Als "deutscher" Lehrer in der Schweiz arbeiten

  • Hallo zusammen,


    ich arbeite seit kurzem als verbeamteter Lehrer in Süden unseres Landes.


    Über Bekannte habe ich mitbekommen, was die Lehrer in der Schweiz verdienen und dass das System dort viel liberaler ist. So ist es wohl ohne Probleme möglich ein halbes Deputat zu unterrichten und dafür das gleiche Geld rauszubekommen wie in D bei vollem Deputat. Von meiner Stadt aus wäre es auch kein Probelm täglich zu pendeln. Auch, dass man mal ein paar Monate frei macht, um zB zu reisen, sei wohl dort wohl ohne Weiteres möglich. Meine Fächerkombination ist auch so gefragt, dass ich realistische Chancen habe. Mir ist klar, dass die Bedingungen und das Gehalt je nach Kanton unterschiedlich sind. Aber wenn ich lese, dass man als erfahrener Lehrer in Zürich bis zu 150.000€ pro Jahr verdient, dann ist das schon ne Ansage...
    Klar, dort wäre man nicht mehr verbeamtet. Aber es würde wohl einige andere Vorteile mit sich bringen...



    Jetzt meine Fragen:
    Welche Vor- und Nachteile bringt der Lehrerjob als Deutscher in der Schweiz mit sich?
    Ist der Einstieg als in D ausgebildeter Lehrer möglich?
    Wahrscheinlich hat man es als Deutscher in ländlich geprägten Gegenden schwer als Lehrer?! In der Regel sind wir dort ja nicht sonderlich beliebt :P



    Ich weiss, das sind jetzt viele Fragen. Aber es wäre nett, wenn jemand Antworten parat hätte ;)


    MFG

  • Dürfte aufgrund dieser Aussage ziemlich egal sein:

    Das ist mir durchaus nicht entgangen. Das Posting war aber in sich widersprüchlich, weil auch von "ländlichen Gegenden" die Rede war, womit ja nicht Zürich gemeint gewesen sein kann.
    Wenn man dann tatsächlich pendelt, dann kann sich das finanziell wohl lohnen. Ich habe dazu auch mal eine Sendung gesehen, es gibt da recht viele Pendler. Ob einen das dann im Endeffekt glücklich macht, steht wieder auf einem anderen Blatt.

  • Ich hatte auch mal mit dem Gedanken gespielt, in die Schweiz zu gehen. Als ich mit der Ausbildung fertig war, sah es gerade düster aus am Stellenmarkt. Ich habe dann zufällig im Urlaub eine Lehrerin getroffen, die genau das getan hat. Sie hat in Deutschland nicht mal ihr Referendariat beendet und viel gequengelt über die schrecklichen deutschen Schüler, die keinen Respekt kennen und bla bla bla (Sicher kennt ihr diese Leute, denen man nahezu ansehen kann, dass sie regelmäßig heulend vor der Klasse zusammenbrechen, wenn Paul Udo mal wieder seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und nun sogar frech wird). Sie hat sich bei einem Urlaub in der Schweiz spontan in einer Schule vorgestellt und wurde genommen.
    Wie auch immer: Sie war sehr zufrieden. Weniger Schüler, viel Respekt von Schüler- und Elternseite, echte Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern, Wertschätzung, usw.
    Zudem konnte sie bestätigen, dass man in der Schweiz sooo viel mehr verdient (je nach Kanton). Ebenfalls bestätigen konnte sie das Vorurteil (?), dass die Schweizer allgemein gegenüber Fremden (nicht Touristen) voreingenommen, teilweise abweisend sind. Erwartet wird wohl auch, dass man sich Mühe gibt, den schweizerischen Dialekt zu lernen (was irgendwie verständlich ist).
    Als Nachteil könnte man sehen, dass auch aufgrund der guten Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten eine andere Arbeitsmentalität erwartet wird und ein Füße hochlegen, wie es an vielen deutschen Schulen bei älteren Kollegen üblich ist, nicht möglich ist. Ich hätte damit gut leben können. Ein Umzug kam aber dann aus familiären Gründen (kleine Kinder, Nähe zu den Großeltern, kranke Mutter) nicht infrage. Als Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland zahlst du auf deinen Bruttolohn eine Quellensteuer (etwa 8% ?).
    Verbeamtet wirst du nicht, wie sicher der Job für die nächsten Jahrzehnte ist, weiß ich leider auch nicht. Auch über die Pension müsste man sich Gedanken machen. Ein späterer Umzug innerhalb Deutschlands und damit ein Wechsel ins deutsche Schulsystem, bei dem es für eine Verbeamtung dann vielleicht zu spät wäre, wäre natürlich sehr unglücklich.
    Ein mögliches Jahresgehalt (in frühen Jahren) von etwa 100.000 Euro Brutto ist aber natürlich ein starkes Argument.


