mmm, okay.
Aber ich habe die Familienbildungszentren, die jetzt geschlossen werden, erklärt und deren Schließung in meiner Stadt bedauert. Klar leidet die Integrationsarbeit darunter, aber es leidet viel mehr.
Und die jetzt eingesparten Kosten sind ein Kleks im Vergleich zu später.
Eine Mutter (Vater), die die Bedeutung von Schule versteht, die bei den Hausaufgaben helfen kann, die in die Gesellschaft integriert wird (im allgemeinen Sinne, auch als "Urdeutsche"), ... ist eine Mutter, gegen die man in der Mittelstufe weniger "kämpft", weil das Kind auf Lehrkräfte sch.., ist eine Mutter, die mit ihren Kindern in die Bibliothek geht, schwimmen lernt, usw.. Es ist eine Mutter, die einen Job aufnimmt, ein Vorbild ist, Steuer bezahlt.
Aber selbst, ohne auf die Mutter zu schauen: Es sind Kinder, die später solche Hilfen nicht mehr brauchen.
Die Frage ist doch: werden all diese blumig klingenden Ziele denn überhaupt in nennenswerter Zahl erreicht? Wie viele Mütter erkennen denn plötzlich den Wert von Bildung und ergreifen Berufe und wie viele Kaffeetermine braucht es dafür?
Hier gab es mal ein Projekt, bei dem (aus diverserlei Gründen) schwer in den Arbeitsmarkt integrierbare Menschen und insbesondere auch Frauen mit niedrigerem Bildungsstand in engmachig begleitete Praktika bei lokalen Unternehmen vermittelt wurden. Hörte sich alles supertoll an, es gab von allen Seiten viele positive Stimmen, natürlich auch eine Menge Fördergelder. Dann stellte ein Journalist die Frage, wie viele der über 300 begleiteten Menschen es denn in den ersten Arbeitsmarkt geschafft hätten. Antwort: 3. Nun ja.
Maylin, bei die fällt mir immer ein "dann sollen sie Kuchen essen".
Manche Menschen hatten bei der Geburtslotterie nicht so viel Glück, sie wurden in Familien mit weniger Geld, mit weniger Bildung oder auch in einem anderen Land geboren und mussten es verlassen. Und viele von ihnen benötigen nur einen kleinen Schubs, eine kleine Hilfe, um dann auch finanziell zum Steuereinkommen beizutragen. Aber es gibt Menschen, die lieber heute sparen, um in Zukunft über die da unten schimpfen zu können. Manche benötigen dies, um sich besser zu fühlen.
Und genau dafür gibt es bereits unendlich viele Anlaufstellen, Förderungen und Hilfsangebote. Nun stellt man leider fest, dass die eigentlichen Zielgruppen diese Angebote häufig gar nicht wahrnehmen - und statt Druck aufzubauen und die deutliche Erwartung zu kommunizieren, dass sie das bitteschön tun mögen, ertönen Forderungen, dass es bitte noch "niederschwelliger" werden muss und dass man die Leute noch "besser abholen" müsse. Und zack, liegt das nächste hippe Projekt auf dem Tisch, das mit öffentlichen Geldern gefördert werden möchte und dessen Wirksamkeit man sich dann in 10 Jahren eventuell mal angucken kann.
Wer soll den ganzen Quatsch denn bitte bezahlen? Wer Unterstützung braucht, bekommt sie bereits jetzt. Und wer den Plan hat, sich zu integrieren und zu arbeiten, der findet Wege und tut das.
Euer Verein klingt gut aufgesetzt und sinnvoll. Gegen diese Art von Engagement habe ich natürlich gar nichts, ganz im Gegenteil. Mir ging es jetzt explizit um Projekte und Initiativen, die aus Steuergeldern gespeist werden.
Timothys Mutter hat psychische Probleme, Beziehungsabbrüche und Schulden.
Ich verstehe nicht, was du dir vorstellst. Dich nervt das Assi-Klientel in deinem Viertel, gleichzeitig soll aber niemandem geholfen werden. Du kannst nicht alle Menschen mit Problemen eliminieren.
Dann möge Timothys Mutter sich an einen Therapeuten, die Schuldnerberatung und ggf. das Jugendamt wenden. Gibts ja glücklicherweise alles. Sie kann Timothy sicherlich auch zur Hausaufgabenbetreuung schicken und evtl. sogar Nachhilfe aus BuT-Leistungen verschaffen. Wenn sie nicht weiß, wie das geht, kann sie sich an die Schule wenden. Wozu genau braucht Timothys Mutter noch ein Familienzentrum?
Zitat
Und mein Chinesischer Einwurf bezog sich auf das Gaokao, währenddessen so viel gesellschaftlicher und familiärer Druck aufgebaut wird, dass Jugendliche sich in hoher Zahl das Leben nehmen. Die Jugendlichen lernen so viel, das musstest du im Leben nicht leisten.
Den habe ich bewusst ignoriert, da man sich nun auch nicht gerade an Extremen aufhalten muss. Fakt ist, dass sich im Bereich Bildung zunehmend eine ziemliche systemische Überlegenheit zeigt. Das ist natürlich furchtbar doof, weil es leider so gar nicht zur individualisierten Wohlfühlpädgogik passt, die hierzulande gerade en vogue ist. Menno...?
Zitat
Es reicht, wenn wir unsere Gesellschaft am Laufen halten und bislang hat das gut funktioniert.
Es funktioniert schon länger nichts mehr, wir haben nur noch recht lange von einem sehr guten Ausgangslevel gezehrt. Jetzt kommt der große Zusammenbruch. Wir erleben gerade den Auftakt 🙂