Elterninformationen in Leichter Sprache - Chancen und Hürden

  • Hallo zusammen,


    leider hatte ich bisher wenig Erfolg bei der Suche von Interviewpartnern für meine Masterarbeit. Da es mit dem direkten Kontaktieren nicht funktioniert und die Zeit langsam knapp wird, versuche ich es mal hier.


    Ich möchte im Rahmen einer explorativen Studie, mit Hilfe von Interviews mit Lehrkräften oder Schulleitungen, die Relevanz von schriftlichen Elterninformationen in Leichter Sprache als Mittel zur barrierefreien Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus in den Blick nehmen.


    Inhaltlich ginge es um die Motivation und Beweggründe für oder gegen den Einsatz von Elterninformationen in Leichter Sprache sowie gegebenenfalls Erfahrungen mit der Organisation und Bereitstellung dieser Texte. Dabei sind alle Standpunkte und Erfahrungen (auch wenn keine vorhanden) gleichermaßen interessant, da ich mögliche Chancen und Hindernisse der Verwendung von Elterninformationen in Leichter Sprache herausarbeiten möchte.


    Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten würde das Interview online (z.B. über Zoom) oder telefonisch stattfinden. Da es zurzeit wirklich sehr schwierig ist einen Interviewpartner zu finden, würde ich auch die Möglichkeit anbieten, die Fragen aus meinem Leitfaden (oder Teile davon) schriftlich zu beantworten (vergleichbar mit einem offenen Fragebogen). Alternativ könnten die Fragen auch mit einer Sprachmemo beantwortet werden. Selbstverständlich werden die erhobenen Daten nur anonymisiert im Rahmen meiner Masterarbeit verwendet.


    Mir liegt das Thema sehr am Herzen, da gerade in Zeiten von Wechsel- und Distanzunterricht deutlich geworden ist, dass die organisatorischen Bemühungen der Lehrkräfte/Schulleitungen, in Kooperation mit dem Elternhaus, wichtige Voraussetzungen für gelingende Bildungsprozesse sind.


    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich den ein oder anderen Interviewpartner gewinnen könnte.


    Julia Py

  • Pro: Alle Eltern verstünden unsere Briefe.

    Contra: Eltern, die lesen können und einen IQ über 90 haben, kommen sich veräppelt vor.

  • @samu

    Wie wäre es denn, wenn man auf der Schulhompage eine extra Registerkarte mit Informationen in Leichter Sprache erstellt? ggf auch mit PDFs zum downloaden

    Oder vielleicht Elternbriefe doppelseitig bedruckt. Auf der Vorderseite der Standardtext und auf der Rückseite der gleiche Text in Leichter Sprache?

    Oder viellecht nur bestimmten Eltern (z.B. auf Anfrage) den Text in Leichter Sprache gibt?

    Würden sich diese Eltern dann auch veräppelt vorkommen?


    Nicht falsch verstehen. Ist kein Angriff. Ich finde deinen Standpunkt interessant! Falls du Interesse an einem kurzen Interview oder den Fragen haben solltest, melde dich gerne:)

  • Ich finde das Thema interessant und kann @samu s Einwand gut verstehen.

    In unserem Einzugsgebiet gibt es eine Menge Menschen, die umfangreiche und normal bis schwierig formulierte Mitteilungen nicht verstehen.


    Für besonders wichtige Inhalte braucht man gel. Briefe in unterschiedlichen Sprachen.

    In manchen Fällen suchen wir auch dolmetschende schulnahe Personen, die helfen können, die trotz gleicher Herkunftssprache dennoch auf Granit beißen, weil die Eltern die Information generell nicht verstehen (können).


    Auch für Elterngespräche stellt sich die Frage, auf welchem Niveau eine Ansprache erfolgen kann.

    Es ist schon gut, "einfache Sprache" formulieren zu können und in bestimmten Gesprächen das Verständnis abklopfen zu können.

    Dabei geht es gar nicht immer um Texte/ Leseverständnis, sondern auch um das Verständnis der gesprochenen Sprache.

  • Hm, weiß ich nicht, die Entscheidung trifft die Schulleitung. Da wird dann von Eltern manchesmal an der falschen Stelle unterschrieben oder so geantwortet, dass man sieht, es wurde nicht verstanden. Oder die Kinder haben es irgendwie ausgefüllt (z. B. Erziehungsberechtigte sprechen kein Deutsch oder sind Analphabeten).