    Als ich Interesse hatte, wurden deutsche Lehrer nach allem, was ich sagen kann, in vielen Kantonen dringend gesucht. Eine Bekannte, die dort für die Stellenausschreibungen zuständig war, konnte das ebenfalls bestätigen (ist etwa 4 Jahre her).

  • Ich unterrichte als Deutscher in der Schweiz. Nachteile sehe ich für mich in der Schweiz keine, nur Vorteile. Als Grenzgänger ist ein Nachteil in Deutschland das Finanzamt. Man muss vierteljährlich einen Abschlag auf seine Steuerschuld im Voraus bezahlen, bei einem hohen Gehalt ist das auch entsprechend viel.


    Anerkennung sollte kein Problem sein, das Verfahren läuft über die EDK (Erziehungsdirektorenkonferenz, vergleichbar mit der Kultusministerkonferenz in D), kostet aber. Details siehe hier:


    http://www.edk.ch/dyn/12933.php

  • Das ist mir durchaus nicht entgangen. Das Posting war aber in sich widersprüchlich, weil auch von "ländlichen Gegenden" die Rede war, womit ja nicht Zürich gemeint gewesen sein kann.Wenn man dann tatsächlich pendelt, dann kann sich das finanziell wohl lohnen. Ich habe dazu auch mal eine Sendung gesehen, es gibt da recht viele Pendler. Ob einen das dann im Endeffekt glücklich macht, steht wieder auf einem anderen Blatt.

    So wiedersprüchlich ists nicht. Von meiner Heimatstadt aus ist es möglich nach Zürich zu pendeln. Auf dem Weg dorthin, liegen die eher "ländlichen" Gegenden.




    Danke für Deine Ausführung. Ich lasse mir das nochmal durch den Kopf gehen




    Ich unterrichte als Deutscher in der Schweiz. Nachteile sehe ich für mich in der Schweiz keine, nur Vorteile. Als Grenzgänger ist ein Nachteil in Deutschland das Finanzamt. Man muss vierteljährlich einen Abschlag auf seine Steuerschuld im Voraus bezahlen, bei einem hohen Gehalt ist das auch entsprechend viel.


    Anerkennung sollte kein Problem sein, das Verfahren läuft über die EDK (Erziehungsdirektorenkonferenz, vergleichbar mit der Kultusministerkonferenz in D), kostet aber. Details siehe hier:


    http://www.edk.ch/dyn/12933.php

    Vielen Dank für den Link. Die Kosten für die Anerkennung sind ja schon happig. Sollte sich aber bei einem Wechsel relativ schnell wieder amortisieren :P

  • Hallo an alle,
    ich arbeite seit ein paar Jahren in der Schweiz und teile gerne meine Erfahrungen mit allen, die sie interessieren.


