Anforderungen im Praktikum

  • In den letzten 4 Wochen hatte ich eine Studentin in meiner Klasse, die nach 5 Semestern Studium das erste von zwei 4wöchigen Schulpraktika bei mir absolvierte; sie sollte etliche Stunden hospitieren und 25 Stunden unterrichten.


    Ihre und meine Ansichten über das, was zu leisten wäre, klaff(t)en heftig auseinander; sie meinte, andere MentorInnen nähmen es bei der Bescheinigung mit den tatsächlich gegebenenen Stunden nicht so genau, und schließlich sei dies nur ein Praktikum, da müsse auch noch Zeit bleiben, in der sie ihren Spaß habe, es sei meine Sache, frühzeitig einzugreifen, wenn einzelne Schüler oder auch die ganze Stunde ihr entgleiten (war aber sehr gekränkt, als ich anfangs mal eingegriffen hatte, weil ich ihr damit einen Teil ihrer späteren Planung aus der Hand genommen hätte ...)


    Mein Schulleiter schlug vor, dass ich für unsere Schule "Richtlinien" ausarbeite, die wir der nächsten Praktikantin im voraus zur Kenntnis geben.


    Ich wäre dankbar für Anregungen und Hinweise zu einem Erwartungshorizont: Was kann und darf ich an theoretischem Hintergrund, an Beobachtungsgabe, an Fahigkeit zu Umsetzung und Reflexion aus dem Studium erwarten, was wird sich erst später im Referendariat und in der eigenen Praxis entwickeln? Wieviel Arbeitseinsatz darf ich in einem Praktikum erwarten?


    Gespannt auf Eure Antworten,
    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

  • Ich antworte mal von der Studentenseite.
    Also: Ich mach gerade ein fünfwöchiges Praktikum. Bei mir wird das mit den Stunden schon genau genommen und ich tue auch recht viel, mache in einem Fach sogar mehr oder weniger eine ganze Einheit. Vor einem Unterrichtsbesuch habe ich dann auch sehr viel zu planen und zu tun. Arbeitseinsatz zeigen auch die meißten Mitstreiterinnen. Nicht nur ich muss im Moment um 5 Uhr aufstehen, damit ich rechtzeitig an die vom Wohnohrt entfernte Schule komme und Unterrichtsmaterialien versuchen wir auch selber zu erstellen, wenn möglich.
    Die Haltung der Studentin kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ich freue mich das ich endlich Praxiserfahrungen sammele und bin auch bereit dafür etwas zu tun. Hilfe würde ich mir schon wünschen, wenn ich eine Situation nicht regeln kann, aber es ist auch die Sache der Praktikanten sich zu bemühen und zu versuchen diese Hilfe umzusetzen. Schließlich sollte man auch Erfahrungen im Praktikum gewinnen.
    Ich treffe mich einmal in der Woche gesondert mit meiner Mentorin, damit sie mir Rückmeldung geben kann, was sie über mein Unterrichten denkt. Außerdem kann ich Fragen loswerden oder Probleme/Wünsche ansprechen. Das finde ich wichtig.
    Das ist die eine Seite.
    Die andere Seite ist was man vom Studium her erwarten kann. Also meiner Meinung nach nur Ansätze und nicht viel Fähigkeit zur Umsetzung und Reflexion. Das mag einem gegeben sein, aber lernen tut man das in der Uni wohl nur in sehr geringem Maße.Meine Uni gilt schon als recht praxisbezogen, aber dennoch sitze ich in Seminaren die hauptsächlich mein Fachwissen schulen und nicht Fähigkeiten, die ich beim Unterricht brauche. In Englisch mach ich in der Uni Shakespeare, in Deutsch Goethe in Sachunterricht das Mittelalter aus wissenschaftlicher Sicht, zusammen mit den Magistern. Didaktik und Praxis kommen immer zu kurz. Ich hatte erst zwei/drei Seminare, aus dem ich richtige Praxisanregungen bekommen habe.
    Also Arbeitseinsatz kann man erwarten und ansonsten ist vielleicht wirklich noch viel Unterstützung nötig. Zumindestens anbieten gibt Sicherheit. Manche machen zum ersten Mal wieder Erfahrungen mit Kindern. Ich habe mich auch persönlich schon um Praktika gekümmert, aber manche wissen nicht, was sie erwartet.
    Grüße von LAURA

