Schriftnote 5?

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    Hallo,


    wie die meisten Kollegen sitze ich über den Zeugnissen. Wir müssen leider diese leidigen Schriftnoten geben und ich hab einen Schüler, der schon immer unordentlich schreibt und wahnsinnig schmiert, aber im letzten Halbjahr ist das noch schlimmer geworden. Die Hefte sehen grauenhaft aus, er kritzelt überall rum, tropft Tinte über die Seite, fängt mitten auf der Seite an zu schreiben, etc.
    Perfekt ordentlich schreiben kann er nicht, das weiß ich und hab ich auch immer berücksichtigt. Aber wenn man ihn jetzt auf sein noch schlechteres Schriftbild anspricht, sagt er: Ist mir egal.


    Nun müsste ich ihm eigentlich ne 5 auf seine Schrift geben, da er letztes Jahr schon ne 4 hatte. Da sträube ich mich aber etwas, weil ich die Schriftnote eigentlich unnötig finde und zudem denke, sie sollte nicht schlechter als 4 sein.
    Was denkt ihr darüber?


    Vg
    Melo

    • Offizieller Beitrag

    Wenn es so massiv ist, dann würde ich die 5 geben. So einen Schüler hatte ich auch mal, da gab es im ersten Halbjahr die Gnaden 4- und eine deutliche Ansage. Auf einmal hat er sich angestrengt und es wurde dann zu einer 3! Wer sauber, lesbar und übersichtlich schreibt, bekommt bei uns auch bei einer sehr ungelenken Schrift die 3. Das kann jedes Kind leisten.


    Als die neue Grundschulordnung kam, haben wir zuerst keine Schriftnote mehr gegeben. Das Ergebnis war, dass sich viele Kinder keine Mühe mehr gaben. Dann haben wir die Note wieder eingeführt. Überflüssig finde ich die Note seitdem nicht mehr, denn zumindest wenn die Kinder wissen, dass es eine Schriftnote auf bestimmte Arbeiten gibt, schreiben viele deutlich besser. Das erleichtert mir die Korrektur und erspart den Kindern teilweise schlechtere Noten, gerade bei Rechtschreibarbeiten.


    Gruß leppy

    • Offizieller Beitrag

    Hey Leppy, schön, dich zu lesen! :)
    Danke für deine Antwort!
    Ich hab halt festgestellt, dass die Kinder schreiben wie sie eben schreiben - Schriftnote hin oder her. Niemand hat seine Schriftnote bisher deutlich verändern können. Die Kinder, die ordentlich schreiben, tun das so oder so und die anderen Kinder schaffen es oft nicht, besser zu schreiben. Bis auf diesen speziellen Fall hatte ich es noch nicht, dass sich jemand noch derart verschlechtert. Wie auch immer, ich überlege noch, ob ich ihm die 5 gebe. Vor allem, weil er ja auf meine Hinweise nicht eingeht und sich augenscheinlich nicht bemüht, es besser zu machen.

    • Offizieller Beitrag

    Falls Du Fachlehrer hast, kannst Du ja noch mal mit denen sprechen. Habe ein Kind in einer Klasse, das in Deutsch jetzt malt - Note 1. Dass es sich auch in den anderen Fächern Mühe geben sollte, ist noch nicht so ganz angekommen. Der Klassenlehrer war schockiert, als er die Schrift sah und zeigte mir daraufhin das SU-Heft. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich gedacht das seien zwei verschiedene Kinder :D


    In der Deutschklasse, die ich seit Klasse 3 habe, haben einige ihre Schrift in den 2 Jahren um eine Note verbessert, andere um eine Note verschlechtert. Bei vielen Kindern mag es zutreffen, dass sie schreiben wie sie schreiben. Aber vor allem in der Sauberkeit und Übersichtlichkeit habe ich bei ca. 1/4 unserer Kinder den Eindruck, dass nur die Note hilft, damit sie sich Mühe geben.


    Gruß leppy

  • Eine Schülerin bekommt im Rechtschreiben eine 5. Sie gibt sich keinerlei Mühe, schmiert die Wörter ins Heft, kann ihre eigene Schrift nicht lesen und es ist ihr völlig egal, wenn ich sie auf ihre Schrift anspreche. Wenn sich ein Schüler bemüht aber es eben nicht besser kann, hat er sich ein ausreichend verdient. Wer aber den Sinn der Rechtschreibung und einer leserlichen Schrift nicht verinnerlicht hat, bzw. wem das egal ist, der hat leider kein ausreichend mehr verdient. Ich gebe auch ungern eine 5, aber da lass ich jetzt keine Gnade mehr walten.

    Die Kinder, die ordentlich schreiben, tun das so oder so und die anderen Kinder schaffen es oft nicht, besser zu schreiben.

