Falsche Einstellung zur Ausbildung

  • Hallo,


    nachdem ich zunächst ein Jahr als Vertretungslehrer gearbeitet hatte und mit der Arbeit recht zufrieden gewesen war, habe ich eine Ausbildung als Seiteneinsteiger an der selben Schule begonnen, an der ich auch als Vertretungslehrer tätig gewesen war. Doch nun tue ich mich recht schwer mit dieser Ausbildung, weil ich die falsche Einstellung habe.
    Abgesehen von den guten Rahmenbedingungen, die eine Beamtenstelle hat, möchte ich gerne unterrichten, weil ich Wissensvermittlung interessant finde, gut erklären kann und eine meiner klaren Stärken gute Vorträge sind. Meine Schulleitung und einige Kollegen haben das als gute Voraussetzungen gesehen und mich bestärkt, die Ausbildung zu beginnen.
    In der Ausbildung sieht das leider völlig anders aus. Im Seminar gibt es eine diametral entgegengesetzte Auffassung. Man sieht dort Lehrer nicht als aktive Wissensvermittler, sondern als Moderatoren im Lernprozess der Schüler. Der Vortrag spielt in diesem Rahmen auch eine ganz untergeordnete Rolle und keine zentrale - wie es für mich wünschenswert wäre.
    Ich kann auch mit den Methoden nicht viel anfangen, die ich gemäß meinen Seminarleitern im Unterricht einsetzen soll. In der Regel erscheinen mir diese ineffizient und extrem aufwendig in der Vorbereitung.
    Und ich sehe mich auch nicht als Motivator für diejenigen Schüler, die zu faul oder zu dumm sind, ihre Leistungen zu bringen. Ich möchte vor allem die fleißigen und begabten Schüler mit anspruchsvollen Themen und Aufgaben fördern sowie dem Mittelfeld eine solide Grundbildung in meinen Fächern beibringen.
    Ich fühle mich einerseits fachlich völlig unterfordert (weil ich vorher wissenschaftlich gearbeitet habe) und andererseits im didaktischen Bereich (zumindest was die Seminarausbildung angeht) völlig überfordert - eine denkbar schlechte Kombination.


    Durch die Diskrepanzen zwischen der Sicht meiner Seminarausbilder und meiner Sicht sind Konflikte schwer vermeidbar. Ich frage mich, ob es nicht besser wäre, jetzt die Ausbildung abzubrechen. Meine Schulleitung und meine Ausbilder an der Schule kennen meine Probleme und haben mir geraten, die Ausbildung trotzdem durchzustehen, weil man mich an der Schule brauche und die Seminarausbildung ihre Tücken habe.
    Vielleicht ist es aber für mich besser, jetzt eine Alternative zu suchen anstatt am Ende der Ausbildung großen Schiffbruch zu erleiden.
    Allerdings wüßte ich auch noch nicht, was diese Alternative sein soll. Der Seiteneinstieg war ja bereits eine Alternative zu meinen bisherigen Planungen.

  • In der Erwachsenenbildung habe ich weitgehend ähnliche Vorstellungen von Didaktik wie es an Regelschulen üblich ist. Wenn ich mich als Lehrer nur als "Wissensvermittler" verstünde, würde ich in meinem Beruf scheitern.


    Nele


    P.S. Übrigens halte ich die Vorstellung, dass Bildung angehäuftes Wissen ist, für falsch.


    P.P.S. Die Vorstellung, dass man an der Schule fachlich unterfordert ist, weil man vorher wissenschaftlich gearbeitet hat, finde ich etwas seltsam...

  • Aber hast du schon mal überlegt, in der Erwachsenenbildung tätig zu sein?


    uni?

    Das war mein Plan A vor dem Seiteneinstieg. Ich habe aber vergeblich eine feste Stelle an der Uni gesucht. Das Hangeln von befristeter Stelle zu befristeter Stelle an unterschiedlichen Orten ist nicht sehr spaßig. Wenn man sich einigermaßen darauf verlassen könnte, dass man nach einiger Zeit eine feste Anstellung bekommt, würde ich auch ein paar Jahre die befristeten Stellen akzeptieren. Aber die Aussichten sind mau.
    Oder gäbe es noch eine ernsthafte Alternative in der Erwachsenenbildung außerhalb der Uni?

    Die Vorstellung, dass man an der Schule fachlich unterfordert ist, weil man vorher wissenschaftlich gearbeitet hat, finde ich etwas seltsam...

    Und ich finde es seltsam, wie man das seltsam finden kann. Du willst doch nicht behaupten, das fachliche Niveau wäre an der Schule das gleiche wie in der Wissenschaft. Für mich entfaltet sich die wahre Schönheit der Physik (und in der Mathematik ist es ähnlich) erst, wenn man mit komplexen Zahlen, Differentialgleichungen und anderen anspruchsvollen mathematischen Werkzeugen arbeiten kann, die in den Niederungen des Schulalltages meiner Erfahrung nach keine Rolle spielen.
    Und die wirklich interessanten Bereiche kommen in der Schulphysik so gut wie gar nicht oder nur äußerst primitiv behandelt vor - weil ihr Niveau für die Schule zu hoch ist.

    Einmal editiert, zuletzt von \mathrm{div} \vec{B} = 0 ()

  • Zitat /math...:

    Zitat

    Ich kann auch mit den Methoden nicht viel anfangen, die ich gemäß meinen Seminarleitern im Unterricht einsetzen soll. In der Regel erscheinen mir diese ineffizient und extrem aufwendig in der Vorbereitung.

    Zuerst mal ganz locker bleiben und tief druchatmen, geehrter /math...: !