    Ich gebe Elternbriefe tatsächlich so raus, dass möglichst jede*r alleine damit klarkommt. Bei Förderplänen, Entwicklungsberichten und Gutachten soll's aber halt schon so klingen, als wüsste ich, wovon ich schreibe. Dass einige Eltern das dann nicht verstehen ist wiederum sinnfrei, deswegen wird es mündlich erklärt:weissnicht:


    Fragen kannst du gerne schicken, Interview mag ich keins machen. Liebe Grüße!

  • Wie wäre es denn, wenn man auf der Schulhompage eine extra Registerkarte mit Informationen in Leichter Sprache erstellt? ggf auch mit PDFs zum downloaden

    Die Informationen auf die Homepage zu stellen, ist schon ein großer Akt, der viel Zeit braucht, wenn man es vernünftig aufstellen will.

    Ich könnte es mir bisher nicht vorstellen, dass man es da zusätzlich in leichter Sprache einstellt.

    Allderings gab es z.B. in Nds wegen Corona einige Briefe vom Ministerium in etwas einfacherer Sprachform, Leichte Sprache war das aber nicht wirklich, eher etwas verkürzte Sätze.

    Zugleich gab es manches dann auch (endlich mal) in anderen Sprache, sodass man z.B. die Informationen zu den Testungen auch Eltern anderer Herkunftssprache geben konnte.


    Übrigens ist auch das Einstellen als PDF eine erneute Hürde.

    Oder vielleicht Elternbriefe doppelseitig bedruckt. Auf der Vorderseite der Standardtext und auf der Rückseite der gleiche Text in Leichter Sprache?

    Dass man es doppelt druckt, würde ja doppelte Kopier/ Druckkosten verursachen.

    Da wäre es wirklich eher vorstellbar, eine 2. Version für bestimmt Eltern zu haben.

    Aber es ist eine Menge Arbeitszeit, Briefe zu verfassen und sie dann auch noch in Leichter Sprache abzuändern.

    Ist das wichtig genug und leistbar oder steigt man dann eher auf mündliche Kommunikation um?

  • Die Informationen auf die Homepage zu stellen, ist schon ein großer Akt, der viel Zeit braucht, wenn man es vernünftig aufstellen will.

    Auf der Homepage meiner Schule gibt es seit Jahren diverse Eltern- und SuS-Informationen auch in verschiedenen Sprachen. Warum es ein "großer Akt" sein sollte, Dateien und insbesondere PDF-Dateien auf der Homepage hochzuladen, erschließt sich mir nicht.

    Ich finde das Verfassen von Eltern- oder SuS-Briefen/Info-Schreiben aber auch nciht wirklich arbeitsaufwändig. Habe ich jetzt während der Corona-Zeit des Öfteren machen müssen. Mag aber auch daran liegen, dass ich aus dem kaufmännischen Bereich komme.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Es mag vielleicht daran liegen, dass du deiner Schülerschaft einen bestimmten Teil der Welt nicht mehr erklären musst.

    In der Grundschule gibt es Briefe für alles Mögliche, derzeit wieder einmal eine Zettelflut für Bücherausleihe, Lehrmittel,

    häufig erklärt man wirklich Grundlegendes, z.B. Hausaufgaben und wie sie notiert werden, Untersuchung des zahnärztlichen Dienstes, Anmeldung zu Wettbewerben oder Projekten, Erläuterung von Übungen, Unterrichtszeiten und warum sie sich ändern, Regelungen für Frühstück oder Spielzeug in der Schule etc.

    Dazu braucht man jetzt immer auch Einverständniserklärungen wegen des Datenschutzes etc.

    Unsere Schule gibt nun seit einigen Jahren zur Einschulung eine Mappe mit allen Informationen heraus, die allerdings auch immer wieder angepasst werden muss.

    Man sieht doch auch an den Corona-Briefen des Ministeriums, wie häufig etwas verändert wird. Allein der Rahmenhygieneplan hat sich bestimmt 10mal geändert und eigentlich sollten Eltern darüber informiert werden - manchmal müssen sie es auch.


    Dass ein PDF eine Hürde darstellt, war ansonsten auf die Nutzenden gemünzt. Es ist erstaunlich, wie gering die digitale Kompetenz ist, da ist es schon zu viel verlangt, eine Mail abzurufen und zu lesen, einen Anhang darin zu finden, eine Antwort zu schicken oder sich überhaupt in einem Portal anzumelden.

    Gewünscht ist, dass man alles gerne per bekanntem Messenger verschickt.


    Es steht zu befürchten, dass manche Familien selbst mit Briefen in Leichter Sprache unerreichbar bleiben.