  • Hallo Bablin,
    so viel Zeit wie während des Praktikums wird deine Studentin nie wieder haben, um Unterricht vor- und nachzubereiten. Das sollte sie sich überlegen. Und wenn sie das Unterrichten nur als lockeren Vormittags-Job ansieht, ist sie vielleicht als Lehrerin eh ungeeignet. Ich finde allerdings 25 Stunden eigenen Unterricht in fünf Wochen recht viel. Es fehlt den Studentinnen ja doch jedes Handwerkszeug und jede Erfahrung. Ich würde sie auch nicht alleine im Klassenzimmer lassen (darf wahrscheinlich sowieso rechtlich nicht sein).
    Inwieweit du in ihren Unterricht eingreifst, solltest du vorher mit ihr besprechen, dann kann sie sich danach nicht beschweren ...
    Gruß venti :)

    • Offizieller Beitrag

    In beiden meiner Praktika wurde das mit den Stunden von mir aus genau genommen (habe einmal auch sehr viel mehr unterrichtet als verlangt). Allerdings war mein einer Betreuer der Uni der Ansicht, es wäre nicht schlimm, wenn ich (aus schulorganisatorischen Gründen) nicht genau auf die 15 Stunden (in 4 Wochen) kommen würde.


    25 Stunden finde ich für eine Anfängerin als recht viel. Ich würde ihr an Deiner Stelle vielleicht den Vorschlag machen, dass sie die ersten 2 Wochen täglich eine Stunde hält und dann vielleicht auch mal ein paar Doppelstunden, die Du dann als 2 Stunden verbuchst. Das würde dann eine Vorbereitung pro Tag bedeuten, das ist auch für eine Anfängerin machbar.


    Schade, dass ihr euch vor dem Praktikum nicht schon einmal zusammen gesetzt habt und den Ablauf besprochen habt (lese mal aus Deinem Beitrag, dass das nicht statt fand). Ich denke, das solltet ihr von der Schule aus bei den nächsten Praktikanten anstreben, wie ja auch schon Dein Schulleiter vorschlug. Allerdings würde ich keine "Richtlinien" vorgeben sondern um ein persönliches Gespräch bitten. Es gibt ja auch immer Studiengang/-fach spezifische Unterschiede bei den Vorgaben (ist bei uns so, auch weil die Praktikanten teilweise in verschiedenen Bundesländern studieren).


    Sehr gut fand ich als Studentin die tägliche Nachbesprechung mit meiner Mentorin im zweiten Praktikum. Wir sind jeden Tag, an dem Stunden gehalten worden sind, diese noch einmal durch gegangen, konnten Selbstkritik üben und wurden kritisiert. Wir bekamen auch immer Tipps, was wir hätten anders machen können und woran wir für die Zukunft arbeiten sollten. Dafür blieb meine Mentorin auch immer länger an der Schule, was ich klasse fand (dafür musste sie täglich 2 Stunden weniger unterrichten - wir waren zwei Praktikantinnen).


    Gruß leppy

    • Offizieller Beitrag

    Hallo!


    Bei mir gab es damals keine Stundenvorgabe im Praktikum. Auch nicht vom Seminar aus. Mein Praktikumsbetreuer hat mir Lehrer zugeteilt, denen ich mich erstmal slebst vorstellen mußte und die teilweise erst gar nicht begeistert waren. Komischerweise haben sie ihre Einstellung schnell geändert, nachdem sie rausgefunden hatten, daß ich mal selbst an der Schule war (waren alles betreuende Lehrer, die ich nie im Unterricht hatte und war toll so) bzw. als sie mitbekommen haben, daß mein Vater Ref-Ausbildung macht. Weiß zwar nicht, was sie daran so überwältigend fande, daß sie auf einmal nett waren, aber okay. Das ging so weit, daß ich nicht nur hospitiert und Unterricht gehalten habe, sondern Stunden mit vorbereitet habe, in denen es um praktische Arbeit am Mirkoskop ging und sogar allein Unterricht gehalten habe in Absprache mit dem Lehrer, der eigentlich die Klasse hatte, aber auf Klassenfahrt war und dem Praktikumsbetreuer. Meine einzige Negativerfahrung war völlig unvorbereitet in eine Vertretungsstunde hineingeworfen zu werden, wo den Schülern ein ilm gezeigt werden sollte und der Projektor nicht ging und sie dann unmotiviert Hausaufgaben machen sollten :)


