Berufliche Schule - Schülerklientel

  • Hallo zusammen,


    Ich werde ab kommendem Schuljahr an einer beruflichen Schule in BW unterrichten, und werde wohl hauptsächlich in Berufskolleg- & Berufsfachschulklassen eingesetzt. Allerdings kann ich mir noch nicht so genau vorstellen, was mich am Berufskolleg erwartet. Dass die Leistungsschere an so gut wie allen beruflichen Schularten sehr groß ist, weiß ich natürlich, trotzdem kann ich mir nicht recht vorstellen was mich in den Berufskollegklassen erwartet: Eher SuS, die auch das Potential für Abi am BG haben, aber aus irgendwelchen Gründen dort nicht hinwollten, oder eher das Gegenteil a la „ich weiß nicht was ich nach der Realschule mache, lege ich mal eine Zwischenstation am BK ein“? Die Anforderungen sind im Vergleich zum vollen Abitur ja doch recht niedrig.


    Würde mich über ein paar Berichte von BS-Lehrern super freuen! Gerne auch generell eure Erfahrungen an der BS, ich war davor im Auslandsschuldienst und davor am Gymnasium, habe demnach so gar keine Erfahrung an Beruflichen Schulen.


    (Berufskollegs sind das, was man in anderen Bundesländer FOS nennt, falls jemand den Begriff von BW nicht kennt:top:)

  • Du wirst viele verschiedene Menschen treffen, mit unterschiedlichen Biografien und in unterschiedlichen Altersgruppen. Jede Klasse ist anders, also kann man das so pauschal nicht beantworten.

  • Viel Erfolg wünsche ich Dir!

    Wo im Ausland hast Du denn gearbeitet?


    In NRW findet man am BK Schüler*innen ohne jeglichen Abschluss nach 10 Schuljahren über Auszubildende, die nebenher studieren bis zu Fachschulen aus dem Bereich Weiterbildung. Hier sitzen dann Leute, die bereits reichlich Personalverantwortung sowie Familie haben.


    DAS Klientel gibt es daher mMn am BK nicht. Wenn die BKs an BW ähnlich sind wie in NRW, dann hängt es stark davon ab, wo Du eingesetzt wirst.

    Und auch in Berufsfachschulklassen findet man die, die keine Lehrstelle gefunden/gesucht haben neben denen, die das Fachabi machen wollen, um danach an der FH zu stuieren.

  • Dankeschön! Ich habe in Argentinien gearbeitet.


    Das Berufskolleg in Baden-Württemberg ist ein Bildungsgang zur Erlangung der Fachhochschulreife, keine Sammelbezeichnung für mehrere Bildungsgänge wie in anderen Bundesländern. In anderen Bundesländern (ich schätze auch in NRW?) wird das FOS genannt. Also einfach ein zweijähriger Bildungsgang zur Erlangung der Fachhochschulreife, den man in aller Regel direkt nach dem Realschulabschluss besucht.

    Die Berufsfachschule ist ebenfalls ein zweijähriger Bildungsgang zur Erlangung eines mittleren Bildungsabschluss. Diese wird von Schülern nach dem Hauptschulabschluss besucht.

    Immer wieder kompliziert, wie Begriffe in jedem Bundesland für etwas anderes benutzt werden:autsch:

  • Nein, bei uns gibt es keine eigene FOS. Ist das nicht eine Bezeichnung aus Bayern?

    Bei uns heißt das Berufsfachschule, ist aber trotzdem am BK verrotte.


    Und wo habt ihr dann das berufliche Gymnasium angesiedelt? Und die ganzen Vorbereitungsbildungsgänge?

  • Nein, bei uns gibt es keine eigene FOS. Ist das nicht eine Bezeichnung aus Bayern?

    Bei uns heißt das Berufsfachschule, ist aber trotzdem am BK verrotte.


    Und wo habt ihr dann das berufliche Gymnasium angesiedelt? Und die ganzen Vorbereitungsbildungsgänge?

    Ah okay, FOS kenne ich aus ein paar Bundesländern, ich dachte vielleicht heißt es bei euch auch so.


