stimme schonen?

  • Hallo,


    ich habe eine sehr unruhige und laute 5. Klasse. An manchen Tagen sind sie sogar so laut, dass man nur noch durch lautes Sprechen bzw. Rufen irgendwie durchdringen kann. Manchmal tut mir der Hals abends weh und ich denke, dass man so nicht lange als Lehrer arbeiten kann. Gibt es irgendwelche Tipps, wie man eine Klasse ruhiger stellen und wie ich meine Stimme schonen kann?


    Wenn ich streng geführten Frontalunterricht mache, dann arbeiten sie auch gut mit und ich kann mich zurücknehmen, aber das ist ja nicht Ziel meiner Arbeit und ich möchte auch offenere Formen durchführen.


    Ich bin etwas verzweifelt, weil ich gerade nicht so wirklich weiterkomme..

  • Deine Stimme schonst du am meisten, wenn du nicht mit der Kraft- sondern der Wurfstimme arbeitest. Das bedarf aber etwas Training. Wir hatten im Studium glücklicher Weise Sprecherziehung und haben so etwas geübt.

  • Man kann z.B. versuchen, verschiedene nonverbale Zeichen (oder auch Routinen) zu entwickeln. Viele Kinder bringen so etwas auch aus der Grundschule mit. Du könntest vielleicht sogar die Kinder selbst befragen, wie in der Grundschule das Signal gegeben wurde, etwa nach einer Gruppenarbeit wieder leise zu sein.


    "Meine" jetzige 5. Klasse hat mir erzählt, dass sie in der Grundschule ein Handzeichen hatten, bei dem Zeigefinder und der kleine Finger nach oben gestreckt werden, der Daumen mit den anderen beiden Fingern zusammengelegt wird. Sieht also aus wie ein geschlossener Mund. Hält der Lehrer den Arm mit diesem Zeichen nach oben, kopieren alle Kinder, die es sehen, dieses Zeichen (und sind leise), nach und nach bekommen es alle mit. Du musst dazu also nicht ein Wort sagen.


    In einem Kindergarten habe ich mal beobachtet, dass die Dreijährigen das Signal des Licht-an-und-ausmachens sofort umsetzten in "Jetzt ist Zeit zum Aufräumen". Wäre für dich vielleicht auch eine Möglichkeit.


    Für lautere Gruppenarbeitsphasen (und / oder an anderen Orten wie in der großen Aula oder auf dem Schulhof) verwende ich manchmal eine Glocke (, die laut genug sein muss...). Ertönt sie, ist dies ebenfalls ein Zeichen zum Leisesein / Zusammenkommen / Zuhören.


    Auch deine Position im Raum kann Schüler dazu bringen, etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen. Manche Dinge kann man immer wieder von der gleichen Stelle machen. Stehe ich zu Stundenbeginn immer wieder dort, wissen die Schüler, dass nun die Begrüßung kommt und sie leise zu sein haben. Eine andere Stelle wird vielleicht verwendet, um "böse" zu sein. Irgendwann reicht es, nur noch an diesen Platz zu gehen und dort zu stehen, dann nehmen die Schüler diese "Drohung", das Donnerwetter war, bevor man auch nur ein Wort gesagt hat.


    Ansonsten sollte man im "normalen" Unterricht versuchen, erst dann zu sprechen, wenn die Klasse ruhig ist. Musst du gegen mehrere Schüler "anschreien", kannst du eigentlich fast sicher sein, dass (zu) viele Schüler (zu) abgelenkt sind und der Unterricht so nicht ganz so effektiv ist. Also lieber mehrere Momente lang warten und signalisieren, dass man wartet - die "Kleinen" in der 5. Klasse reagieren auf so etwas (meist) noch und rufen sich auch gegenseitig zur Ruhe auf. (Die "Großen" sind da oft etwas resistenter...) Mit der Zeit werden diese Wartephasen dann (hoffentlich) weniger...

  • Ich finde eine Lärmampel nicht schlecht. Meine Kiddies waren nicht abnormal laut, aber in Stillarbeitsphasen fanden wir es alle mit der Ampel besser.


    Ich rede einfach grundsätzlich nicht mehr, wenn es laut ist. Das braucht etwas Durchhaltevermögen aber das geht. Ich sehe es nicht ein gegenan zu schreien. Bei einer sehr unruhigen Klasse habe ich mal wenn es ganz schlimm war in eine Trillerpfeife geblasen weil sie alles andere nicht mehr gehört haben. Das war sehr heilsam und wir konnten dann bald auf Klangschale und später sogar auf Handzeichen umsteigen.
    Auf keinen Fall schreie ich aber. Das hilft eh nichts und führt nur dazu, dass man später eine kaputte Stimme hat.

  • Wie sieht denn so eine Lärmampel aus? Die Idee klingt gut, bei Arbeitsphasen der Schüler mache ich auch häufig einfach einen Strich an die Tafel und immer, wenn es zu laut wird, wische ich ein bißchen was weg. Sollte der Strich komplett weg sein, müssen sie eine Zusatzaufgabe erledigen (dazu ist es aber bisher noch nicht gekommen). Aber "Lärmampel" klingt irgendwie professioneller und durchdachter!