    Ja, als Lehrer in der Schweiz kann man viel Geld verdienen, das stimmt. Allerdings:


    1) Gesucht werden Primarschullehrer und Sekundarschullehrer, keine Gymnasiallehrer. Grundschullehrer dürften relativ unkompliziert eine Stelle finden, Sekundarschullehrer allerdings nicht, denn Schweizer Lehrer sind "allgemein" ausgebildet, d.h. sie können 5 oder mehr Fächer unterrichten, deutsche Lehrer hingegen in der Regel nur 2-3. Deswegen wird man kaum Stellen finden für "nur" 2-3 Fächer.
    An Gymnasien gibt es unglaublich viel Konkurrenz, vor allem in beliebten Fächern. Wie immer gilt: Als Mathelehrer hat man vielleicht eher Glück als als Deutschlehrer.
    Der Schnitt für eine Bewerbung als Deutschlehrer an Gymnasien sind 80 Mitbewerber. Es ist quasi unmöglich, den Fuß in die Tür zu kriegen.


    2) Oft werden nur Teilzeit-Stellen ausgeschrieben


    3) Je mehr man verdient desto mehr Steuern werden wieder abgezogen. Es bleibt in der Regel bei 100 % ein Gehalt von ca. 6000 CHF netto. Gleichzeitig muss man mit Lebenshaltungskosten für eine Person von 3500 CHF rechnen, wenn man normal lebt, d.h. eine 3-Zimmer-Wohnung hat und Miete, Versicherungen etc. bezahlt. Bleiben also mit Glück 2000 CHF, die man sparen könnte (sofern man tatsächlich das Glück hat, eine 100 %-Stelle zu finden)


    4) Grenzgänger werden doppelt besteuert, d.h. zuerst in der Schweiz und auf das Übriggebliebene dann in Deutschland. Man macht damit einen kleinen Gewinn, aber man wird nicht "reich"


    5) Man ist kein "Beamter", d.h. man ist auch nach Jahren mit nur 3-monatiger Kündigungsfrist kündbar


    6) Familien mit Kindern oder Menschen, die Kinder planen, sollten sich das gut überlegen. Die Kinderbetreuung für 2 Kinder "frisst" schnell ein Monatsgehalt einer Person und es gibt keine Elternzeit, nur 3 Monate Mutterschutz. Danach muss man wieder arbeiten und das Kind fremd betreuen oder unbezahlten Urlaub machen und die 3500 CHF monatlich vom Ersparten bezahlen. Väter erhalten nur 2 Tage "Vaterschaftsurlaub". Ein Witz.


    7) Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden. Wer es nicht glaubt, ist eingeladen, es selbst zu probieren. Man rennt oft gegen die "Glaswand", es bleibt eine "Grenze" zwischen Schweizern und Deutschen. Das frustriert. Man sollte Schweizerdeutsch unbedingt mindestens verstehen lernen, sonst hat man es schwer. Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören. Schweizer haben oft Hemmungen, Hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich minderwertig. Das ganze Thema ist sehr verkrampft.


    8) Rentenleistungen sind zwar gut und fraglos besser als in Deutschland, werden aber (meines Wissens) auch doppelt besteuert, sobald man als Rentner von der Schweiz nach Deutschland zurückgeht. Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt keinen Sack Geld :-)


    Ich hoffe, das konnte helfen. Viel Glück allen, die es probieren wollen! Die Schweiz ist ein schönes Land, aber kein leichtes.

  • ... Schweizer haben oft Hemmungen, Hochdeutsch zu sprechen und fühlen sich minderwertig. Das ganze Thema ist sehr verkrampft...

    Ich könnte mir v.a. vorstellen, dass Deutsche Hemmungen haben, Schweizerdeutsch zu sprechen...


    Da man das immer wieder liest, dass Deutsche es in der Schweiz schwer haben, würde mich mal die Sicht der SchweizerInnen interessieren. Zumindest @Philio und @FrauZipp sind gebürtige Schweizer, wenn ich recht erinnere?

