Veränderte Schuleingangsphase NRW

  • Hallo zusammen!


    An unserer Schule wird zur Zeit sehr intensiv über die kommende veränderte Schuleingangsphase diskutiert.


    Das Kollegium hat sich dazu entschieden, dass Konzept erstmal nicht jahrgangsübergreifend (Klasse 1/2 zusammen), sondern jahrgangsstufenkonform umzusetzen.


    Das darf man so machen, wenn man dem Schulamt ein wasserdichtes Konzept vorlegen kann.
    Wir sind daher also zur Zeit auf der Suche nach Informationen, wie man die ganze Sache jahrgangsstufenkonform umsetzen kann, da ja trotzdem individuelle Förderpläne etc. entworfen und vorgelegt werden müssen.


    Ich habe schon gegoogelt und das ganze Internet durchforstet, habe aber nichts gefunden, wo derartige Ansätze vorgestellt werden.


    Hat jemand von euch Informationen oder Links dazu?


    Das Netz ist voll mit Vorschlägen zur jahrgangsübergreifenden Ansätzen und entsprechenden Schulversuchen, aber leider habe ich bisher noch nichts zu der jahrgangsstufenkonformen Arbeit gefunden (soll ja auch nicht propagiert werden, da ja möglichst alle erstmal auf den Zug aufspringen sollen...).


    Für Informationen oder Unterlagen jeglicher Art wäre ich euch sehr dankbar.


    Gruß,


    Fabula

  • Ich bin ja selber im Moment nicht im Schuldienst, aber da meine Tochter im kommenden Jahr eingeschult wird interessiert mich natürlich, was sich so tut an der Grundschule.


    Bitte versteht das jetzt nicht falsch (ich hätte wahrscheinlich auch so entschieden, wenn ich hätte abstimmen sollen!!) - aber warum, nimmt jede Schule, jedes Lehrerkollegium, den Strohhalm individuelle Förderpläne so dankend an, ohne genau zu wissen, was das eigentlich heißt?


    Ich meine damit jetzt nicht unbedingt dich, Fabula, sondern einige meiner Ex-Ref-Kollegen, die genauso entschieden haben wie eurer Kollegium. Nämlich gegen die jahrgangsübergreifende Eingangsstufe und damit für die individuellen Förderpläne. Was das genau heißen wird, das konnte mir aber auch keiner erklären.
    Alle waren anscheinend froh, noch ein Jahr (oder mehr??) Aufschub zu haben...


    Sorry, dass ich dir jetzt nicht auf deinen eigentliche Frage antworte, aber das interessiert mich wirklich!


    Warum hat sich euer Kollegium gegen die Eingangsstufe und für die Förderpläne entschieden?


    Gruß


    Petra


    und dann noch was anderes, bauen sich bei euch zur Zeit die Seiten hier auch so langsam auch? Liegt das an meinem Compi oder an den netten Schneeflocken?

  • Hallo Petra!
    Vielleicht kann ich ein bißchen zur Klärung beitragen - wir haben uns an der Schule nämlich auch gegen den jahrgangsübergreifenden Unterricht entschieden. (was - @Strucki völlig "legal" ist, denn es gibt eine Öffnungsklausel, die besagt, dass man es bei den jahrgangsbezogenen Klassen lassen darf, wenn man ein schlüssiges Konzept vorlegen kann, durch welches die Schüler individuell und jahrgangsübergreifend gefördert werden.)
    Zu unserer Entscheidung: wir sehen viele positive Aspekte an der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase, halten sie unter den gegebenen Voraussetzungen aber nicht für umsetzbar (zumindest nicht so umsetzbar, dass es mehr Vorteile für die Schüler als Nachteile geben würde). Ganz "einfache" Gründe liegen in den Klassengrößen (Versuchsschulen in Bremen haben z.B. mit Klassenstärken von 20 Schülern gearbeitet und das auch als die Obergrenzen genannt, in NRW sind aber noch immer 32 möglich) und auch in den räumlichen Voraussetzungen, durch die sich die Öffnung von Unterricht nicht im erforderlichen Maße umsetzen lässt (Hinzu kommt die Angst von Kollegen, die noch wenig Erfahrung mit offenem Unterricht haben und z.B. bisher mit Fibel unterrichten, was dann natürlich so nicht mehr geht - gut, über diesen Punkt kann man streiten).
    Aus unserer Sicht ist das Ganze noch völlig unausgereift und die Schulen sind mit der Umsetzung ganz schön allein gelassen (das ist bei jahrgangsbezogenen Konzepten nicht anders, aber hier ist der Schritt nicht so groß). Wir fangen bereits jetzt langsam an, indem wir z.B. versuchen, Förderunterricht zunächst klassenübergreifend (in nach Leistung und Förderbedarf eingeteilten Gruppen - geht gut z.B. bei Sommer-Stumpenhorst- zu erteilen), was dann auch jahrgangsübergreifend ausgeweitet werden soll. Dann ist angedacht, Hauptfächer bei bestimmten Klassen parallel zu legen, so dass Schüler aus der 1. Klasse z.B. am Matheunterricht der zweiten teilnehmen können. Aber wie man schon heraushört: das Ganze ist auch bei uns noch ziemlich unausgegoren....'(und wird organisatorisch richtig schwierig werden).
    Noch etwas zur jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase:
    zwar wird die maximale Gruppenstärke nicht gegenüber der bisherigen maximalen Schülerzahl in einer Klasse erhöht, aber ist euch schon mal aufgefallen, dass unter bestimmten Umständen aus ´VIER Klassen (z.B. zwei Erste mit ca 24 Schülern und zwei Zweite mit 21 Schülern) nur DREI neue Lerngruppen entstehen???
    LG von Ronja, die an der neuen Schuleingangsphase ganz viel Positives sieht und sich auch gut vorstellen kann, so zu unterrichten, die aber auch meint, dass die Rahmenbedingungen zur Umsetzung überhaupt nicht gegeben sind

    Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.

  • Hallo zusammen!



    Ich kann mich Ronja nur anschließen:


    Zitat

    Zu unserer Entscheidung: wir sehen viele positive Aspekte an der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase, halten sie unter den gegebenen Voraussetzungen aber nicht für umsetzbar (zumindest nicht so umsetzbar, dass es mehr Vorteile für die Schüler als Nachteile geben würde). Ganz "einfache" Gründe liegen in den Klassengrößen (Versuchsschulen in Bremen haben z.B. mit Klassenstärken von 20 Schülern gearbeitet und das auch als die Obergrenzen genannt, in NRW sind aber noch immer 32 möglich) und auch in den räumlichen Voraussetzungen, durch die sich die Öffnung von Unterricht nicht im erforderlichen Maße umsetzen lässt (Hinzu kommt die Angst von Kollegen, die noch wenig Erfahrung mit offenem Unterricht haben und z.B. bisher mit Fibel unterrichten, was dann natürlich so nicht mehr geht - gut, über diesen Punkt kann man streiten).
    Aus unserer Sicht ist das Ganze noch völlig unausgereift und die Schulen sind mit der Umsetzung ganz schön allein gelassen (das ist bei jahrgangsbezogenen Konzepten nicht anders, aber hier ist der Schritt nicht so groß).


    Auch die Kollegen an meiner Schule sehen die gegebenen Bedingungen eben als so schlecht und unzureichend an, dass sie sich strikt weigern so arbeiten zu wollen. Solange wie organisatiorisch überhaupt noch nicht klar ist, wie das alles gehen soll, wollen sie versuchen, dass Problem auszusitzen (wohl auch in der Hoffnung, dass sich das ganze Konzept als die reinste Katastrophe erweist und die verä. Schuleingangsphase dann doch wieder abgeschafft wird).


    Strucki fragt zur Legitimität: Genau weiß ich das nicht, aber in einem Info-Brief der Bezirksregierung oder des Schulamtes wurde diese Möglichkeit in einem Nebensatz erwähnt. Viele Schulen wissen das gar nicht, da vor allem die Schulräte so einen Druck ausüben, dass bloß keine Schule und kein Schulleiter auf die Idee kommt, das Konzept jahrgangsstufenkonform laufen zu lassen.
    Kann aber gerne nochmal nachfragen, wo dieser Satz stand, dass das möglich ist. Oder weißt du das noch Ronja?


    Zitat

    aber warum, nimmt jede Schule, jedes Lehrerkollegium, den Strohhalm individuelle Förderpläne so dankend an, ohne genau zu wissen, was das eigentlich heißt?


    Wir sehen das bei uns so, dass das nur das kleinere Übel wäre. Das ganze Konzept jahrgangsübergreifend laufen zu lassen, kann sich bei uns auch niemand vorstellen.


