• Hallo,


    vielleicht kurz was zur meiner Vorgeschichte: Ich warte gerade auf den Beginn meines Refs und arbeite zur Überbrückung an einem Gymnasium. Dort hab ich ne halbe Stelle, u.a. eine siebte Klasse in EK. Diese Klasse ist sehr unruhig und laut. Ich hab mir ein paar Tipps von Kollegen geholt (Zusatzaufgaben, gelbe und rote Karte), was anfänglich auch was gebracht hat.


    ich hatte heute nun folgendes Erlebnis:
    Nachdem ich mal wieder drei Zusatzaufgaben verteilt hab, weil die Klasse heute insgesamt richtig laut was kam es zur Eskalation. Scheinbar haben sich zwei Schüler unentwegt leise unterschwellig beleidigt (das war auch der Grund für die Zusatzaufgabe), was sich dann so hochgeschaukelt hat, dass eine Schülerin plötzlich heulend aufsprang und aus der Klasse gerannt ist. Ich hab dann zwei Schülerinnen hinterher geschickt und nach 5 Minuten sind sie auch alle wieder rein gekommen. Leider hatte ich nicht mitbekommen, was genau gesagt wurde, habe aber dem anderen Schüler nochmal ins Gewissen geredet. Nachdem die Schülerin dann wieder drin war wollte natürlich jeder wissen was gesagt wurde. Es war wohl was gegen ihre (schwierige) Familiensituation, da sie plötzlich losbrüllte und meinte alle sollen ihre Fr*ss* halten etc. Sie hatte wohl ihren Mitschüler zuvor auch massivst beleidigt, was er nun auch lautstark kundgetan hat und auch zu heulen anfing sowie die Arbeit verweigert hat. Ich bin dann mit ihm nach draußen gegangen und hab ihm ins Gewissen geredet. Er hat sich dann auf nen anderen Platz gesetzt und das AB weiterbearbeitet.


    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich absolut nicht wusste wie ich in einer solchen Situation reagieren soll. Ich hatte bereits vorher die Ansicht, dass in der Klassengemeinschaft etwas nicht stimmt. Scheinbar ist es bei mir nun zur Eskalation gekommen.


    Nun hab ich die Klasse morgen wieder und frage mich wie ich mit der Situation morgen umgehen soll. Soll ich das nochmals im EK-Unterricht thematisieren oder das Gespräch mit der KL suchen? Ist es sinnvoll die Sitzordnung so zu ändern, dass die Konfkliktherde möglichst weit auseinander sitzen?


    Ich fühle mich ziemliich hilflos und ich weiss, dass die Schüler das gemerkt haben, da ich teilweise nicht intervenieren konnte.


    Danke für eure Hilfe

  • Hallo Mickey,


    also, erstmal solltest Du von Dir selbst nicht verlangen, solche Situationen aus dem Stehgreif handeln zu können, und egal, ob die Schüler Deine Hilflosigkeit bemerkt haben oder nicht, auch die werden Dir bei so was Überraschendem nicht nachtragen, wenn Du mal nicht weißt, was zu tun ist. Solch eine Situation kann ich mir auch für mich vorstellen, und ich finde, dass Du richtig gehandelt hast (Freundinnen rausschicken, die nach der "Weggelaufenen" schauen und sie wieder mit reinbringen).


    Als nächstes solltest Du in der Tat mit dem Klassenlehrer sprechen, der muss ja wissen, was so los ist in seiner Klasse.


    Ich an Deiner Stelle würde es in der nächsten Unterrichtsstunde so machen: "Da war ja letztes Mal etwas, das mir nicht gefallen hat und das ich zuerst nicht verstanden hatte. Ich habe mit dem Klassenlehrer gesprochen / werde mit dem Klassenlehrer noch sprechen, weil es nicht akzeptabel ist, dass sich die Schüler gegenseitig beleidigen, ganz gleich aus welchen Gründen. Das war jetzt also das letzte Mal, und ich gehe davon aus, dass das nicht nochmal vorkommt."


    Und ja, zudem sollte man die Streithähne auseinander setzen.


    Diese Ratschläge finde ich auch vor dem Hintergrund der folgenden Gedanken richtig: Was solltest Du sonst machen? Solltest Du die schwierige Familiensituation dort im Unterricht thematisieren? Nein, schon allein deswegen nicht, weil die betroffene Schülerin dann wieder an ihre persönlichen Probleme erinnert wird und diese sogar "veröffentlicht" sieht.


    Die Lösung des Problemes bedarf einer genaueren Analyse, die Du als Anfänger + Nicht-Klassenlehrer nicht leisten kannst, weil dafür auch Hintergründe erforderlich sind, die Du wohl nicht kennst.


    Vielleicht hat jemand anderes noch weitere Tipps? Ist ja das generelle und häufige Problem "Mobbing". Man muss als Lehrer dagegen halten, weil sowas schlimm ist, aber man kann nicht zaubern. "Richtig falsch" ist jedenfalls nur, das Problem zu ignorieren und nicht deutlich zu zeigen, dass das nicht geht.


    Hamilkar

  • Ich schließe mich Hamilkar an: Du kannst nicht erwarten schon solche Konflikte alleine lösen zu können. Ich würde nun an deiner Stelle das mit dem KL besprechen. In der Regel reicht das, wenn der KL dann das Thema noch mal in der Klasse aufgreift. Ansonsten könntest du einfach in der nächsten Stunde den Schülern sagen, dass du die Situation nicht schön fandest und dass man zu dir kommen kann, wenn etwas vorfällt. Besser man klärt es, bevor es eskaliert.

  • Und falls du das Gefühl haben solltest, du trägest Mitschuld an dieser Eskalation: Zieh dir den Schuh nicht an. In 7./8. Klassen passieren solche Geschichten (leider) (heutzutage) häufig.
    Da kann man auch als erfahrener Kollege oft nicht "richtig" handeln. Auf jeden Fall mit Klassenlehrer besprechen, der kennt die Kinder ja meist auch besser. Habt ihr einen Beratungslehrer/-in oder Sozialpädagogen an der Schule? Das wären auch passende Ansprechpartner (für dich und für die betroffenen Schüler).

  • So etwas wird leider noch öfter passieren, auf die eine oder andere Art. Du musst dir da irgendwann ein dickeres Fell zulegen, du kannst nicht alles verhindern, was in einer Gruppendynamik passiert und schon gar nicht alles alleine lösen. Wenn du dich immer für alles verantwortlich fühlst, gehst du irgendwann daran kaputt.
    Ich würde das Problem der KL zutragen, sie ist eigentlich für so etwas zuständig. Irgendwann wirst du vielleicht auch einmal KL sein, dann wird jemand anders dir so etwas "aufbürden", aber du bist im Moment nicht die Person, die sich damit, außer im eigenen Unterricht, zu befassen hat,und dieses, das sehe ich wie die anderen, auch noch nicht leisten kan.
    Die KL kennt vielleicht die Strukturen der Schule oder hat anderweitig Möglichkeiten, auf die Gruppe einzuwirken, bzw. mit den betreffenden Schülern zu reden. Manchmal ist alles halb so wild, als es im ersten Moment scheint.

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