Impotenz des Lehrkörpers?

  • Ich dachte, ich probier mal mit einem reißerischen, Bildzeitungs-gleichen Titel eure Aufmerksamkeit auf mein weniger sensationelles Thema zu lenken. ;)
    Hoffentlich gelingt es mir, euch bis zum Ende bei der Stange zu halten.


    Ich bin Mentorin einer sehr fähigen Refin, die ihre Stunden äußerst gewissenhaft vorbereitet und wohlüberlegt in den Unterricht geht. Ihr Material hat sie tagelang recherchiert und multimedial aufbereitet. Da sitzt alles formvollendet und wunderschön rund am rechten Platz.


    Jetzt das Problem: Leider springen die Schüler kaum darauf an. Die schönen Impulse und kommunikativen Anlässe verpuffen einfach im Nichts der 45-minütigen Schulstunde. Die SuS wollen (ihr zuliebe, denn sie ist sehr sympathisch) mitmachen, ich sehe das, ab und zu meldet sich mal einer, aber zu authentischen Gesprächssituationen kommt es nicht, was für ein Fach wie Engl. m.E. doch wichtig ist.


    Was meint ihr? Woran könnte es liegen? Wo könnten wir ansetzen, damit ihre tollen Materialien und die hervorragende Vorbereitung nicht wirkungslos verpuffen.


    Etwas ratlos,


    klöni, die sich nach einer durchkorrigierten Nacht leider wieder an den Schreibtisch setzt, wo die letzten 40 Klausuren für dieses WE auf sie warten. :muede:

    • Offizieller Beitrag

    Eine der Wahrheiten, die viele, die mit Lehrerausbildung zu tun haben (vor allem die Auszubildenden, die mit sowas Probleme haben) nicht hören wollen, ist, dass der Lehrerberuf eben nur zu X % ein erlernbarer Beruf ist. Der Rest - vielleicht der überwiegende Rest? - ist eine Persönlichkeitsfrage. Das hat was mit Belastungs- und Stressfestigkeit, Empathiefähigkeit, Organisationsfähigkeit, Vernetzungsfähigkeit, dem Gen für's Aufspüren und Verarbeiten von Stimmungen und eben auch dem Entertainer-Gen zu tun. So bitter das ist: man hat es oder man hat es nicht. Zu einem geringen Prozentsatz kann man es (vielleicht!) trainieren, aber tendenziell reagieren die Schüler nicht auf Qualität des Materials (können eh die wenigsten beurteilen) sondern auf die Person des Lehrers. Wenn der nur technisch guten Unterricht abspult, selbst aber nichts ausstrahlt, was die Schüler anspricht ... na, ich muss es ja keinem erzählen: wir haben es ja als Schüler alle selbst erlebt.


    Was man Referedaren, bei denen einfach kein Funke überspringt, raten soll...?


    Sorry, keine Ahnung! Rezepte gibt es da wohl nicht.


    Man kann höchstens beruhigende Worte murmeln, dass es bei einigen/vielen im Laufe der Zeit durch steigende Sicherheit passiert, dass man lockerer, flexibler, weniger technisch und eher spontan und humorvoll auf die Schüler reagieren kann und dass das dann auch auf die Schüler wie echter Kommunikationswillen wirkt.


    Manchmal kann man das als Trick anwenden: statt eines ausgefeilten Impulses in Form eines Operators mal eine echte interessefrage an die Schüler. so betont, wie man es auch den Freund in der Kneipe fragen würde: ja, was haltet ihr denn jetzt von x???
    Dann muss man allerdings auch mit den ungesteuerten Antworten umgehen können ;)

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,
    nur mal ein ganz ketzerischer Gedanke: Vielleicht sind die Stunden einfach zu sehr vorbereitet und die Refin steht nicht wirklich dahinter, sondern sie macht ihre tollen Vorbereitungen nur so, weil sie es eben im Seminar gelernt hat?
    Gibt es in ihren Stunden irgendeinen Moment, der Platz fürs spontane Reagieren lässt? Das kommt bei den Schülern nämlich authentischer und sympathischer rüber als jeder durchgeplante Unterricht.
    Mir hat mal ein Direktor geraten, man solle doch mal ausprobieren, einfach unvorbereitet in eine Unterrichtsstunde zu gehen, dann würde man am ehesten ein Gespür für die Schüler entwickeln.
    Das ist nun natürlich die Holzhammermethode, aber ein Fünkchen Wahrheit ist schon dahinter.
    Manch eine improvisierte Stunde bei mir wurde schon deutlich besser als eine sorgfältig durchgeplante.
    Und wenn die Refin wirklich mal versucht, am Ende der Stunde Platz für eine spontane Reaktion zu lassen- z.B. eine schöne Abschlussfrage oder die Schüler selbst nach Anregungen für Kommunikationssituationen zu fragen oder...
    Liebe Grüße
    Hermine

  • Zitat

    Original von Meike.
    Eine der Wahrheiten, die viele, die mit Lehrerausbildung zu tun haben (vor allem die Auszubildenden, die mit sowas Probleme haben) nicht hören wollen, ist, dass der Lehrerberuf eben nur zu X % ein erlernbarer Beruf ist. Der Rest - vielleicht der überwiegende Rest? - ist eine Persönlichkeitsfrage. Das hat was mit Belastungs- und Stressfestigkeit, Empathiefähigkeit, Organisationsfähigkeit, Vernetzungsfähigkeit, dem Gen für's Aufspüren und Verarbeiten von Stimmungen und eben auch dem Entertainer-Gen zu tun. So bitter das ist: man hat es oder man hat es nicht.


    Das ist jetzt - sorry - totaler Käse meiner Meinung nach.