    Ich fand es toll und motivierend, daß ich so viel Unterricht halten durfte und mir letzten Endes so viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Wenn jemand im Praktikum dazu nicht bereit ist, ist halt die Frage, ob das wirklich der Beruf für ihn ist. Allerdings muß ich auch sagen, daß ich locker nur 15 Stunden in den 4 Wochen gehalten habe, die ich allein vorbereitet hatte. Allerdings kommen dann noch die Praktikumsstunden dazu, die ich vorbereitet und damit verbrahct habe, Schülern zu erklären, wie ein Mikroskop funktioniert und wie man Schnitte herstellt, bei denen man auch was erkennen kann...
    Eventuell könnte ein Gespräch vorher helfen, aber wie gesagt, wenn Praktikant nicht bereit ist, sich auf Vor- und Nachbereitung einzulassen und das bei vorgegebener Anzahl der Stunden, finde ich persönlich, daß er den Beruf verfehlt hat.


    Liebe Grüße,


    Dalyna

  • Vielen Dank für eure bisherigen Antworten!


    Bisher sehe ich mich in zweierlei Hinsicht "bestätigt".


    1. Die Vorgaben aus Sachsen-Anhalt, 25 Stunden Unterricht bei zunehmender Selbständigkeit, sind überfordernd.


    2. Meine Praktikantin ist durch mangelnden Fleiß, mangelnde "Grundbegabung", mangelnde Kritikfähigkeit für den Beruf eher weniger geeignet.


    Ich hatte am Anfang und mehrfach zwischendurch Gespräche mit ihr. (Von mir aus hätte es täglich sein können, die Praktikantin fand nicht immer Zeit, bis zu meinem Unterrichtsschluss zu bleiben - geschweige denn am Nachmittag wiederzukommen, was mir eine Ruhepause zwischendurch ermöglicht haben würde.)


    Einige Anmerkungen zu Fragen/Vermutungen in euren Postings: Ich zeigte ihr gleich zu Anfang "mein" Raster zu Stundenvorbereitungen, von dem ich wünschte, dass sie es verwenden möge und dort Ziel, Teilziele, Einstieg und Form der Würdigung des jeweils Erreichten eintragen möge, schlug geeignete Unterrichtsreihen vor, damit sie sich rechtzeitig Gedanken machen könnte.


    Darauf ist sie nicht eingegangen; wie sie am Schluss sagte, sehe sie den Sinn des Praktikums darin, Erfahrungen mit Kindern zu machen, und nicht "irgendwelche Einträge in irgendwelche Tabellen" zu machen. Ziele festzulegen hat sie angeblich noch nicht gelernt, lediglich: Mit einer Gruppe von Hospitanten gemeinsam Ziele aus einer gesehenen Stunde zu extrahieren.


    Zu Stundenvorbereitungen fand sie nur am Wochenende Zeit, ich bekam einige Vorbereitungen an einem Samstagabend, einige an einem Sonntagabend (email). Meine Kommentare/Änderungsvorschläge nahm sie nicht zur Kenntnis. Fehlende Vorbereitungen begründete sie mit Geburtstagsparty, Recht auf Spaß und Privatleben, falscher Software, kaputtem Drucker, verreisten Nachbarn ... Erbetene Stundennachbereitungen erstellte sie nicht. Auf meine Kritik (Nachbereitung, die ich zumindest im Ansatz von ihr selbst erwartet hätte) reagierte sie sehr empfindlich. Kritik gegen mich konnte sie sehr eloquent vorbringen.


    Übrigens sind in meiner Klasse regulär 7 Kinder, die sich wegen der Grippewelle zeitweise auf 4 Kinder dezimierten. Nachdem ich die erste Stunde nach 15 Minuten übernommen hatte, weil kein Kind zuhörte, mit ihr über die Mittel gesprochen hatte, die ich eingesetzt hatte, damit die Kinder wieder zuhörten, sie geantwortet hatte, sie habe aber gelernt, man solle die Unruhe ignorieren und "einfach weiterreden", hatte ich danach erst eingegriffen, wenn die Kinder Schaden nahmen, und das hat sie mir im Abschlussgespräch als mangelnde Fürsorge ausgelegt. Sie hielt es aber auch nicht für zumutbar, mir ein Zeichen zu geben, wenn sie Hilfe wünschte, da sie meinte, dass dies ihre Souveränität in den Augen der Kinder beeinträchtige ... Zu den 25 Stunden gehören etliche Doppelstunden, die ich auch doppelt zähle, und 20-Minuten-Stunden, in denen eine angefangene Arbeit fertiggestellt wurde, auch In-den-Schnee-hinausgehen und die Kinder spielen lassen usw. Von da her hört sich die Belastung durch 25 Stunden schlimmer an als sie war. Ich bin bereit, unvorbereitete Spielstunden mit der halben Klasse als "Stunde" zu werten (hätte allerdings gerne eine Reflexion dazu gesehen oder gehört) - aber nicht, gar nicht gegebene Einheiten zu testieren.