    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Du mit kritischem und unverstelltem Blick erkannt hast, dass die merkwürdigen pseudomodernen Unterrichtsmethoden (meistens) ineffektiv sind ! Diese setzen Schüler voraus, die in der Realität so nicht existieren. Dafür sind die Schüler nicht (selbst-) diszipliniert und ehrgeizig genug, und es ist nicht auszudenken, wenn sich Schüler, dazu noch bildungsferne, sich anspruchsvolle (!) Sachverhalte selbst falsch beibringen und sie dazu noch in Gruppen mit anderen bildungsfernen Mitschülern erarbeiten.-Das zeigt, dass Du alle Voraussetzungen für einen guten Lehrer mitbringst ! Unser Schulsystem braucht intellektuell starke und kritische Denker, die die Methoden an Effizienz und Arbeitaufwand messen !


    Aber jetzt musst Du Dich in der Ausbildung erstmal ducken, weil innerhalb des aufgesetzten und dogmatisierten (pseudo-) pädagogischen mainstreams, die Effektivität des Unterrichts nun mal gar nicht angesagt ist. Das ist ein linksorientiertes und bildungskommunistisches Politikum, was in die Schulen hineingetragen wird. Ich denke, in ca. 20 Jahren wird man über diesen ganzen Zirkus schallend lachen !

    Zitat

    Der Vortrag spielt in diesem Rahmen auch eine ganz untergeordnete Rolle und keine zentrale - wie es für mich wünschenswert wäre.

    Da musst Du Verständnis haben und etwas Nachsicht üben ! Diejenigen, die gegen den Lehrervortag und besonders gegen den Frontalunterricht wettern, sind meistens selbst nicht in der Lage, einen eingermaßen spannenden und effektiven Frontalunterricht zu halten. Der Frontalunterricht ist eine Unterrichtskunst, ich würde schon fast sagen, ein wenig von Gott gegeben, die eben nicht der dröge Buchhalter-Typus halten kann.

    Zitat

    Ich möchte vor allem die fleißigen und begabten Schüler mit anspruchsvollen Themen und Aufgaben fördern sowie dem Mittelfeld eine solide Grundbildung in meinen
    Fächern beibringen.

    Uihuihui ! Geh da erstmal bloß in Deckung ! Das klingt schon fast (bildungs-) politisch unkorrekt ! Durch die aufgesetzte linksautoritäre Denke, die im Deutschen Schulsystem immer mehr an Boden zu gewinnen scheint, wenn da jetzt nicht von den Konservativen (endlich!) massiv entgegengesteuert wird, wird das Leistungsniveau an unsere Schulen immer weiter herunternivelliert. Die Begriff Bildung und dazu noch in Kombination mit anspruchsvoll wird immer mehr diskreditiert. Man legt da schlicht keinen Wert mehr drauf. Das geht aber schon seit ein paar Jahren. Was jetzt alles so Abitur macht und die Unis besucht, spricht Bände !


    Also, jetzt erstmal durchhalten un Dich anpassen ! Später bist Du selbst Dein Herr und Meister ! Und da kommt es darauf an, dass die Schüler (wirklich) was lernen. 8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Hallo,


    Du kannst ja anscheinend schon ziemlich gut frontal unterrichten, Deine Schule scheint da mit Dir ja schon zufrieden zu sein. Jetzt hast Du die Chance auch andere Methoden kennen zu lernen. Ich kann noch nicht beurteilen was da gut oder schlecht ist. Meine Einstellung ist, dass es auf die aktuelle Situation ankommt und, dass es nicht schaden kann viele Methoden im Koffer zu haben. Ich finde es schade, wenn man sich Neuem total verwehrt. Ich kenne aus meiner Mathedidaktikvorlesung einige ziemlich coole Beispiele aus dem Matheunterricht der Dozentin. Ich bin selbst Mathematikerin und habe nicht den Quereinstieg sondern erstmal ein Zweitstudium gewählt, ich kann also schon beurteilen, dass man auch an der Schule schöne Mathematik machen kann, die auch nem Profi Spaß macht ;)
    Als Lehrer kannst Du doch dann selbst entscheiden welche Methoden Du für angebracht hälst. Wenn Frontalunterricht gut klappt, ist doch prima. Wenns nicht passt stehst Du blöd da und hast übelst zähen Unterricht wenn Du nichts anderes kanst. Also scheint es doch schlauer sich zumindest ein bisschen was anderes anzueignen.


    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Ich kann auch mit den Methoden nicht viel anfangen, die ich gemäß meinen Seminarleitern im Unterricht einsetzen soll. In der Regel erscheinen mir diese ineffizient und extrem aufwendig in der Vorbereitung.

    Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass das Methoden sind die Du noch nicht beherrscht? Hast Du Mathematik oder Physik studiert? Da kennt man das doch auch, dasss Neues immer erstmal anstrengender ist als das was man schon kann ;)

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Und ich sehe mich auch nicht als Motivator für diejenigen Schüler, die zu faul oder zu dumm sind, ihre Leistungen zu bringen. Ich möchte vor allem die fleißigen und begabten Schüler mit anspruchsvollen Themen und Aufgaben fördern sowie dem Mittelfeld eine solide Grundbildung in meinen Fächern beibringen.

    ehrlich gesagt finde ich das problematisch. Du kannst nicht einfach die faulen oder dummen ignorieren. Diese Einstellung passt zur Hochschule, wo die Studenten selbst für ihr Lernen verantwortlich sind. Aber in der Schule ist die Situation eine ganz andere, es würde mich nicht überraschen, wenn das nicht sogar irgendwelchen Gesetzen/Regelungen etc widerspräche.
    Außerdem musst Du auch bedenken, dass Du an der Schule zum Teil Kinder vor Dir sitzen hast, die vielleicht grad in der Pubertät sind oder was weiß ich für Lebensphasen durchmachen. Das sind keine fertigen Erwachsenen.