    Ich hatte zu Beginn des Referendariats auch Probleme. Ich war unsicher, ein Langweiler, konnte mich nur schwer durchsetzen. Ich bin jetzt seit Mai fertig, habe ein gutes Examen gemacht und mache meinen Job mittlerweile ganz ordentlich. Das heißt, die Unsicherheiten sind weg, ich stehe als Lehrer vor der Klasse, der sagt wo es langgeht, etc. Ich habe im Ref. (und auch jetzt noch) viel an mir und meiner Persönlichkeit gearbeitet, und wenn man dies ernsthaft tut, dann verbessert sich die Situation auch. Wer der Meinung ist, dass es so etwas wie genetisch bedingte Persönlichkeitsstrukturen gibt, die einem die Ausübung eines Jobs ermöglichen oder dieses verhindern, der argumentiert unprofessionell. Denn das würde andersherum bedeuten, dass man problemlos jeden, der diese Persönlichkeitsstrukturen besitzt und der 'ein Händchen für die Schüler' hat als Lehrer einsetzen kann. Nein, es geht um reflektiertes Handeln. Und das kann und sollte man lernen. Der eine hat da größeren Lernbedarf und der andere weniger. Ich halte es für falsch zu sagen: 'Sorry, deine Materialien sind gut, aber deine Persönlichkeit ist schwach. Das wird wohl nix.'

  • Zitat

    Original von klöni
    Ich bin Mentorin einer sehr fähigen Refin, die ihre Stunden äußerst gewissenhaft vorbereitet und wohlüberlegt in den Unterricht geht. Ihr Material hat sie tagelang recherchiert und multimedial aufbereitet. Da sitzt alles formvollendet und wunderschön rund am rechten Platz.


    Jetzt das Problem: Leider springen die Schüler kaum darauf an. Die schönen Impulse und kommunikativen Anlässe verpuffen einfach im Nichts der 45-minütigen Schulstunde. Die SuS wollen (ihr zuliebe, denn sie ist sehr sympathisch) mitmachen, ich sehe das, ab und zu meldet sich mal einer, aber zu authentischen Gesprächssituationen kommt es nicht, was für ein Fach wie Engl. m.E. doch wichtig ist.


    Was meint ihr? Woran könnte es liegen? Wo könnten wir ansetzen, damit ihre tollen Materialien und die hervorragende Vorbereitung nicht wirkungslos verpuffen.


    Ihr einfach Zeit geben? Ich hatte das Problem letztes Jahr auch mit einigen Klassen. Besonders als ich selbst noch unsicher war und recht nervoes...
    Gute Planung hin oder her, manchmal klappt's einfach nicht. Entweder ist man selbst noch nicht ganz da und krallt sich noch an der Planung fest...oder gelegentlich ist es auch einfach die Klasse.
    Vielleicht koennte sie die gleiche Klasse mal in anderen Faechern beobachten. Sind die immer so still? Wenn nicht, was passiert woanders, was sie sich abgucken koennte?


    Jetzt hab ich meine eigene Klasse und kenne meine Kids viel besser. Ich bin wesentlich lockerer als ich es letztes Jahr jemals war und (ich geb's ja zu) das fuehrt gelegentlich dazu, dass meine Klasse recht aufgedreht ist. Ich kann zwischendrin mal kurz abschweifen und wir koennen ein bissl rumbloedeln, ohne, dass mir jemand gleich erzaehlt, dass dies aber doch gar nicht in meiner Stundenplanung stand und wir Zeit verschwendet haben. Fakt ist, ich bekomm sie recht leicht wieder unter Kontrolle. Ohne letzteres koennte ich ersteres aber nie machen.


    Ich bereite auch nicht mehr alle Stunden so vor, wie ich das letztes Jahr noch musste. Ich weiss, was wir machen, was sie lernen sollen und was ich an Material nutzen koennte. Aber minutioes geplant ist das kaum noch. Wenn wir dann eben wegen einer guten Frage vom Thema wegdriften...naja, dann passiert das halt. Den restlichen Kram koennen wir spaeter immernoch aufholen. Meine derzeitige Klasse kann man kaum zur Ruhe bringen; die sprudeln so ueber mit Beteiligungswillen, dass ich nie alle dran nehmen kann. :D
    Ich benutze auch oft "Think/Pair/Share" und nehm dann Kinder dran, ohne dass sie sich melden. Dann frag ich sie entweder, was sie selbst antworten wuerden...oder was denn ihr Partner gesagt hat. Das bietet zum einen Sicherheit...zum anderen koennen sie sich nicht mehr verstecken.


    Dejana

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von CKR
    Das ist jetzt - sorry - totaler Käse meiner Meinung nach.


    Ich hatte zu Beginn des Referendariats auch Probleme. Ich war unsicher, ein Langweiler, konnte mich nur schwer durchsetzen. Ich bin jetzt seit Mai fertig, habe ein gutes Examen gemacht und mache meinen Job mittlerweile ganz ordentlich. Das heißt, die Unsicherheiten sind weg, ich stehe als Lehrer vor der Klasse, der sagt wo es langgeht, etc. Ich habe im Ref. (und auch jetzt noch) viel an mir und meiner Persönlichkeit gearbeitet, und wenn man dies ernsthaft tut, dann verbessert sich die Situation auch.


    Insbesondere mit Deinem letzten Satz entziehst Du der Pauschalkritik an Meikes Statement den Boden. Du hast an Dir gearbeitet (!) - das müsste besagte Referendarin wohl auch noch tun.
    Ferner willst Du für Dich wohl nicht in Anspruch nehmen, induktiv auf alle anderen Referendare zu schließen. (Und hier vertraue ich eher auf das Urteil einer erfahrenen Kollegin, die schon viele Referendare betreut hat als auf die subjektive Schilderung eines Einzelfalles).


    Zitat

    Wer der Meinung ist, dass es so etwas wie genetisch bedingte Persönlichkeitsstrukturen gibt, die einem die Ausübung eines Jobs ermöglichen oder dieses verhindern, der argumentiert unprofessionell.


