"So soll meine Klasse sein..."

  • Ich würde gerne in meiner zweiten Klasse, die ich vor kurzem übernommen habe und in der leider kein sonderlich gutes Klassenklima herrscht mit den Kindern überlegen, was ich gerne in meiner Klasse haben möchte (Hilfe, nette Kinder, Ruhe zum Arbeiten, etc.) und was sie nicht gerne in ihrer Klasse haben möchten (Streit, Ärger,...).
    Ich weiß aber nicht so richtig, wie ich das aufbauen soll und wie ich das für die Kleinen vernünftig formulieren kann (hoffe, ihr habt mich überhaupt verstanden..).
    Ich denke, dass die Klasse schon gut einschätzen kann was gut für die Klasse ist und was nicht. Aber die Aufbereitung bereitet mir Kopfschmerzen.


    Irgendwelche Tipps?

  • Hallo,
    ich würde der Klasse da nichts vorgeben. Ich denke, die Kinder wollen ja selber keinen Streit und eher eine angenehme Atmosphäre. Also frag sie einfach, was sie verändern möchten. Jeder soll das auf einen Zettel schreiben und dann heftest du alles an die Tafel. Es werden viele Dinge mehrfach genannt werden, d.h. das wünschen sich wohl viele. Dann traut sich auch jeder was zu schreiben. Dann kann man mit diesen Wünschen weiterarbeiten. Warum ist Euch das wichtig? Was wollen wir tun, damit es klappt?
    Viel Erfolg
    Anna

  • Nabend Lieselotte,
    auch so 'ne Psychoklasse, hm? :haudrauf:


    Ich habe Klassenregeln relativ zu Beginn diesen Schuljahres mit meinen Zweitis (die ich seit Mitte der 1. Klasse habe) erarbeitet.
    Nicht dass es wirklich was genützt hätte (grad letzte Woche hatte ich ein Déjà-vu... "Hab ich nicht genau das schon vor einem Jahr geschimpft? Und das genau so oft?")... aber nun ja.


    Jedenfalls...
    Ich hatte Bilder gemalt zu verschiedenen Dingen, die ich für ein halbwegs erträgliches Miteinander wichtig fand bzw. die ein positives Klassenklima eben massiv störten. Diese Bilder zeigten jeweils das Negative, also z.B. dass ein Kind geschlagen oder ausgelacht wurde, dass es nicht mitspielen durfte oder dass ein Kind etwas kaputt machte.


    Die Bilder haben wir einzeln an der Tafel gehängt und dann gemeinsam interpretiert... danach habe ich die Kinder jeweils gefragt, ob sie möchten, dass ihnen das passiert bzw. ob sie das richtig finden.
    Und NATÜRLICH haben sie alle verständnislos bis entrüstet verneint. ;)


    Nun ja, dann durfte jeweils eins mit dickem roten Stift das 'böse/schlechte' Bild durchstreichen und dann wurden die entsprechenden Sätze darüber und darunter aufgehängt.
    z.B.
    "Ich will nicht dass mir jemand weh tut" (oben drüber) => "Ich tue keinem anderen Kind weh“ (unten drunter)
    oder „Ich will nicht ausgelacht werden.“ => "Ich lache die anderen Kinder nicht aus." (dito)


    ... alles eben nach dem Motto "Was du nicht willst das man dir tu..."
    wobei auch Sachen vorkamen wie "Ich will Bücher und Spiele im Regal finden" => "Ich räume die Spielsachen auf wenn ich fertig bin" etc.
    Es war recht umfangreich, ich glaube mit meinen Bildern und einigen von den Kindern gewünschten Ergänzungen waren wir dann bei 12 oder 13.


    Davon ausgehend haben wir dann unsere Klassenregeln erarbeitet,
    wobei wir einiges zusammengefasst und vereinfacht haben.


    Gehalten habe ich mich bei der Formulierung der Regeln dann an folgende Empfehlung:
    Wirksame Verhaltensregeln...

    • enthalten das Wort „ich“
    • sind möglichst kurz und verbindlich
    • benennen eindeutiges und überprüfbares Verhalten
    • sind sachlich und wenn möglich positiv formuliert


    Zum Schluss haben wir unsere Regeln dann auf 2 Plakate nach Gebieten aufgeteilt: Allgemeine Klassenregeln (Ich bin freundlich zu anderen. | Ich höre auf die Erwachsenen. | Ich gehe mit Materialien, Spielsachen und Möbeln vorsichtig um) und Regeln für das Verhalten im Unterricht (z.B. abwarten, melden, ...).


