Meckerforum, hier darf alles rein, was doof ist

  • Am Gymnasium in NRW schulen wir nach der sechsten Klasse ab und in den höheren Klassenstufen fallen Wiederholer kaum ins Gewicht. Die gehen in der 7 und 8 nach einer Klassenwiederholung und weiterhin ausbleibendem Erfolg an die nächste Schulform. Also, wenn die überhaupt Plätze hat, die staatliche Realschule eröffnet hier nämlich nicht einfach so neue Klassen, nur weil Kinder wechseln möchten. Letzter Ausweg wäre die private Realschule (wenn die noch Plätze hat), aber in der Regel müssen die Kinder dann an die Gesamtschule.

    Das Ende der Erprobungsstufe (also Klasse 6) ist hier praktisch der einzige Ausgang, denn wer da nicht versetzt wird kann notfalls amtlich irgendwohin zugeteilt werden (aber auch nicht beliebig viele!), ansonsten ist die Meldung eigentlich immer "kein Platz!", auch wenn interessierte Eltern sich ohne Zwang auf die Suche begeben. Wer in die 7 versetzt wird, bleibt in aller Regel bis zum Ende der Schulpflicht und lernt auf dieser Reise dann mehrere Klassen kennen. Ich habe nur manchmal auch schon von Tauschgeschäften zwischen Schulleitungen gehört, weil beide irgendwen loswerden wollen, das stelle ich mir dann ein wenig vor wie auf der Glienicker Brücke. Der sicherste Weg, die Schule zu wechseln, lautet hier: Umziehen.

  • Bei uns ging der Wechsel auch nur nach 6, für spätere Wechselambitionen gab es schlicht keine Schulplätze. Und auch die Abschulung nach 6 war schwieriger, als sie es sein sollte. Ca. im Februar kamen Ansagen, wie viele Schüler umverteilt werden könnten (wir waren sechszügig mit einem sehr hohen Anteil an Schülern ohne Gymnasialempfehlung und haben immer Zahlen um die 6-8 genannt bekommen), und es gab die klar kommunizierte Erwartungshaltung, ungefähr diese Größenordnung auch tatsächlich einzuhalten. Darauf hat die Schulleitung auch aktiv hingearbeitet und entsprechenden Druck aufgebaut.

    In der Mittelstufe gibts dann nur zwei Möglichkeiten, durchschieben oder nach 2 Wiederholungen Abgang aufs Berufskolleg. Letzteres hielten viele Kollegen für unverhältnismäßige Härte und man könne doch wenigstens den mittleren Schulabschluss ermöglichen, um den Bildungsweg nicht kaputt zu machen, blabla. An der Stelle muss man sich an den Schulen sicher an die eigene Nase fassen. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Schüler am Ende eh überwiegend durchrutschen, weil irgendwie immer zu viele Kollegen sich die Arbeit für Förderpläne und Nachprüfungen usw. sparen wollen und/oder sich nicht trauen, die elendige SoMi-Note konsequent ins Defizit zu setzen (weil das bei Widersprüchen nunmal auch schwierig rechtfest begründbar ist). Und so wird halt alles mitgezogen und wir haben die Kompetenzinflation, die wir haben.

    Meines Erachtens kann man nur gegensteuern, indem über alle Schulformen hinweg strikter selektiert wird und die Kriterien dafür objektiviert werden, sprich standardisierte und zentral ausgewertete Tests die Grundlage bilden. Chilli hat ja Recht, dass jede Grundschule ihre gauß'sche Verteilung hat und auch entsprechend Empfehlungen ausspricht. Es gibt aber Grundschulen, von denen strenggenommen niemand am Gymnasium landen dürfte, weil niemand die nötigen Kompetenzen erreicht. Anderswo könnten ganze Klassenverbände geschickt werden. Es passiert aber nicht, sondern die Empfehlungen orientieren sich an der sozialen Norm der jeweiligen Gruppe. Das kann logischerweise nicht richtig sein und gut gehen.


    Vielleicht kann man hier im Forum zur Kenntnis nehmen, dass die Verhältnisse in den Bundesländern und Regionen sehr unterschiedlich sind. Was Kris aus BW berichtet, ist für mich wahrscheinlich genauso unvorstellbar, wie umgekehrt. Diese Handhabung findet man hier lediglich noch an Privatschulen.

  • Also bei mir in der Stadt gibt es schon die eine oder andere Schule, wo 2/3 aufs Gym wechselt (mehrheitlich nicht meins..). Zum Beispiel die Schule mit Sozialindex 1 oder Sozialindex 2.
    Die Schulen mit Sozialindex 6, 8 oder 9 haben (nehme ich an) eine Gaußsche Verteilung und deren besten SuS hatten nie die realistische Möglichkeit, mit den SuS der anderen Grundschule mit Sozialindex 2 mitzuhalten. Wäre also unfair, deren Bemühungen und sehr guten Noten abzutun. Aber sie konnten aber, trotz 1er oder 2er auf dem Zeugnis, nicht die selben Ziele erreichen. Und von denen mit 2-3er-Zeugnis sowieso nicht.

    Und dann muss man - sorry - auch die unbequeme Wahrheit an einzelnen Schulen nennen: Das selbe Spiel wird unter den Klassen eines Jahrgangs fortgesetzt, die Klassen mit und ohne Profil, zum Beispiel. Und die eine Klasse hat nie nie nie dieselben Voraussetzungen wie Parallelklasse. Da kriegt zwar kaum einer ein 1er-Zeugnis, selbst 2er werden nicht (in den mündlichen Fächern) verschenkt, aber die Hälfte der Klasse kriegt nicht gesammelt eine 5, obwohl es im Nachbarraum der Fall wäre.

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