Keine Ruhe in der Klasse

  • Hallo!


    In meiner 7. Klasse kriege ich selten Ruhe während des Unterrichts rein. Die Hälfte der Schüler sind dauernd so mit ihren pubertären Problemen beschäftigt, dass sie auch nicht während des Unterrichts davon lassen können. Die Jungs provozieren sich gegenseitig, so dass es auch schon in den Stunden zu Rangeleien kommt. Ich habe ja viel Verständnis für Schüler (ja, ich gebe zu, dass ich manchmal zu viel Verständnis habe und zu "nett" bin...), aber nun ist meine Geduld langsam am Ende. Strafarbeiten/Zusatzhausaufgaben mit Elternunterschrift bringen nichts, Notendruck auch nicht. Ich habe schon mit der Klassenlehrerin und dem Mathelehrer gesprochen, die wohl nicht so die Probleme in der Klasse haben, obwohl einige der Schüler behaupten, die Klasse wäre oft so und sie fänden es auch total doof und nervig, weil man nicht arbeiten kann. Ich versuche oft die Methoden zu wechseln, weil mich Unterrichtsgespräche und Frontaunterricht wegen der ständigen Disziplinierungsmaßnahmen zermürbt. Dummerweise habe ich auch noch eine Doppelstunde Deutsch in den letzten beiden Stunden. Ob ich wohl darauf die Schuld schieben kann? ;) Hat jemand schon einmal eine Art Belohnungsprinzip in einer 7. Klasse probiert?



    Viele Grüße vom neusten Mitglied :)

    • Offizieller Beitrag

    hallo Optimistin !


    In einer ähnlichen Situation war ich letztes Jahr, auch mit einer Klasse 7.
    Hauptfach in 2 Doppelstunden, davon einmal 5. + 6.Stunde.


    Ich habe alle möglichen Methoden angewandt, um jeden ans Arbeiten zu bekommen. Dazu jede Menge Überprüfungen des Gelernten. Konsequente Hausaufgabenkontrolle.
    Kurze Zügel.


    Was immer sehr gut half:
    "wachsende Hausaufgaben":
    nach der 1. der Doppelstunde habe ich die HA links oben an die Tafel geschrieben. War die Klasse zu unruhig, so dass nicht gearbeitet werden konnte, wurden kommentarlos die HA erweitert. Und so weiter.
    (Natürlich hatte ich das vorher angekündigt)
    Dadurch hatten plötzlich (fast) alle ein Interesse daran, ungestörten Unterricht zu machen. Wer da tatsächlich von weniger Voraussicht geplagt wurde, bekam den Ärger der ganzen Gruppe zu spüren, wenn seinetwegen mehr HA entstanden.


    Und ich hatte in der 6.Stunde immer ein Stundenziel angekündigt.Ein realistisches. "Bis dorthin möchte ich heute mit euch kommen, dann macht ihr den Raum sauber, danach spielen wir." (Der Raum sah an den Tagen immer aus wie ein Saustall)


    Hat mit obiger Maßnahem zusammen dann super geklappt.


    Viel Durchhaltevermögen! ;)