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Ich fühle mich einerseits fachlich völlig unterfordert (weil ich vorher wissenschaftlich gearbeitet habe) und andererseits im didaktischen Bereich (zumindest was die Seminarausbildung angeht) völlig überfordert - eine denkbar schlechte Kombination.

    aber wird das, wenn Du als Lehrer arbeitest, anders sein? Kannst Du Dir vorstellen die nächsten 30 Jahre fachlich unterfordert zu sein (ich frage das so, weil ich mir die Frage auch gestellt habe)? Und wenn Du didaktisch nicht mehr drauf hast als Frontalunterricht wird Dir vielleicht auch im Unterricht diese Überforderung begegnen.

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Meine Schulleitung und meine Ausbilder an der Schule kennen meine Probleme und haben mir geraten, die Ausbildung trotzdem durchzustehen, weil man mich an der Schule brauche und die Seminarausbildung ihre Tücken habe.

    hmm das klingt son bisschen nach: wir brauchen dringen einen Mathelehrer, egal was er kann und was nicht. Vielleicht wollen sie, dass Du das durchstehst weil sie Dich dringend brauchen und die Frage ob Du den Job die nächste 30 Jahre durchhälst und wie es Dir damit geht ist erstmal egal..
    Wie gesagt, ich habe was das angeht wirklich viel nachgedacht und mich für das Studium entschieden weil ich etwas mehr Grundlage wollte als nur mein Fach (auerdem wollte ich ein ordentliches Zweitfach ..) und wenn ich so (zwischen) Deine(n) Zeilen lese dann steht da vieles was nicht zu dem passt was ich über Schule und Unterricht lerne (und was mir ziemlich plausibel erscheint) und was ich selbst zu dem thema denke.


    Leider ist es so, dass an der Uni die Stellen im Mittelbau (wiss. Mitarbeiter) als Durchgangsstellen gedacht sind. Da findet man quasi nichts (war für mich auch mal ein Plan). Vielleicht wäre Berufsschule bzw gymnasiale Oberstufe was für Dich? Das sind wenigstens schon junge Erwachsene die zum großen Teil freiwillig zur Schule gehen und wo Motivation nicht zwingend nötig ist, bzw wo man rechtfertigen kann die unmotivierten, dummen, faulen zu ignorieren.


    Ansonsten würde ich sagen, wenn Du an die Schule gehen möchtest, dann musst Du auch wirklich Lehrer werden, mit allem was dazugehört. Darüber musst Du Dir klar werden denke ich. Den Stoff gut vermitteln zu können ist da (für mich) nur ein Teilder Aufgabe.


    Viele Grüße
    (heimliche Freundin magnetischer Monopole)


    p.s.: Achso, komplexe Zahlen sind aber nicht besonders anspruchsvoll, ich hatte die in der Schule ;)


    p.p.s.: Ach nochwas, falls ich das hier schreiben darf: \mathrm ist kein guter Stil. Das verhält sich wie eine aufrechte Buchstabenkombination (Variable) und nicht wie ein Operator. Besser wäre \operatorname oder \DeclareMathOperator zu benutzen ;)

  • unglaublich was hier alles für Schmu zusammenkommt.


    Du hast die Stelle als Seiteneinsteiger, mach das Ding fertig und gut ist. Inkompetenz auf höherer Ebene wird dir doch sowieso überall begegnen. Es gibt Dinge, über die lohnt es sich nicht mehr darüber aufzuregen. Schule wird immer ein Ort sein, an dem jeder macht, was er für richtig hält und zum Erfolg führt. Diesen Satz kann meinetwegen jeder auf sich beziehen, die Guten wie die Schlechten.

  • Danke für die ausführlichen Antworten zur Thematik!


    Zunächst zu Elternschreck: Ich gebe Dir im Prinzip Recht, aber so wie Du es formulierst, klingt es nach "mit dem Kopf durch die Wand". Ich kann ja nicht einfach ignorieren, was am Seminar so vor sich geht. Auf diese Weise schaffe ich die Ausbildung bestimmt nicht.
    Und diese ideologische Keule in Richtung "Bildungskommunismus" finde ich arg übertrieben, auch wenn Du meiner Meinung nach mit Deiner Einschätzung richtig liegst, dass das Niveau immer weiter heruntergesetzt wird. Immerhin muss man bedenken, dass die aktuellen didaktischen Methoden in einer kapitalistischen Gesellschaftsform entwickelt wurden, während in kommunistischen Systemen sich der Schulunterricht in eine ganz andere Richtung entwickelt hat. Aber das ist auch ein anderes Thema.


    Jetzt zu jabberwocky: Du hast mein Problem sehr gut analysiert und eine äußerst vernünftige Sicht.

    Ich finde es schade, wenn man sich Neuem total verwehrt.

    Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass das Methoden sind die Du noch nicht beherrscht? Hast Du Mathematik oder Physik studiert? Da kennt man das doch auch, dasss Neues immer erstmal anstrengender ist als das was man schon kann ;)

    Ich verweigere mich ja nicht dem Neuem, nur weil es neu ist. Ich habe eine extrem kritische Einstellung dazu. Einige Methoden, die ich gelernt habe, sind ja durchaus sinnvoll oder sinnvoll in Ansätzen. Aber das Gros der Methoden und die Grundphilosophie, die dahintersteckt, ist einfach nicht mein Ding. Ich habe trotzdem viel im Unterricht ausprobiert, musste jedoch feststellen, dass Schüler (selbst die Jüngeren) sich in nicht wenigen Fällen vera...lbert vorkommen, weil diese Unterrichtsmethoden so kindisch oder so ineffizient sind.

    ehrlich gesagt finde ich das problematisch. Du kannst nicht einfach die faulen oder dummen ignorieren. Diese Einstellung passt zur Hochschule, wo die Studenten selbst für ihr Lernen verantwortlich sind. Aber in der Schule ist die Situation eine ganz andere, es würde mich nicht überraschen, wenn das nicht sogar irgendwelchen Gesetzen/Regelungen etc widerspräche.


    Außerdem musst Du auch bedenken, dass Du an der Schule zum Teil Kinder vor Dir sitzen hast, die vielleicht grad in der Pubertät sind oder was weiß ich für Lebensphasen durchmachen. Das sind keine fertigen Erwachsenen.

    In der Tat steht sogar im Landesschulgesetz, dass JEDER das Recht auf individuelle Förderung hat. Aber ich unterrichte an einem Gymnasium, wo die Schüler freiwillig hingehen. Niemand ist gezwungen, das Abitur zu bekommen. Wenn es den Schülern nicht als Motivation ausreicht, gute Noten und einen guten Abschluss erreichen zu wollen, sind sie an der falschen Schulform.
    Und wenn man den Schülern das transparent macht, ist erstaunlich, wieviele Schüler plötzlich fleißig werden.
    Selbstverständlich sind die Zustände, was diese Problematik angeht, an den Hochschulen (noch?) besser. Ich habe aber auch in den letzten Jahren an der Uni erlebt, wie das Niveau bei den Studenten absinkt.

    aber wird das, wenn Du als Lehrer arbeitest, anders sein? Kannst Du Dir vorstellen die nächsten 30 Jahre fachlich unterfordert zu sein (ich frage das so, weil ich mir die Frage auch gestellt habe)? Und wenn Du didaktisch nicht mehr drauf hast als Frontalunterricht wird Dir vielleicht auch im Unterricht diese Überforderung begegnen.

    In der Unterrichtspraxis ist die Überforderung eher weniger ein Problem. Eigentlich fühle ich mich nur von der Seminarausbildung überfordert.


    Leider ist es so, dass an der Uni die Stellen im Mittelbau (wiss. Mitarbeiter) als Durchgangsstellen gedacht sind. Da findet man quasi nichts (war für mich auch mal ein Plan). Vielleicht wäre Berufsschule bzw gymnasiale Oberstufe was für Dich? Das sind wenigstens schon junge Erwachsene die zum großen Teil freiwillig zur Schule gehen und wo Motivation nicht zwingend nötig ist, bzw wo man rechtfertigen kann die unmotivierten, dummen, faulen zu ignorieren.

    Ich unterrichte bereits hauptsächlich in der Oberstufe, aber selbst das ist himmelweit von der universitären Lehre entfernt. Auch da sind die Schülermotivation und der fachliche Anspruch nicht gerade überwältigend.
    In der Tat wäre es schöner, wenn es wieder einen akademischen Mittelbau gäbe, aber daran kann ich nichts ändern.

    (heimliche Freundin magnetischer Monopole)

    Aha! Deshalb hast Du beim Zitieren immer die 0 in meinem Namen weggelassen! Aber nicht mit mir! Quellenfreiheit ist besser als Symmetrie! :)

    Achso, komplexe Zahlen sind aber nicht besonders anspruchsvoll, ich hatte die in der Schule ;)

    Ich muss mich korrigieren: Ich meinte eher weniger die komplexen Zahlen an sich, sondern die Funktionentheorie.
    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, Wellen (oder auch Schwingungen) im Oberstufenunterricht komplexwertig zu behandeln. Wenn komplexe Zahlen in der Schulmathematik behandelt werden, kratzt man doch nur an der Oberfläche. Bisher habe ich auch nicht die Erfahrung gemacht, dass komplexe Zahlen an der Schule überhaupt eine Rolle spielen.

    Ach nochwas, falls ich das hier schreiben darf: \mathrm ist kein guter Stil. Das verhält sich wie eine aufrechte Buchstabenkombination (Variable) und nicht wie ein Operator. Besser wäre \operatorname oder \DeclareMathOperator zu benutzen ;)

    Na gut, aber das ist letztlich Geschmackssache. Gerade, an dieser Stelle finde ich den Unterschied nicht gravierend. Und jetzt kann ich meinen Namen eh nicht mehr ändern. :)

    hmm das klingt son bisschen nach: wir brauchen dringen einen Mathelehrer, egal was er kann und was nicht. Vielleicht wollen sie, dass Du das durchstehst weil sie Dich dringend brauchen und die Frage ob Du den Job die nächste 30 Jahre durchhälst und wie es Dir damit geht ist erstmal egal..

    Eigentlich ist die Schulleitung immer sehr engagiert, was die Interessen der Lehrerschaft angeht. Die Erfahrung habe ich auch bei meinen persönlichen Problemen gemacht. Daher habe ich nicht diesen Eindruck.


    Und nun zu achso:


    Was genau meinst Du konkret mit "Schmu"? Auf welche Aussagen bezieht sich das?
    Ansonsten kann ich zu Deinem Post nur sagen: Kurz und knapp auf den Punkt gebracht!

  • Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Zitat von »jabberwocky«
    Ich finde es schade, wenn man sich Neuem total verwehrt.