  • Je mehr man verdient desto mehr Steuern werden wieder abgezogen. Es bleibt in der Regel bei 100 % ein Gehalt von ca. 6000 CHF netto. Gleichzeitig muss man mit Lebenshaltungskosten für eine Person von 3500 CHF rechnen, wenn man normal lebt, d.h. eine 3-Zimmer-Wohnung hat und Miete, Versicherungen etc. bezahlt. Bleiben also mit Glück 2000 CHF, die man sparen könnte

    Du wohnst selbst gar nicht in der Schweiz, oder? Ich habe bei einem 86 % Pensum netto (also wirklich nach Abzug der kantonalen Steuer und der Bundessteuer) 6300 CHF raus. Mein Steuersatz beträgt lächerliche 15 % und das im Wohnkanton Basel-Stadt, der nicht gerade zu den Niedrigsteuerkantonen zählt. Wie Du auf die 3500 CHF Lebenshaltungskosten kommst, ist mir auch ein Rätsel. Ich hab jetzt mehrfach getippt und gerechnet, selbst wenn ich sehr verschwenderisch kalkuliere wären in den 3500 CHF auf jeden Fall meine 550 CHF Säule 3a dabei, das zählt ja schon als "sparen".



    Grenzgänger werden doppelt besteuert, d.h. zuerst in der Schweiz und auf das Übriggebliebene dann in Deutschland. Man macht damit einen kleinen Gewinn, aber man wird nicht "reich"

    Dafür sind Deine Lebenshaltungskosten in Deutschland deutlich günstiger. Sei halt kein Grenzgänger, wenn Dich die doppelte Steuerlast stört. Hier zu wohnen könnte auch dabei helfen Kontakte zu Schweizern zu knüpfen.



    Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden.

    Du hast offenbar die Falschen gefragt. Wohne hier und beteilige Dich aktiv am Sozialleben, schon ist das Problem gelöst. Ich bin z. B. aktives Mitglied des SAC Sektion Basel-Stadt und Mitglied der Taekwondo-Schule Basel. Aber klar, das geht halt nicht, wenn man jeden Abend wieder zurück nach Deutschland fährt. Klarer Fall von selber schuld.



    Man ist kein "Beamter", d.h. man ist auch nach Jahren mit nur 3-monatiger Kündigungsfrist kündbar

    Faktisch wird Dir aus einer Festanstellung nur gekündet, wenn Du einen wirklich dicken Bock schiesst und dann ist das in aller Regel auch mehr als gerechtfertigt. Ich habe es bislang nur genau einmal erlebt, dass so etwas passiert und selbst in diesem Fall konnte der Kollege noch bis Ende des laufenden Schuljahres arbeiten. Einem psychisch erkrankten Kollegen hat man jetzt nach 2 Jahren Absenz erst die Stelle gekündigt.



    Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören.

    So ein Quatsch. Ich falle dort weniger auf, als unsere zwei Berner.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Achso, jetzt kapier ich das erst. Na gut, wenn einer nur zum Arbeiten rüberfährt dann gestaltet sich das Sozialleben logischerweise schwierig...


    @Wollsocken80, die Berichte, dass Deutsche nicht immer nur wohlgelitten sind gibts ja nun tatsächlich. Und dass man das Gefühl hat, in einer anderen Region nicht so recht einzufinden kenne ich auch. Mentalitäten sind verschieden, ich finde das sehr interessant. Ich denke nämlich, dass es oft Kleinigkeiten sind, die man fehlinterpretiert, weil sie unbewusst eine große Rolle einnehmen.

