Lehrer am Berufssgymnasium?

  • Hallo,


    weiß jemand, ob es einfach so möglich ist, als Gymnasiallehrer an einem Berufsgymnasium zu unterrichten? Ich schließe im Sommer mein Ref. (Gym LA / SH) ab und würde gerne an einem BG arbeiten.
    Muss ich dazu eine Extraausbildung haben, oder unterrichten "ganz normale" Gymnasiallehrer an einem BG?


    Gruß, Sofie

  • Hallo Sofie,
    also in Baden-Württemberg war das nach dem Ref (allerdings auch in Ba-Wü) problemlos möglich.
    Erkundige dich doch 'mal in den einzelnen Bundesländern.
    VG,
    Mona

  • Berufsgymnasien gibt es in SH ebenso wenig wie Amateurgymnasien :rolleyes:


    Du kannst als Gymnasiallehrer ohne Zusatzausbildung sowohl an allgemeinbildenden als auch an beruflichen Schulen unterrichten. Zu diesen zählen sechs Schularten:


    Berufsschule
    Berufliches Gymnasium
    Fachoberschule

    B
    erufsoberschule

    Berufsfachschule

    Fachschule


    Diese Schularten werden grundsätzlich nicht einzeln, sondern in Kombinationen geführt, so dass du nicht an einem beruflichen Gymnasium, sondern flexibel an einem Berufsbildungszentrum eingesetzt wirst, sofern deine Fächerkombination dort gefragt ist. Dies ist durchaus sinnvoll, denn gerade durch den Kontakt zu Berufsschülern und Fachschülern behält man als Lehrer den Bezug zur betrieblichen Praxis und kann auch in den anderen Schularten stets aktuellen Stoff weitervermitteln.

  • [size=12]Zu diesen zählen sechs Schularten:


    Je nach Bundesland gibt es hier noch andere Schulformen. Mir fallen noch Berufseinstiegsschule und Berufsvorbereitungsjahr ein. In der Tat ist es ein sehr relevnater Punkt, zu wissen, dass man wohl nicht allein am beruflichen Gymnasium unterrichtet, sondern in allen Schulformen. Möglicherweise eben auch im BVJ mit Schülern, die (noch) nicht den Hauptschulabschluss haben.


    Gruß
    CKR

  • Was es in Schleswig-Holstein allerdings auch gibt, sind Abendgymnasien - ich vermute mal stark, dass man da mit einer Sek-II Lehrbefähigung Erwachsenenbildung betreiben kann.


    Nele

  • In der Tat ist es ein sehr relevanter Punkt, zu wissen, dass man wohl nicht allein am beruflichen Gymnasium unterrichtet, sondern in allen Schulformen. Möglicherweise eben auch im BVJ mit Schülern, die (noch) nicht den Hauptschulabschluss haben.


    Oh, Gott, schrecklich; dabei beginnt doch die Menschwerdung erst mit dem Hauptschulabschluss. :wacko::rolleyes:

  • Gerade als Student der Sonderpädagogik sollte man sich eigentlich nicht über diese Schüler lustig machen. Bis vor einigen Jahren versuchten Lehrer an Förderschulen, einzelne Schüler als Externe zum Hauptschulabschluss zu bringen, was auch bei entsprechendem Einsatz gelegentlich gelang. Nachdem jetzt aber ganze Klassen nach Beendigung der Förderschule ins BVJ übertreten, an deren Ende sie meist den Hauptschulabschluss problemlos schaffen, da dort die Einreichnoten mitzählen und entsprechend gut ausfallen, sehen die Schüler (und Lehrer) keine Veranlassung mehr, sich vorher in der Förderschule besonders anzustrengen.


    Nach Möglichkeit werden Förderschullehrer an berufliche Schulenabgeordnet, um im BVJ allgemeinbildende Fächer wie z. B. Deutsch zuunterrichten. Sie haben schließlich eine entsprechende Ausbildung für diesen Schülerkreis und kennen diese Schüler oft auch aus ihrer Stammschule.