    Die beruflichen Gymnasien gibt es an den selben Schulen, wo es auch Berufskollegs, Berufsfachschulen und Vorbereitungsbildungsgänge gibt. Das nennt sich dann einfach „Berufliche Schulen“ oder teilweise auch nach der Fachrichtung, z.B. „Kaufmännische Schule“. Wenn die Schule nicht nach irgendeiner Person benannt ist, heißt sie dann einfach „Berufliche Schule Musterstadt“.

  • Bei euch heißt die Sammelbezeichnung halt Berufskolleg, bei uns Berufliche Schule.

    Während Berufskolleg bei uns ein Bildungsgang zur Erlangung der Fachhochschulreife ist.

    Das ganze Wirrwarr zusammengefasst:angst:

  • In NDS gibt es auch eine "Fachoberschule". Für die Klasse 11 ist der Realschulabschluss die Eingangsvoraussetzung, für die Klasse 12 der erfolgreiche Besuch der FOS 11 oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

    Da die SuS in der FOS 11 nur zwei Tage in der Woche (zumindest ist das an meiner Schule so organisiert) in die Schule gehen und drei Tage im betrieblichen Praktikum sind, liegt für mich darin der hauptsächliche Unterschied zum beruflichen Gymnasium: Die fachpraktische Ausrichtung ist in der FOS m. E. größer.

    Für das BG ist bei uns in NDS übrigens der erweiterte Sek I-Abschluss/erweiterte Realschulabschluss die Eingangsvoraussetzung. Von daher können SuS, die nur den "einfachen" Realschulabschluss haben, gar nicht in der 11. Klasse des BG aufgenommen werden, sondern eben nur in der FOS 11. Diese Schüler*innen:

    Eher SuS, die auch das Potential für Abi am BG haben, aber aus irgendwelchen Gründen dort nicht hinwollten

    wirst du also bei uns in der Fachoberschule nicht unbedingt antreffen.

    Von den SuS, die die FOS 11 erfolgreich absolviert haben, gehen bei uns mind. zwe Drittel anschließend in die FOS 12, würde ich schätzen. Das restliche Drittel entscheidet sich doch noch für eine Berufsausbildung und verlässt also nach dem einen Jahr unsere Schule wieder.


    Die SuS-Klientel an FOS und BG unterscheidet sich meinen Erfahrungen nach insbesondere darin, dass diejenigen, die aufs BG gehen, eben die allgemeine Hochschulreife/das Abitur anstreben und danach ein Studium absolvieren wollen. Die SuS der FOS 12, die die FHR machen wollen, wollen nach erfolgreichem Abschluss entweder ins Studium an einer Fachhochschule oder im "einschlägigen" Bereich einer Uni oder aber in ein duales Studium gehen - wobei deren Anteil an den FOS-Absolvent*innen meinen Beobachtungen nach in den letzen Jahren abgenommen hat - oder direkt in einen Betrieb. Diejenigen, die vorher die FOS 11 absolviert haben und dementsprechend noch jünger sind, machen dann oftmals noch eine Ausbildung, während die älteren Absolvent*innen mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung häufig direkt eine Vollzeitstelle antreten.

    Die Anforderungen sind im Vergleich zum vollen Abitur ja doch recht niedrig.

    Als "recht niedrig" würde ich die Anforderungen nun auch nicht beschreiben. Natürlich sind sie niedriger als beim "normalen" Abitur, aber sooo gering nun auch wieder nicht :) .

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

    2 Mal editiert, zuletzt von Humblebee ()

  • Vielen lieben Dank für deine Einschätzumg

    Für das BG ist bei uns in NDS übrigens der erweiterte Sek I-Abschluss/erweiterte Realschulabschluss die Eingangsvoraussetzung. Von daher können SuS, die nur den "einfachen" Realschulabschluss haben, gar nicht in der 11. Klasse des BG aufgenommen werden, sondern eben nur in der FOS 11

    So ähnlich ist es bei uns auch, für das BG benötigt man einen 3,0 Schnitt, für‘s BK reicht ein Realschulabschluss ohne einen bestimmten Schnitt. Deswegen habe ich mich gefragt, ob ich am BK dann nur Dreier- & Viererkandidaten sitzen habe.

