"Schülersprechtag"

  • Hallihallo,


    ich habe mich mit einer Freundin aus Norwegen unterhalten, die erzählt hat, dass im Kindergarten ihrer Tochter zwei Mal pro Jahr mit jedem Kind ein "Kindersprechtag" stattfindet, bei dem eine Erzieherin bei einem Glas Saft und Keksen mit jedem Kind einzeln zusammensitzt (ca. 10 Minuten). Im Gespräch (systematisch mit Fragebogen, der "abgearbeitet" wird) geht es wohl darum, wie es dem Kind im Kindergarten gehe, was es besonders gern mag etc. Einige Tages später findet dann ein Elterngespräch statt, in dem der Gesprächsbogen Grundlage ist. Den Eltern wird sogar vorher mitgeteilt, was Schwerpunkte des Gesprächs sein werden, damit sie sich ggf. darauf vorbereiten können.


    Ich finde die Idee richtig gut und überlege, so etwas auch mal zu machen. Allerdings: wenn schon, dann auch systematisch! Die Frage, die sich mir nun stellt, ist, ob es bereits fertige Bögen gibt, oder ob ich mir selber überlegen muss, was ich die Kinder fragen möchte.


    Habt ihr Erfahrungen mit solchen Gesprächen? Das würde mich sehr interessieren!


    Liebe Grüße!


    P.S.: Noch eine gute Idee aus dem norwegischen Kindergarten: jedes Jahr bringt jedes Kind eine Art "Portfolio" mit, das die Eltern zusammen mit dem Kind gestalten: eine DIN A4-Seite mit Fotos der wichtigsten Bezugspersonen (+ jeweils kurz dazu, wer das ist), dem Haus, in dem das Kind wohnt, einem Bild des Haustieres, ein Foto vom Kind bei seiner Lieblingsbeschäftigung, ... Die Gestaltung liegt ganz beim Kind und seinen ELtern. Ziel ist es, dass die Erzieherinnen eine Gesprächsgrundlage haben und dass auch die Kindergartenkinder wissen, von wem die Rede ist, wenn das Kind von "Emil" erzählt (nein, nicht der Bruder, sondern der Hamster!). Ich denke, ich werde das in meiner nächsten ersten Klasse mal ausprobieren (nicht jedes Jahr, sondern vielleicht zu Beginn der ersten Klasse und zu Beginn der dritten Klasse).

  • Vielleicht kann ich nicht wirklich mitrden, da ich ja nicht an der GS tätig bin, aber ehrlich gesagt:


    das wollte ich nicht.


    Bei 170 Schülern sind das locker 1700 Minuten = 3 Stunden), wenn denn nur 10 Minuten pro Schüler eingehalten werden.
    Die Schüler können jederzeit informell ein Gespräch mit mir führen.


    Aber wie gesagt, vlt sieht das im GS Bereich ja anders aus.

  • Beruhigend zu lesen das du dort kein Mathe unterrichtest ;-)


    1700 Minuten sind wohl eher was um die 28 / 29 Stunden - nich bös sein, aber als Mathematiker konnte ich das nicht so stehen lassen..

  • Ich finde die Idee auch wirklich gut.
    In der Grundschule hat man ja auch im Normalfall nur eine Klassenleitung (sprich höchstens ca. 30 Kinder), die könnte man schon in einigen Wochen durchbringen.
    Als Zeitpunkt wäre denkbar: nach dem Unterricht, vor dem Unterricht, evtl. auch während der Wochenplanarbeit oder so.


    Wichtige Fragen wären vielleicht:


    Wie geht es Dir in der Klasse?
    Was findest Du gut?
    Was findest Du nicht gut?


    Was fällt Dir momentan im Unterricht leicht?
    Was fällt Dir schwer?
    Was würdest Du gern am Unterricht verändern?
    Wie geht es Dir mit den Hausaufgaben? (Schwierigkeit, Dauer, etc.)


    Hast Du einen Wunsch an mich?
    Abschluss: Gibt es noch irgendwas, was du sagen/ besprechen möchtest?


    Ich glaube wirklich, dass es gewinnbringend sein kann!
    Denn meistens denkt man sich ja, dass man im Grunde genommen weiß, wie es den einzelnen Kindern geht, aber vielleicht würden da wichtige Dinge zur Sprache kommen.


    Eine Kollegin von mir macht eine "Kindersprechstunde" (im Anschluss an den Unterricht), dazu müssen die Kinder sich aber von sich aus anmelden bzw. sie bestellt spezielle Kinder ein.


    PS. Ich vermute, Friesin hat einfach eine 0 vergessen! :-)

  • Danke schon mal für die Antworten.


    Ach ja, ich spreche da natürlich nur von den Schülern meiner Klasse (in meinem Fall 22), das würde ich nicht mit den Schülern machen, in deren Klassen ich Fachunterricht gebe.


    Besonderer Dank an NiciCresso: Du hast mir gute Anregungen gegeben. Die Idee Deiner Kollegin mit der "Kindersprechstunde" finde ich aber auch super.