    Gruß,


    Fabula

  • hallo ihr da draußen,


    wir haben ihn seit diesem sommer, den jahrgangsübergreifenden unterricht und sind positiv überrascht.
    natürlich gibt es zwischendurch probleme und es ist sehr anstrengend für die kolleginnen, die in der 1/2 unterrichten (ich steige nächstes jahr dort ein), es gibt aber auf jeden fall auch positive aspekte (die ronja und co. ja auch nicht leugnen). will sagen, dass der lehrerstundenbedarf anhand der schüler und nicht anhand der klassen errechnet wird (zusätzliche förderstunden möglich geworden) und die einzelstunden (nur erst- oder zweitklässler und damit nur halbe klassenstärke) oft sehr angenehm und effektiv sind...


    will euch nicht alle vom jahrgangsübergreifenden konzept überzeugen, aber denen mut machen, die im sommer ins boot steigen werden...


    eine gute nacht wünscht
    eine


    grundschullehrerin

  • Danke dir Grundschullehrerin für das Mutmachen!


    Ich stelle mir das momentan noch sehr sehr nervenzerreißend und anstrengend vor. Dennoch sehe ich der Sache nicht ganz panisch entgegen, sondern versuche erstmal Ruhe zu bewahren.


    Zur Zeit hab ich ja nur ne Vertretungsstelle. Aber ich denke, es wird wohl so sein, dass ich auf jeden Fall als junge Kollegin so oder so in der Veränderten Schuleingangsphase arbeiten werde, wenn ich dann mal ne feste Stelle bekomme.


    Das Kollegium, wo ich zur Zeit bin, sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen. Schön zu hören, dass du das Konzept nicht ganz so negativ siehst.


    Fabula ;)

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe kürzlich 2 Tage in einer Schule mit "Flexklassen" (anderer Name für das jahrgangsübergreifende Konzept) hospitieren können und es hat mir sehr gut gefallen. (Es war das erste Mal während des Refs dass ich dachte "Vielleicht hab ich doch den ganzen Kram über offene Unterrichtsformen nicht völlig umsonst gelernt.")
    Die Klassen hatten (da es der erste Jahrgang ist) nur etwa 10 Zweitklässler im Durchschnitt und 15 Erstklässler. Es gab 7 Teilungsstunden pro Woche. Die Klassenleiterin unterrichtete alle gemeinsamen Stunden (Sport weiß ich nicht genau) und die Teilungsstunden in der 1 und eine zweite Lehrerin (mit sonderpädagogischer Ausbildung) die 7 Teilungsstunden in der 2 und Förderstunden für einzelne Kinder.
    Die Kinder saßen alle an Gruppentischen, was den eher kleinen Raum recht groß erscheinen ließ. Es gab eine offene Eingangsphase (30 min) mit Spielmöglichkeiten und ein langes Regal voll verschiedener Möglichkeiten (Buchstaben zum Legen etc.). Jedes Kind hatte eine Plastikablage, wo der aktuelle Hefter und die nicht für Hausaufgaben benötigten Hefte und Bücher reingelegt werden können. Die Zweitklässler gehen damit (einheften, ablegen, herausholen...) völlig selbstständig um, die Erstklässler bekommen noch Hilfe, lernen aber recht schnell von den Zweitklässlern.
    Die Aufgaben wurden getrennt erteilt: Klasse 2 Planarbeit mit Aufgaben in 2 Schwierigkeitsgraden und Zusatzaufgaben. Klasse 1 meist eine einheitliche Aufgabe (war Anfang des Schuljahres, da wurden noch Schreibvorübungen gemacht = Meer mit Wellen gemalt). In Englisch halt alle zusammen, ist blöd für die Zweitklässler, aber die 20 Minuten Englisch als Begegnungssprache bringen eh nicht so extrem viel glaub ich. Jedenfalls haben sie das Einstiegslied in 10 Minuten gesungen, weil es die Zweitklässler schon vorher konnten und es so für die Erstklässler leichter war.
    In den Teilungsstunden war ich in der 1, die gehen so halb nach Fibel vor, d.h. sie haben fibelkompatible Arbeitshefte und führen Buchstaben ein. Sie haben aber auch eine Anlauttabelle und wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es zu den Arbeitsheften 2 Möglichkeiten: a) die Fibel, b) ein Buch, in dem zwar auch die fortlaufende Buchstabeneinführung berücksichtigt wird, in dem aber kreuz und quer geschrieben ist und auch Fantasiewörter geschrieben. Also nicht nur die stupiden "Komm Ali komm" Sätze.
    Ein Schüler wird vermutlich ein drittes Jahr in der Klasse verbringen wegen großer Lernschwierigkeiten (hatte Extraaufgaben). In einer anderen Klasse war aber ein Erstklässler, der die Aufgaben der 2. Klasse mit löste.
    (Insgesamt gibt es sicher noch andere Ideen für jahrgangsübergreifendes Unterrichten udn ich würde auch andere ausprobieren, aber viel besser als der Uralt-Unterricht, den ich sonst sehe!)