    Wie "allgemeine Richtlinien" für ein Praktikum aussehen könnten, weiß ich noch immer nicht. Ihr habt Recht damit, dass die Voraussetzungen dazu zu unterschiedlich sind. Immerhin habe ich augenblicklich den Eindruck, dass meine Erwartungen nicht überzogen sind.


    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

    Einmal editiert, zuletzt von Bablin ()

    • Offizieller Beitrag

    Bei uns im Studiengang LA Realschule war es so, dass wir total unvorbereitet ins Praktikum gingen. Es gab keinerlei Vorbereitung aufs Praktikum; in der Studienordnung stand lediglich, dass wir im Laufe des Studiums ein zwei- und ein vierwöchiges Praktikum ableisten müssten. Wie und in welchem Semester, das war egal; wir mussten uns selbständig mit den Schulen in Verbindung setzten und brauchten nur die Bescheinigung am Ende des Praktikums. Wir mussten übrigens im vierwöchigen Praktikum ganze 4 (!) Stunden halten - im zweiwöchigen mussten wir gar keine eigenen Stunden halten. Bei uns sah das Praktikum so aus, dass wir jeden Tag 4-6 Stunden bei verschiedenen Lehrern mitgingen und uns Unterricht ansahen. Es gab weder Richtlinien, worauf wir im Unterricht achten sollten noch sonst welche praktischen Vorgaben. Ich hatte damals auch keine Ahnung vom Aufbau einer Stunde, Lernzielen oder ähnlichem - das habe ich erst in Ansätzen in späteren Seminaren gelernt (nach der Umstrukturierung der Pädagogik an meiner Uni) und in der Vorbereitung auf die mündliche Pädagogikprüfung. Aber es war für mich ein interessanter Einblick, Schule mal aus einer anderen Perspektive zu sehen als aus der eines Schülers und auch bei manchen Lehrern moderneren Unterricht zu sehen, als ich ihn aus meiner Schulzeit kannte.
    Eines kann man aber meiner Meinung nach von einem Praktikanten in jedem Fall erwarten: Interesse daran, den Beruf kennenzulernen und großes Engagement.
    Für mich gehörten die Schulpraktika zu den interessantesten Erfahrungen im ganzen Studium, da sie mich darin bestätigten, dass ich diesen Beruf machen wollte. Ich finde, jeder Lehramtler sollte die Chance nutzen, in diesen leider nur wenigen Wochen so viele Einblicke wie möglich in den späteren Beruf zu bekommen.
    Mein Fazit:
    Didaktisches und methodisches Wissen kann man bei den Studenten vieler Unis noch nicht allzuviel erwarten, Engagement, Interesse und Einsatzbereitschaft aber in jedem Fall.

  • Zitat

    Didaktisches und methodisches Wissen kann man bei den Studenten vieler Unis noch nicht allzuviel erwarten; Engagement, Interesse und Einsatzbereitschaft aber in jedem Fall.


