13er GK Englisch: Utopie gesucht

  • hallo ihr lieben,
    meine upp ist schon mitte oktober und so mache ich mir bereits so meine gedanken. ich gehe wahrscheinlich in einen 13er gk englisch und werde eine utopie besprechen. leider habe ich mich nie für utopien interessiert und so auch keine ahnung, was man machen könnte (ok, 1984 u. brave new world, aber das scheint mir veraltet). meine frage: wer hat schon mal eine utopie besprochen und gute erfahrungen mit einem bestimmten werk gemacht. wozu gibt es eigentlich anständige unterrichtsmaterialien? danke für euren rat,
    alles liebe und viel kraft für die letzte woche,
    amy

  • Zitat

    leider habe ich mich nie für utopien interessiert und so auch keine ahnung, was man machen könnte (ok, 1984 u. brave new world, aber das scheint mir veraltet). meine frage: wer hat schon mal eine utopie besprochen und gute erfahrungen mit einem bestimmten werk gemacht. wozu gibt es eigentlich anständige unterrichtsmaterialien?


    Vorweg ein Literaturtipp, um sich mit wenig Aufwand einzulesen:


    Wolfgang Biesterfeld: Die literarische Utopie, Stuttgart: Metzler 1982.


    Das Buch bietet einen recht umfassenden Abriß der Utopie von der Antike bis in die Gegenwart.


    Was nun Lektüren angeht: Sollen es Utopien oder Dystopien (d. h. negative Utopien) sein? Erstere sind ja in der Gegenwartsliteratur nicht mehr eben häufig.

  • Bei uns wurde mal eine zeitlang "The Beach" von Alex Garland gelesen (wegen Verfilmung mit DeCaprio) , das spielt zwar nicht in der Zukunft, enthält aber utopische Elemente.


    Ich selber hab mit einem Grundkurs mal The Martian Chronicles von Ray Bradbury gelesen. Die einen mochten es, die anderen nicht. Das Buch stammt auch schon aus den 50ern und ist aus einer Reihe von Kurzgeschichten entstanden, die durch kurze Einschübe miteinander verbunden sind. Es enthält utopische und dystopische Elemente - die ersten Menschen auf dem Mars, das Sterben der marsianischen Ureinwohner, die fortschreitende Reglementierung der Erde und deren Auswirkung auf den Mars (parallel zu Bradburys deutlicher dystopischem Fahrenheit 451), die Selbstvernichtung der Erde. Bradburys Mars steht am Ende des ersten Jahrhunderts von Marsgeschichten und ist bereits nur noch Metapher und kein echter Planet.


    Ich mag das Buch, weil ich Bradbury mag; seine kurzen Überleitungen und die Geschichten selber sind unglaublich poetisch. Die Aufteilung in einzelne Kurzgeschichten macht es möglich, sich nur auf Teile des Buchs zu konzentrieren; außerdem kann man Kurzgeschichte und Roman thematisieren. Plus ein Referat über den Mars in Literatur und Raumfahrt (gerade wieder aktuell).
    Es mag mal einen - schlechten - TV-Vierteiler davon, daneben Comic- und Hörspielfassungen (des gesamten Textes oder einzelner Geschichten daraus).


    Anklingende Motive: Pioniergeist, Zensur, McCarthy, Hiroshima, Johnny Appleseed, amerikanische Indianer, Bürgerrechte der Schwarzen, das Spielen mit Science-Fiction-Topoi.