  • Grundschullehrerin:
    Kannst du ein bisschen mehr schreiben, wie ihr das organisiert?


    Meine Befürchtungen sind, daß es gerade im ersten Schuljahr eher um ein Abarbeiten von Arbeitsblättern gehen wird und dass so übergreifendes Arbeiten wie beim Einführen der Buchstaben (z.B. P= Plätzchen backen, Papiersorten fühlen, ....) nicht mehr möglich sein wird.
    flip

    • Offizieller Beitrag

    Hi flip,


    könnte man da nicht schon differenzieren? Alle zusammen backen Plätzchen, die Zweitklässler bzw. die Erstklässler, die das schon können, lesen (mit Hilfe) die Rezepte vor (vielleicht teilweise mit Bildern und nur einige Wörter zum lesen). Praktisch könnte auch sein, für die Zweitklässler zeitgleich wie in der 1. Klasse die Druckschrift die verbundene Schrift einzuführen. Dann haben alle gemeinsame Buchstabentage.
    Gruß,
    Conni

  • @ flip:


    habe dir eben ausführlich geantwortet, als auf einmal die verbindung weg war und mein posting auch....


    habe gerade keine zeit, deshalb erst später noch einmal.


    grüße!

  • Hallo,


    ich könnte mir ein Arbeiten in einer solchen Klasse auch sehr gut vorstellen. In meiner jetzigen Ersten arbeiten wir mit Konfetti, das ist Lesen durch Schreiben (nach Reichen, aber kindgerechter und motivierender vom Material, an Stellen imho auch durchdachter). Meine Schüler können jetzt praktisch alle lautrichtig schreiben (fast alle ohne Tabelle) - nur einige brauchen noch etwas länger - die Zeit sollen sie haben - es ist kein Zwang. Kein einziges Kind hat Probleme mit der Schule. Selbst der völlig gefrustete Wiederholer (Zitat: Schule ist scheiße!) hat inzwischen größte Freude am Lernen gefunden und macht trotz seiner Probleme (zentrale Hörwahrnehmungsstörung) tolle Fortschritte! Meine Kinder können selbständig ihre Sachen in die entsprechenden Fächer räumen, sie bedienen gern und ausgiebig in der Spieleecke (mit Lernspielen, Geschicklichkeitsangeboten und vielem anderen mehr).
    Die meisten können alle (auch mehrsilbige) Wörter synthetisieren - sie fangen jetzt an, Bücher zu lesen. In Mathemtik geht's leider noch lehrgangsartig zu, aber auch da, denke ich, lassen sich in Zukunft neue Konzepte finden.


    Was ich damit sagen will - in einer offenen Lernsitution ohne Anspruchsdenken und Lehrgangsstrukur lässt sich eine Klasse 1/2 in einem Raum bestens vorstellen. Im Gegenteil bin ich der Ansicht, dass ein Lehrer durch eine solche Situation deutlich entlastet wird. Er muss keine Gruppenregeln einführen, wie das mit dem Kakao ist, wo die Malsachen hin kommen, welche Spiele frei zur Verfügung stehen, bei welchen man fragen muss, wo die Toilette ist, wie man zur Schülerbücherei kommt und sich dort benimmt und und und und...... Er braucht auch nicht unbedingt Lesemütter - das können durchaus die Zweitklässler übernehmen (ich habe keine Lesemütter, denn der größte Teil der Eltern ist berufstätig und die anderen sprechen äußerst schlecht deutsch). Ich denke einfach, man kann es auch als Chance aufnehmen, endlich verkrustet Strukturen aufzubrechen und was neues anzufangen!

    ____________
    Grüße von
    Emil aus NRW -
    "Life is a box of chocolates - you never know what you're gonna get."

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  • Hallo zusammen!