    Aber das ist ja in allen Fächern so. Wem mathematische Zusammenhänge schnell auffallen und für sich zu nutzen weiß, wird bessere Ergebnisse erzielen, als ein Schüler mit Dyskalkulie. Trotzdem kann ein rechenschwaches Kind bei mir noch eine 4 bekommen, wenn es übt und zumindest schriftliche Rechenverfahren durch Fleiß anwenden kann.

    • Offizieller Beitrag

    Aber das ist ja in allen Fächern so. Wem mathematische Zusammenhänge schnell auffallen und für sich zu nutzen weiß, wird bessere Ergebnisse erzielen, als ein Schüler mit Dyskalkulie. Trotzdem kann ein rechenschwaches Kind bei mir noch eine 4 bekommen, wenn es übt und zumindest schriftliche Rechenverfahren durch Fleiß anwenden kann.

    Da ist was dran...

  • Ich finde ja das Konzept von Schriftnoten generell unpassend. Ich glaube eher, dass eine schlechte Schriftnote das Kind demotiviert als motiviert, vor allem bei einer 5. Ich würde das Problem eher anders angehen und dem Kind positive Belohnungen geben anstatt negative. Ausserdem ist es auch so dass nicht jedes Kind von Natur aus schön schreiben kann und daher sollte jeder individuelle Schüler auch individuelle Noten bekommen, also nicht im Vergleich mit den anderen. Also ich finde eine Note 5 einfach ein bisschen zu streng und würde auf jeden Fall lieber eine 3 oder 4 geben und das Kind lieber in einem persönlichen Gespräch darauf ansprechen.


    MFG
    KM

  • Das finde ich aber gegenüber allen realen 3ern und 4ern richtig unfair. Wenn das Kind schlecht schreibt, sich NICHT bemüht (und das ist M. E. das Ausschlaggebende), dann soll es auch eine mangelhafte Note erhalten.
    Positiv verstärkt kann ja werden, aber bitte doch nicht mit falschen Zeugnisnoten.

  • Ich würde auch die 5 geben - herumkritzeln, mit Tinte tropfen und mitten in der Seite anfangen hat mit einem ungelenken Schriftbild nichts mehr zu tun. Außerdem wurde ja mit dem Kind gesprochen und es ist ihm egal. Die 5 vermutlich auch - aber die ist dann wenigstens eine reelle Beurteilung.


  • Ich würde auch die 5 geben - herumkritzeln, mit Tinte tropfen und mitten in der Seite anfangen hat mit einem ungelenken Schriftbild nichts mehr zu tun. Außerdem wurde ja mit dem Kind gesprochen und es ist ihm egal. Die 5 vermutlich auch - aber die ist dann wenigstens eine reelle Beurteilung.

    Vermutlich leidet es einfach an überhöhter Kreativität. :thumbup:


    Ausserdem ist es auch so dass nicht jedes Kind von Natur aus schön schreiben kann und daher sollte jeder individuelle Schüler auch individuelle Noten bekommen, also nicht im Vergleich mit den anderen. Also ich finde eine Note 5 einfach ein bisschen zu streng und würde auf jeden Fall lieber eine 3 oder 4 geben und das Kind lieber in einem persönlichen Gespräch darauf ansprechen.

    Es kann aber auch nicht jedes Kind von Natur aus gleich gut denken. Sollen die Mathenoten demnach auch individuell vergeben werden, nach dem Motto für Schüler A war es eine gute Leistung nur 5 Fehler zu machen, für Schüler B war es eine miese Leistung, der müsste eigentlich weniger Fehler machen, weil er intelligenter ist?
    Ich halte gar nichts von individuellen Noten. Wer ein objektiv messbar schlechtes Schriftbild hat (keine Ahnung was da Kriterien sind, ob die Buchstaben gleich groß sind, die Zeilenhöhe eingehalten wird etc.), dann sollte danach auch benotet werden. Wenn ein Kind feinmotorische Probleme hat, weil es da eben nicht so entwickelt ist, dann hat es eben Pech gehabt. So geht es auch dem unintelligenten Kind in anderen Fächern, da nimmt auch keiner Rücksicht auf die körperliche Voraussetzung.
    Im übrigen, ich hatte tatsächlich ein Halbjahr eine 5 in Schrift und dabei habe ich nur recht stark ungleichmässig geschrieben, aber weder Tinte herumgetropft noch mitten auf der Seite angefangen. Und ich fand es in Ordnung und habe mich dann zusammengerissen (und eine 4 bekommen, ja, ich war nicht gerade ein Schönschreiber und auch heute ist meine Schrift zwar besser, aber immer noch unterdurchschnittlich ebenmässig).
    Wie sind eigentlich die Kriterien für eine 6 in Schrift? Da müsste dann kaum noch ein Wort entzifferbar sein? Oder gibt es eine 6 an der Grundschule nicht und das Notenspektrum geht von 1-5?
    I


    Perfekt ordentlich schreiben kann er nicht, das weiß ich und hab ich auch immer berücksichtigt.