    Ist natürlich auch nicht mehr ganz jung, hat sich aber gut gehalten.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Brave New World und 1984 würd ich wenigstens in Auszügen lesen, die Dinger sind einfach zu gut und zu wichtig, um sie unter den Tisch fallen zu lassen. Aktueller, aber man müsste sich wahrscheinlich ein wenig darum prügeln, ob das jetzt wirklich, wirklich Utopien sind (find ich schon) wären Paul Auster, Country of Last Things und Julian Barnes, England, England. Wenn du ganz viel Spaß haben willst (wär eigentlich hübsch für eine zusätzliche Gruppenarbeit), es gibt in Amerika eine anscheinend beängstigend erfolgreiche Serie namens "Left behind" (Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins), sozusagen eine Ultrachristliche Utopie, die ganz guten Christen verschwinden (ihre Klamotten zurücklassend) gen Himmel, die bösen fallen den Heimsuchungen der letzten Tage anheim (sorry für das zweimal "heim") und die Helden der Geschichte bereuen jetzt ganz schrecklich, dass sie nicht auf ihre gläubigen Geliebten/ Mütter oder was auch immer gehört haben und versuchen noch ein paar Seelen zu retten. Das Buch ist unglaublich in seiner Smugness, Kaltherzigkeit und Bigotterie, könnte aber als LIteraturprojekt interessant sein.
    Ansonsten gibt's bei Filmen einiges zu holen - Blade Runner, Clockwork Orange, Matrix fällt mir spontan ein. Dann gäb's noch feministische Utopien, die sind aber eher out, und es gibt eine sehr schräge, aber auch sehr spannende "Fortschreibung" der Time Machine, deren Titel ich leider vergessen hab (kann ich aber rauskriegen) und die sich mit Umweltschutz beschäftigt. Sag mal genauer, was du suchst...


    Bestes,
    w.

    Frölich zärtlich lieplich und klärlich lustlich stille leysejn senffter süsser keuscher sainer weysewach du minnikliches schönes weib

  • Hallo Amy,
    du schreibst:

    Zitat

    ...leider habe ich mich nie für utopien interessiert...


    Tipps zu Utopien hast du ja von den "Fachleuten" genug erhalten; mich zwickt etwas ganz anderes: warum nimmst du in deiner Prüfungslehrprobe etwas, was dich gar nicht interessiert?
    Gibt es da nicht "Besseres", was du vielleicht mit mehr Leidenschaft angehst (und evt. bessere Ergebnisse i.S. von Noten bringt)? In meinem Studienseminar wird von allen Fachleitern immer die Wichtigkeit des persönlichen Bezugs zum Unterrichtsthema betont: "Suchen Sie sich für Lehrproben* Themen, in denen Sie sicher sind und die Sie einigermaßen interessieren." (Musik-Fachseminarleiter am 22.6.) Aber wir sind ja auch in Niedersachsen (sturmfest und erdverwachsen). ;)


    LG, das_kaddl


    *seien es nun UBs oder Prüfungslehrproben

  • Nun melde ich mich auch mal zu Wort. Unser Kursthema -allerdings im LK- war letztes Halbjahr "Utopia versus Dystopia"... Wenn ich zu Hause bin, kann ich ja mal die Texte raus suchen und poste morgen die Titel... Auf jeden Fall würde ich auch "In the country of last things" empfehlen, obwohl ich das Buch nicht so prickelnd und teilweise ganz schön eklig fand...


    Liebe Grüße
    Maren, die jetzt ihren letzten Tag in Münster genießt

  • ...oder man greift mal auf was ganz altes zurück und liest Sir Thomas Moore. Das kann aber sehr schwer werden.

  • Heike
    Kein Problem. Mach ich doch gerne. :)


    Markus
    Genau! Den haben wir gelesen, als ich im Krankenhaus war... Aber irgendwo fliegt der noch rum. ;) Ich such in mir noch mal raus.


    Liebe Grüße
    Maren

  • Also, jetzt bin ich doch schon früher zu Hause und hab gleich mal in meinen Ordner geschaut und festgestellt, dass ich die Texte gar nicht gelesen hab, weil ich zu der Zeit eben im Krankenhaus war... *schäm* Wollte das in den Ferien aber eh nachholen und kann ja wenigstens schon mal die Titel liefern.
    Angefangen haben wir mit
    The Age of Fable von Thomas Bulfinch
    dann gab es einen Exkurs zu Bibel und Koran aus der Bibel war ein Auszug aus Genesis 2 & 3 und der Auszug aus dem Koran beschäftigt sich mit dem Paradies...
    danngab es einen Ausschnitt aus aus Utopia von Thomas Moore, dann einen Ausschnitt aus George Orwells Essay Why Socialists Don't believe in Fun. Danach haben wir dann Science Fiction gemacht... Falls dich das auch interessiert, poste ich das später noch...
    Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen.