    Hältst du es für sinnvoller, diese von einem Gymnasiallehrer, der Germanistk studiert hat, unterrichten zu lassen? Ich denke, damit tut man weder Schülern noch dem Lehrer einen Gefallen, und es ist durchaus hilfreich, die Fragestellerin darauf hinzuweisen, dass ein Einsatz im BVJ jederzeit möglich ist. Es soll jedoch auch Lehrer geben, die es zu schätzen wissen, fachlich nicht allzu sehr gefordert zu werden und keine anspruchsvollen Aufsätze oder gar Abiturarbeiten korrigieren zu müssen.

  • Danke für die Antworten!! (wobei ich den Sinn des vorletzten Beitrags nicht ganz verstehe...)
    Der Punkt bei mir ist, dass ich merke, dass ich mit älteren Schülern wesentlich besser klarkomme. Ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich Lust habe mein Leben lang 11 und 12 jährige Kinder zu unterrichten bzw. ob ich dafür geeignet bin. Daher wäre ien berufliches Gymnasium für mich eine echte Alternative zum "normalen" Gymnsaium.

  • Gerade als Student der Sonderpädagogik sollte man sich eigentlich nicht über diese Schüler lustig machen.


    Schade, dass du meine Intention nicht verstanden hast - und das trotz der Smileys. :(


    Ich wollte mich mitnichten über die Schüler lustig machen, sondern darüber, dass manche Gymnasiallehrer sich wohl für zu fein halten, sie zu unterrichten. Zumindest interpretiere ich das so, wenn gesagt wird, dass man sich wegen dieser Schüler gut überlegen sollte, ob man wirklich an dieser Schulform arbeiten will. Oder habe ich da einen Denkfehler drin?


    Dass heute nicht mehr so viele Förderschüler den Hauptschulabschluss schaffen, hat indes andere Ursachen als das Engagement der Sonderschullehrer: Wir haben nämlich auch an der Förderschule (Schule für Lernbehinderte) einen Wandel der Schülerschaft zu verzeichnen. Die früheren fitteren L-Schüler besuchen heute überwiegend Regelschulen. Dafür hat man eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Schülern an der L-Schule, die eigentlich an eine G-Schule gehören würden. Viele Schüler haben zunehmend massive emotional-soziale Probleme, die jegliches schulisches Arbeiten auf einen Abschluss hin unmöglich machen.
    Hinzu kommt auch, dass in manchen Gegenden Schulabgänger mit Förderschulabschluss einen Ausbildungsplatz beim Berufsbildungswerk garantiert bekommen. Haben sie jedoch einen Hauptschulabschluss erworben, müssen sie sich selbst nach etwas umschauen, was mit einem (unterdurchschnittlichen) Hauptschulabschluss von der Förderschule natürlich nicht unbedingt einfach ist. Deshalb wählen auch fittere Schüler oft die einfachere Variante.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Ich wollte mich mitnichten über die Schüler lustig machen, sondern darüber, dass manche Gymnasiallehrer sich wohl für zu fein halten, sie zu unterrichten.

    Meine Güte, wann verstehst du es endlich? Nicht zu fein, sondern schlichtweg nicht ausgebildet. Merkst du denn gar nicht, dass in deinem Studium ganz andere Schwerpunkte sind als in anderen?

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

    Einmal editiert, zuletzt von jotto-mit-schaf ()

  • sehe ich genauso wie jotto...
    und natürlich kann man sich überlegen, ob man aufgrund eines bestimmten Klientels, lieber an der oder lieber an der Schule unterrichten will. Das hat nichts mit "zu fein" zu tun, sondern lediglich damit, was man sich zutraut.
    und jetzt bitte keine Grundsatzdiskussion :)

    • Offizieller Beitrag

    Aha. Jetzt habe ich kapiert. Du WILLST gar nicht verstehen. Weitere Worte sind hier offensichtlich verschwendet.

