Mit der Kappe im Unterricht- Wie handhabt ihr das?

  • Ansonsten ist auch der entsprechende Wikipedia-Artikel empfehlenswert. Auch zum Beispiel dahingehend, dass bereits im 19. Jahrhundert im Südwesten Karneval gefeiert wurde, diese von Wolfgang beklagte Vermischung also auch nichts Neues ist.

    Archaisch ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht auch nicht wirklich, wenngleich sie so wirken mag. Die meisten Traditionen und Figuren stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

  • Ursprünglicher Ursprung ist doch eh egal, am Ende geht's den meisten ums Saufen und Abschleppen. Ich denke immer wieder nicht gern an Faschingsumzüge: Hexen, die Mädchen und junge Frauen auf ihre Wagen trugen und auf 'Folterinstrumente' spannten (sich drehendes Rad/Käfig): wer trug die Frauen auf die Wagen? Faltige Hände mit Siegelring, Geruch von halbverdautem Alk aus der Maske wehend.

    Urban legend? Ein 'Teufel' soll mal seine Maske aufbehalten und die Geschwängerte sitzen gelassen haben.

    Aber nun zurück zur tollen Tradition der alten Masken und der Geisteraustreibung nach dem Fasten.


    Edit: Weil es in den 80ern und 90ern noch kein Internet gab, findet man nicht allzuviel Berichte dazu.

    https://www.spiegel.de/panorama/karne…4c-195aaeb1969f

    Aber warum der "Spaß" heute kontrolliert wird:

    https://www.swr.de/swraktuell/bad…onzept-100.html

  • Ach Plattenspieler. Die katholische Kirche stand nicht am Anfang der Geschichte. Im alemannischen Raum sowieso nicht. Die römische Kirche hatte die heidnischen Feste der Frühjahrs- und Wintersonnenwende mit eigenen Gebräuchen überlagert - um das "Heidentum" zu bekämpfen. Es ist kein Zufall, dass Ostern am ersten Sonntag nach der ersten Vollmondnacht nach der Frühlingssonnenwende stattfindet ;)

    Es ist auch kein Zufall, dass Weihnachten drei Tage nach den römischen Saturnalien gefeiert wird - dem höchsten fest der (heidnischen) Römer. Dass die Fasnet heute mit der Fastenzeit in Verbindung steht, ist das typische Henne-Ei-Problem - wobei hier wirklich die Henne (der alte Glaube) zuerst vorhanden war.

    Die Vermischung mit dem Karneval war in unserer Gegend auch deshalb vorhanden, weil das Fürstentum Hohenzollern durch das Fürstenhaus mit den anderen Hohenzollern verbandelt war. Ab 1849/50 wurde Hohenzollern sogar preußisches Staatsgebiet. Sigmaringen lag bis 1806 zudem nur knapp 15 Kilometer von Österreich entfernt - und die Einwohner des Städtchens Mengen sind noch heute stolz darauf. Dass sich Gebräuche und Riten vermischen ist der Lauf der Dinge. ;)

    Quittengelee Das lasse ich mal so stehen. Dein Stöckchen darfst du behalten. Eine kleine Korrektur dennoch: Die Geisteraustreibung findet VOR der Fastenzeit statt. Die Alemannen in Basel knapsen sich zudem noch einige Tage von der Fastenzeit ab und machen Fasnet bis zum Morgestraich, der am 24.Februar um 4 Uhr früh beginnt und am 26.Februar um 4 Uhr früh endet. Wobei DIESE Tradition wirklich ihren Ursprung im 19.Jahrhndert hat.

    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)
    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.

    Einmal editiert, zuletzt von Wolfgang Autenrieth (15. Februar 2026 22:32)

  • Nachtrag zur Tradition des "Winteraustreibens" per KI:
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    Das Brauchtum der „Winteraustreibung“ in Oberschwaben – am bekanntesten in Form des Funkenfeuers – hat eine Geschichte, die weit über tausend Jahre zurückreicht, deren Deutung sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt hat.

    Hier ist die zeitliche Einordnung:

    1. Die ältesten Belege (11. Jahrhundert)

    Der historisch sicherste Nachweis für diesen Feuerbrauch stammt aus dem Jahr 1090. Ein lateinischer Bericht des Benediktinerklosters Lorsch dokumentiert, dass das Kloster durch eine brennende Holzscheibe in Brand gesetzt wurde, die Burschen am Abend des 21. März geworfen hatten. Dies belegt das Scheibenschlagen, eine Variante der Feuerbräuche, die damals bereits fest etabliert war.
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    Heute ist der "Funkensonntag" immer der Sonntag nach Aschermittwoch. Hier wird die Fasnet feierlich "verbrannt". Im Allgäu - mit seiner hügeligen Endmoränenlandschaft - kann man die Funkenfeuer über viele Kilometer hinweg sehen.

    Das "Maskenlaufen" ist dagegen wirklich eine Erfindung (oder Neuentdeckung) des 19.Jahrhunderts. Was nicht gegen die SEHR lange Tradition des "Wintervertreibens" spricht. Siehe Zitat.

    Zu den Funkenfeuern und zum Funkenschlagen habe ich auf meiner Webseite einige Fakten zusammengetragen:
    https://oberschwabenschau.info/schwaebisch/br…-johannisfeuer/

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