  • Ausländerfeindlichkeit gibt's in jedem Land und ja, es stimmt, dass man uns Deutsche hier gerne mal besonders skeptisch beäugt. Die meisten Deutschen, die hierherkommen, sind Akademiker in gut bezahlten Jobs. Das sind keine, die man "Sozialschmarotzer" schimpfen kann. Gefühlt (vielleicht auch zum Teil real) machen sie aber die Löhne und die Mietpreise kaputt, das ist schon mal doof. Ausserdem sind es laute, trampelige Klugscheisser. Dass man in manchen Kreisen wohl so über mich denkt merke ich aber nur wenn Wahlkampf ist und an jeder Ecke die unsäglichen Plakate der SVP hängen. Lehrer ist diesbezüglich nämlich ein sowas von dankbarer Beruf, da ist es sowas von kackegal, wer woher kommt, ich hatte im Kollegium noch nie ein Problem mit meinem Deutschsein. Wir sind pro Fachschaft im Schnitt etwa ein deutscher Kollege, die Mehrheit sind Schweizer oder zumindest solche mit nicht allzu viel Migrationshintergrund (ganz ohne findeste hier eh nicht). Das ist ein riesen Vorteil gegenüber einem Job bei der Novartis oder so, denn dort ist man als Ausländer schon in der Mehrheit. Als Lehrer ist man automatisch unter Schweizern, da muss man gar nichts dafür tun. Beim SAC ist man z. B. auch mehrheitlich unter gut gebildeten Menschen, auch da spielt es keine Rolle, dass ich Deutsche bin und auch dort bin ich überwiegend unter Schweizern.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • 3) Je mehr man verdient desto mehr Steuern werden wieder abgezogen. Es bleibt in der Regel bei 100 % ein Gehalt von ca. 6000 CHF netto. Gleichzeitig muss man mit Lebenshaltungskosten für eine Person von 3500 CHF rechnen, wenn man normal lebt, d.h. eine 3-Zimmer-Wohnung hat und Miete, Versicherungen etc. bezahlt. Bleiben also mit Glück 2000 CHF, die man sparen könnte (sofern man tatsächlich das Glück hat, eine 100 %-Stelle zu finden)

    Dass man in Deutschland bei diesem Einkommen den Spitzensteuersatz von 42% hat, weisst du? Die Einkommensteuerbelastung in der Schweiz ist im Vergleich dazu gering, siehe den Beitrag voll @Wollsocken80. Beim letzten Satz bleibt mir schon etwas die Spucke weg - ich komme gebürtig aus einem Arbeiterumfeld, meine Mutter war Schichtarbeiterin in einer Fabrik. Monatlich sparen konnte meine Familie exakt Nullkommagarnichts. Im Vergleich dazu habe ich jetzt ein finanziell begütertes Leben. Sorry, dass ich so direkt bin, aber in einer Zeit, in der viele Familien sehen müssen wie sie über die Runden kommen, halte ich monatlich übrige CHF 2000 zum Sparen für reinsten Luxus.


    4) Grenzgänger werden doppelt besteuert, d.h. zuerst in der Schweiz und auf das Übriggebliebene dann in Deutschland. Man macht damit einen kleinen Gewinn, aber man wird nicht "reich"

    Was meinst du mit "doppelt besteuert"? Ich war Grenzgänger bevor ich in die Schweiz gezogen bin, und ich habe in der Schweiz eine Quellensteuer von 4,5% bezahlt, die mir auf meine deutsche Steuerschuld angerechnet wurde (aber nach oben gedeckelt, wenn ich es noch richtig weiss). Dazu musste ich vierteljährlich Steuerabschläge an das deutsche Finanzamt vorauszahlen, die Endabrechnung ging dann über die deutsche Steuererklärung. Die Steuer wird letztendlich im Wohnsitzland bezahlt, wie bei Ländern mit Doppelbesteuerungsabkommen üblich. Wie gesagt, durch die Deckelung der Anrechenbarkeit der Quellensteuer geht bei einem hohen Verdienst etwas verloren – aber der Unterschied zur deutschen Steuerbelastung macht deutlich mehr aus.


    5) Man ist kein "Beamter", d.h. man ist auch nach Jahren mit nur 3-monatiger Kündigungsfrist kündbar

    So wie jeder andere Arbeitnehmer in der Schweiz auch … Kündigungen seitens des Arbeitgebers sind trotzdem extrem selten.


    6) Familien mit Kindern oder Menschen, die Kinder planen, sollten sich das gut überlegen. Die Kinderbetreuung für 2 Kinder "frisst" schnell ein Monatsgehalt einer Person und es gibt keine Elternzeit, nur 3 Monate Mutterschutz. Danach muss man wieder arbeiten und das Kind fremd betreuen oder unbezahlten Urlaub machen und die 3500 CHF monatlich vom Ersparten bezahlen. Väter erhalten nur 2 Tage "Vaterschaftsurlaub". Ein Witz.

