Beiträge von Maylin85

    Ich verstehe die Einwürfe bzüglich "korrekturfreundlicher" Klausuren auch nicht ganz. An den meisten Schulformen dürften die Formate festgelegt sein und schlicht gar kein Spielraum bestehen.

    Erst jetzt am BK dämmert mir, was überhaupt damit gemeint sein könnte. Und ja, hier gibts Optionen, aber ist es wirklich noch sachgerechtes Arbeiten, wenn ganze Klausuren aus Lückentexten und MC bestehen? Ich habe Zweifel.

    Dieses Vorgehen funktioniert vermutlich, solange halt nur vereinzelt mal Überlastungsanzeigen gestellt werden. Würde jeder eine stellen, der seine Arbeitszeit trotz Verzichts auf Überflüssiges regelmäßig überschreitet, würden die Herrschaften lange in persönlichen Gesprächen sitzen.

    Aber immerhin passierte da überhaupt irgendwas. Ich kenne jemanden, der zu seiner Überlastungsanzeige monatelang einfach überhaupt gar nix gehört hat. Muss bei Gelegenheit mal nachfragen, ob und wann eine Reaktion kam und wie die dann aussah.

    Wo du sie Räume ansprichst: wir hatten nur einen hörsaalartigen Raum mit festen Klappsitzen ohne Experimentiertische, deswegen ging das nicht. Wie schade :(

    So sahen unsere Bioräume aus. Ich habe das sehr geliebt. Kein Gruppenarbeitsgedöns, einfach input, mitschreiben, lernen, Test 🥰

    In Chemie und Physik kann ich mich allerdings an so gut wie keine Stunde ohne Versuch oder Experiment erinnern. Das gabs eigentlich nie.

    Oh krass 😳 Ich hab 3 innerhalb von 20 km (2 davon sehr gut) und ich war auch unendlich dankbar dafür, als ich einst dachte, der Hund habe sich vergiftet (hatte aber nur einen Drogenrausch) und als wir samstagabends einschläfern mussten. 70km klingt im Notfall unendlich weit weg.

    Sorry OT.

    Was für ein Quatsch. Wohl kaum eine Schulleitung macht ihrem Kollegium absichtlich das Leben schwer und schadet dem ganzen System damit letztlich selbst. Ich bin inzwischen bei Schulleitung Nr. 8. An 6 davon hatte ich wenig bis nichts auszusetzen, eine hatte kein gutes Händchen für Kommunikation und eine war ein überambitionierter Kontrollfreak und damit extrem nervig. Fehlbesetzung war sicherlich keine. Meine anekdotische Evidenz.

    Wenn die Art und Weise der Dienstausübung die Vorschriften erfüllt, ist sie angemessen und ausreichend. Braucht man eigentlich nicht diskutieren.

    Die Konsequenz solcher Urteile kann eigentlich nur sein, schulische Aufgaben (endlich) auf das Pflichtprogramm zu reduzieren und vom ganzen freiwilligen "weil nett" Kram zu entrümpeln. Wahrscheinlich sähen die Pensen vieler Kollegen dann schon ganz anders aus und das Kerngeschäft wäre auch besser zu stemmen.

    Tja. Wenn die Elternvertreter, die sich freiwillig dafür gemeldet haben und wegen denen wir abends um 19 Uhr in der Schule rumkonferieren durften, anwesend gewesen wären, hätten sie das selbstverständlich gerne in die Elternschaft tragen können. Waren sie halt nie. Elternmitwirkung ist keine Bringschuld.

    Und daran ist eigentlich nichts unvernünftig.
    Ich finde das Urteil ehrlich gesagt sehr nachvollziehbar.

    Kris hat meines Erachtens keine Vorstellung davon, wie aktuelle Brennpunkte aussehen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber ich bezweifle doch stark, dass die Zustände vor 25 oder 30 Jahren mit heute vergleichbar sind. Ich hab keine Ahnung von Chemie, würde mit meiner Schülerklientel aber auf absolut gar keinen Fall mit Gefahrenstoffen rumhantieren wollen. Dass da irgendjemand brav was abschreibt nach einem Fehlverhalten, will ich auch sehen. Wäre spannend, wie andere Kollegen das im Brennpunkt so handhaben.

    Schätze dich glücklich, dass du immerhin ein Buch hast. Ich würde damit arbeiten, egal wie schlecht, und Zusatzmaterial digital bereitstellen (z.B. über Padlet oder dergleichen, falls es keine Lernplattform gibt). Klassenarbeiten und Klausuren soll das Sekretariat oder sonstwer ausdrucken.

    Und ansonsten lohnt es sich vielleicht, das Thema mal auf die Tagesordnung der LK zu setzen und die oben herausgesuchten Paragraphen mitzubringen.