    Zitat von »jabberwocky«
    Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass das Methoden sind die Du noch nicht beherrscht? Hast Du Mathematik oder Physik studiert? Da kennt man das doch auch, dasss Neues immer erstmal anstrengender ist als das was man schon kann ;)


    Ich verweigere mich ja nicht dem Neuem, nur weil es neu ist. Ich habe eine extrem kritische Einstellung dazu. Einige Methoden, die ich gelernt habe, sind ja durchaus sinnvoll oder sinnvoll in Ansätzen. Aber das Gros der Methoden und die Grundphilosophie, die dahintersteckt, ist einfach nicht mein Ding. Ich habe trotzdem viel im Unterricht ausprobiert, musste jedoch feststellen, dass Schüler (selbst die Jüngeren) sich in nicht wenigen Fällen vera...lbert vorkommen, weil diese Unterrichtsmethoden so kindisch oder so ineffizient sind.

    das Du Dich dem verweigerst hab ich so aus Deinem Beitrag rausgelesen. Wenn das nicht stimmt ists ja umso besser. Eine kritische Einstellung finde ich auch gut. Ich habe ja noch keine Unterrichtserfahrung, ich kenne nur die Beispiele die meine Didaktikdozentin aus ihrem Unterricht mitgebracht hat und das klang eben ziemlich cool. Die kamen sich definitiv nicht veralbert vor. Ich denke es kommt da auf vieles an. Wenn die Schüler Frontalunterricht gewohnt sind und nichts anderes kennen braucht man natürlich in der 10. Klasse nicht mit sowas kommen, da fühlen die sich verarscht. Ich denke auch, dass man solche Methoden nur anwenden kann wenn man wirklich dahintersteht. Wenn Du selbst nicht überzeugt bist aber etwas machen musst was die Semiarleiter von Dir verlangen merken die Schüler das sicher. Dann spielst Du ja was vor und das ist sicher ineffektiv und dämlich.

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Aber ich unterrichte an einem Gymnasium, wo die Schüler freiwillig hingehen.

    aber das Gymnasium beginnt in Klasse 5, da gilt definitiv noch die Schulpflicht. Wenn Du nur in der Oberstufe unterrichtest ist das was anderes, ich habe das ja auch als Alternative vorgeschlagen.

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Aha! Deshalb hast Du beim Zitieren immer die 0 in meinem Namen weggelassen! Aber nicht mit mir! Quellenfreiheit ist besser als Symmetrie! :)

    nein, tut mir leid, das macht die Zitierfunktion. Ich hab auch jetzt noch nicht rausgefunden wieich das ändern kann. Deinen Namen respektier ich schon, ist ja Deiner.

    Zitat

    Quellenfreiheit ist besser als Symmetrie! :)

    Naja, ne,eigentlich nicht ;) (das sollte man aber hier nicht diskutieren, wobei man das in weitestem Sinne auch unter "Falsche Einstellung" verbuchen könnte hihi)

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, Wellen (oder auch Schwingungen) im Oberstufenunterricht komplexwertig zu behandeln. Wenn komplexe Zahlen in der Schulmathematik behandelt werden, kratzt man doch nur an der Oberfläche. Bisher habe ich auch nicht die Erfahrung gemacht, dass komplexe Zahlen an der Schule überhaupt eine Rolle spielen.

    Die Bemerug war von mir ein bisschen gemein. Ich war nicht auf einem normalen Gymnasium sondern auf einer Beruflichen Schule mit gymnasialer Oberstufe (übrigends in NRW, vielleicht wäre sowas ein guter Ort für Dich). Ich hatte Leistungskurs Elektrotechnik und wir haben tatsächlich komplexe Wechselstromlehre gemacht. Also richtig mit komplexen
    Schwingungen, Scheinwiderständen etc gearbeitet. Das war im Prinzip das
    was die E-Techniker auch in den ersten beiden Semestern im Studium
    lernen.

    Zitat von \mathrm{div} \vec{B} =

    Na gut, aber das ist letztlich Geschmackssache. Gerade, an dieser Stelle finde ich den Unterschied nicht gravierend. Und jetzt kann ich meinen Namen eh nicht mehr ändern. :)

    Den Namen nicht, aber wenn Du nochmal in die Verlegenheit bekommst LaTeX zu benutzen, dann schon ;)


    Ich würde auch sagen, versuch aus der Ausbildung was an Methoden mitzunehmen, vielleicht siehst Du das ja später doch mal anders und dann hast Du was auf das Du aufbauen kannst.
    Ansonsten bist Du als Lehrer frei in der Wahl der Methoden, es kann Dich niemand zwingen.


    Viele Grüße




    .

  • Zitat \mathrm{div} \vec{B} = 0:

    Zitat

    Ich gebe Dir im Prinzip Recht, aber so wie Du es formulierst, klingt es nach "mit dem Kopf durch die Wand". Ich kann ja nicht einfach ignorieren, was am Seminar so vor sich geht.

    Zitat Elternschreck :

    Zitat

    Aber jetzt musst Du Dich in der Ausbildung erstmal ducken....Also, jetzt erstmal durchhalten und Dich anpassen ! Später bist Du selbst Dein Herr und Meister !