    Ich bin Single ohne Kinder und habe diese Nachteile deshalb nicht – das muss ich fairerweise sagen.



    7) Alles Soziale: Fast alle Deutsche, die ich gefragt habe, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir: Es ist sehr schwer, hier als Deutsche/r "anzukommen" und Freunde zu finden.

    Alle Deutsche, die ich kenne, und meine eigene Erfahrung bestätigen mir, dass es nicht so ist.



    Man sollte Schweizerdeutsch unbedingt mindestens verstehen lernen, sonst hat man es schwer.

    Ja, das sollte man. Das gilt aber auch für die Sprache jedes anderen Landes, in dem man dauerhaft leben will. Schweizerdeutsch (eigentlich ist das schon sehr vereinfacht, es gibt unzählige lokale Varianten) ist nicht einfach "nur" ein Dialekt, Schweizerdeutsch ist die Sprache der Deutschschweiz und die Basis des (deutsch-)schweizerischen Selbstverständnisses. Zugegeben, als im südlichen Baden-Württemberg Aufgewachsener fällt mir das Verstehen sehr leicht und sprechen kann ich inzwischen so, dass es vielleicht erst im dritten Satz in Folge auffällt ;) Dass ich sprachlich im Thurgau sozialisiert wurde, kann man glaube ich schon gut raushören...


    Im Lehrerzimmer wird man nie ganz dazugehören.

    Kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil, an meiner Schule herrscht zwischen Deutschen und Schweizern ein sehr freundschaftliches und herzliches Verhältnis.

  • Das ist weder nötig, noch will das irgendjemand.


    Weder noch ;)

    Zumindest soweit es mich angeht, kann ich das bestätigen :)


    Ich gebe zu, ich hatte am Anfang Hemmungen. Inzwischen aber kaum noch - wenn ich Fehler mache, dann mach ich sie halt. Wie in jeder anderen Sprache auch. Aber wie schon oben gesagt, Schweizerdeutsch ist mir durch meine Herkunft sehr nahe (ich bin mit schwäbischem Dialekt aufgewachsen, in meiner Familie wurde kein Hochdeutsch gesprochen – höchstens durch mich ;)), deshalb bin ich vielleicht in dieser Hinsicht kein ideales Beispiel.

  • Jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu :)

    zu 1) das ist aber auch kantonal recht unterschiedlich. Im Kanton SG hatte ich trotz Abschluss da keine Chance. Die haben zur Zeit eher genug, die das Studium abschliessen. Und dann stellen sie zuerst die eigenen Leute ein, da sie ja sonst doppelt zahlen würden (Lohn für Lehrperson plus Sozialleistungen für die arbeitslose Schweizer Lehrperson). Im Kanton ZH fehlen vor allem Kindergartenlehrpersonen. Das liegt daran, dass das Studium Kindergarten bis 3. Klasse abdeckt. Durch die höhere Bezahlung in der Primarschule wollen viele nicht im Kindergarten arbeiten (das ist nur ein Grund für den Lehrermangel auf meiner Stufe).


    zu 3) ok Löhne sind abhängig vom Kanton. Aber gut 5500 CHF netto habe ich auch und das als Kindergartenlehrperson bei 88% (was einem 100% Pensum im Kindergarten entspricht). Und 3500 CHF Lebenshaltungskosten habe ich auch kaum und wohn in der Agglomeration von ZH, also sind auch die Mietpreise entsprechend.


    zu 5) in ZH kann man mich nur kündigen, wenn ich mir grobe Verfehlungen leiste und dann habe ich bekomme ich sogar noch eine Schonfrist. Oder wenn es zu wenig Kinder für eine volle Klasse gibt, dann ist allerdings die Gemeinde angehalten mir eine Ersatzstelle zu geben oder mich anderswo in der Gemeinde unterzubringen. Ansonsten habe ich mit dieser 3monatigen Kündigungsfrist problemlos 7 Jahre im Detailhandel gearbeitet. So spontan fällt mir niemand bekanntes oder verwandtes es, der hier in der freien Wirtschaft je kündigt wurde (ok das ist sehr subjetkiv gefärbt).


    zu Mentalitätsunterschieden kann ich nichts sagen oder dazu wie man sich als Deutscher in der Schweiz fühlt. Ich bin Liechtensteinerin, da sind die Unterschiede enorm gering.