    Genau so sehe ich das auch.
    Ich hatte im Laufe meines Studiums ein halbjähriges Eingangspraktikum und diverse, unterschiedlich lange und verschieden gestaltete Fachpraktika.
    Beim Eingangspraktikum bin ich im Wesentlichen "mitgegangen", habe also hospitiert (aber eben nicht nur unauffällig in einer Ecke gesessen, wie ich das heute manchmal bei Praktikanten sehe), sondern immer versucht, mich einzubringen (z.B. in Arbeitsphasen). Ich glaube, ich durfte dann auch mal eine Stunde ganz allein halten (die ich aber in Absprache mit der Lehrerin gemeinsam geplant hatte.
    Bei den Fachpraktika war es so, dass wir z.B. im Mathepraktikum in zwei Wochen nur zwei Stunden (und das auch noch zu zweit) geben konnten (wir waren in einer größeren Gruppe nur in den Mathestunden in der Schule). Diese Stunden wurden dann auch entsprechend in der Gruppe nachbereitet. In Reli (ging über ein Halbjahr) habe ich mit einer anderen Studentin zusammen einzelne Reihen übernommen und geplant (aber eben auch nur die Relistunden). Insgesamt würde ich sagen, dass das Niveau (im Hinblick auf Anzahl der Vorbereitungen, Verschriftlichung, etc.) sicher unter dem lag, was du erwartest. Ich denke, ich hätte an der STelle der Praktikanten die Chance genutzt, schon im Studium so viel so lernen, kann mir aber auch vorstellen, dass auch ich mich gerade mit der Verschriftlichung von Zielen und Verläufen an mancher Stelle überfordert gefühlt hätte (zumindest, wenn es gleich so viele Stunden sein sollen....).
    Also: Nachsicht und Unterstüzung, was das Fomale betrifft, aber: Einsatz und Engagement kann man wohl in jedem Fall erwarten dürfen.
    LG
    Ronja

    Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.

    • Offizieller Beitrag

    Ich schließe mich meinen Vorrednern im Wesentlichen an:
    Einsatzbereitschaft und Bemühen sollten schon erkennbar sein.
    Ich hatte in Berlin insgesamt 4 Praktika (3 sind vorgeschrieben, ich habe aber den Studiengang gewechselt).
    Das erste war nur ein Hospitationspraktikum, ich musste 4 Wochen mit im Unterricht sitzen, viel mit "Helfen" war nicht, weil viel frontal gearbeitet wurde und ich auch selber nicht unterrichten durfte. Dafür habe ich dann die Kinder zum Schlittschuhlaufen begleitet oder so.
    Das zweite war ein "semesterbegleitendes Unterrichtspraktikum". Dabei waren wir zu viert und mussten jede 3 bis 4 Stunden geben. Hinten saßen immer die anderen 3 Studentinnen, der Fachlehrer und der Didaktik-Professor. Das war insgesamt sehr unangenehm, weil man immer so beobachtet wurde, am Ende dachte man immer "Ich mach eh alles falsch, es hat keinen Sinn." und dann war die Motivation für die nächste Stunde nicht besser. Zusätzlich wollten Fachlehrer und Didaktikprof., dass man mit ihnen die Stunden abspricht und haargenau das tut, was sie sagen. Dass sie beide etwas völlig Verschiedenes wollten, das störte sie nicht. Und so machte man es am Ende gar keinem Recht. Man könnte sagen: Gute Vorbereitung auf den Vorbereitungsdienst. (Außerdem wollte der Fachlehrer, dass wir Ruhe in seine 9. Klasse bekommen, er bekam aber selber keine rein. Naja.) Dieses Praktikum war jedenfalls Horror, nicht nur wegen der Umstände, sondern auch wegen der zeitlichen Belastung, gerade in Musik sitzt man schnell mal 10 bis 15 Stunden für eine Unterrichtsstunde am Anfang. Und das mitten im Semester, wo ich eh mit Musik und Mathe immer schon eine 70-bis 80-Stundenwoche hatte.
    Dann kamen noch 2 Unterrichtspraktika in einem weiteren Fach bzw. im vorfachlichen Unterricht. Beide Male 4 Wochen in den Semester"ferien". Jeweils 6 bis 8 Stunden unterrichten, ich durfte immer nur 6 und fand das ziemlich blöd, hätte gerne mehr unterrichtet. Beim einen bekam ich keine Rückmeldung, weil meine Mentorin krank war und nicht in der Klasse. Beim anderen bekam ich nahezu keine Rückmeldung, weil von den 3 in der Klasse unterrichtenden Lehrern eine krank war und der zweite nebenbei noch den Schulleiter ersetzen musste. Zum Glück durfte ich da aber immer mit rumgehen und Kindern bei Aufgaben helfen.


    Beobachtungsschwerpunkte hatte ich für jedes Praktikum. Musste auch immer einen Bericht schreiben, mit Beschreibung der gehaltenen Stunden und nur mit dem Bericht und dem Stempel der Schule gab es dann den Schein auch von der Seminarleiterin. Teilweise war es zeitlich schon ziemlich heftig, täglich mehrere Stunden Schule, mindestens 1 Stunden an dem Bericht sitzen, teilweise Unterricht vorbereiten, 2 bis 3 Stunden meine Instrumente üben, nebenbei Hausarbeit schreiben. "Frei" (d.h. nichts außer Praktikum) konnte ich mir während des Praktikums nie nehmen, denn frei hatte ich fast nie in den Semester"ferien".