    8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Lieber Seiteneinsteiger (den Namen konnte ich mir nicht merken),


    was möchtest du denn eigentlich am liebsten? Willst du gerne an einer allgemein bildenden Schule unterrichten oder lieber wissenschaftlich arbeiten? Beides hat seinen Reiz, und es isvltt nicht verwerflich, dass eine lieber zu wollen, als das andere. Ich persönlich bin aus dem Grund gerne Gymnasiallehrer, weil ich mich eben nicht nur mit Didaktik und Pädagogik "rumschlagen" muss sondern mich auch fachlich stets weiterbilden muss, wenn ich guten Oberstufenunterricht geben will. Aber natürlich ist das nicht dasselbe wie wissenschaftliches Arbeiten.
    Ich bin auch ein paar Semester an der Uni geblieben nach dem Studium und vermisse auch manchmal die fachliche Tiefe im Unterrichtsalltag. Dafür hat der Beruf m. E. andere sehr bereichernde Seiten. Man unterricht eben - selbst in der Oberstufe - in erster Linie Schüler und erst in 2. Linie das Fach.


    Als Lehrer muss man sich zudem damit abfinden, dass es eine Menge Schüler gibt, die das eigenen Fach nicht vom Hocker reißt oder die sonstige Probleme mit dem Fach haben. Dieser Schüler muss ich mich aber auch annehmen. D. h. ich muss dafür Sorge tragen, dass der Unterrichtsgegenstand Gegenstand aller oder zumindest der meisten Schüler wird, und sich der Unterricht nicht nur zwischen mir und den drei bis fünf besten Schülern abspielt. Dass man nie alle Schüler erreichen wird, ist klar, aber versuchen sollte man es trotzdem.


    Ich habe das im Referendariat übrigens nicht so erlebt, dass ein guter und knapper Lehrervortrag nicht geschätzt wird. Im Gegenteil, es wurde immer betont, dass wir keinen Methodenzauber fabrizieren sollen, sondern die jeweilige Methode dem Unterrichtsziel unterordnen sollen. Und wenn ein Lehrervortrag aus didaktischer Sicht Sinn macht, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Aber vielleicht sind deine Lehrervorträge ja wirklich zu lang, zu kompliziert o. ä. Und wenn fünf Schüler an deinen Lippen hängen und die anderen zwanzig abschalten, dann ist an der Kritik deiner Seminarleiter sicher etwas dran.


    Nun bin ich nicht in deinen Stunden dabei und kann es nicht beurteilen. Vlt. sind deine Vorträge wirklich brilliant und für die Schüler so motivierend, dass gar nichts dagegen einzuwenden ist. Ich habe es im Referendariat auch oft erlebt, dass die Stärken der auszubildenden Lehrer nicht immer gesehen wurden. Der eine kann einfach keinen guten Lehrervorträge halten, ist dafür aber super einfallsreich und macht spitzenmäßigen methodenreichen Unterricht. Der andere ist zu trottelig, um Methoden sauber durchzuführen, und alle Stunden, die aus mehr als einer Methode bestehen, enden im Chaos. Dafür kann er total guten Frontalunterricht abhalten, und alle Schüler hängen ihm an den Lippen.
    Ich hatte im Ref. oft das Gefühl, dass einige Studienleiter blind gegenüber den Stärken einiger Kollegen waren, und nicht zulassen wollten, dass Unterricht - der methodisch oder didaktisch von ihrem eigenen abweicht - auch sehr gut sein kann.


    Ich würde dir raten:
    1. Geh' in dich und überlege, ob du das willst: faule und unmotivierte Schüler, die du zum Arbeiten motivieren musst. Das ist (u.a.!!) dein Job. (Der Job hat natürlich auch noch viele anderen Seiten, aber das weist du ja.)
    2. Wenn du das willst, dann nimm die Kritik von deinen Ausbildern an - oder zumindest ernst. Einige Kritik wird unberechtigt sein, andere aber nicht. (Ich hoffe, du hast Ausbilder, die dich konstruktiv kritisieren und die nicht nur deine Schwächen sehen.) Es ist tatsächlich durch die diverse Studien belegt, dass die meisten Schüler nicht viel lernen, wenn sie einfach nur zuhören. Wenn Schüler Frontalunterricht oft schätzen, liegt das z. T. auch daran, weil sie dabei selbst nicht so viel machen müssen, sondern sich bequem zurücklehnen können (ich spreche da aus Erfahrung!).


    Viele Grüße,
    Sofie

  • Also, jetzt erstmal durchhalten un Dich anpassen ! Später bist Du selbst Dein Herr und Meister !


    Da postulierst du eine Einstellung der ich widersprechen muss, damit die jungen Kollegen und Berufseinsteiger kein falsches Bild vom Lehrerberuf bekommen.
    Ad 1: Es ist keine Anpassung gefordert, sondern eine Offenheit gegenüber den verschiedensten Möglichkeiten, die uns die Erziehungswissenschaft bietet. Frontales Dozieren gibt zwar dem 'Dozenten' das Gefühl, wirklich gearbeitet zu haben - wirkt bei den Zuhörern jedoch in der Regel einschläfernd. Da muss man nur eine Lehrerfortbildung besuchen, bei der so etwas einen Nachmittag lang praktiziert wird :tot:
    Ad 2: Als Lehrer bist du nie dein eigener Herr und Meister. Es gibt Bildungs- und Lehrpläne, sowie Schulcurricula, die du einhalten musst. Darin ist auch festgehalten, dass du vielfältige Lehr- und Lernmethoden einsetzen musst. Als zukünftiger Bildungsminister solltest du besser informiert sein - hat deine Schulleitung hier noch nie regulierend eingegriffen? :D

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Vor hundert Jahren gab´s in den Schulen Frontalunterricht für alle und kompliziert gebrochene Beine wurden amputiert. War für die damaligen Ansprüche beides in Ordnung: Beide Maßnahmen wurden meist überlebt.