    Das Schweizerdeutsch gibt es ja eh nicht. Ich spreche meine Dialekt, die Kinder haben mittlerweile keine Mühe mehr damit. Im Lehrerzimmer Teilteils :) ... manche hier können ihn richtig zu ordnen, anderen denken ich wäre aus der Ostschweiz oder Graubünden.

  • ...zu Mentalitätsunterschieden kann ich nichts sagen oder dazu wie man sich als Deutscher in der Schweiz fühlt. Ich bin Liechtensteinerin, da sind die Unterschiede enorm gering...

    Aber du könntest ja mal umgekehrt deinen Eindruck vermitteln, den du von "den Deutschen" hast ;)

  • Aber du könntest ja mal umgekehrt deinen Eindruck vermitteln, den du von "den Deutschen" hast ;)

    stimmt :) .... mein Eindruck ist sehr gemischt....mein Partner ist selbst Deutscher. So grundsätzlich mag ich Deutsche. Vor allem die, die ich kenne :). Ich hab auch kein Problem damit Hochdeutsch zu sprechen. Mit deutschen Eltern oder Kollegen hatte ich noch nie Probleme im Gegenteil, die Eltern meiner "grossen Herausforderung" letztes Jahr waren sehr gesprächsbereit.


    Deutsche, die hier nur rumjammern, dass alles so teuer wäre oder oder, mag ich gar nicht. Wobei ich diese Einstellung (nur zu jammern) grundsätzlich nicht mag egal was für eine Nationalität.


    Ja für Schweizer und auch Liechtensteiner sind die Deutschen teilweise direkter und lauter.

  • Ich hab auch kein Problem damit Hochdeutsch zu sprechen.

    Tu das nicht, bzw. tu es nur wenn Du merkst, dass Dein Gegenüber Dich andernfalls nicht versteht. Ich finde es soooo furchtbar, dass soooo viele Schweizer automatisch in ein gekrüppeltes Hochdeutsch wechseln, wenn sie mit mir sprechen. Natürlich meint das keiner böse (im Gegenteil, die meisten tun es wohl aus Höflichkeit), aber bei mir kommt dabei automatisch "Du gehörst nicht dazu" an. Ich habe das im Lehrerzimmer einfach mal offen angesprochen und seither macht es auch keiner mehr. Reden hilft - wie immer - Missverständnisse auszuräumen und vorzubeugen. :)



    Mit deutschen Eltern oder Kollegen hatte ich noch nie Probleme im Gegenteil, die Eltern meiner "grossen Herausforderung" letztes Jahr waren sehr gesprächsbereit.

    Man erkennt die Deutschen an einem Elternabend (abgesehen von der Sprache) schon recht schnell. Meistens sind es Leute, die sehr detaillierte Fragen stellen und eine recht genaue Vorstellung davon haben, wie die Dinge zu laufen haben. Je nachdem, wie lange die schon hier in der Schweiz sind, merkt man durchaus auch immer eine gewisse Skepsis gegenüber dem Bildungssystem, die in aller Regel irgendwann in ein "ach ... das läuft hier alles aber viel einfacher und entspannter ..." umschlägt.



    Deutsche, die hier nur rumjammern, dass alles so teuer wäre oder oder, mag ich gar nicht.

    Ich hab bei Coop an der Kasse mal einen, der hinter mir stand, genau dafür ziemlich angemacht. Ich habe ihm das 8er Tram nach Weil am Rhein empfohlen, da kann er in Billighausen einkaufen und am besten auch gleich dort bleiben.



    Ja für Schweizer und auch Liechtensteiner sind die Deutschen teilweise direkter und lauter.

    Die Basler auch. Drum fallen wir Deutsche hier nicht so auf. :teufel:

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

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