    Insofern könnte ich es z.B. verstehen, wenn ein Praktikant nebenbei arbeiten muss, um die Miete zu bezahlen oder wenn eben in den Semesterferien noch Hausarbeiten zu schreiben sind, die nicht alle vorm Praktikum geschrieben werden konnten (insbesondere im Winter trifft das zu), wenn umfangreiche Berichte zu schreiben sind etc. 25 Stunden finde ich auch sehr viel.
    Auch das Umsetzen bestimmter "Tipps" ist manchmal nicht leicht, v.a. wenn man die Stunde, die die Mentorin halten würde, nicht selber im Kopf hat, fragt man sich "Was soll ich jetzt mit dem Tipp tun?" Wenn in der Uni alle was anderes sagen als die Mentorin ist es auch etwas schwierig. (Auch wenn man einen Bericht schreiben soll und dort dann die Uni-Betreuer was anderes lesen könnten als sie selber beigebracht haben...)


    Ich möchte nicht an deiner Stelle stehen und Richtlinien ausarbeiten.
    So wie du eure Praktikantin beschreibst, hatte sie trotz alles Verständnisses nicht wirklich viel Interesse an dem Praktikum. Einheiten, die nie gehalten wurden, würde ich auch nicht bestätigen. Die Möglichkeit, auch eine halbe Stunde als eine zu bestätigen oder auch mal "rausgehen und spielen" finde ich gut. Auch dass möglichst viele Doppelstunden und Reihen gehalten werden dürfen. (Die meiste Arbeit macht am Anfang das Einarbeiten in ein Thema. Und die Arbeit hat man, egal ob man dann eine Stunde davon unterrichtet oder 5.) Auch gut: Wenn die Betreuungslehrer mit fachlichem Rat, Material oder Arbeitsblättern helfen, davon hat man im Studium nicht wirklich viel.


    Bei meinen Block-Praktika war es IMMER so, dass sie am ersten Tag mit einem Treffen des Direktors oder Conrektors begannen, der etwas zur Schule sagte, Fragen beantwortete, dann gab es einen Rundgang durch die Schule und ein Vorstellen der Betreuungslehrer. Anschließend die ersten Hospitationsstunden. Bei so einem Gespräch könnten Ansprüche auch geklärt werden.


    Dass die Praktikantin ungeeignet ist, würde ich nicht so schnell sagen (ok, ich kenne sie nicht), eventuell nimmt sie das alles noch nicht so ernst. Das ist im Studium in manchen Studentenkreisen leider so, dass auch Veranstaltungen in der Uni nicht ernst genommen werden, weil man zu spät kommen kann oder gar nicht und trotzdem seinen Schein bekommt oder weil man ihn später gar nicht braucht. (Und manchmal habe ich das auch ausgenutzt, nämlich wenn die Veranstaltungen unter einem gewissen Niveau waren oder wenn ich etwas anderes viel interessanter fand, aber dieses interessante Seminar nur als Hauptseminar angerechnet wurde, ich aber ein Proseminar brauchte.) Naja, aber ihr habt Recht, nach dem 5. Semester sollte sie so weit sein, ein Praktikum ernst zu nehmen.


    Grüße,
    Conni

  • Hallo Bablin,
    mir kommt noch ein Gedanke. Ich vermute mal, das Praktikum ist inzwischen vorbei. Die Studentin muss doch sicher einen Bericht schreiben. Wirst du diesen lesen können bzw. eine Kopie bekommen bevor sie ihn abgibt? Sie wird ja alles aus ihrer Sicht beschreiben. Es könnte sein, dass sie dich und eure Schule in sehr negativem Licht beschreibt, und der Bericht geht dann an der Uni durch irgend welche Hände... auch wenn einiges anonymisiert wurde.
    Ich denke, die Schulleitung oder du hat in solchen Fällen auch ein Recht, den Bericht einzusehen - ändern wird sie ihn wohl nicht dürfen ...
    Nachdenkliche Grüße
    venti ?(

