gerne einfache, italienische Romane, um meine Kenntnisse zu verbessern.


    Gruß,
    Josh

  • Hallo Josh,
    keine Angst vorm Auslandssemester! Die ist wirklich unbegründet. Alle, die ich kenne (und das sind eine ganze Menge Leute, einschließlich mir selbst!), haben ihr Auslandssemester sehr genossen und was die Sprache angeht sehr davon profitiert! Fast überall trifft man auf Gaststudenten aus aller Welt und perfekte Sprachkenntnisse hat da fast niemand.
    Ich kann nur Mut machen zum Auslandssemester, es erweitert den eigenen Horizont ungemein, man lernt viele Leute kennen und die Zeit vergeht sehr schnell dabei!
    Gruß
    sunshine_lady

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Josh
    Was die Literatur betrifft: Das Desinteresse kommt wahrscheinlich daher, dass die "alten Schinken" mit meinen Sprachkenntnissen nicht wirklich zu verstehen sind. Natürlich lese ich aber gerne einfache, italienische Romane, um meine Kenntnisse zu verbessern.


    Gruß,
    Josh


    Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Es ist aber wohl eine Art Reifeprozess, den man durchleben muss, um dann die "alten Schinken" lieben zu lernen. Wer ist schon ein solcher Literaturfreak mit Anfang 20? Davon kenne ich allenfalls zwei aus dem aktuellen Abiturjahrgang an meiner Schule.
    Gib Dir ein wenig Zeit und die Chance, Sprache UND Literatur gleichzeitig kennen zu lernen und Deine Kenntnisse in beidem zu vertiefen und zu erweitern.
    Mittlerweile kann ich mit Shakespeare beispielsweise eine Menge anfangen - und das völlig unabhängig davon, dass ich das als Lehrer ohnehin unterrichten muss, weil er auf dem Lehrplan steht. Ich habe Shakespeare während des Studiums weitgehend gemieden. (Die Satiren von John Donne etc. waren dann im Vergleich doch interessanter).


    Gruß
    Bolzbold

  • Wie Bolzbold schon schrieb: Hier bin ich.


    Ich habe Italienisch und Deutsch als Fach und kann vielleicht ein bisschen etwas dazu sagen, auch wenn ich natürlich nur für Deutschland und das deutsche Studium sprechen kann.


    Das Studium der Italianistik setzt in der Regel gute Italienischkenntnisse voraus, weil man relativ schnell sich auch mit Fachliteratur auseinandersetzen muss, Literatur untersuchen muss und auch linguistisch arbeiten muss. Das KANN teilweise auch trocken werden. Muss es aber nicht. Insbesondere die sprachwissenschaftlichen Seminare fand ich sehr interessant, die literaturwissenschaftlichen waren aber auch nicht schlecht.
    Ein Auslandssemester halte ich für ziemlich wichtig, denn erst dort bekommt man einen richtigen Kontakt zu Land, Sprache und Leuten. Und ein Auslandssemester macht wirklich Spaß. Man hört sich dort, dadurch dass man ständig von der Sprache umgeben ist, auch sehr schnell "rein". Davor braucht man wirklich keine Angst zu haben, es ist mehr Bereicherung als Qual :)
    Insbesondere für den Unterricht halte ich es für wichtig, dass man als Nichtmuttersprachler auch trotzdem ein wenig über Beobachtungen usw. sprechen kann.


    Deutsch beinhaltet ja neben der "neueren Literatur" auch die "ältere" Literatur, d.h. ab Minnesang aufwärts. Man beschäftigt sich mit Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, aber auch mit Sprachwissenschaft.


    An Literaturgeschichte kommt man in Deutsch noch weniger vorbei als in Italienisch, so mein Eindruck.


    Deutsch ist im Vergleich zu Italienisch im Beruf deutlich korrekturaufwändiger.