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

  • [quote='Jorge','index.php?page=Thread&postID=299765#post299765']


    Ich wollte mich mitnichten über die Schüler lustig machen, sondern darüber, dass manche Gymnasiallehrer sich wohl für zu fein halten, sie zu unterrichten. Zumindest interpretiere ich das so, wenn gesagt wird, dass man sich wegen dieser Schüler gut überlegen sollte, ob man wirklich an dieser Schulform arbeiten will. Oder habe ich da einen Denkfehler drin?


    So ist das mit dem Gemeinten und dem dann Interpretierten. Da die TE nach dem Berufsgymnasium fragte wollte ich der Vollständigkeit halber noch relevante Schulformen ergänzen, da ja viele nur wenig über das berufsbildende Schulsystem wissen. Und wenn man sich überlegt, an einer BBS zu arbeiten, dann finde ich es nur fair, wenn man vorher genau weiß, worauf man sich einlässt. Und solche Schulformen gehören eben auch dazu. Wie man dazu steht, muss man selber entscheiden: Will man das? Ist man dafür ausgebildet?


    Gruß

  • Ich wollte mich mitnichten über die Schüler lustig machen, sondern darüber, dass manche Gymnasiallehrer sich wohl für zu fein halten, sie zu unterrichten. Zumindest interpretiere ich das so, wenn gesagt wird, dass man sich wegen dieser Schüler gut überlegen sollte, ob man wirklich an dieser Schulform arbeiten will. Oder habe ich da einen Denkfehler drin?

    Ja, hast Du.
    Es gibt mindestens zwei gute Gründe, warum man als Gymnasiallehrer zurecht keine Hauptschüler unterrichten möchte ohne sich Deinen Vorwurf gefallen zu lassen. Einer wurde von Jotto schon genannt:

    Meine Güte, wann verstehst du es endlich? Nicht zu fein, sondern schlichtweg nicht ausgebildet. Merkst du denn gar nicht, dass in deinem Studium ganz andere Schwerpunkte sind als in anderen?

    Das Problem ist, dass Plattenspieler sich zu viel zutraut! Es ist aber genauso wie Jotto sagt, die Qualifikationen in den Studiengängen sind unterschiedlich, ganz extrem unterschiedlich sogar!


    Ein Gymnasiallehrer hat einfach nicht die nötige Qualifikationum Schülern mit z.B. Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung gerecht zu werden, genauso wenig wie Du, Plattenspieler, die fachliche Qualifikation um einen Deutsch Leistungskurs in der gymnasialen Oberstufe zu führen. In beiden Fällen fehlen einfach die Kompetenzen und es ist verständlich, wenn man sich dann nicht den Aufgaben gewachsen fühlt und seine Entscheidung für eine Schulart auch davon abhängig macht, wofür man qualifiziert ist.
    Im Gegenteil, ich finde es sogar sehr verantwortlich, wenn man weiß, was man kann und wo einem eben die Qualifikation fehlt, anstatt aus Selbstüberschätzung zu sagen:"Ich mache es trotzdem, ich könnte das auch so". Durch solche Selbstüberschätzungen wird an vielen Schulen fachfremd ziemlich viel Mist unterrichtet (wenn ich allein daran denke, was manche Biolehrer fachfremd in Chemie anstellen).
    Aber Du wirst mir bestimmt wieder erzählen, als Sonderschullehrer hast Du auch die fachliche Tiefe in Linguistik und Literatur für einen Deutsch Leistungskurs am Gymnasium, habe ich da recht? Nur zusätzlich zum Deutschlehrer am Gymnasium kannst Du eben auch noch die Sonderschullehrerqualifikationen?



    Grund zwei:


    Ich sehe den Grund sich zu "fein" zu sein durchaus als legitim an. "Sich zu fein sein" klingt als Beschreibung einfach zu negativ behaftet vom Sprichwort her. Es geht einfach darum, dass man mit der Wahl eines Lehramts auch eine Entscheidung darüber trifft, mit was für einer Schülerklientel man umgehen möchte. Es ist imho legitim zu sagen, dass man mit Hautpschülern und deren (im Durchschnitt im Vergleich zu Gymnasiasten) schlechteren Umgangsformen nichts zu tun haben möchte, weil man lieber mit kognitiv leistungsstärkeren und weniger verhaltensauffälligen Schülern arbeiten möchte!