  • Noch eine Überlegung von mir: Welche Anforderungen werden von Seiten der Uni an die Praktikantin gestellt? Wie aufwendig ist ihr Bericht? Muss sie dafür fast täglich etwas tun? Das könnte ja sein, wenn sie z.B. ein pädagogisches Tagebuch und eine Ausarbeitung zu einem schulstufenspezifischen Problem schreiben soll.
    Findet von Seiten der Uni vorher ein vorbereitendes Seminar statt, in dem z.B. geklärt wird, wie ein solches Stundenplanungsraster aussehen kann?
    Das sollte man beim Ausarbeiten von Richtlinien vielleicht vorher noch in Erfahrung bringen. Wenn sowas wie ein Seminar vorher nicht stattfindet, dann wäre es vielleicht sinnvoll eine kurze schriftliche Information zu entwerfen, wo auch ein Beispielstundenraster mit drin ist und vielleicht Informationen für den Bericht, wie z.B. das Schulprogramm.
    Viele Grüße von Laura

  • Zitat

    leppy schrieb am 08.03.2005 21:18:
    ...


    25 Stunden finde ich für eine Anfängerin als recht viel. Ich würde ihr an Deiner Stelle vielleicht den Vorschlag machen, dass sie die ersten 2 Wochen täglich eine Stunde hält und dann vielleicht auch mal ein paar Doppelstunden, die Du dann als 2 Stunden verbuchst. Das würde dann eine Vorbereitung pro Tag bedeuten, das ist auch für eine Anfängerin machbar.


    Wenn ich die Ausgangsinformation von Bablin richtig lese, geht es doch um 25 Stunden in 4 Wochen.
    Das ergibt 6 Stunden pro Woche = jeden Tag eine und Freitags auch mal zwei :D


    Da sehe ich absolut keine Überforderung......

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Hallo Bablin und Kollegen :) ,


    hm, schwieriger Fall.


    Ich erinnere mich mal an den Beginn meines Refs: Das erste Mal in der Schule und vor einer Klasse (ich gehörte noch zu der Generation, die keinerlei Praktikum o.ä. im Studium hatte, nur zwei lächerliche theoretische Pädagogik-Scheine an der Uni, das wars...), konfrontiert mit unzähligen Anforderungen und Erwartungen, und voll gefangen im hilflosen Versuch, dem allem gerecht zu werden...
    Es hat eine Weile gedauert, bis ich so langsam den Durchblick und "Grund" unter den Füßen bekam, bestimmt ca. 2 Monate. Dann begann es zu laufen und lief von diesem Zeitpunkt an immer besser.


    Ich war in der ersten Phase meinen Ausbildern und Mentoren sehr dankbar, dass sie Geduld hatten, mich in kleinen Teilabschnitten lernen ließen, und über Fehler erst einmal großzügig hinwegsahen.
    Allerdings: Ich zeigte vollen Einsatz, strengte mich an, übernahm eigeninitiativ Sonderaufgaben (Vertretungen, Betreuungen, Aufsichten, bei Schulfesten, Fahrten, Sonderaktionen, eben alles, was an der Schule so anfällt und wo man die Chance hat, auch die Schüler etwas näher kennen zu lernen), und bemühte mich, mir alles anzueignen, was sich mir an Praxis und Erfahrung bot.


    Ich denke, das solltest Du auch von Deiner Praktikantin erwarten dürfen.
    Sie muss noch nicht alles können, aber sie sollte sich bemühen, es zu lernen.


    Darf ich fragen, wie alt sie ist? Liegt es vielleicht am Alter, dass sie sich schwer tut, den Schritt vom Studium (einschließlich Freizeit, Party, etc.) hin zur Praxis (einschließlich Verantwortung, Eigeninitiative, Ernsthaftigkeit) zu bewältigen?


    Zweite Vermutung: Kann es sein, dass sie sich sehr überfordert fühlt, und deshalb auf "Abwehr" geht? Nicht zugeben kann, dass sie sich gestresst fühlt von all dem Neuen, und deshalb so tut, als sei das gar nicht so wichtig, und einerseits Partys und Privatvergnügungen vorschiebt, andererseits Dich als zu streng ihr gegenüber hinstellt?


    Viel Erfolg jedenfalls beim Ausarbeiten der Richtlinien! :)


    LG
    Eva

    Nemo: "Ich habe aber eine kaputte Flosse!"
    Kahn: "Ich auch. Das hat mich niemals von irgendetwas abgehalten."

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