  • Danke für eure Antworten! :)


    sunshine_lady, dein kurzer Erfahrungsbericht macht Mut danke.
    Wahrscheinlich ist es nur die ersten paar Tage schwierig, doch dann dürfte man sich relativ schnell einleben. Ich mache mir wahrscheinlcih viel zu viele Gedanken.


    Bolzbold, das stimmt, so ging es mir im Deutschunterricht auch. Mit 14, 15 war das alles nur Uninteressant, heute setze ich mich gerne kritisch mit der Literaturgeschichte auseinander, von der Gralsepik bis hin zu den Romanen des 20. Jahrhunderts.


    Aktenklammer, danke für deinen Erfahrungsbericht. Dass die Korrekturarbeiten weniger aufwendig als in Deutsch sind, kann ich mir gut vorstellen. Wird Italienisch in Deutschland denn auch flächendeckend angeboten, als Wahlfach oder steht es teilweise auch verpflichtend auf dem Stundenplan? In meiner Region, nämlich im Süden Österreichs, hat man mit Italienisch gute Chancen, im Osten um Wien dagegen ist Französich weitaus wichtiger.


    Was mich auch interessieren würde, ist, wie sich in den beiden Fächern Deutsch und Italienisch die Kommunikation mit den Schülern unterscheidet. Natürlich hängt es von den Unterrichtsmethoden des Lehrers ab, aber wo hast du das Gefühl, dass du deine Schüler mehr zum Mitmachen motivieren kannst und wo kann man besser mit ihnen kommunizieren? Italienisch finde ich deshalb toll, weil man im Prinzip alle Themen ansprechen kann. Von landesspezifischen Themen bis hin zu allgemeinen Gesellschaftsthemen.


    Ich will als Lehrer mit den Schülern kommunizieren, deshalb ist für mich eine Sprache als Unterrichtsfach auch sehr wichtig. Außerdem - ja, ich bin ein Idealist - möchte ich mit verschiedenen Diskussionen und Impulsen ihnen etwas fürs Leben mitgeben und die Welt ein klein wenig zum Besseren verändern. :)


    Gruß,
    Josh

  • Bei uns ist Italienisch in der Regel entweder
    - neueinsetzende Fremdsprache in der 11
    - 3. FS in der 9, bald 8
    - seltener wird es ab der 6 unterrichtet.


    Ich habe meine Stelle durch Italienisch bekommen, jetzt hatten wir wieder eine Ausschreibung für Italienisch. Aber in NRW ist die Ital-Dichte auch relativ hoch.


    Kommunikation mit tieferschürfenden Gedanken kommt "natürlich" v.a. in Deutsch zum Tragen, motivierend können beide Fächer sein. Eine Fremdsprache ist ja auch mit Anstrengung verbunden, das vergessen Schüler manchmal wohl :) Wenn man dann nicht immer spielt oder man zum Spielen auch Vokabeln etc. braucht, macht es manchmal dann doch nicht mehr so viel Spaß ;)

  • Bei uns in Baden-Württemberg spielt Italienisch wohl nur eine untergeordnete Rolle (hinter Französisch und Spanisch als zweite bzw. dritte Fremdsprache), aber das ist für dich ja nicht sonderlich relevant (außer, du wolltest später gern in Deutschland arbeiten!)
    Viele Grüße nach Österreich!

  • Aktenklammer, danke für die Information. Das öffnet natürlich auch die Möglichkeit, später in Deutschland zu unterrichten.

    Zitat

    Original von FriesinDas ist aber doch in jedem Fach wichtig !! ?(


    Natürlich, aber in Fächern wie Mathematik wird diese geringer ausfallen als in einer Sprache. Außerdem verstehe ich unter Kommunikation auch eine gewisse Wertevermittlung, die durch den Sprachenunterricht eher erfolgt, zum Beispiel durch die Behandlung und Erarbeitung von Themen wie Toleranz, etc.


    sunshine_lady, auch dir ein Danke für die Antwort! :)

Werbung