    Das hat sie nach meiner Lesart nicht so drastisch gesagt. Vielleicht wäre statt "Gen" auch "Talent" präziser gewesen - es ist jedoch m.E. klar, was gemeint ist.


    Zitat


    Denn das würde andersherum bedeuten, dass man problemlos jeden, der diese Persönlichkeitsstrukturen besitzt und der 'ein Händchen für die Schüler' hat als Lehrer einsetzen kann. Nein, es geht um reflektiertes Handeln. Und das kann und sollte man lernen.


    Niemand hat behauptet, dass es nur das eine oder nur das andere ist. Meike sprach von X%, womit hinreichend klar sein sollte, dass es kein mathematisch fixierbares Verhältnis dieser Komponenten gibt.
    Ferner denke ich, dass ein "Händchen" eben auch dieses reflektierte Handeln einschließt. Ich halte diese Polarisierung "Händchen" und "reflektiertes Handeln" für unsinnig.


    Zitat


    Der eine hat da größeren Lernbedarf und der andere weniger. Ich halte es für falsch zu sagen: 'Sorry, deine Materialien sind gut, aber deine Persönlichkeit ist schwach. Das wird wohl nix.'


    Richtig. Aber das ist Deine Lesart von Meikes Beitrag. So pauschal hat sie das nicht gesagt und auch sicherlich nicht gemeint.
    Die Pauschalisierungen, die Du ihr unterstellst, nimmst Du auf der Basis Deiner Interpretation ihres Beitrags selbst vor.


    Gruß
    Bolzbold

  • Hallo Bolzbold,


    da du dich jetzt stellvertretend für Meike angegriffen fühlst, werde ich wohl dir eine Antwort schreiben müssen.


    Du wirfst mir Pauschalisierungen vor. Diese waren aber meiner Meinung nach nötig, um die - wie ich finde - gefährlich pauschale Einstellung (und mag es auch nur mein Eindruck sein, ich kenne Meike schließlich nicht) aufzuzeigen: Lehrersein ist eine Persönlichkeitsfrage, die von - von mir aus auch - Talent abhängig ist. Das hilft keinem weiter, der sich bis ins Referendariat hervorgearbeitet hat und dann in Schwierigkeiten gerät. Auch Tipps a la: 'Das kommt schon mit der Zeit' (oder eben nicht), halte ich für wenig hilfreich. Hilfreicher fände ich eine klare Analyse, was nun konkret das Problem ist und wie man es beheben kann. Das lässt sich nicht alleine von der Ausbildungslehrkraft bewerkstelligen. Da ist zum Großen Teil auch der Referendar gefragt.


    Und was spricht gegen meine subjektive Einzelmeinung, wo Meikes Aussagen ebenso auf ihren subjektiven Erfahrungen beruhen.


    Wer reflektiertes Handeln meint, sollte dies auch sagen. Dann entstehen keine Missverständnisse.


    Zitat

    Die Pauschalisierungen, die Du ihr unterstellst, nimmst Du auf der Basis Deiner Interpretation ihres Beitrags selbst vor.


    Vielleicht war das nötig, um die enthaltenen Pauschalisierungen aufzuzeigen. Ich will gar nichts über die Arbeit von irgend jemandem hier aussagen. Ich möchte nur auf Gefahren und Probleme hinweisen, die mir aufgefallen sind.

    • Offizieller Beitrag

    Nur die Ruhe. Ich habe gesagt / geschrieben, dass es sich um gewisse anteilige Prozentzahlen handelt. Und ich ersetze den figurativen Ausdruck "Gen" gerne durch "Talent". Wenn's hilft.
    Einiges kann man lernen und durch Reflektieren beheben, anderes nicht. Reflexionsfähigkeit ist übrigens auch ein Talent. Hat nicht jeder. Manche "erkennen" , "spüren" "können" es einfach nicht. Auch nicht nach 30 Jahren im Dienst (und sag mir nicht, solche hast du nicht im Kollegium oder die hätten nur noch nicht genug reflektiert?? ;) )

    Ich habe etwa 50 Referendare, mehr oder weniger intensiv, betreut, und spreche also aus mehr als punktueller Erfahrung. Der Teil, der mit der eigenen Persönlichkeit zusammenhängt, ist sehr entscheidend und für die wenigsten trainierbar. Dass ein Referendar "sich bis ins Referendariat hervorgearbeitet" hat, macht übriegns noch keine Aussage darüber, ob er dieses auch besteht (und nein, nicht alle, die durchfallen, fallen zu Unrecht durch) und auch wenn er/sie es besteht, ist auch das noch keine Aussage darüber, ob er / sie erfolgreich im Beruf wird. Ich verweise auf weiter oben: in den Kollegien gibt es sehr unterschiedlich erfolgreiche Menschen. Oft hängt das daran, dass jemand nur das Handwerk beherrscht und nicht das "Händchen (=talent, Gen, call it as you like) für die Schüler hat. Dann wird, im schlimmsten Falle, irgendwann jeder Tag zum Kampf. Klar kann man auch so 30 Jahre rumkriegen... einige tun das ja auch. Zum Leidwesen der Mitkollegen und Schüler.


    Andere - wie anscheindend du, CKR - wiederum berappeln sich gut nach der Stresssituation des Referendariats: sich berappeln zu können, heißt m.E. aber, genau diese Talente (der persönlichen Weiterentwicklung, der Selbstreflexion, des "Über sich Hinauswachsens") zu besitzen. Und das ist nicht unbedingt eine Technik, sondern eine Fähigkeit. Genug Kollegen habe diese - lebenslang - nicht, ihnen sind da einfach "natürliche" Grenzen gesetzt. Ob die jetzt intellektuell oder empathisch oder sozial sind.