    Ich finde es moralisch nicht verwerflich zuzugeben, dass man keine Lust hat an einer Brennpunkt Hauptschule zu arbeiten, weil einem die Schüler viel zu krass drauf und zu wenig intelligent sind!
    Manch einer sucht sich Herausforderungen im pädagogischen Bereich und würde an einer Brennpunkt Hauptschule ein ideales Betätigungsfeld finden, andere Lehrer legen Wert darauf, dass sie mit ihren Schülern auch in den Schulfächern inhaltlich auf hohem Niveau arbeiten können. Für solche Lehrer ist dann die Oberstufe eines leistungsstarken Gymnasiums das richtige Betätigungsfeld.
    Auch sind die persönlichen Toleranzen in Bezug auf Umgangsformen, Lautstärke, Aggressivität von Seiten der Schüler (bewaffnete Schüler in Brennpunkthauptschulen?) unterschiedlich. Dem einen machen die Umgangsformen an einer Brennpunkthauptschule nichts aus, andere sind da zarter besaitet und wollen / können sich das nicht antun und werden unglücklich dabei.


    Ich kann nicht verstehen, warum Du immer mit der moralischen Keule kommst. Letztlich habe ich mich in Chemie mit einer Kommilitonin (Biologie / Chemie) unterhalten, die ihre Zula in Mikrobiologie über Kläranlagen schreibt. Sie hat viele Kommilitonen, die sich "zu fein" wären aus einem Klärbecken Proben zu entnehmen. Die Kommilitonin hingegen kommt mit der Geruchsbelastung klar und hat da einfach weniger Manschetten. Kann man ihren Kommilitonen, die eine zu empfindliche Nase oder zu großen Ekel vor Kläranlagen haben nun den moralischen Vorwurf machen, dass sie sich "zu fein fühlen", wenn sie bei der Stellensuche einen großen Bogen um die Mikrobiologie der Kläranlagen machen? Ich denke nicht. Ja selbst, wenn ein Biologe einfach nur entscheidet: "Ich möchte nicht in Kläranlagen arbeiten und ich möchte auch keine Untersuchungen in der freien Wildbahn machen, weil ich es nicht mag mir meine Hände dreckig zu machen oder Unangenehmes zu riechen" ist das meiner Meinung nach nicht zu kritisieren.


    So sollte auch ein Lehrer sagen dürfen: Ich mag es nicht mit Hauptschülern umzugehen und möchte das nach Möglichkeit vermeiden!
    Ich stehe zumindest dazu, dass ich ein Mindestmaß an kognitiver Kapazität und an angepasstem Verhalten erwarte und wählte deshalb das Gymnasium und gebe auch frei zu, dass ich es mir nicht antun möchte an einer Hauptschule zu unterrichten.
    Wenn man mir jetzt vorwirft mir "zu fein" für die Hauptschule zu sein, dann stimmt das wohl.
    Ich möchte aber mal anmerken, dass vielleicht einige derjenigen, die diesen Vorwurf äußern, sich zu fein wären im Chemielabor wie ich mit ekelhaft stinkenden Substanzen wie Buttersäure oder Phosphanen umzugehen und sich auch mal den Labormantel einzusauen. In diesem Bereich hingegen bin ich mir für fast nichts "zu fein", aber ich kritisiere niemanden, der sagt, er möchte das nicht, weil ihm das viel zu sehr stinkt und zu dreckig ist! Das kann ich sogar verstehen, dass das für manchen sehr unangenehm ist. So sollte man bitte auch verstehen, wenn einem Hauptschulklientel unangenehm ist und man darauf einfach nicht kann! Es ist nun einmal ganz anderes Arbeiten als am Gymnasium, das ist Fakt!

    Einmal editiert, zuletzt von Silicium ()

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