    Wenn ich nun weiß, dass ein Schüler nicht perfekt Physik oder Chemie kann (was eigentlich auf den Großteil meiner Schüler zutreffen wird), wie soll ich das nun genau berücksichtigen? Über Tipps einer konkreten Umsetzung und eines Maßstabs wäre ich sehr dankbar.

  • Das ist ein unendliches Thema. Einerseits ist das ein bisschen wie in Sport, da ist es - außer bei ausgeprägter Verweigerungshaltung - irgendwie unanständig, eine 5 zu geben.


    Mir ist es immer wichtig, nur das zu beurteilen, was ich den Schülern auch tatsächlich beigebracht habe. Aber wie viel Schönschreiben kann man lernen?


    Vielleicht ist es mehr, als man denkt. Meine Grundschullehrerin versäumte es, mir zu sagen, wozu genau diese Linien auf der Schreibtafel da waren. Ich schrieb genau von links oben nach rechts unten, diagonal also. Statt dass sie mir erklärt hätte, was ich tun muss, hat sie rumgeschimpft, als sei ich böswillig. Ich wusste es aber nicht besser, erst als meine große Schwester es mir erklärte, habe ich es begriffen und dann richtig gemacht.


    Vielleicht kleckst der Füller oder die Handhaltung hat sich falsch eingeschlichen. Ein neuer Füller kann Wunder wirken. Vielleicht ist die Gleichgültigkeit ist einfach Verzweiflung. Das würde ich erst herauszufinden versuchen.


    Aber wenn alles Erklären nichts nutzt, muss es wohl die 5 sein.

  • Prinzipiell stimme ich Dir voll zu Piksieben. Ich war aber einfach in meinem überaus guten Menschenbild davon ausgegangen, dass Melosine das Schreiben den Schülern richtig beigebracht hat und auch auf Dinge wie falsche Handhaltung etc. in dem Maße eingewirkt hat, wie es sinnvoll und im Rahmen des Unterrichts möglich ist. (Keiner kann stundenlange Einzelnachhilfe im Schönschreiben erwarten, aber sich mal den ein oder anderen Hinweis)
    Wenn dann die Leistung den Anforderungen nicht entspricht muss es konsequenterweise die dafür vorgesehene Note geben. Ich kenne die Kriterien für eine 5 bei der Schrift nicht, aber wenn diese erfüllt sind, dann halt eine 5.


    Zitat

    Einerseits ist das ein bisschen wie in Sport, da ist es - außer bei
    ausgeprägter Verweigerungshaltung - irgendwie unanständig, eine 5 zu
    geben.

    Das Fass machen wir mal nicht wieder auf, es ist ja bekannt, dass ich auch im Fach Sport es nicht unanständig finde, wenn die Leistung trotz Bemühens einer 5 entspricht, diese eben zu vergeben.
    Das Bemühen allein macht in Mathe auch keinen Unterschied, wenn die trotz Bemühens erbrachte Leistung eben 5 ist. So sehe ich es auch für die Schrift.
    Ich finde Sonderregelungen in Sport (oder Schrift zu treffen) entwertet den Anspruch ein wenig und schmälert auch gute Leistungen.


    Wo ist denn auch der Unterschied zwischen: "Ich bemühe und bemühe mich und schreib in Mathe trotzdem immer eine 5, ich kanns einfach nicht besser! Unfair, ich will für die Bemühung eine 4" und derselben Aussage bei der Schrift oder im Sport.
    Körperliche Voraussetzungen sind oftmals bei allen drei Fächern im Spiel, wenn es trotz Anstrengung nicht klappt, sei es der Intellekt, die Feinmotorik, oder wie sportlich jemand ist.


    Auch finde ich geht es um einen pädagogischen Lerneffekt. Die Anwendung objektiver Maßstäbe, die eben nicht immer Gnadennoten allein für (unerfolgreiches) Bemühen vergeben sondern sich nur nach Leistung richten, ist weniger realitätsfremd und bereit aufs Leben vor. Die Kompetenz die erlernt wird ist eine ganz wichtige, nämlich zu akzeptieren, dass man trotz Bemühung manchmal nicht das bekommt was man möchte und, dass man mit Frust umgehen lernt. Auch lernt man seine Stärken und Schwächen objektiver einzuschätzen, was auch immens wichtig ist!
    Sonst trifft es einen irgendwann mal hart und man hört "Komm mal runter von Deiner Polly Pocket Insel, wir sind hier nicht mehr in der Schule wo Du allein mit lieb gucken und Dich bemühen bestehst / durchkommst".

    4 Mal editiert, zuletzt von Silicium ()

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