    Als "recht niedrig" würde ich die Anforderungen nun auch nicht beschreiben. Natürlich sind sie niedriger als beim "normalen" Abitur, aber sooo gering nun auch wieder nicht :)

    Von Niedersachsen habe ich keine Ahnung, aber ich muss ehrlich sagen, in BW war ich schon überrascht, als mich zum ersten Mal mit den Lehrplänen befasst habe… In Mathe bspw. hat man nur ein einziges Themengebiet - Analysis - über die zwei Jahre, analytische Geometrie und Stochastik fällt komplett weg. Und die Analysis natürlich auch in reduzierter und vereinfachter Form. Ebenso was die vierten Prüfungsfächer betrifft, bei uns findet in den Prüfungen da fast ausschließlich Reproduktion statt. Ist das bei euch in Niedersachsen anders?

  • Ist das bei euch in Niedersachsen anders?

    Was Mathe angeht, habe ich dahingehend keine Ahnung, denn das ist ja nicht mein Unterrichtsfach ;) . Ich unterrichte ausschließlich Englisch in der FOS und da kann ich dir sagen, dass bei uns in der Abschlussprüfung (wie auch in der Prüfung im beruflichen Schwerpunkt, die ich mir schon des Öfteren angeschaut habe) nicht nur Aufgaben drin sind, bei denen es um Reproduktion geht. In den schriftlichen Englischprüfungen kommen alle drei Anforderungsbereiche vor, genau wie im "normalen" Abitur.

    Unterschiedlich sind in NDS in der FOS aber die Prüfungen selbst und deren Länge: Die SuS schreiben vier schrifliche Abschlussprüfungen; eine verpflichtende mündliche Prüfung gibt es nicht. Wahlmöglichkeiten haben die SuS - im Gegensatz zum allgemeinen Abitur - aber nicht, denn sie müssen jeweils eine 240minütige Prüfung im beruflichen Schwerpunkt und in Deutsch schreiben und jeweils eine 180minütige Prüfung in Englisch und in Mathe. Mündliche Prüfungen sind - wie gesagt - nicht verpflichtend, sie können aber zur Notenfindung vom Prüfungsausschuss angesetzt werden.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Was Mathe angeht, habe ich dahingehend keine Ahnung, denn das ist ja nicht mein Unterrichtsfach

    Ach ja, steht ja sogar in deinem Profil, wer lesen kann ist im Vorteil! Sorry:autsch:


    Dass es keine Wahlmöglichkeiten gibt, ist bei uns genauso - eine mündliche Prüfung allerdings schon.

    Naja, in BW ist auch das Abitur am BG sehr unterschiedlich zu dem am allgemeinbildenden Gymnasium. Vielleicht ist das so ein BW-Ding, alles möglichst unterschiedlich machen zu müssen:angst:

  • Naja, in BW ist auch das Abitur am BG sehr unterschiedlich zu dem am allgemeinbildenden Gymnasium.

    Das ist in NDS auch nicht so "krass" der Fall. Unterschiede bestehen natürlich darin, dass am BG der jeweilige berufliche Schwerpunkt starke Beachtung findet (dies ist für alle SuS der erste "Kurs mit erhöhten Anforderungen", in dem sie dadurch natürlich auch eine der drei Abiklausuren schreiben müssen) und darin, dass - wenn ich das richtig überblicke (ich war seit meiner eigenen Schulzeit - Abi 1991! - ja nicht mehr an einem allgemein bildenden Gym.) - die Wahlmöglichkeiten der Kurse am BG geringer sind als am allgemein bildenden Gym oder einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe: z. B. ist es bei uns nicht möglich, Sport als LK zu wählen, als zweite Fremdsprache gibt es an meiner Schule nur Spanisch und einige andere Fächer - wie Kunst oder Musik - werden hier an einem BG gar nicht erteilt.

    In Englisch, Deutsch, Mathe, ... nehmen aber in NDS die beruflichen genauso wie die allgemein bildenden Gymnasien am Zentralabitur teil. Dadurch schreiben dann auch unsere BG-SuS am selben Tag dieselben Abiklausuren wie alle anderen im jeweiligen Fach.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

Werbung