    Heike
    Wenn du magst, kann ich dir meine "Bewertungen" der Texte auch per Mail schicken... Sobald ich sie gelesen hab... :rolleyes:


    Liebe Grüße
    Maren

  • Different spin on an old topic?


    Beim Durchwühlen meiner Bookmarks bin ich auf ein Thema gestoßen, das mich im Zusammenhang mit meiner Diss. mal peripher interessiert hat. Allerdings bin ich da nie inhaltlich voll eingestiegen.


    Es geht um den sog. Transhumanismus, eine Bewegung, die die Renaissance-Idee des homo perfectibilis quasi ins Cyborg-Zeitalter gerettet hat: Durch biotechnologische Mittel soll der Mensch sich immer weiter verbessern und irgendwann auch seinen 'verrotteten' Leib hinter sich lassen (das wünschte sich ja schon Platon).


    Zitat

    "Transhumanism" is a blanket term given to the school of thought that refuses to accept traditional human limitations such as death, disease and other biological frailties. Transhumans are typically interested in a variety of futurist topics, including space migration, mind uploading and cryonic suspension. Transhumans are also extremely interested in more immediate subjects such as bio- and nano-technology, computers and neurology. Transhumans deplore the standard paradigms that attempt to render our world comfortable at the sake of human fulfillment. Quelle


    Eine gelebte und politisch sowie humanwissenschaftlich erstaunlich wirksame Utopie - im Grunde nur die konsequente Fortführung aktueller Bioethik-Debatten. Das macht einen schon ein bißchen frösteln, v.a. wenn das ernstgemeint ist.


    Hier ein paar Linktipps:


    http://www.transhumanism.com/
    http://www.transhumanism.org/index.php/WTA/index/
    http://www.mactonnies.com/trans.html


    Kombinieren ließe sich das mit entsprechenden Werken aus der SF-Literatur oder aktuellen Filmen (z.B. Gattaca). Vielleicht wäre das ja etwas für eine etwas andere Utopie-Reihe?

    Einmal editiert, zuletzt von philosophus ()

  • Amazon-Links für die hier genannten Bücher:


    Sollte jemand im Zusammenhang mit Utopien etwas aus der genannten Literatur kaufen wollen, bitte - wenn möglich - diese Amazon-Referer-Links benutzen (als kleinen Beitrag zur Refinanzierung des Forums). Danke! :)


    Wolfgang Biesterfeldt, Die literarische Utopie (leider vergriffen :( )
    George Orwell, 1984 (Penguin Books)
    Aldous Huxley, Brave New World (Flamingo)
    Tim LaHaye/Jerry B. Jenkins: Left Behind
    Alex Garland, The Beach


    BTW: Wie wäre es, wenn mal ein Englischlehrer (hallo heike und wolkenstein! ;) ) entsprechende threads in der Bücherecke aufmacht?

  • Lektüretipp für Leute, die alles andere schon gelesen haben


    Ich habe gerade mit einem Roman angefangen, den mir der (Comic-)Buchhändler meines Vertrauens empfohlen hat. Das Buch ist bis jetzt - stilistisch und auch inhaltlich - eine absolute Offenbarung:


    Ian R. MacLeod: The Light Ages (Amazon-Referer)


    [Blockierte Grafik: http://images-eu.amazon.com/images/P/0743462440.03.MZZZZZZZ.jpg]


    Das Buch spielt in einer Art 'Parallelwelt', in der 1678 der Stoff "Äther" entdeckt wird, der eine alternative Form von Industrialisierung hervorbringt. Die Stärke des Buches liegt, soweit ich das bisher beurteilen kann, im Detailreichtum, der die Charakterisierung des 'Parallel'-Londons kennzeichnet. Das Buch hat utopische Züge, vereint diese aber mit einem Dickens'schen gritty realism, wenn man den Kritikern glauben darf.
    ;)
    In jedem Fall eine anregende Lektüre, für den Englisch GK aber wahrscheinlich - soweit ich als Laie das beurteilen kann - zu sprachgewaltig. Der Autor schreibt zwar faszinierend, aber nicht eingängig.


    Hier gibt's eine Besprechung des Buches, die m.E. den Punkt trifft.

    Einmal editiert, zuletzt von philosophus ()

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