    Ich muss dazu sagen, dass wir Förderschule sind... der Unterrichtsablauf ist also teilweise schon anders als in einer Regel-Grundschule und ich habe daher vielleicht leicht andere Prioritäten.
    Aber vielleicht kriegst du ja hierdurch eine kleine Anregung...? :)


    .
    .
    .


    Jetzt wo ich so drüber nachdenke, wird mir bewusst dass sich vielleicht doch ein klitzewinzigkleines bisschen was getan hat.
    Manchmal genügt mittlerweile ein Zwinkern (wenn mir ein Kind mal wieder ein Arbeitsblatt unter die Nase hält während ich gerade mit einem anderen Kind beschäftigt bin) oder das Deuten auf die Klassenregeln.
    Bei manchen Kindern zumindest... :rolleyes:


    Liebe Grüße & nen guten Start in die neue Woche -
    NannyOgg

    ~ Wenn ihr mich sucht, ihr findet mich im Zwiespalt. ~

  • Toll, danke für deine ausführliche Antwort. Über Bilder kann man wohl tatsächlich gut einsteigen.
    Ich hatte gedacht, ich gebe ihnen die Möglichkeit eigene Stichworte aufzuschreiben (das will ich, das will ich nicht). Aber ein paar untersützende Bilder sind bestimmt sinnvoll.

  • Hallo!


    In der Grundschulversion von "Anerkennung und Achtsamkeit" (BzgA) gibt es einen Fragebogen zum Klassenklima. Nach der Durchführung ist allen klar, wo es am meisten brennt. Außerdem wird auch deutlich, welches Positivverhalten erwartet wird.
    Daraus kann man ein "Ziel der Woche" stricken, dass es zu erreichen gilt, und dann jeweils gemeinsam evaluieren.


    Eine Kollegin hat für ihre erste Klasse Regelfotos geschossen. 2 oder 3 Kinder haben jeweils eine der Regeln nachgestellt, dann wurde auf A4 vergrößert und im KLassenraum aufgehängt. Die Identifikation der Kinder mit den Regeln steigt dadurch enorm an.


    ninale

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Genialer Gedanke! *Kamera einpack*


    Die Broschüre liest sich gut an... ich glaube es wäre (gerade angesichts meiner Verzweiflung in den letzten beiden Wochen) an der Zeit, das Thema noch mal aufzuwärmen. 8)

    ~ Wenn ihr mich sucht, ihr findet mich im Zwiespalt. ~

  • Also ich bin weg davon, meine kleinen Kinder nach den Regeln zu fragen. Ich habe immer die Kleinen und anfangs habe ich auch versucht, Regeln mit ihnen zu erarbeiten. Ist voll in die Hose gegangen. Immer wieder.


    Seit ich mütterlich-dominant und offen die Regeln vorgebe, sind alle viel glücklicher. Ich bin seitdem der festen Überzeugung, dass die Kinder dazu in der 1. und 2. Klasse definitiv zu klein sind, sich selbst Regeln zu setzen. Wir überfordern sie damit und suggerieren eine Quasi-Mitbestimmung, die verlogen ist und die die Kinder absolut nicht mögen. Da fängt der Missmut dann schon an. Ab der Dritten kann man mit schlauen Kindern damit beginnen, richtig erst in der vierten oder später.


    Ich würde mich vor die Klasse setzen und sagen, dass ich immer gerne zur Schule gegangen bin, aber jetzt gerade nicht mehr, weil dies, das und jenes ganz oft passiert. Und du willst das nicht mehr (viele Kinder werden dir zustimmen). Und die Eltern wollen das auch nicht, denn alle Eltern wollen, dass ihre Kinder sich wohl fühlen und gut lernen in der Schule. Beides geht Hand in Hand. Und du willst das auch und die Kinder wollen das auch. Darum bestimmst du von nun an folgende "goldene" Regeln:


    1. Keiner darf bei der Arbeit gestört werden.
    2. Alles, was benutzt wird, muss an seinen Platz gelegt werden.
    3. Wir reden leise und freundlich miteinander.
    4. Schlagen verboten.
    5. Auslachen verboten.


    Diese Regeln reichen nach meiner Erfahrung, alles abzudecken. Der Müll wandert in dein Eimer (Regel 2), die Federtasche in die Schultasche. Die Pausenklingel wird eingehalten (Regel 1), Beleidigungen bleiben verboten (Regel 3). Provokationen werden weiter da sein, aber wenn diesen nicht begegnet wird (Regel 3), dann verlaufen sie sich im Sande. Regel 5 muss mühevoll gelernt werden, denn der Unterschied zwischen "Auslachen" und "Lachen, weil es lustig ist" ist in der Regel abhängig von der Perspektive und Perspektivwechsel bekommen die Kleinen auch nur sehr schwer hin (entwicklungsbedingt). Also muss man beim Lachen immer das Gesicht des "Über-den-gelachten" betrachten. Lacht er mit, ist alles in Ordnung. Lacht er nicht, muss man ganz schnell aufhören und trösten, denn sonst ist es auslachen gewesen.