  • Sind schon Tadel verschickt, bzw. die betroffenen Eltern verständigt und ggf. zu zpädagogischen Beratungsgesprächen geladen worden ? 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Ach du liebe Zeit, wieder mal mit Kanonen auf Spatzen schießen, Elternschreck? :-))
    Ich für meinen Teil, liebe Optimistin, habe mit dem Belohnungssystem in meiner hyperpubertierenden 7er-Klasse (über die sich Dreiviertel unseres Kollegiums aufregt) glänzende Erfahrungen gemacht. Die Rabauken sind wie die Lämmer, seit wir folgende Vereinbarung geschlossen haben: Pro halbe Stunde (einer macht jeweils den Zeitwächter, mit einer witzigen Hühnchen-Eieruhr, die ich bei TEDI für nen Euro abgestaubt habe) wird abgerechnet. Klappt der Unterricht ohne jede nervende Störung, gibt´s einen Bonusstrich für die Klasse. Das Ganze bis zum Ende der Doppelstunde. Wird zwischendurch gestört, wird der Bonusstrich weggewischt. Die ganze Prozedur bis zum Ende der Doppelstunde. Sind drei Bonusstriche voll, gibt´s für die Klasse eine Belohnung. Die Lieben haben sich Kuchen ausgesucht. Den gibt´s dann jede zweite Woche (habe die Rabauken einmal pro Woche für ne Doppelstd) am Ende der Stunde, 5 Minuten. Kuchen bringe ich mit, lasse aber jede Stunde Wilbur herumgehen, ein kuchengieriges Sparschwein. Jeder wirft da n paar Cent rein, für zwei leckere Bilig-Aldikuchen reichts allemal (Gesundheitsapostel bitte weghören). Ein ähnliches System - mit Störstrichen, und je weniger, desto weniger Hausaufgaben für alle - führe ich mit genau dem gleichen Erfolg in einer komplett verschrienen 5erKlasse durch. Die Kids disziplinieren sich gegenseitig so massiv, da braucht die liebe Lehrerin kaum noch ihr Händchen zu heben, geschweige denn ihr zartes Stimmchen :-))
    Hört sich nach Grundschule an, klappt aber blendend gerade in 7ern bis 5ern.
    Auch wenn jetzt wieder einige hier "Kuschelpädagogik!!" aufjaulen, für mich persönlich kann ich das System nur als durchschlagend erfolgreich weiterempfehlen. Und ich habe vieles ausprobiert - Strafarbeiten, Tadel, nichts fruchtete wirklich längerfristig. Und nichts war derart produktiv: Beide Klassen arbeiten seither TRAUMHAFT mit. Da nebenbei ja auch das Klima zwischen Lehrer und SuS davon profitiert.
    Optimistin, bewahr dir deinen Optimismus und probier´s aus!!!
    die (im Übrigen sehr energische) Waldkauzine!

  • ... bei allen Klassenstufen der S I: Plötzliche Leistungskontrollen. 15-Minuten-Überprüfungen am Ende oder (neulich in einer sehr unsortierten anderen 7 :) am Anfang der Stunde (zumal der 1.). Ich sag dir, danach hab ich die Kinder ganz anders kennengelernt...
    Klappt übrigens auch sehr gut bei notorisch faulenzenden 9ern im Nebenfach.

  • Vielleicht ist der Unterricht auch einfach langweilig?

    Natürliche gehe ich immer erst mal selbstkritisch auf Unterrichtsprobleme ein, was mir momentan das Gefühl von Inkompetenz und Berufsunzufriedenheit vermittelt. Damit schlage ich mich aber nicht alleine herum. Ich bin nur der Meinung, dass auch mal ein Schüleraufsatz im Unterricht besprochen werden muss und das ist zugegebenermaßen für 13-jährige männliche Schüler mit Migrationshintergrund nicht gerade prickelnd...

  • Danke für die tollen Tipps. Viele Methoden kenne ich tatsächlich nur von der Primarstufe und ich wollte nicht in die "Kuschelpädagogik" abrutschen, aber wenn sonst nix hilft...
    Einige von euren Vorschlägen habe ich schon ausprobiert: plötzliche schriftliche Prüfungen, Einsammeln von jeweils 5 Deutschheften nach der Stunde mit Benotung der Mitschrift und der Aufgaben, Elterngespräche,...aber bei Eltern, die ihren Kindern kein Benehmen und keine Grenzen vermitteln, haben meinen Idealismus und meine Ansprüche - zum Selbstschutz- schrumpfen lassen. Aber ich bin nach wie vor optimistisch, dass ich noch etwas bewirken kann und lasse mich nicht unterkriegen.

    • Offizieller Beitrag

    Natürliche gehe ich immer erst mal selbstkritisch auf Unterrichtsprobleme ein, was mir momentan das Gefühl von Inkompetenz und Berufsunzufriedenheit vermittelt. Damit schlage ich mich aber nicht alleine herum. Ich bin nur der Meinung, dass auch mal ein Schüleraufsatz im Unterricht besprochen werden muss und das ist zugegebenermaßen für 13-jährige männliche Schüler mit Migrationshintergrund nicht gerade prickelnd...