    Wenn ein Chirurg in einem entwickelten Land heute sagen würde "Ich find das stundenlange Gefrickel an so ´nem komplizierten Bruch total ineffektiv: In der Zeit kann ich locker 5 Beine amputieren. Das mach ich seit Jahrzehnten, das war schon immer gut, und ihr anderen Döskoppe wollt ja immer nur frickeln, weil ihr einfach unfähig seid, ´ne schöne, saubere Amputation hinzulegen.", dann ist der seinen Job los und kann zusehen, wo er nochmal einen kriegt.
    Tatsache ist: Immer noch gibt es Situationen, in denen ein verletztes Bein amputiert werden muss. Aber Fachleute, die sich ständig weiterbilden, können Diagnostik, kennen eine Vielzahl chirurgischer Methoden, wissen um deren Vorteile, Risiken, Kontraindikationen und können all die vielen Parameter gegeneinander abwägen und dann die geeignete Methode anwenden.


    Unser Dienstherr ist das jeweilige Bundesland. Und das gibt per Gesetz unseren Arbeitsauftrag vor. Inzwischen dürfte in jedem Schulgesetz drinstehen, dass die Aufgabe eines jeden Lehrers, unabhängig von der Schulform, darin besteht, die ihm anvertrauten Schülerinnen und Schüler individuell so zu fördern, dass sie ihr Potential entfalten und ausschöpfen können. Welche Schüler einem konkret anvertraut werden, entscheidet der Dienstherr. Das kann einem nun passen oder nicht: Tatsache ist, dass dies die Aufgabe jedes Lehrers ist. Dazu gehört selbstverständlich auch, lebenslang an seinen pädagogischen, didaktischen, emotional-sozialen und fachlichen Fähigkeiten zu arbeiten, um tatsächlich der Fachmann für das Lernen zu sein (was ja der Anspruch an einen Lehrer ist). Der Beruf des Lehrers ist ja nicht dafür da, Leute, die zu unflexibel und bequem für alle nicht-verbeamteten Berufe sind, aufzufangen, damit sie sich da unbehelligt an ihre persönliche Vorliebe klammern können.


    Und da liegt auch schon wieder eines der Probleme unseres Bildungssystems. Um nochmal zum Bild des Chirurgen zurückzukehren: Wäre unser Gesundheitssystem so wie unser Bildungssystem, müssten wir uns von dem Chirurgen operieren lassen, dem wir zugeteilt werden. Pech halt, dass in dem System leider auch Leute arbeiten, die sich für Dreiviertelgötter in Weiß und Diagnostik für unter ihrem Niveau halten, da schließlich jeder Beinbruch per Amputation effktiv und nachhaltig beseitigt werden kann. Da diese Leute dummerweise nicht kündbar sind, muss das System die leider mitschleppen und weiterhin eine Menge Einbeinige erzeugen.


    Für junge Erwachsene, die befähigt werden sollen, ein eigenständiges, sich selbst und der Gesellschaft verantwortliches Leben zu führen, reicht es nicht, Fakten reproduzieren zu können. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Probleme erkennen, analysieren und Lösungsstrategien entwickeln können, die dabei das Ganze immer im Blick behalten, die aufgrund der zunehmende hohen Komplexität der heutigen und künftigen Anforderungen zur Kooperation fähig sind und über ein sehr großes Maß an Selbstregulation verfügen, um mit den globalisierungsbedingt extrem vielfältigen kulturellen Herausforderungen sehr besonnen und feinfühlig umgehen zu können. Da muss Bildung viel mehr leisten als gute Lehrervorträge. Einbeinig wird sich die Gesellschaft sonst vermutlich ganz schön ins verbliebene Knie schießen...

  • die in den Niederungen des Schulalltages meiner Erfahrung nach keine Rolle spielen.



    So habe ich vor Antritt des Refs auch gedacht. "Schule? Doofe Kinder, nichtmal in der 13 Klasse kann ich ordentlich arbeiten. Ich habe ja schließlich an der Uni was richtiges gelernt und auch noch drei Jahre dort gelehrt. Kinderkram an der Schule. Eigentlich unter meiner Würde."


    Wenn du so denkst, dann lass die Finger vom Lehramt. Oder zu überarbeitest deine Einstellung. Die Schule hat sehr viele und sehr unterschiedliche Herausforderungen zu bieten. Angefangen damit, dass man Sachverhalte für den Jahrgang 5 verständlich aufbereiten muss über den Umgang mit pubertierendem Klientel bishin zu hochbegaten SuS oder den Inklusionskindern. Die Vermittlung von Wissen ist hier durchgängig intellektuell herausfordernd, allerdings auf eine andere Weise als es bei dir im Vordergrund steht.


    Last but not least: So eine schöne Doppelstunde Vortrag, Donnerstag nachmittag in der 8./9. Stunde - da werden sich die SuS freuen. Und wenn es 5 Klässler sind oder Inklusionsklassen mit sozial-emotional Gestörten, die erst recht....


    Grüße
    Raket-O-Katz, mittlerweile vom hohen Ross des "ich bin Uni-Material" heruntergekommen

  • aber das Gymnasium beginnt in Klasse 5, da gilt definitiv noch die Schulpflicht. Wenn Du nur in der Oberstufe unterrichtest ist das was anderes, ich habe das ja auch als Alternative vorgeschlagen.


    Dazu: "Nach §§ 63 Abs.1 S.1, 65 Abs.1 in Verbindung mit § 64 Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) besteht grundsätzlich eine 12-jährige Schulpflicht, worunter die Pflicht zum Besuch einer öffentlichen Schule zu verstehen ist."


    Insofern kann ich den SEK II Luschen nicht sagen, dass sie sich trollen sollen.