    Vorher würde ich dieses Vorgehen mit den Eltern besprechen und mit ihnen abstimmen, was du tust, wenn sich XY nicht an die goldenen Regeln hält. Ich schicke immer eine kurze Nachricht heim: "XY hält sich nicht an die goldenen Regeln". XY muss dann selbst Zuhause berichten, was er/sie gemacht hat und warum. Das ist Ventil (für XY) und Rückmeldung (für die Eltern und mich) gleichermaßen.


    Wenn die Kinder mich fragen, was passiert, wenn die goldenen Regeln nicht eingehalten werden, dann antworte ich: "Dann haben wir keine goldenen Zeiten und kommen alle gaaaaannnnz ungerne zur Schule. Willst du das?":-)

  • Klassenregeln würde ich mit meiner 1. Klasse auch gerne erstellen. Es ergab sich gerade heute, dass wir gemeinsam überlegt haben, wie unser Raum aussehen sollte, damit sich alle wohlfühjlen und nichts kaputt- oder verloren geht. Geschriebene Regeln sind für sie natürlich wenig eindrucksvoll. Wir brauchen Bilder. Nun habe ich überlegt, ob die Kinder diese Bilder schon selbst malen können, dann habe ich auch die Punkte, die sie verstehen und wichtig finden.
    Ist eine 1. Klasse wohl schon in der Lage, so etwas zu machen? Was denkt ihr?


    Mechthild

  • Mit meiner jetzigen 2 habe ich das so gemacht. Die Kinder durften sich in der 1 (freiwillig) eine unserer Gesprächsregeln aussuchen und dazu malen.
    Jetzt in der 2 habe ich sie Regeln formulieren lassen und sie an die Tafel geschrieben. Wir haben darüber abgestimmt, welche der Regeln wir wirklich brauchen und einiges zusammengestrichen. Dann haben sie sich in 3er oder 4er-Gruppen überlegt, wie man die Regeln darstellen kann (jede Gruppe durfte sich eine Regel aussuchen) und ich habe sie dann fotografiert. Die Fotos habe ich dann auf ein riesiges Plakat geklebt und die Regel druntergeschrieben.
    Wichtig war mir, nicht alles ganz genau auszudifferenzieren, damit es nicht zu viele Regeln werden. Also nicht: wir treten nicht, wir schubsen nicht, wir schlagen nicht, sondern: wir sind nett zueinander. Die genauen "Untergruppen" haben wir nur mündlich erarbeitet, sodass allen kar war, was "nett zueinander sein" heißt.

  • In der 1. geht es bei sehr ähnlich wie bei Piep zu:-)


    In meiner letzten 2. habe ich Flashcards auf dem Boden ausgelegt und die Kids gingen still durch die Klasse und lasen und betrachteten die Karten. Auf ein Zeichen hin stellte sich jedes Kind zu der Regel, die ihm am Wichtigsten erschien (es waren in etwa die Regeln aus Klasse 1).
    Dann besprachen wir im Sitzkreis und ordneten die Regeln nach ihrer Wichtigkeit, die SchülerInnen begründeten wirklich toll, warum sie was für wichtig hielten.
    Ich habe die Reihenfolge danach notiert und wir haben alle unseren *Friedensvertrag* selbst unterschrieben und vorne als Deckblatt in die Sachunterrichtsmappe gegeben, die Flashcards kamen an die Pinnwand.

  • Hallo Lieselotte!


    Ich habe letztens etwas sehr schönes gelesen, was man in Klassen mit schlechtem Klima gut einsetzen kann (zusätzlich zu Klassenregeln). Und zwar kann man eine "Gute-Taten-Leine" aufhängen und kleine Zettel bereit legen. Die Kinder sollen dann aufschreiben, wenn ihnen ein anderes Kind etwas gutes getan hat (geholfen hat, etwas mit ihm geteilt hat usw.) Am Ende eines Tages oder einer Woche kann man dann noch einmal die entsprechenden Kinder für ihre guten Taten loben. Vielleicht hilft dir die Idee ja auch ein bisschen weiter.


    Liebe Grüße!

  • Das ist eine wirklich nette Idee. Das Thema ist aber schon über ein Jahr alt, so dass ich das in der Klasse gar nicht mehr einsetzen kann und in meiner jetzigen Klasse läuft es zur Zeit eh gut.

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