    Sich hinsetzen und refelktieren hilft in diesen Fällen auch nicht wirklich. Meine Erfahrung (und die der anderen Mentoren und Fachleitern, mit denen ich zusammenarbeite) ist nunmal, dass in den meisten (! nicht allen !) Fällen der fehlende "Persönlichkeitsteil" sehr schlecht durch "Technik" zu ersetzen ist.


    Was übrigens in keinem Falle heißen soll, dass man als Lehrertalent sein Handwerk nicht beherrschen muss. Fehlen die anderen Prozent, kann es genauso in die Hose gehen. Da gibts auch Beispiele dafür, die seit 20 Jahren in den diversen Kollegien rummurkeln ... Dieser (handwerliche) Teil hat den Vorteil, dass er relativ konkret und schnell behebbar ist.


    Ich hoffe, das war jetzt differenziert genug um mich verständlich zu machen... :)

  • Zitat

    Original von Meike.
    Einiges kann man lernen und durch Reflektieren beheben, anderes nicht. Reflexionsfähigkeit ist übrigens auch ein Talent. Hat nicht jeder. Manche "erkennen" , "spüren" "können" es einfach nicht. Auch nicht nach 30 Jahren im Dienst (und sag mir nicht, solche hast du nicht im Kollegium oder die hätten nur noch nicht genug reflektiert?? ;) )


    Ok, das sehe ich ein. Aber versuchen sollte man es, auf Schwächen hinzuweisen und Hilfsangeboe zu geben. Wenn es dann nicht klappt, dann war auch das Bemühen nicht da, etwaige Kritik nachzuvollziehen und gezielt daran zu arbeiten.


    Zitat

    Original von Meike.
    Ich habe etwa 50 Referendare, mehr oder weniger intensiv, betreut, und spreche also aus mehr als punktueller Erfahrung.


    Da bleibe ich bei meiner Einstellung: Deine vielfältigen Erfahrungen bleiben dennoch so subjektiv, wie meine eigene persönliche.


    Zitat

    Original von Meike.
    Der Teil, der mit der eigenen Persönlichkeit zusammenhängt, ist sehr entscheidend und für die wenigsten trainierbar.


    Vielleicht wird es auch nur zu wenig versucht. Nur weil nicht die Zeit da ist bzw. der betreffende Referendar sich selbst nicht die Mühe gibt, gezielt an seinen Schwächen zu arbeiten, heißt das für mich noch lange nicht, dass es nicht geht.


    Zitat

    Original von Meike.
    Dass ein Referendar "sich bis ins Referendariat hervorgearbeitet" hat, macht übriegns noch keine Aussage darüber, ob er dieses auch besteht (und nein, nicht alle, die durchfallen, fallen zu Unrecht durch) und auch wenn er/sie es besteht, ist auch das noch keine Aussage darüber, ob er / sie erfolgreich im Beruf wird.


    Das stimmt. Ohne Hilfen ist die Gefahr aber groß, im Beruf nicht erfolgreich zu sein. Um dem entgegenzuwirken wurde in Hamburg eine 'Berufseinstiegsphase' eingeführt, in der die Berufseinsteiger u.a. in KoBeSu-Gruppen Unterstützung erhalten und sich gegenseitig helfen. Auch gibt es ein betreutes Internetforum für Fragen, etc. Man sieht also ein, dass sich eine Lehrerpersönlichkeit nicht unbedingt per Zufall in die richtige Richtung entwickelt. In Niedersachsen wird gerade versucht, solch eine Phase einzuführen, da man davon ausgeht, dass der, der im stressigen Referendariat / Berufseinstieg Reflexions- und Handlungshilfen erhält, weniger auf sein wie auch immer geartetes 'Talent' (und seine eigenen Erfahrungen mit Schule) angewiesen ist. Die Lehrerpersönlichkeit gerät dabei vielleicht etwas weniger in die Gefahr, sich einfach per Zufall (also nach dem individuellen Talent / eigenen Erfahrungen) zu entwickeln.


    Zitat

    Original von Meike.
    Sich hinsetzen und refelktieren hilft in diesen Fällen auch nicht wirklich. Meine Erfahrung (und die der anderen Mentoren und Fachleitern, mit denen ich zusammenarbeite) ist nunmal, dass in den meisten (! nicht allen !) Fällen der fehlende "Persönlichkeitsteil" sehr schlecht durch "Technik" zu ersetzen ist.


    Eben: nicht in allen Fällen. Und man sollte sich schon die Mühe machen, diese zu finden und zu fördern und nicht auf ein 'das wird schon' vertrauen.


    Zitat

    Original von Meike.
    Ich hoffe, das war jetzt differenziert genug um mich verständlich zu machen... :)


    Das war es. Ich hoffe auch ich konnte meinen Standpunkt so deutlich machen, dass etwaige argumentative Hilfsangebote sich erübrigen. :D

    • Offizieller Beitrag

    hi,


    ich machs kurz :D...


    Lehrerpersönlichkeit.


    Das ist eigentlich das, was ich an meinen Reffis und Praktis besonders genau betrachte und bespreche. Vor allem bei Reffis gehe ich davon aus, dass fachlich alles in Ordnung ist und didaktisch...naja, da hoffe ich, dass sie mir was beibringen können.


    Lehrerpersönlichkeit kann man nicht (nur sehr schwer oder indirekt) beibringen, es ist aber wohl auch kaum genetisch vererbbar - aber man kann ihnen beibringen, darüber zu reflektieren, auch über das zweite Staatsexamen hinaus und das dürfte der wichtige Punkt sein.


    Andrerseits: sind wir nicht alle oft ganzs chön langweilig...? egal, andere Baustelle.
    grüße


    h.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von CKR
    Hallo Bolzbold,


    da du dich jetzt stellvertretend für Meike angegriffen fühlst, werde ich wohl dir eine Antwort schreiben müssen.