  • Noch ein Nachtrag: Unterrichten ist m. E. eine hohe Kunst, die du nach einem Jahr wahrscheinlich ebenso wenig perfekt beherrschst wie ich nach nun zwei Jahre Unterrichtserfahrung. Die Kunst besteht m. E. darin, alle resp. möglichst viele Schüler mitzunehmen, zu motivieren ohne fachlich total flachen Unterricht zu machen.
    In gewisser Weise ist es also auch ein Balanceakt, der vielleicht nie ganz gelingen wird. In irgendeiner Weise muss man sicherlich Abstriche machen. Und wo man die macht, entscheidet (nach dem Ref.) jeder für sich. Aber ich denke schon, dass guter Unterricht sich irgendwo da in der Mitte abspielt.

  • Zitat alias :

    Zitat

    Als zukünftiger Bildungsminister solltest du besser informiert sein - hat deine Schulleitung hier noch nie regulierend eingegriffen? :D

    Unser Chef ist froh, dass er uns konservative Kollegen hat, deren methodischer Maßstab sich allein nach der Unterrichtseffizienz richtet, geehrter alias !


    Unser Chef greift insofern regulierend ein, dass er uns konservative Kollegen in den Vetretungsunterricht für die (willenlosen) Apostel der pseudomodernen Unterrichtsformen
    schickt. Die sind schon seit Jahren frustriert darüber, dass ihr Unterricht kaum Früchte trägt. Auf der anderen Seite haben sie sich so mit Feuereifer arbeitsmäßig verschlissen, dass sie sehr oft krank feiern. Zwei Kolleginnen von ihnen befinden sich jetzt in der Kur. Dabei sind sie noch so jung.


    Darüberhinaus setzt unser Chef in unseren 10. Klassen fast ausschließlich die älteren konservativen Kollegen ein, weil sie fast nie krank feiern und die Schüler aufgrund des effizienten Unterrichts gute Ergebnisse in den zentralen Abschlussprüfungen erzielen.


    Und übrigens, geehrter alias, die QA hat vor ca. 2 Jahren an unserer Schule besonders die effiziente Arbeit der konservativen Kollegen (Wir haben straight wie immer unterrichtet) gewürdigt, weil respektable Unterrichtsergebnisse zustande kamen ! -Noch Fragen, geehrter alias ? 8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Zitat Sunny08 :

    Zitat

    Um nochmal zum Bild des Chirurgen zurückzukehren: Wäre unser Gesundheitssystem so wie unser Bildungssystem, müssten wir uns von dem Chirurgen operieren lassen, dem wir zugeteilt werden.

    Mal abgesehen davon, dass ein amputiertes Bein nicht mehr jucken kann und der Chirurg auch heute noch einem zugeteilt wird, verfügt der heutige Chirurg über die modernste Technik, Medizin sowie über qualifiziertes Personal um sich herum !


    Für den Schuldienst wäre das so umübersetzt : Kleine Klassen (bis ca. 18 Schüler), durchweg modernste Ausstattung in jedem Klassraum, Zuteilung eines persönlichen Assistenten pro Klasse für außerunterrichtliche Hilfsdienste, ausreichend und gut ausgestattete Gruppenräume für kooperative Unterrichtsformen, Trainingsräume für unterrichtlich schlecht aufgestellte Schüler mit professionellem schulsozialpädagogischem Personal, Schularzt und Schulpsychiater in der Schule, durchweg excellente Pflege und Wartung des Mobilars und Technik...


    Zum Chirurgen zurückübersetzt sieht die Realität bei uns in den Schulstuben vergleichbar in etwa so aus, dass der Chirurg sich mit einer Säge, Holzhammer (für die Betäubung, Schnaps nur für Privatpatienten) und Pritsche zufrieden geben müsste. Auch auf die Op-Schwestern müsste er verzichten. Aufgrund der hohen Patientenquantität (Schulklassen bei uns bis 34 Schüler) müsste er mindestens 4 Patienten gleichzeitig auf die Pritsche legen. Als gewissenhafter Chirurg folgt er selbstverständlich der Anweisung der Krankenhausleitung, die Patienten auf Augenhöhe behutsam, schmerzfrei, individuell , diagnostisch und behandlungsmäßig binnendifferenziert sowie psychisch motivierend zu behandeln.Es liegt nur am Chirurgen/Lehrer wie optimal die Patienten/Schüler operiert/unterrichtet werden können.

    Zitat

    Für junge Erwachsene, die befähigt werden sollen, ein eigenständiges, sich selbst und der Gesellschaft verantwortliches Leben zu führen, reicht es nicht, Fakten reproduzieren zu können. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Probleme erkennen, analysieren und Lösungsstrategien entwickeln können, die dabei das Ganze immer im Blick behalten, die aufgrund der zunehmende hohen Komplexität der heutigen und künftigen Anforderungen zur Kooperation fähig sind und über ein sehr
    großes Maß an Selbstregulation verfügen, um mit den globalisierungsbedingt extrem vielfältigen kulturellen Herausforderungen sehr besonnen und feinfühlig umgehen zu können. Da muss Bildung viel mehr leisten als gute Lehrervorträge.

    Zitat aus welcher Feierrede oder/und bildungspolitischen Hochglanzbroschüre ? 8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    3 Mal editiert, zuletzt von Elternschreck ()

  • Dazu: "Nach §§ 63 Abs.1 S.1, 65 Abs.1 in Verbindung mit § 64 Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) besteht grundsätzlich eine 12-jährige Schulpflicht, worunter die Pflicht zum Besuch einer öffentlichen Schule zu verstehen ist."


    Insofern kann ich den SEK II Luschen nicht sagen, dass sie sich trollen sollen.

    Ah danke

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