  • Meine Referendarin arbeitet mit einer preisgünstigen Lärmampel.
    Sie hat eine rote, eine grüne und eine gelbe Pappe laminiert und stellt die entsprechende Pappe "als Ampelfarbe" auf die Tafel.


    Ihre Fünftklässler schauen immer mal wieder dorthin und sind stolz, wenn durchgehend "grün" ist.

  • Ich hatte früher auch so eine Pappampel, allerdings finde ich die nicht halb so gut. Der Vorteil an der Lärmampel ist ja, dass man selber da nicht rumspielen muss und die einstellen muss sondern es funktioniert automatisch. Somit ist man als Lehrer da mit seinen persönlichen Empfindungen völlig raus.
    Gut, günstig ist die nicht. Aber wenn ich zusammenrechne was ich schon alles für Kopiervorlagen oder Heftchen oder so ausgegeben habe wo ich dann letztendlich 2 Seiten von benutzt habe...
    Aber das geht vielleicht nur mir so :D

  • Hallo,


    erstmal danke für die vielen Antworten!


    Meine 5. Klasse ist nicht nur unruhig, sondern auch rotzfrech. Wenn man nach Aufforderungen zur Ruhe hört: "Wir sind hier in einem freien Land!" bleibt einem manchmal echt die Spucke weg, was die sich alles trauen. Das ist nicht nur in meinem Unterricht so, sondern auch bei anderen Lehrern. Das heißt, mit solchen "Spielchen" (nicht negativ gemeint!) wie Handzeichen und Lärmampel komme ich nicht mehr durch. Ich hatte auch mal eine Glocke, doch die Kinder sind sehr resistent dagegen geworden. Viele muss man trotz Wartens immer wieder auffordern, ruhig zu sein. Wenn man Arbeitsgänge unterbrechen muss, um nochmal etwas zu erklären, braucht es ungemein viel Zeit, bis alle Arbeitsmittel aus der Hand sind.


    Und dann habe ich das Gefühl, dass ich lauter werden muss. Ich weiß im Moment einfach nicht, wie ich mit dieser Klasse umgehen soll. Es gibt zwei, drei Störenfriede, die mittlerweile ziemlich viele andere Schüler mitgerissen haben.

  • Kannst Du die dann nicht schnell zu einer anderen Kollegin schicken und somit kurzzeitig vom Unterricht ausschließen?
    Gibt es einen Trainingsraum bei Euch?


    Klar, 5. Klasse ist vielleicht noch mal anders als Grundschüler.


    Hm. Ich fand es manchmal schon heilsam für die Kinder dann einfach nichts zu erklären, sie machen zu lassen und dann später genau das abzufragen um danach ins Gespräch zu kommen, warum es doof ist, wenn Einzelne immer wieder stören.


    Warum musst Du denn während der Arbeitsphase immer noch was erklären? Das ist vielleicht ein Punkt an dem Du ansetzen könntest und die Schritte so erklären kannst, dass es dann keinen Anlass mehr gibt zu fragen.
    Bei mir ist das so:
    1. Erklärung
    2. Fragen
    3. Arbeiten, wer große Probleme hat kommt leise zu mir oder streckt.

  • Bei "Einzeltätern": Ich erkläre und dann lasse ich die Störer das nochmal zusammen fassen. Wahrscheinlich kommt dann nichts. Passiert dies häufiger (also nicht hier interpretieren: einmal nicht aufgepasst = Note 6), ergibt sich daraus ganz natürlich eine Unterrichtsbeitragsnote - und die ist "ungenügend". Das sage ich meinen Schülern auch von Anfang an: Wer nichts mitbekommt, dazu noch stört und andere ablenkt und dann, wenn eine Leistung eingefordert wird, keine Leistung bringen kann, muss sich nicht wundern.


    Vorausgesetzt, andere Mittel versagen und ein großer (!) Teil der Klasse ist an der Unruhe beteiligt:


    Hinweis darauf, dass alles, was wir im Unterricht nicht mehr schaffen, zu Hause nachgelesen werden muss.


    Dann: Ich sage gar nichts mehr, sondern mache im Minutentakt Striche an die Tafel.


    Sollten da in einer Woche 45 Striche zusammen kommen, ist die Spiel-/Sing- oder Videostunde vor den (Weihnachts-)Ferien gestrichen und es gibt "normalen" Unterricht. Die Klasse hat die Möglichkeit, sich so eine Stunde wieder zu "verdienen".


    Andere Möglichkeit, falls sich wirklich 2-3 Hauptverantwortliche identifizieren lassen: "Einladung" zu einer Nacharbeit am Nachmittag, denn sie haben im Unterricht alleine das Nötige wohl nicht mitbekommen.

  • Danke, Nighthawk, das waren gute Tipps! Die erste Androhung eines Videoentzugs hat schon gewirkt. Und Striche werden ab jetzt auch gemacht.


    Dann: Zwischenunterbrechungen sind manchmal einfach auch gut, um Zwischenschritte zu erläuern oder Zwischenwertungen zu ermöglichen. Besonders im Kunstunterricht eignet sich das ganz gut.

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