    *Lach* Ich fühle mich nicht stellvertretend für sie angegriffen. Ich fand nur, dass Deine Reaktion auf ihren Beitrag etwas "merkwürdig" war. Dass ich mit meiner Lesart nicht so daneben lag, hat Meike ja dann selbst in ihrer Antwort an Dich bestätigt.


    Zitat


    Du wirfst mir Pauschalisierungen vor. Diese waren aber meiner Meinung nach nötig, um die - wie ich finde - gefährlich pauschale Einstellung (und mag es auch nur mein Eindruck sein, ich kenne Meike schließlich nicht) aufzuzeigen: Lehrersein ist eine Persönlichkeitsfrage, die von - von mir aus auch - Talent abhängig ist. Das hilft keinem weiter, der sich bis ins Referendariat hervorgearbeitet hat und dann in Schwierigkeiten gerät. Auch Tipps a la: 'Das kommt schon mit der Zeit' (oder eben nicht), halte ich für wenig hilfreich. Hilfreicher fände ich eine klare Analyse, was nun konkret das Problem ist und wie man es beheben kann.


    Also ich finde Deine Einstellung dazu, sofern ich sie richtig verstehe, viel gefährlicher.
    Lehrersein IST auch eine Persönlichkeitsfrage. Man kann vieles im Ref. lernen, aber eben nicht alles. Und Referendaren, die ggf. aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht wirklich als Lehrer geeignet sind, sollten dies im Ref. auch erkennen und entweder an sich arbeiten oder eben nicht Lehrer werden.
    Unter diesem Aspekt mögen Tipps wie "das kommt schon mit der Zeit" nicht hilfreich sein, aber wer würde als Ausbildungslehrer dem Referendar direkt zu Beginn sagen, dass er aufgrund seiner Persönlichkeit nicht geeignet ist. Da ist ein "das kommt schon mit der Zeit" sicherlich zunächst diplomatischer und es räumt auch die Möglichkeit einer Veränderung zum Positiven ein. Gefährlich wäre es in der Tat, wenn ein "das wird schon" nur eine Floskel wäre.
    Unabhängig von der Analyse, die Du vorschlägst, gibt es Probleme, die nicht ohne weiteres zu beheben sind.


    Zitat


    Das lässt sich nicht alleine von der Ausbildungslehrkraft bewerkstelligen. Da ist zum Großen Teil auch der Referendar gefragt.


    Richtig. Und dann ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Selbstkritik und ggf. dann auch zur Verhaltensänderung gefragt.


    Zitat


    Und was spricht gegen meine subjektive Einzelmeinung, wo Meikes Aussagen ebenso auf ihren subjektiven Erfahrungen beruhen.


    Nun ja, also von sich auf die Allgemeinheit zu schließen und von 50 Referendaren auf bestimmte Problembereich zu schließen, das ist für mich nicht nur ein quantitativer sonder auch vor allem ein qualitativer Unterschied.


    Zitat


    Vielleicht war das nötig, um die enthaltenen Pauschalisierungen aufzuzeigen. Ich will gar nichts über die Arbeit von irgend jemandem hier aussagen. Ich möchte nur auf Gefahren und Probleme hinweisen, die mir aufgefallen sind.


    Wenn Meike hier pauschalisiert hätte. Das hat sie aber m.E. überhaupt nicht.


    Gruß
    Bolzbold

  • Zitat

    Original von Bolzbold
    Also ich finde Deine Einstellung dazu, sofern ich sie richtig verstehe, viel gefährlicher.
    Lehrersein IST auch eine Persönlichkeitsfrage. Man kann vieles im Ref. lernen, aber eben nicht alles. Und Referendaren, die ggf. aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht wirklich als Lehrer geeignet sind, sollten dies im Ref. auch erkennen und entweder an sich arbeiten oder eben nicht Lehrer werden.


    Um an sich zu arbeiten, muss man aber die Möglichkeit dazu erhalten. Und wer es dann nicht tut, der sollte in der Tat nicht im Lehrerberuf arbeiten. Ich kritisiere allein die Einstellung, von einer unveränderlichen Persönlichkeit zu reden, an der eben nix bzw. nur bedingt etw. zu machen ist. Der Versuch sollte gemacht werden und Angebote dazu gegeben werden. Werden die nicht genutzt, ok, dann soll es nicht sein.


    Zitat

    Original von Bolzbold
    Unter diesem Aspekt mögen Tipps wie "das kommt schon mit der Zeit" nicht hilfreich sein, aber wer würde als Ausbildungslehrer dem Referendar direkt zu Beginn sagen, dass er aufgrund seiner Persönlichkeit nicht geeignet ist. Da ist ein "das kommt schon mit der Zeit" sicherlich zunächst diplomatischer und es räumt auch die Möglichkeit einer Veränderung zum Positiven ein.


    Genau das ist es, was ich meine. Gut gemeinte Tipps a la 'wir warten mal ab, ob er sich nicht doch noch ändert'. Warum kann man nicht gleich sagen: "Mir ist aufgefallen, dass Sie diese oder jene Aspekte ändern sollten. Ich biete Ihnen dazu die folgenden Hilfen an. Ich bin mir sicher, dass Sie das schaffen werden." Das ist sehr viel konkreter. Und wer solch ein Angebot nicht annimmt, der hat sich nicht genug Mühe gegeben und es dann auch nicht verdient.


    Zitat

    Original von Bolzbold
    Nun ja, also von sich auf die Allgemeinheit zu schließen und von 50 Referendaren auf bestimmte Problembereich zu schließen, das ist für mich nicht nur ein quantitativer sonder auch vor allem ein qualitativer Unterschied.


