Schüler gesucht: Telefonstreiche veröffentlicht

  • Gegen wen denn, wenn kein Täter bekannt ist?

    Zum Beispiel gegen den hier bereits erwähnten Schüler "dem man das nie zugetraut hätte". Selbst wenn er nicht unmittelbar Täter wäre, so hat er die Tathandlung durch Bekanntgabe seiner Accountdaten zumindest begünstigt. Inwiefern dies bereits ein Mitwirken an der Tathandlung begründet, müsste ein hinzuzuziehender Anwalt beurteilen.


    Vermutlich noch wesentlich schneller und ebenfalls nicht uneffektiv dürfte aber die Ahndung des Verstoßes gegen die Nutzerordnung über eine Ordnungsmaßnahme der Schule sein.

  • Zum Beispiel gegen den hier bereits erwähnten Schüler "dem man das nie zugetraut hätte". Selbst wenn er nicht unmittelbar Täter wäre, so hat er die Tathandlung durch Bekanntgabe seiner Accountdaten zumindest begünstigt. Inwiefern dies bereits ein Mitwirken an der Tathandlung begründet, müsste ein hinzuzuziehender Anwalt beurteilen.


    Vermutlich noch wesentlich schneller und ebenfalls nicht uneffektiv dürfte aber die Ahndung des Verstoßes gegen die Nutzerordnung über eine Ordnungsmaßnahme der Schule sein.

    Naja. Die Mitschnitte sind so oder so im Internet gelandet. Das einzige, wozu der Account missbraucht wurde, war das Anlegen eines Links auf dem schulweiten Dateiaustausch. Die Verlinkung wird kaum einen Straftatbestand darstellen. Einen Nachweis, dass dieser Account für das Anfertigen der Mitschnitte oder den Upload auf YouTube genutzt wurde, konnte nicht erbracht werden. Für sich genommen waren die Mitschnitte sogar schon über ein Jahr auf YouTube, bevor der Link gesetzt wurde. Auf der Basis ein Mitwirken zu unterstellen halte ich nicht für möglich. Eine Ordnungsmaßnahme, die aus der Weitergabe der Zugangsdaten folgte war ja schon die Sperrung des Accounts. Vielleicht könnte man da weitergehen, aber jetzt einen Sündenbock zu suchen, weil man den echten Täter nicht findet, ist sicher auch nicht der richtige Weg.


    Zitat

    Wenn ich betroffen wäre, hätte ich längst einen Beratungstermin mit meinem Leibjustiziar gehabt mit dem Ziel einer Privatklage.

    Alles schön und gut. Aber gegen wen willst du klagen? Das Verfahren wurde aus Mangel an Beweisen (§ 170 Abs. 2 StPO) eingestellt. Man müsste also nachweisen, dass nicht ausreichend ermittelt wurde oder selber Spuren haben. Das dauert aber und bis man vielleicht einen Fortschritt hat, sind die einzigen möglichen Beweise (IP Adressen) wegen abgelaufener Speicherfristen längst unbrauchbar geworden.


    Ganz davon abgesehen sagt auch niemand, dass diese IP Adressen überhaupt brauchbar wären. Wenn der Verantwortliche nicht ganz doof war, hat er das tor Netzwerk oder ein VPN benutzt. Das macht die Ermittlungen dann schon ungleich schwieriger und spätestens dort wird dann wohl Ende sein.

  • Meine einzige Anzeige wurde auch nach einem halben Jahr eingestellt. In einer Nacht wurden an alle abgestellten Autos in der Straße (über 50) jeweils 2 Reifen zerstochen.


    Wir (betroffene Nachbarn, Familie und ich) hatten damals alle das Gefühl, dass wir den Täter hätten präsentieren müssen. Ermittelt wurde auch nichts.

    In meinem Fall vor 15 Jahren (Autospiegel) wurden die Täter während der Tat von der Polizei gestellt. Es gab eine Anhörung vor Gericht, aber da der Schuldige nicht eindeutig zu identifizieren war (es waren 3 Jugendliche), wurde das Verfahren eingestellt und ich musste die Reparatur selbst zahlen. :autsch:

    Ich würde es nicht glauben, wenn es mir nicht selbst passiert wäre.

  • wurde das Verfahren eingestellt und ich musste die Reparatur selbst zahlen

    Du hättest dich einfach an alle drei halten können. Zivilrechtliche Ansprüche gehen nicht unter, wenn die strafrechtliche Seite geklärt ist.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

  • Du hättest dich einfach an alle drei halten können. Zivilrechtliche Ansprüche gehen nicht unter, wenn die strafrechtliche Seite geklärt ist.

    Ich war damals jung und naiv und wusste so etwas nicht.

    So war der Ablauf: Mein Autospiegel war beschädigt, als ich zum Parkplatz kam und ich bin ohne Aufhebens heimgefahren. Einige Tage später kam (ohne mein Zutun) ein Brief von der Polizei, dass drei Jugendliche auf frischer Tat ertappt worden seien, ich solle also gegen diese Jugendlichen Anzeige stellen. (Ich freute mich, denn ich war mir sicher, dass sich so die Frage der Reparaturkostenübernahme von selbst gelöst hätte.) Dann war die Verhandlung wobei kein Schuldiger gefunden wurde (was mir wieder postalisch mitgeteilt wurde, da ich nicht zur Verhandlung geladen war). Ich hatte vor und nach der Verhandlung telefonischen Kontakt zur Polizei.


    Heute würde ich natürlich anders agieren und beispielsweise sofort beim Entdecken des Schadens Anzeige stellen.