  • Denkt ihr denn grundsätzlich, dass Elterninformationen in Leichter Sprache relevant bzw. gewinnbringend sein könnten oder eher, dass die bisherigen Bemühungen vollkommen ausreichen?

    Ist natürlich je nach Standort der Schule unterschiedlich.

  • Mir scheint es, als würden viele unserer Eltern die Schreiben gar nicht wirklich (oder auch überhaupt nicht) lesen. Das KANN daran liegen, dass es ihnen schwer fällt, sie zu verstehen (wir haben durchaus viele Kinder, deren Elternhaus nicht Deutsch als Muttersprache hat. Ich glaube, dass die "Bemühungen" von Schule zu Schule verschieden sind, denn es liegt an der Schulleitung (und ggf. den Lehrkräften), wie Elterninformationen formuliert sind.

    • Offizieller Beitrag

    Briefe für alles Mögliche, ...


    Dass ein PDF eine Hürde darstellt, war ansonsten auf die Nutzenden gemünzt. Es ist erstaunlich, wie gering die digitale Kompetenz ist, da ist es schon zu viel verlangt, eine Mail abzurufen und zu lesen, einen Anhang darin zu finden, eine Antwort zu schicken oder sich überhaupt in einem Portal anzumelden.

    ...

    Es steht zu befürchten, dass manche Familien selbst mit Briefen in Leichter Sprache unerreichbar bleiben.

    Genau. Und all diese Briefe müssten in einfache Sprache übersetzt werden, zusätzlich zur normalen Arbeitszeit. Momentan kommen wahre Fluten an Informationen an, wir haben zuletzt mehrere Briefe der Schulleitung wegen irgendwelcher neuen Ideen unserer Senatsverwaltung wöchentlich an die Eltern weitergeleitet. Selbst die studierten Eltern haben dann irgendwann kapituliert und nicht mehr gelesen.

    Dazu müssen diejenigen erreicht werden, die nicht auf die Homepage finden, dort keine Briefe runterladen können, auch die einfache Sprache nicht verstehen oder damit überfordert sind, so viele Zettel zu lesen oder alles gleich wieder vergessen.

    Es fehlt an Ressourcen.

  • Denkt ihr denn grundsätzlich, dass Elterninformationen in Leichter Sprache relevant bzw. gewinnbringend sein könnten oder eher, dass die bisherigen Bemühungen vollkommen ausreichen?

    Ist natürlich je nach Standort der Schule unterschiedlich.

    Also für meine Klientel durchaus. Wie gesagt, wenn ich will, dass die Eltern verstehen, was sie ankreuzen und unterschreiben, dann formuliere ich es so und gestalte auch das Blatt entsprechend. Wenn es mir egal ist, dann mache ich es wie immer und irgend ein Kringel ist dann drunter und der Bürokratie genüge getan. 3-seitige Datenschutzzettel vom Amt z.B. darf ich ja auch nicht einfach ändern.


    Problematisch finde ich eben, wenn ich Dokumente verfassen muss, die in Akten landen. Eigentlich sollen die Eltern verstehen, was das Kind üben muss. Auf der anderen Seite tun sie das sowieso nicht und daher kann ich auch gleich im Fachjargon schreiben.


    Aber ja, die Homepage könnte man daraufhin mal abklopfen. Da blättert man ja eh nur durch, wer liest schon seitenlange Konzepte am Bildschirm...

  • Denkt ihr denn grundsätzlich, dass Elterninformationen in Leichter Sprache relevant bzw. gewinnbringend sein könnten

    Ich denke, dass es grundlegend helfen könnte und vielleicht auch notwendig sein kann.


    Aber es ist dann eben noch mehr Arbeit, die an die Lehrkräfte gegeben wird.


    Auch sind es ja nicht immer die Mitmenschen anderer Herkunftssprachen, die sich schwer tun,

    es gibt durchaus auch viele Eltern, die nur wenig lesen können.

    Wer aber wirklich Schwierigkeiten mit dem Lesen hat, der würde auch einen seitenlangen Text in Leichter Sprache nicht entziffern. Oder doch?


    Und wie immer stellt sich die Frage:

    Wie viel komme ich anderen entgegen, weil es mir wichtig ist, dass die Informationen ankommen.

    Wie viel Engagement erwarte ich vom Gegenüber?

    Wie viel Engagement wird aufgewendet, wird es mehr oder weniger, wenn man entgegenkommt?


    Und auch:

    Wie viel zusätzlichen Aufwand habe ich? Wie viel Nutzen erhalte ich?