    All unser Handeln und die Interpretation unserer Wirklichkeit ist von unseren 'subjektiven Einzelmeinungen' geprägt. Und nur weil Meikes subjektive Überzeugung 'Die Persönlichkeit lässt sich nur schwer ändern' sich an ihren 50 Beobachtungen für sie bestätigt hat, heißt das noch lange nicht, dass dem nicht möglich ist. Vielleicht waren die Bedingungen und Maßnahmen nur nicht ausreichend. Ich würde das eher als naturalistischen Fehlschluss bezeichnen: Die Wirklichkeit erlebe ich so, also soll sie auch so sein. Also nochmal: Ich kritisiere nicht die Handlungen einzelner Lehrkräfte und Forumsmitglieder. Ich bin der Meinung, dass es mehr gute Lehrkräfte geben würde, wenn man intensiver mit ihnen arbeiten würde bzw. intensivere Reflexionen zulassen würde, als auf die zufällige Entwicklung einer wie auch immer gearteten Persönlichkeit bauen und hoffen würde.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Genau das ist es, was ich meine. Gut gemeinte Tipps a la 'wir warten mal ab, ob er sich nicht doch noch ändert'. Warum kann man nicht gleich sagen: "Mir ist aufgefallen, dass Sie diese oder jene Aspekte ändern sollten. Ich biete Ihnen dazu die folgenden Hilfen an. Ich bin mir sicher, dass Sie das schaffen werden."


    Wenn es um Persönlichkeitsfragen geht ist das a) eine bei Referendaren eher unbeliebte Bemerkung, wenn es um die eigenen Person geht und b) bleibt ziemlich unklar, wie die Hilfen bei Persönlichkeitsveränderung denn aussehen sollen ("sei doch mal nicht so schüchtern und ein bisschen humorvoller und gleichzeitig so, dass die Schüler dich ernst nehmen"). Guter Tipp :rolleyes: !
    Mal abgesehen davon, dass die meisten Referendare und da ganz beosnders die, die eh ein Reflexionsproblem haben, genau das nicht wollen: dass an ihrer Persönlichkeit herumgedoktort wird.
    Nicht jede Persönlichkeit passt aber auf den Beruf. Hatten wir ja oben schon.
    Die, die es trotzdem schaffen, gehen jahrzehntelang allen, Kollegen und Schülern, auf den Keks.


    Idealistische Vorstellung hin oder her (und ich hätte nicht jedes Jahr 5 Referendare, wenn ich nicht als jemand gälte, der gründlich und gut betreut): ich maße mir als Mentorin nicht an, an der Persönlichkeit der Referendare herumzuschrauben. Was ohnehin nahezu unmöglich ist. Ich teile ihnen höchstens bestimmte Beobachtungen mit, wie die Schüler auf etwas an ihnen reagieren.
    Ist es etwas Handwerliches, klappt es meist, das zu ändern - ist es etwas "Charakterliches", klappt es meistens nicht.


    Da hilft dann nur zu hoffen, dass sich das "schon auswächst". Oder dass der Mensch einsieht, dass dieser Beruf und seine Person eben nicht zusammen gehen.

  • Zitat

    Original von Meike.
    ich maße mir als Mentorin nicht an, an der Persönlichkeit der Referendare herumzuschrauben. Was ohnehin nahezu unmöglich ist. Ich teile ihnen höchstens bestimmte Beobachtungen mit, wie die Schüler auf etwas an ihnen reagieren.


    Du sollst auch nicht daran rumschrauben, dass muss derjenige schon selbst tun. Und wenn du deine Beobachtungen mitteilst, gibst du ja schon eine konkrete Hilfestellung. Das hörte sich weiter oben anders an.

  • Zitat

    Original von CKR
    [Persönlichkeit des Referendars]
    Du sollst auch nicht daran rumschrauben, dass muss derjenige schon selbst tun. Und wenn du deine Beobachtungen mitteilst, gibst du ja schon eine konkrete Hilfestellung. Das hörte sich weiter oben anders an.


    Ich persönlich habe eine sehr weitreichende Vorstellung davon, dass der Lehrerberuf ein erlernbares Handwerk ist - aber ich stimme Meike zu, dass die Grundbedingung da sein muss, dass der Lehrer eine Persönlichkeit sein muss, die, sagen wir mal, "ein Händchen für Menschen" hat; die auf andere zugehen kann, die andere Menschen mitnehmen kann. Ohne das geht es nicht, den Rest kann man lernen.


    Wie meinst du es nun genau, dass man sich ändern kann? Wie kann ein Mensch konkret seine Persönlichkeit umwandeln, so dass er sich z.B. von einem eher verschlossenen, schüchternen Typen dahin entwickelt, dass er aus sich heraus und auf andere zugeht? Ich kann mir das ehrlich gesagt nur in sehr begrenztem Maße vorstellen.


    Nele

  • Zitat

    Original von neleabels
    Wie meinst du es nun genau, dass man sich ändern kann? Wie kann ein Mensch konkret seine Persönlichkeit umwandeln, so dass er sich z.B. von einem eher verschlossenen, schüchternen Typen dahin entwickelt, dass er aus sich heraus und auf andere zugeht?


    Ich will auch gar nicht behaupten, dass man nicht schon bestimmte persönliche Eigenschaften zu einem bestimmten Maße mitbringen muss. Aber man sollte nicht sofort alles auf die Persönlichkeit schieben.


    Ich erinnere mal an das Ursprungszitat: "Eine der Wahrheiten, die viele, die mit Lehrerausbildung zu tun haben (vor allem die Auszubildenden, die mit sowas Probleme haben) nicht hören wollen, ist, dass der Lehrerberuf eben nur zu X % ein erlernbarer Beruf ist. Der Rest - vielleicht der überwiegende Rest? - ist eine Persönlichkeitsfrage."


    Da ist mir zuviel Persönlichkeit drin.