    Ich frage mich, ob nicht trotz differenziertem Unterricht insgesamt das Stoffniveau besonders für die Schüler aus dem zweiten Schuleingangsjahr nach unten geht. Oder ist das ein Trugschluss?
    Die Schüler aus dem ersten Schuljahr brauchen sehr viel Hilfe und fragen sehr oft nach, während sie Sachen bearbeiten etc. In einem ersten Schuljahr ist es ja häufig so, dass du als Lehrer permanent gefordert bist und von Kind zu Kind gehst, weil sie noch viel Unterstützung brauchen. Das ist ja auch normal so, denke ich.
    Was ich mir aber eben nur schwer vorstellen kann: Selbst wenn sich vieles von alleine regelt und auf die "Erstklässler" überträgt (schon alleine dadurch, weil die "Zweitklässler" viele Aufgaben mit übernehmen, helfen und organisatorische Dinge erklären und an die Kleinen weitergeben...), wie viel Zeit geht vielleicht nicht doch letzten Endes für die Betreuung der Erstklässler drauf, eben weil diese noch viel mehr Hilfe benötigen? Und kommen die "Zweitklässler" dann nicht häufig zu kurz, wenn sie sich immer nur um die Jüngeren kümmern müssen?


    Wie intensiv ist die Förderung der älteren Schüler tatsächlich?
    Eine besondere Schwierigkeit sehe ich eben auch an der Raum- und Materialausstattung.
    Unsere Schule hat sehr beschränkte räumliche Möglichkeiten. Die Klassenräume sind so schon recht klein, dass eigentlich kaum Möglichkeiten vorhanden sind für Ablagekästen etc.
    Sinnvoll wäre ja wohl auch ein zusätzlicher Raum, in dem man dann Kleingruppen etwas erklären kann oder einen Inhalt neu einführen kann, während andere Schüler eine andere Aufgabe bearbeiten. Solche Räume gibt es aber in unserer Schule nicht. Wie löst man das Problem? Auf den Flur gehen? Auf den Flur eine Tafel stellen? ?(


    Danke dir Conni für die ausführliche Darstellung!
    Interessant fand ich besonders, dass auch das Unterrichten in Teilungsstunden stattfindet. Ich denke, das kann dann sehr intensiv sein.


    Zitat

    Es gab eine offene Eingangsphase (30 min) mit Spielmöglichkeiten und ein langes Regal voll verschiedener Möglichkeiten (Buchstaben zum Legen etc.).


    Hmm. An unserer Schule gibt es kaum Material (Geldmangel). Wie sieht das aus? Wird zusätzliches Material dann angeschafft und ein höherer Etat festgelegt? Oder muss ich das Material selber herstellen?


    Fragen über Fragen...


    Fabula

  • Hallo!


    Ich bin der Ansicht, dass Erstklässler durchaus selbständig lernen können. Auch fragen meine Erstklässler nicht dauernd nach, denn ich kann auch Lösungen akzeptieren, die nicht unbedingt meinen Schönheits- Genauigkeits- und Vollständigkeitsansprüchen genügen. Nicht alles muss immer wieder und wieder gemacht werden, bis es perfekt ist. Da meine Erstklässler wissen, dass ich meist mit ihren Ergebnissen zufrieden bin, sind sehr sicher und haben inzwischen zunehmend Ergebnisse, die auch herkömmlichen Kriterien entsprechen. Eine Kollegin, die stundenweise mit in der Klasse arbeitet, aber selbst einen nicht so offenen Ansatz hat, ist inzwischen überzeugt, dass es auch so geht und wird beim nächsten Durchgang ihren Unterricht umstellen.


    Material: Das ist das leidige Thema schlechthin. Als ich vor den Ferien versuchte in der Schule an Material für die Erste zu kommen, trafen meine Befürchtungen ein. Praktisch nix da. Ich habe selbst (mit meiner Familie) insgesamt ca 500 Arbeitsstunden (eher mehr, ich habe nicht gezählt) in Materialerstellung investiert - diese Phase ist nun praktisch völlig abgeschlossen und die Klasse ein "Selbstläufer". Ca 500 Folien habe verlaminiert, hunderte von A4-Seiten farbig gedruckt, and tausenden von Karten die scharfen Ecken abgerundet - Ergebnis ist super - die Kinder arbeiten sehr motiviert und, wie schon gesagt, selbständig. Der Einsatz hat sich gelohnt. Mich ärgern lediglich Sprüche, wie "Lehrer sind faule Säcke", auch noch aus dem Munde unseres Bundeskanzlers, der ja auch sonst gern populistische Sprüche klopft. Für Konfetti kann man diese Materialien teils kaufen, jedoch nicht alles, vieles ist als Bastelvorlage im Lehrerhandbuch, und da muss man schon selbst Hand anlegen. Das Konfetti - Material eignet sich übrigens blendend für den Einsatz in jahrgangsübergreifenden Klassen, da es auf Selbsttätigkeit und Individualisierung angelegt ist. Viele meiner Kinder werden große Teile des Materials bis zu den Osterferien bearbeitet haben, ich sehe aber auch einige, die sicher bis zu den Herbstferien nächsten Jahres brauchen werden. Ich weiß noch nicht, mit welchem Konzept ich an Konfetti anknüpfe, werde aber versuche, weiter so offen zu arbeiten, wie ich es jetzt begonnen habe.