    Letztlich auch:

    Wie sinnvoll ist es, Leichte Sprache einzusetzen?

    Welche Alternativen gibt es?

    An welcher Stelle ist es sinnvoll, im Elterngespräch Hilfen aufzuzeigen: Bekannte einspannen, die vorlesen/ dolmetschen, sich selbst Hilfe suchen, um teilhaben zu können.


    Das letzte Jahr hat mir hinsichtlich digitaler Kompetenz und Eigenmotivation zur Information wirklich zu denken gegeben.

    Selbst wenn ich Informationen auf dem Silbertablett bis an die Haustür bringe, werden sie nicht wahrgenommen.

  • Selbst die studierten Eltern haben dann irgendwann kapituliert und nicht mehr gelesen.

    Ich warte inzwischen auch nur noch auf die Übersetzung meiner SL. Testen: ja/nein/wie oft? Mundschutz: ja/nein/wo? Da reicht eigentlich je ein Piktogramm 8)

  • Also wenn ich mich recht entsinne, hat Leichte Sprache doch diese ganzen Regeln, die man beachten muss, damit der Text wirklich der Leichten Sprache entspricht. Da gibt es doch auch extra "Übersetzer", die normale Texte in Leichte Sprache umschreiben. Ich stelle mir das schon ziemlich umständlich vor, wenn ich jeden Elternbrief nochmal leichter schreiben müsste. Besonders, wenn ich diese ganzen Regeln penibel beachten muss. Wenn die Sekretärin oder sonst wer das machen würde, wäre das sicherlich eine tolle Sache. Aber wenn das meine Mehrarbeit wäre, weiß ich nicht, ob das dann letztendlich so gewinnbringend für mich wäre. Das heißt nicht, dass ich die Idee grundsätzlich schlecht finde, aber man müsste Aufwand und Nutzen abwägen.

  • Selbst wenn ich Informationen auf dem Silbertablett bis an die Haustür bringe, werden sie nicht wahrgenommen.

    Haben Kolleginnen buchstäblich gemacht...


    Gute Frage, wo ist die Grenze, weil nicht das mangelnde Leseverstehen das Problem ist, sondern die Interesselosigkeit? Aber andersrum: vielleicht erreicht man dadurch doch eine Person, die sich sonst nicht getraut hätte, nachzufragen?

  • Gute Frage, wo ist die Grenze, weil nicht das mangelnde Leseverstehen das Problem ist, sondern die Interesselosigkeit? Aber andersrum: vielleicht erreicht man dadurch doch eine Person, die sich sonst nicht getraut hätte, nachzufragen?

    Ja, das ist der Widerstreit, der doch ständig in einem tobt.

    Wenn aber die Arbeitszeit so überlastet und ausgereizt ist, findet man inhaltlich Sinnvolles nicht effizient genug oder hat schlicht gar keine Zeit, sich darum zu kümmern.

  • Noch ein Gedanke dazu:

    Es gibt durchaus Informationen, die an allen Schulen zu bestimmter Zeit in annähernd gleicher Form verteilt werden.


    Als viele Flüchtlinge ins Land kamen, gab es auf 4teachers eine Initiative, die wichtigsten Sätze alltäglicher Kommunikation und die wichtigsten Sätze der Information zusammengestellt hat, um sie dann von Muttersprachlern in viele Sprachen übersetzen zu lassen.

    Verlage geben sowas inzwischen als Kopiervorlagen heraus, das gab es aber zu der Zeit meines Wissens noch nicht, eher manches von anderen Initiativen oder auch Städten.


    Wenn man Leichte Sprache in Schule bringen und verbreiten möchte, ist es hilfreich, Beispiele zur Verfügung zu stellen, die Erleichterung bieten, die gute Beispiele zeigen, die mit wenigen Klicks angepasst werden können. Dabei kann man mit ähnlichen Sätzen beginnen oder mit den grundsätzlichen Informationen zum Schulbeginn/ zur Einschulung/ zur Buchausleihe/ zu Materialien. (Verlage, die das umsetzen, möchten doch bitte meinen Namen ins Literaturverzeichnis setzen, das gilt auch für abgekupferte Arbeitsmaterialien.)


    Von unserem Ministerium gab es auch mal so eine Broschüre zum Schulanfang in mehreren Sprachen. (Ja, über die Inhalte lässt sich streiten, darum geht es hier ja aber eigentlich nicht)

    https://www.mk.niedersachsen.d…mein-schultag-142749.html

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