    Ich würde das eher so umdrehen, dass der erlernbare Teil der Größere ist. Mehr wollte ich nicht sagen. Wer die Fähigkeit, einen Beruf auszuüben von persönlichen Eigenschaften abhängig macht, der sitzt ruck zuck in der Professionalisierungsfalle. Ich komme aus der Krankenpflege. Die hatte lange - und vielleicht auch immer noch - zu kämpfen mit bestimmten, angeblich allein weiblichen Charaktereigenschaften, die sie für den Beruf prädestinierten und zur Ausübung genügten. Und genau das könnte die Gefahr sein an einer falschen Überbetonung persönlicher Eigenschaften: Ausbildung und Fortbildung sind nicht nötig, wenn man nur die richtigen persönlichen Eigenschaften mitbringt.


    Sicher lassen sich Empathiefähigkeit oder die Fähigkeit für's Aufspüren und Verarbeiten von Stimmungen nur begrenzt erlernen. Aber Belastungs- und Stressfestigkeit sowie Vernetzungsfähigkeit schon eher. Und ob man nun unbedingt ein Entertainer-Gen/-Talent haben muss - ich weiß nicht.

  • Hallo CKR,


    ich bin eine Referendaratsabbrecherin (Wiedereinstieg bzw. Neubeginn nicht ausgeschlossen) und ich habe Meikes Posting ganz anders als du interpretiert. Ich sehe es genauso wie sie, und ich bin wohl auch UNTER ANDEREM daran gescheitert, dass ich kein Mensch mit "Entertainer"-Talent war. In "guten Phasen" konnte ich das aber sehr wohl sein und ich bin davon überzeugt, dass ich das hätte weiterentwickeln können, aber nicht unter den Voraussetzungen, an denen ich gescheitert war (aber das ist eine andere Geschichte, die ich nicht aufwärmen möchte). Meike hat ja nicht nur die von dir zitierten Absätze geschrieben, sondern auch noch das da:


    Zitat

    Original von Meike.
    Man kann höchstens beruhigende Worte murmeln, dass es bei einigen/vielen im Laufe der Zeit durch steigende Sicherheit passiert, dass man lockerer, flexibler, weniger technisch und eher spontan und humorvoll auf die Schüler reagieren kann und dass das dann auch auf die Schüler wie echter Kommunikationswillen wirkt.


    Manchmal kann man das als Trick anwenden: statt eines ausgefeilten Impulses in Form eines Operators mal eine echte interessefrage an die Schüler. so betont, wie man es auch den Freund in der Kneipe fragen würde: ja, was haltet ihr denn jetzt von x???
    Dann muss man allerdings auch mit den ungesteuerten Antworten umgehen können ;)


    Bei Unterrichtsmitschauen von Referendaren sieht man schon, wer "Entertainer"-Talent hat und wer nicht. Die, die es nicht haben, müssen es erst entwickeln. Trotzdem gibt es gewisse Grenzen, das sehe ich auch so wie Meike. Wenn man aus Unsicherheit nicht aus sich herausgehen kann, finde ich das recht normal, gerade bei Referendaren, aber wenn man grundsätzlich nicht aus sich herausgehen kann, Angst vor den Schülern bzw. vor Disziplinstörungen hat und nur drandenkt, den Stoff einzutrichtern, statt sich wirklich ganz und gar auf die Schüler einzulassen, der hat eher wenige Chancen, zu lernen, die Schüler mitzureißen.

  • Hermine:

    Zitat

    nur mal ein ganz ketzerischer Gedanke: Vielleicht sind die Stunden einfach zu sehr vorbereitet und die Refin steht nicht wirklich dahinter, sondern sie macht ihre tollen Vorbereitungen nur so, weil sie es eben im Seminar gelernt hat?


    So ist es! Sie steht ganz am Anfang und probiert Verschiedenes aus. Ich denke, ich sollte da nicht vorschnell Ratschläge geben, sondern sie erst einmal machen lassen, damit sie sich vor der Klasse und auch die Schüler wahrnehmen lernt. Ich bin da guter Hoffnung, dass sie aus der Planungssteifheit bald herauswächst und dann mit den SuS locker und spontan umgehen lernt. Wenn man dachschadenfrei ist, und dass sind ja anscheinend die meisten Refis, dann lernt man das Unterrichten vermutlich wie Autofahren. Braucht halt seine Zeit.


    Zur Diskussion um die notwendige bzw. veränderbare Persönlichkeitsstruktur bei Lehrern. Ich kann beide Sichtweisen, Maikes und CKRs, nachvollziehen. Konstruktive Hilfestellung ist immer angebracht, wenn es darum geht, zügig bearbeitbare Verhaltensdefizite, die die Arbeit mit den uns anvertrauten Kindern beeinträchtigt, zu beheben. So kann man z.B. einen Pädophilen nicht in eine Klasse schicken. Der hat therapeutischen Bedarf. Die normalen Verhaltensauffälligkeiten, die jede/r von uns kennt, sei es Schüchternheit, Verlegenheit, mangelnde Durchsetzungsfähigkeit usw. kann man m.E. trainieren, wenn man sie bewusst an sich wahrnimmt und tatsächlich daran arbeiten will. Das ist Rollenverhalten, in das man automatisch oder reflektiv hineinwächst.


    Manch eine/r bringt diese antrainierten Talente halt von zu Hause mit, und erspart somit den Ausbildern viele Gespräche, somit ARbeit. Andere Kompetenzen, wie Stressmanagement, Organisationskompetenz, Kritikfähigkeit, Führungskompetenz, emotionalle Kompetenz sind Fertigkeiten, die ich in mir mithilfe von Fortbildungen udn Seminaren ausbauen kann. Wenn ich diese FBs nicht besuche, dann sehe ich mich bereits als vollkommene Lehrperson und habe daher keinen Veränderungsbedarf.