    Ja, verstehe ich schon. Aber alle Angebote sind da, lassen sich googeln, es gibt in jedem Stadtteil Caritas, AWO, Sozialberatung etc. - will sagen, alles Nötige existiert alles bereits. Irgendwann reichts dann auch mal und ein Minimum an Eigeninitiative kann man Menschen wohl zumuten.

    mmm, okay.
    Aber ich habe die Familienbildungszentren, die jetzt geschlossen werden, erklärt und deren Schließung in meiner Stadt bedauert. Klar leidet die Integrationsarbeit darunter, aber es leidet viel mehr.
    Und die jetzt eingesparten Kosten sind ein Kleks im Vergleich zu später.
    Eine Mutter (Vater), die die Bedeutung von Schule versteht, die bei den Hausaufgaben helfen kann, die in die Gesellschaft integriert wird (im allgemeinen Sinne, auch als "Urdeutsche"), ... ist eine Mutter, gegen die man in der Mittelstufe weniger "kämpft", weil das Kind auf Lehrkräfte sch.., ist eine Mutter, die mit ihren Kindern in die Bibliothek geht, schwimmen lernt, usw.. Es ist eine Mutter, die einen Job aufnimmt, ein Vorbild ist, Steuer bezahlt.
    Aber selbst, ohne auf die Mutter zu schauen: Es sind Kinder, die später solche Hilfen nicht mehr brauchen.

    Die Frage ist doch: werden all diese blumig klingenden Ziele denn überhaupt in nennenswerter Zahl erreicht? Wie viele Mütter erkennen denn plötzlich den Wert von Bildung und ergreifen Berufe und wie viele Kaffeetermine braucht es dafür?

    Hier gab es mal ein Projekt, bei dem (aus diverserlei Gründen) schwer in den Arbeitsmarkt integrierbare Menschen und insbesondere auch Frauen mit niedrigerem Bildungsstand in engmachig begleitete Praktika bei lokalen Unternehmen vermittelt wurden. Hörte sich alles supertoll an, es gab von allen Seiten viele positive Stimmen, natürlich auch eine Menge Fördergelder. Dann stellte ein Journalist die Frage, wie viele der über 300 begleiteten Menschen es denn in den ersten Arbeitsmarkt geschafft hätten. Antwort: 3. Nun ja.

    Maylin, bei die fällt mir immer ein "dann sollen sie Kuchen essen".

    Manche Menschen hatten bei der Geburtslotterie nicht so viel Glück, sie wurden in Familien mit weniger Geld, mit weniger Bildung oder auch in einem anderen Land geboren und mussten es verlassen. Und viele von ihnen benötigen nur einen kleinen Schubs, eine kleine Hilfe, um dann auch finanziell zum Steuereinkommen beizutragen. Aber es gibt Menschen, die lieber heute sparen, um in Zukunft über die da unten schimpfen zu können. Manche benötigen dies, um sich besser zu fühlen.

    Und genau dafür gibt es bereits unendlich viele Anlaufstellen, Förderungen und Hilfsangebote. Nun stellt man leider fest, dass die eigentlichen Zielgruppen diese Angebote häufig gar nicht wahrnehmen - und statt Druck aufzubauen und die deutliche Erwartung zu kommunizieren, dass sie das bitteschön tun mögen, ertönen Forderungen, dass es bitte noch "niederschwelliger" werden muss und dass man die Leute noch "besser abholen" müsse. Und zack, liegt das nächste hippe Projekt auf dem Tisch, das mit öffentlichen Geldern gefördert werden möchte und dessen Wirksamkeit man sich dann in 10 Jahren eventuell mal angucken kann.

    Wer soll den ganzen Quatsch denn bitte bezahlen? Wer Unterstützung braucht, bekommt sie bereits jetzt. Und wer den Plan hat, sich zu integrieren und zu arbeiten, der findet Wege und tut das.


    Euer Verein klingt gut aufgesetzt und sinnvoll. Gegen diese Art von Engagement habe ich natürlich gar nichts, ganz im Gegenteil. Mir ging es jetzt explizit um Projekte und Initiativen, die aus Steuergeldern gespeist werden.


    Timothys Mutter hat psychische Probleme, Beziehungsabbrüche und Schulden.

    Ich verstehe nicht, was du dir vorstellst. Dich nervt das Assi-Klientel in deinem Viertel, gleichzeitig soll aber niemandem geholfen werden. Du kannst nicht alle Menschen mit Problemen eliminieren.

    Dann möge Timothys Mutter sich an einen Therapeuten, die Schuldnerberatung und ggf. das Jugendamt wenden. Gibts ja glücklicherweise alles. Sie kann Timothy sicherlich auch zur Hausaufgabenbetreuung schicken und evtl. sogar Nachhilfe aus BuT-Leistungen verschaffen. Wenn sie nicht weiß, wie das geht, kann sie sich an die Schule wenden. Wozu genau braucht Timothys Mutter noch ein Familienzentrum?


    Zitat

    Und mein Chinesischer Einwurf bezog sich auf das Gaokao, währenddessen so viel gesellschaftlicher und familiärer Druck aufgebaut wird, dass Jugendliche sich in hoher Zahl das Leben nehmen. Die Jugendlichen lernen so viel, das musstest du im Leben nicht leisten.

    Den habe ich bewusst ignoriert, da man sich nun auch nicht gerade an Extremen aufhalten muss. Fakt ist, dass sich im Bereich Bildung zunehmend eine ziemliche systemische Überlegenheit zeigt. Das ist natürlich furchtbar doof, weil es leider so gar nicht zur individualisierten Wohlfühlpädgogik passt, die hierzulande gerade en vogue ist. Menno...?

    Zitat

    Es reicht, wenn wir unsere Gesellschaft am Laufen halten und bislang hat das gut funktioniert.

    Es funktioniert schon länger nichts mehr, wir haben nur noch recht lange von einem sehr guten Ausgangslevel gezehrt. Jetzt kommt der große Zusammenbruch. Wir erleben gerade den Auftakt 🙂

Werbung