  • Das hätte im vorliegenden Fall am Ausgang des Verfahrens nichts geändert. Du hättest damals gleichzeitg mit der Strafanzeige von jedem der drei Jugendlichen Schadenersatz fordern müssen. Diese hätten zunächst gesamtschuldnerisch gehaftet und hätten dann unter sich klären müssen, wer nun tatsächlich den Schaden verursacht hat. Aber du hast natürlich recht - als Laie weiß man so etwas nicht.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

  • Aber gegen wen willst du klagen?

    Gegen den, der das Recht am eigenen Bild verletzt hat. Der ist greifbar über den Inhaber des Anschlusses, über den die Daten veröffentlich wurden. Der ist juristisch belangbar.

    Zudem sprach ich von der Einschaltung meines Leibjustiziars. Der macht das dann schon.

    Bei mir ging das schon mal in Bezug auf 15 unerlaubt veröffentlichte Bilder. Abgesehen davon, dass die entfernt werden mussten, wurden auf diese Weise je 500 EUR eingetrieben für jede dieser Veröffentlichungen und jedes der darauf abgebildeten Konterfeis. Plus Anwalts- und Gerichtskosten. Dauer des Prozesses: 2 Minuten.

  • Zudem sprach ich von der Einschaltung meines Leibjustiziars. Der macht das dann schon.

    Dein Leibjustiziar? Das klingt ehrlich gesagt, als hättest einen ganzen Hofstaat, der dich den ganzen Tag begleitet.


    Gegen den, der das Recht am eigenen Bild verletzt hat. Der ist greifbar über den Inhaber des Anschlusses, über den die Daten veröffentlich wurden. Der ist juristisch belangbar.

    Nun gut. Hier ist es zwar nicht das Recht am eigenen Bild, aber ist ja auch egal. Der Inhaber des Anschlusses ist mit Abschaffung der Störerhaftung schon lange nicht mehr verantwortlich. Zumindest dann, wenn er nachweisen kann, dass auch andere Personen Zugriff auf den Anschluss haben. Ich stimme aber zu, dass man darüber an die Familie des Schülers und damit auch auf den Schüler kommen kann.


    Allerdings heißt es da schnell sein, denn Serverlogs und auch die Zuordnung, wer wann welche IP Adresse hatte dürfen nicht ewig gespeichert werden (DSGVO). Auch gibt es viele Szenarien, in denen eine IP nicht mehr einem einzigen Anschluss zugeordnent werden kann.


    Ich bin allerdings gerade auf einer anderen vielversprechenden, technischen Spur. Mehr dazu später.

  • Dein Leibjustiziar? Das klingt ehrlich gesagt, als hättest einen ganzen Hofstaat, der dich den ganzen Tag begleitet.

    Nein, ich habe "nur" einen Leibjustitiar.

    Hofnarren habe ich noch keine. Diesbezüglich befriedige ich mich selber.

    Hier ist es zwar nicht das Recht am eigenen Bild, aber ist ja auch egal. Der Inhaber des Anschlusses ist mit Abschaffung der Störerhaftung schon lange nicht mehr verantwortlich.

    Nicht dass Recht am eigenen Bild? Dann hab ich den Einstieg nicht mehr richtig im Kopf.

    Und "Störerhaftung" bezieht sich meines Wissens auch auf einen anderen Sachverhalt.


    Aber sei es, wie es sei: Zur Klärung solcher Angelegenheiten hab ich halt meinen Leibjustitiar.

    Empfehle ich jedem. Also EINEN und nicht den MEINEN; der ist halt meiner.

  • Heureka, ich habs!


    Ich hatte unsere Anmelde- und Internetprotokolle anslassbezogen gesichert, nachdem wir die Verknüpfung im Austauschverzeichnis entdeckt hatten. Nach unserer Diskussion hier kam mir eine Idee, welche Auswertungsmöglichkeiten es noch gibt.


    Zuerst habe ich mir angesehen, wann sich der Benutzer des fraglichen Schülers an welchem Computer angemeldet hat. Damit konnte ich auch die Sitzung identifizieren, in der jemand die Verknüpfung angelegt hat. Dann habe ich mir angesehen, wer vorher und nachher an dem Rechner angemeldet war und konnte einen anderen Schüler identifizieren. Die Anmeldung fand während einer Freistunde statt, sodass nur wenige Computer in dem Raum überhaupt in Benutzung waren. In den Internetprotokollen zweier anwesender Schüler konnte ich Zugriffe auf YouTube und auch auf eine Webseite finden, auf der die Videos verlinkt waren. Es war also naheliegend, dass diese Schüler mindestens die Verknüpfung angelegt haben. Zudem saßen beide Schüler nebeneinander.


    Die Webseite kannten wir bisher nicht. Ich konnte aber den Webhoster herausfinden und in den Internetprotokollen auch Zugriffe auf dessen Verwaltungsoberfläche durch einen der Schüler entdecken. Damit war naheliegend, wer für die Videos verantwortlich ist.


    In einem Gespräch mit der Schulleitung haben die beiden Schüler zunächst alles abgestritten. Die Videos und auch die Webseite sind nun aber aus dem Internet verschwunden. Weitere Untersuchungen wird jetzt die Polizei durchführen, die jetzt endlich Anhaltspunkte für Ermittlungen sieht.

  • Vielen lieben Dank für das Update, Kopierer . Ich freue mich sehr mit dir und deinen Kolleg:inn:en und du hast bzw. ihr habt jetzt erstmal allen Grund dazu, g’scheid durchzuschnaufen!

    Gruß, Laborhund

    „Nua ned hudln, oiwei mid da Ruah“ (irgndoa Gscheidhaferl as da Provinz)

  • Haben die doofen Lehrer es den coolen Checkern doch mal gezeigt. Gefällt mir!

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

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