    Meiner Erfahrung nach ist da die Themenauswahl entscheidend. Es gibt ja sehr viele Beispiele, anhand denen man z.B. den Aufsatz durchnehmen kann.

  • Optimistin: Ich sammle auch immer so 5-10 Hefte pro Stunde ein und bewerte die, um den SuS (5te Ek) einen Anreitz zu geben, aufzupassen und mitzuschreiben. Schreibst du denn eine Note in das Heft oder nur einen Kommentar und bringt das etwas?

  • Hallo,
    ich habe letzes Jahr in einer 7. gute Erfahrungen mit einem Belohnungssystem gemacht. Die haben im Mathe unterricht wenig gearbeitet und sich viel mit Mitschülern beschäftigt. Die 4-5 Kinder, die am Meisten geschafft haben, haben einen Stern bekommen. Bei 3 Sternen gab es eine Süßigkeit. Das habe ich ca. 3 Monate gemacht und das Arbeitsverhalten ist immer noch zufriedenstellend.
    LG M.

  • einiges klingt ja gut, aber habt ihr auch ideen für bestrafungsresistente (sprich verweigernde) schüler an einer gesamtschule im viel zitieren "problemviertel"?
    hab z.b. ne 9, die völlig unverschämt sind, nicht leise zu kriegen sind, keine materialien haben und man die eltern nicht als druckmittel nutzen kann? dementsprechend sind strafarbeiten oder hausaufgabenberge sinnlos, da es eh nicht gemacht wird...

  • die klasse aus der klasse werfen?
    also es sind zu viele störer, als dass man den trainingsraum nutzen könnte - vieles ist auch nicht direkt, sondern sehr unterschwellig. (augenrollen, leises tuscheln nach ermahnungen) und selbst unterrichtsausschlüsse für die mit dem schlechtesten benehmen haben nichts gebracht

  • Ach, wie bist Du so lieb zu den Schülern, Waldkauz ! Bestimmt eine leistungsstarke und disziplinierte Klasse, die Du auf diese Weise formst und für das spätere Leben vorbereitest. Ich denke, wenn sie nach der 10. Klasse in die Lehre gehen, ich stelle mir einige Jungs auf dem Bau oder in einer Autowerkstatt vor (Ein Schüler von mir beginnt bald auch eine Schlachterlehre), werden sie den Härten und Anforderungen der weiteren Ausbildung gewachsen sein. Die Meister und Chefs werden in ähnlicher Weise für Disziplin und Leistung in ihrem Betrieb sorgen. 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    • Offizieller Beitrag

    Lass sie doch mit den Augen rollen, was solls?
    Bei Tuscheln nach Ermahnungen würde ich die Tuschler einzeln und namentlihc und mit scharfer Stimme fragen, ob sie noch was zu ergänzen haben. Meist entsteht dann verlegenes Schweigen :D, und die Klasse hat gemerkt, dass du nicht pennst.

  • Zitat

    Bestimmt eine leistungsstarke und disziplinierte Klasse, die Du auf diese Weise formst und für das spätere Leben vorbereitest.


    Ach ja, bester Elternschreck, du würdest dich über die Leistungsstärke und den LeistungsWILLEN!!!! dieser tollen Klasse MÖGLICHERWEISE ganz schwer wundern.
    Und ich kann dich beruhigen: Der Schreck des Schlachtermeisters wird aus DIESER Klasse mit ziemlicher Sicherheit kein einziger. Die legen bei diesem Leistungsstand allesamt (von einzelnen Ausnahmen viellcht abgesehen) ein Super-Abi hin.
    - Aber was soll ich hier Perlen vor die Säue werfen. :-))
    Klammer auf, O-Ton einer 5tklässlerin in der von mir genannten Schreckensfünf der Schule: "Das klappt NUR bei IHNEN so, dass wir so ruhig sind und so gut mitmachen." Ich: "Wieso denn nur?" Im Chor: "Weil Sie eben so nett zu uns sind!!!"
    OK, dies dazu. Jedem das seine, dem anderen eben der Rohrstock.

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