    Das Stoffniveau bestimmen bei offenen Unterrichtsansätzen die Schüler selbst. Dadurch wird das Niveau bei leistungsstarken Kindern hoch sein und bei schwächeren Kindern niedrig, jeder nach seiner façon. Glaubst du wirklich, wenn ein Schüler, der weiter im Stoff ist, einem weniger weiten bei z.B. Mathematikaufgaben hilft, oder sich etwas vorlesen lässt, dann leide sein Niveua? Ich denke eher, wir bremsen im normalen lehrgangsorientierten Unterricht die Schnellen und überfordern die Langsamen, mit der Folge, dass 2/3 der Klasse gefrustet sind. Das scheint mir eher unproduktiv.


    Raumsituation: Ich muss zugeben, da habe ich Glück. Unsere Räume sind recht groß, ein paar qm über Norm, zudem kann ich den gegenüberliegenden Werkraum praktisch immer allein nutzen, und zwischen den beiden Räumen ist ein kleiner Flur, in den in ich 2 Gruppentische, getrennt durch einen Schrank stellen konnte, so dass ich meine Klasse auf drei Räume zu je 8 bis 9 Kindern verteilen kann. Das ist eine geniale Situation, man kann sich das nicht besser wünschen. Ich muss zugeben, es erleichtert die Sache sehr und ich könnte es mir kaum anders vorstellen.

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    Grüße von
    Emil aus NRW -
    "Life is a box of chocolates - you never know what you're gonna get."

  • @ fabula:


    bin todmüde und außerdem total eilig, wollte dir nur schnell sagen, dass bei uns in der schule heute ein allgemeiner elterninformationsabend stattfindet, an dem fragen wie deine diskutiert werden sollen.
    erzieherinnen der umliegenden kindergärten sowie eltern der zukünftigen erstklässler sind auch eingeladen.
    ich weiß zwar, wie die arbeit grundsätzlich läuft, werde aber gut aufpassen, um noch genauer berichten zu können.


    euch allen einen schönen tag!
    eure


    grundschullehrerin

  • Jaaaaa Grundschullehrerin. Dann berichte mal! Freu mich drauf. Aber mach dir nicht so einen Stress. SChreib einfach, wenn du mal die Zeit dafür gefunden hast.


    Keep smiling! :D:D:D


    Fabula

  • @ fabula:


    das war ein guter abend! ab und an einige skeptische gesichter, die aber interessiert zugehört haben.
    ich glaube, wir haben unser konzept gut erklären und auch schmackhaft machen können.
    die struktur des abends war:
    1. schulprogramm
    2. stundenplan
    3. schreiben lernen
    4. austausch


    vom schulprogramm wird nur ein kleiner teil für dich interessant sein, das schreiben lernen ist für dich nicht neu (lesen durch schreiben plus buchstaben der woche). auch wenn hier schon einige das prinzip des kern- und kursunterrichts erklärt haben, möchtest du, dass ich einen beispielstundenplan kommentiere?
    hier ein auszug aus unserem schulprogramm:
    "Die Kinder unserer Schule haben "ihre" Klassenlehrerin. Sie unterrichtet den größten Teil der Unterrichtsstunden und ist für die Kinder die feste Bezugsperson.
    Seit dem Schuljahr 03/04 lernen die Kinder an unserer Schule in den ersten beiden Jahren in einer jahrgangsübergreifenden Klasse.
    Im Kernunterricht, der jahrgangsübergreifend ausgerichtet ist und der den größten Teil des Unterrichts ausmacht, lernen die Kinder miteinander: Die Schulneulinge lernen von den "Großen" und die "Großen" helfen den Schulneulingen und festigen und vertiefen dabei bereits gelernten Unterrichtsstoff.
    Neben dem Kernunterricht gibt es noch den Kursunterricht: Hier wird neuer Lernstoff jahrgangsbezogen - also in Kleingruppen - vermittelt."


    alles weitere (wenn gewünscht) morgen, muss noch vorbereiten und bin hundemüde...


    eine gute nacht wünscht eine


    grundschullehrerin


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