    Wie siehst Du / wie seht ihr alle das eigentlich als Kollegen? Ist das "übertriebener Einsatz", von dem sich einige Kollegen womöglich "angegriffen" fühlen, weil es möglicherweise bei Schülern und Eltern gut ankommt und die Eltern der Parallelklassen diese Einrichtung ggf. auch "einfordern"? Ich gelte im Kollegium schon als "fleißig" (bin jung, stehe am Berufsanfang, habe keine eigenen Kinder und entsprechend mehr Zeit als andere), arbeite auch wirklich gern und bin mir nicht ganz sicher, wie meine Kollegen reagieren würden.


    Weitere Ideen für den "Fragebogen" sind herzlich willkommen!

  • Wir haben in etlichen Konferenzen einen Schülerfragebogen entwickelt, den wir den Kindern jedes Jahr vorlegen wollen. Einmal ist es schon geschehen und es war superinteressant ihn auszuwerten.
    Ich habe einige Antwortenhäufigkeiten gar nicht erwartet und als ich reflektiert habe, war es doch tatsächlich so!!! Toll, wie die Kinder das schon sehen und können.


    Ich finde es eine hervorragende Idee und überlege grade, ob das auch was für mich ist, ein Kindersprechtag aufgrund der Ergebnisse des Fragebogens und dann der Elternsprechtag.
    Gute Idee!

  • So etwas in der Art gibt es doch schon:
    das LSEG = Lehrer-Schüler-Elterngespräch
    Auf dieses wird sich auch mit einem Fragebogen vorbereitet, der Lehrer bekommt einen, das Kind und die Eltern und der wird dann zu dem Termin mitgebracht und ist Grundlage des Gesprächs.
    Wir an unserer Schule machen das in Klasse 1 und 3 (in 2 ist es ähnlich, allerdings ersetzt es hier das Halbjahreszeugnis also zeitaufwändiger und in 4 gibt es ja die Empfehlungsgespräche).
    Sinn ist es, dass das Kind berichtet, von seinen Stärken und Schwächen und wie es sich selbst einschätzt. Dann kommt die Einschätzung der Eltern und des Lehrers.


    Ach ja, zu dem Portfolio...warum immer ins Ausland schweifen? Meine Nichte hat sowas auch in ihrem Kindergarten. Da malt sie dann was, bringt Fotos mit und die Erzieherinnen kommentieren viele der Bilder (naja, in dem Kindergarten sind ca. 17 Kinder und 3 Erzieherinnen, da kann man sowas eher mal machen).


    Aber informiert euch doch einfach über das LSEG und stellt es an eurer Schule vor.



    ~Corvi

    Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig. ~Albert Einstein

  • Zitat

    Original von Student_112
    Beruhigend zu lesen das du dort kein Mathe unterrichtest ;-)


    1700 Minuten sind wohl eher was um die 28 / 29 Stunden - nich bös sein, aber als Mathematiker konnte ich das nicht so stehen lassen..



    :rotfl:
    kam mir schon gleich so wenig vor :rotfl:

  • Zu den Rückmeldungen an mich, meine Arbeit:
    Ab dem 2. Schuljahr schreiben mir Kinder und Eltern Zeugnisse - ein Teil ist als Fragebogen angelegt, ein Teil als: "Was ich dir schon immer sagen wollte...". Am Tag der Zeugnisausgabe bekomme ich meine Zeugnisse. Da geht es unter anderen auch darum, was den Kindern im Unterricht am meisten Spaß gemacht hat, wo (in welchem Fach, welches Thema) sie am meisten gelernt haben, ob es genügend Übungszeit gab, ob es noch offene Fragen gibt, hat das Kind das Gefühl, gerecht behandelt zu werden, etc... Bei den Eltern sind es andere Fragen, etwa, ob sie mit meiner Beratung und meinen Tipps klar kamen, ob sie sich von mir gut informiert fühlten, ob ich ihre Anliegen ernst genommen habe, etc...
    Das alles greife ich je nach Dringlichkeit entweder sofort auf oder warte bis zum Elternsprechtag/Elternabend...


    Zu den Portfoliogesprächen:
    Die Portfoliogespräche habe ich bereits auf Folgendes reduziert: Nach der Zeugnisausgabe wird mit jedem Kind das Zeugnis besprochen und das Kind nimmt sich zwei bis drei "große" Ziele vor (auch nach den Elternsprechtagen), diese werden in unseren Vorhabebüchern notiert. Am Ende jeder Woche tragen die Kinder sich jeweils Zeichen ein, wie es funktioniert hat. Alle 6-8 Wochen setzen wir uns zusammen - mit jedem Kind einzeln - und besprechen, wie das Erreichen der Ziele geklappt hat (schöner schreiben, auf Flüchtigkeitsfehler achten, Rechenergebnisse durch Nachrechen überprüfen, im Wörterbuch nachschlagen, täglich lesen, nicht reinrufen,...). Zum Schluss notieren wir den aktuellen Stand in unserem 'Vorhabebuch und treffen ggf. neue Vereinbarungen. Ich mache meine Notizen auf der verkleinerten Zeugniskopie bzw. meinem Beobachtungsbogen, das Kind – in seinem Vorhabebuch. So verzettelt man sich nicht und die Zeit ist wirklich ausreichend.

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