    Kurzum: VEränderungsprozesse brauchen ihre Zeit. Aber die ist heutzutage eher ein Geschenk des Himmels denn ein Recht desjenigen, der ausgebildet wird. Da geht es Referendaren nicht anders als den Schülern. Ich würde Referendaren, die erhebliche Schwierigkeiten beim Unterrichten erfahren und dies auf persönliche Probleme zurückführen, eine Therapie empfehlen, um schnellstmöglichst die Defizite zu bearbeiten. Das ist heutzutage kein Drama mehr.


    Ich möchte es meiner Referendarin, an der ich viele - vielleicht noch nicht ausgereifte - Potenziale entdecke, ersparen, in dieselbe Falle zu tappen, in die ich als Refin getappt bin. Nämlich die Stunden sekundengenau zu planen, um dann alles unter Kontrolle zu haben, v.a. mich selbst. Was dann außen vor bleibt, sind die Schüler, die ja auch noch ein Wörtchen mitreden wollen. Es hat Jahre gebraucht - und ich bin immer noch nicht ganz durch damit - dieses von meinen Ausbildern eingeprügelte Joch der peniblen Zeitplanung wieder abzuschütteln. Je mehr ich auf die Zeit und den Plan achte, desto weniger achte ich auf die Bedürfnisse der Schüler. Aber das ist ja anscheinend während des Referendariats als Lernziel so gewollt.


    Soviel mein wenig strukturierter Senf dazu.

  • Hallo
    nur so am Rande: ich finde es gibt nicht nur eine "Lehrerpersönlichkeit". An den verschiedenen Schulen braucht man verschiedene "Lehrerpersönlichkeiten". Ich kann z.B nicht an Hauptschulen oder Grundschulen unterrichten, das passt absolut nicht zu mir. Auf dem Gymnasium komme ich allerdings wunderbar klar.


    In anderen Länder wird davon ausgegangen, dass man als Lehrer alle Schüler unterrichten können muss. In England ist es definitiv so, dass die Mehrheit der Lehrer denkt, wenn man Hauptschüler unterrichten kann, dann ist man ein "richtiger" Lehrer. Die top sets kann ja "jeder" unterrichten, die bottom sets sind doch die Herausforderung...


    Da muss ich sagen, dass ich in dem Fall keine "Lehrerpersönlichkeit" habe. Gleichzeitig kann ich behaupten, dass ich mit meinen Gymnasialschüler wunderbar zurecht komme.


    Es hängt nicht nur von der Klasse und von der Schule ab, ob man eine Lehrerpersönlichkeit hat oder nicht, es hängt auch von den Methoden ab. In England musste ich Fremdsprachen ganz anders unterrichten als hier, das lag mir nicht. Ich habe zwar alles gut bestanden, aber ich konnte mir nicht vorstellen den Beruf lange auszuüben.


    Andererseits habe ich in England Lehrer kennengelernt die in Deutschland "gescheitert" sind. Die haben "plötzlich" eine bemerkenswerte "Lehrerpersönlichkeit".
    In England habe ich eine Freundin die durch ihr Probejahr fast durchgefallen wäre. Alles wurde kritisiert und unser Mentor hat gesagt, dass sie eine total unfähige Lehrerin sei (obwohl sie im Ref tolle Noten hatte - in England gibt es noch eine Art Probejahr welches man ebenfalls bestehen muss). Dann hat sie die Schule gewechselt und siehe da, plötzlich war sie sehr gut und im Endeffekt hat sie das Probejahr an einer anderen Schule mit sehr guten Leistungen bestanden.


    Ich denke es gibt wirklich sehr viele Beispiele von Lehrern die im Ref sehr große Schwierigkeiten hatten aufgrund ihrer "Lehrerpersönlichkeit" und dann im Endeffekt gute Lehrer wurden. Ein eher introvertierter Lehrer z.B kommt in einer Mädchenschule vielleicht besser an als ein extrovertierter Entertainer. Der Entertainer hat in einer Brennpunktschule dafür die besseren Karten... Also meiner Meinung nach hängt es nicht unbedingt vom Lehrer ab sondern auch von der Schulform/Klasse/Kollegium/Mentoren ob man eine "Lehrerpersönlichkeit" hat oder nicht. Klar gibt es Lehrer die man in jede Schulform einsetzen könnte, aber wenn ein Lehrer mit einer bestimmten Schulform nicht zurecht kommt heißt es nicht, dass er grundsätzlich ein schlechter Lehrer ist...

    • Offizieller Beitrag

    hm,


    ohne jetzt ausufernd weiter zu posten:


    Lehrerpersönlichkeit in meinem Verständnis meint nicht, dass es DIE Persönlichkeit gibt - das, was du wahrscheinlich als Lehrerpersönlichkeit anreißt, lehne ich sogar eher ab. Ich denke, du meinst die Rollenattitüden des Lehrers.


    Natürlich arbeitet jeder anders, an den unterschiedlichen Schulen. Dennoch kenne ich z.B. einen Kollegen, der es immer noch nicht schafft Schüler anzuschauen im Unterricht oder auf dem Gang. In diesem Fall spreche ich von einem Aspekt der Lehrerpersönlichkeit, der unterentwickelt ist oder mindestens problematisch.


    Auf meinen Beobachtungszetteln für Reffis stehen in der Spalte Lehrerpersönlichkeit eher so Sachen, wie das Zusammenspiel mit den Schülern klappt. Wie man von vorn nach hinten reagiert und umgekehrt...wie man mit Schülerantworten umgeht...usw.


    also das, was oben jemand schrieb, ob der reffi hinter dem steht, was er macht oder nur schlecht schauspielert. Ob man, grob gesagt, die eigene Persönlichkeit mit einbringen kann.


    grüße
    h.

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