Wie „persönlich“ seid ihr bei SuS?

  • Ob die Schüler das alles so wissen wollen? Meine beiden Kinder waren immer total genervt, wenn Lehrer sich im Unterricht stundenlang über ihr Privatleben verbreiteten. Bei ihnen klang das wirklich so, als ob die halbe Stunde dafür drauf ging, dann ging es um Kinder, Garten und ungefragt über politische Ansichten und und und. Wie überhaupt Lehrer als recht schwatzhaft wahrgenommen wurden.


    Und ja! Viele meiner Kollegen sind in der Tat so schwatzhaft, dass man ihnen aus dem Weg gehen muss, wenn man es eilig hat.


    Von daher: Das ist völlig in Ordnung, sich zurückzuhalten. Die anderen labern schon genug. Manchmal merke ich, ich fange selbst an zu schwafeln. Die Schüler fragen ja auch manchmal, um Unterrichtszeit zu schinden. Dann muss ich mich richtig zusammenreißen :pfeif:

  • Aber zwischen stundenlang reden und ab und zu was persönliches einfließen lassen sind doch 2 Paar Schuhe.

    Die Sportklassen finden es spannend, dass ich mal Lateinturniere getanzt habe. Die Erzieher finden das Alter meiner Kinder interessanter. Die Naturwissenschaftler finden es gut, dass ich Chemie LK hatte und Informatik studiert habe.


    Aber ja, wenn jemand nach den Ferien fragt ob ich weg war, kann ich da 2 Sätze zu sagen. Aber ich halte keine 5 Minuten Monolog. Eher vielleicht ein lustiges Missverständnis weil einer was auf der anderen Sprache falsch verstanden hat und daran zeigen, dass es wichtig ist englisch zu können und weiter gehts.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Hallo!

    Der letzte Beitrag ist schon ein paar Tage her, aber dennoch dazu: Ich arbeite mit einem eher schwierigen Klientel, bei der ich nur mit "Stoff, Stoff, Stoff" nicht weit komme. Es ist unabdingbar, über die persönliche Ebene einen Draht zu den Schülerinnen und Schülern herzustellen - mal ganz abgesehen davon, dass das auch mein Naturell ist und ich nur mit Leistungsdenken gar nicht arbeiten könnte. Viele Kids haben schwierige Elternhäuser, wo ich von häuslicher Gewalt über Verwahrlosung, Scheidung der Eltern u.s.w. beinahe täglich alles mitbekomme.

    Ich glaube, einen sehr guten Draht insbesondere zu meiner eigenen Klasse zu haben. Das geht nur über Unterrichtsgespräche, die auch mal Einblick in mein Leben außerhalb der Schule gewähren, oder das Quatschen in den Pausen über Hobbys, die Bundesliga und die aktuellen Freizeit- und Gaming-Aktivitäten (der SuS). Einen guten Draht bekomme ich vor allem dadurch hin, dass ich mich für ihre Hobbys interessiere, sie auch in privaten Angelegenheit unterstütze, sofern sie mich fragen und.... ich meine SuS auch mal "disse", ihnen einen Spruch drücke oder mal einen Witz mache. Durch diese persönliche Ebene öffnen sich die SuS, sie geben Informationen preis, die ich sonst nie bekommen hätte und die für mich als Klassenlehrer durchaus bedeutsam sind - ganz abgesehen von der angenehmen Atmosphäre ohne großartige Störungen und Konflikte im Unterricht (wovon auch die KuK profitieren).

    Natürlich ist die eigene Klasse ein besonderer Fall. Nicht in allen Klassen gelingt mir das so, in einigen Klassen will ich es auch gar nicht. Vom Grundsatz her - auch in der Arbeit mit ESE/LE-Förderkindern - ist mir eine persönliche Ebene sehr wichtig und für meine Arbeit essentiell.

    LG

Werbung