Beiträge von Maylin85

    Mir ist das alles zu unspezifisch. Ich halte bisher generell nicht viel vom 5. Abiturfach und der Präsentationsprüfung, egal, ob mit oder ohne KI. Das kann man aber letztlich alles erst gescheit diskutieren, wenn klar ist, wie es konkret aussehen soll. Mich würde z.B. primär interessieren, wie eng (und zeitaufwändig) der Entstehungsprozess des Präsentationsprodukts begleitet werden muss, wer in welchem Rahmen den KI Umgang lehrt, etc.

    Es braucht keine Kindergartenpflicht für alle, sondern nur für diejenigen, die sie nötig haben. Den Widerstand gegen eine allgemeine Pflicht kann ich absolut nachvollziehen und würde ihn auch untersützen. Gleiches gilt für erzwungene Ganztagsbeschulung. Ich bin wirklich gottfroh, dass mir diese ganztätige Dauerverwahrung in Institutionen ersprart blieb, finde das wirklich ganz furchbar.

    Ich bin schon über 30 Jahren Lehrerin, unterrichte aktuell in einer Stadt mit über 50 % mit Migrationshintergrund, an meinem Gymnasium sind es offiziell 40 %.

    Ich habe aber auch 6 Jahre an einer Gesamtschule in einer Großstadt in NRW unterrichtet. Und mein SL hat die Kurse gleichmäßig verteilt, wir Gymnasialkollegen erhielten genauso G-Kurse wie alle anderen. Allerdings wurden bei uns keine Noten verschenkt.

    Unsere SL wies jedes Jahr daraufhin, dass wir mit verschenkten Noten niemand helfen. Ein ausbildender Betrieb nimmt einmal jemanden mit 4 in Mathe auf, stellt fest, dass die Leistungen nicht ausreichend sind und nimmt niemanden mehr von unserer Schule. Und ja, sie hatten recht. Unsere Schüler mit der Note 4 wurden Schülern von 3 anderen Gesamtschulen mit der Note 2 vorgezogen. Zwei weitere Gesamtschulen handhabten es genauso streng wie wir und hatten ebenfalls einen guten Ruf.

    Weitere Folge, auf die drei "strengen" Gesamtschulen gingen auch Schüler mit Gymnasialempfehlung. Doch, das Kollegium inkl. SL hat viel in der Hand.

    Ich glaube, dass hier einfach viele Schulen mittlerweile vor den Realitäten kapitulieren. Was machst du denn, wenn in einer Stadt in den weiterführenden Schulen überwiegend Schüler anlanden, die die Standards nicht mehr erfüllen? Und das ist nicht übertrieben, siehe hier: https://www.news4teachers.de/2025/10/im-abw…45FcfZ8gLOP8DIQ

    Ich finde die Idee gemeinschaftlicher Schulen furchtbar nett. Meine Berufsrealität fand im letzten Jahrzehnt aber überwiegend im Ruhrgebiet statt und hier gilt es diejenigen rauszufiltern und zu retten, aus denen noch was werden könnte. Das geht meines Erachtens nur mit besserer Separation. Möglicherweise sieht es anderswo anders aus, keine Ahnung.

    Ich unterrichte an einem Gymnasium und stimme raindrop bzgl. Yummi zu. Was nun?

    Ich würde es noch härter ausdrücken und lasse es lieber.

    Ich glaube ehrlich gesagt, dass jemand, der an einem Gymnasium im ländlichen BW unterrichtet, keine Vorstellung davon hat, was in Schulen in Ballungsgebieten von NRW los ist. Ich hab das in meinen ersten Berufsjahren an Ersatzschulen selbst nicht für möglich gehalten. Eine meiner Freundinnen arbeitet an einer Mittelschule in Bayern und fällt regelmäßig vom Glauben ab, wenn sie sieht, was ich so auf dem Tisch liegen habe (Gymnasium, WBK, egal).

    Ich glaube FrozenYoghurt jedes Wort und halte es absolut nicht für übertrieben.

    Ich würde das Beharren ja etwas besser verstehen, wenn wir immerhin leistungsmäßig "erfolgreich" wären.

    Können wir nicht sein, wir selektieren in den meisten BL ja schon ewig nicht mehr gescheit.

    Zitat

    Seitdem haben wir eher mehr segregiert als weniger.

    Wie das, wenn die Abiturquote mittlerweile bei fast 50% liegt?


    Untersuchungen von 2012 oder 2013, die inklusive Systeme hervorheben, beziehen das meist auf Systeme mit recht homogener und wenig multikultureller Schülerschaft. Finde ich daher für Deutschland nicht sehr aussagekräftig. Skandinavien sieht inzwischen auch nicht mehr so toll aus, Beispiel Finnland.

    (..und ja, das multikulturelle Kanada kriegt es recht gut hin, da sind die Voraussetzungen aber auch gänzlich andere)

    M.a.W., bereits bis zum Schuleintritt haben alle Kinder Förderbedarf? Ist das nicht arg pessimistisch und auch etwas haltlos herbeigeredet?

    Nein, sie haben natürlich keinen Förderbedarf. Sie bringen "einfach so" nicht mehr die Voraussetzungen mit, auf denen man früher aufbauen konnte.

    Zitat

    Weiter unten empfiehlst du aber genau das Kollege fachinformatiker.

    Jein. Ich halte es für richtig, Noten nicht zu verschenken und für mich gibt es auch Grenzen des Vertbaren. Trotzdem kann sich wahrscheinlich niemand komplett davon frei machen, das Niveau zu einem gewissen Grad der sozialen Norm anzupassen. Und an Gesamtschulen scheint der Druck meinem Eindruck nach besonders hoch zu sein.

    Ich würde mir wünschen, wir könnten uns kollektiv davon frei machen und es gäbe einfach mal wieder einen Konsens, dass Abschlüsse an objektive Standards geknüpft sind, mit allen Konsequenzen. Das ginge aber nur, wenn sich der politische Wind dreht.

    Nein, nein, Geld ist ja keines da, denn in der Regelschule kann man ja auch keine zusätzliche Kräfte einsetzen, nicht in der Inklusion, nicht in der Grundschule, die alle beschult, nicht im Brennpunkt.

    Die bisherigen Lehrkräfte wollen alle an ihren Schulen bleiben und sich nicht um diese Schüler:innen kümmern. Also muss ja jemand anderes die beaufsichtigen, die dann im Sammelzentrum auf ihr richtiges Alter warten.

    FrozenYoghurt schlägt vor, sie gleich zu Hause zu lassen.

    Von bedarfsgerechter Förderung kann also gar keine Rede sein.

    Diese Förderung findet aber auch im Regelschulsetting nicht angemessen statt - wo ist bei Trennung also der Unterschied, außer dass andere Schüler weniger gestört werden und besser lernen können?

    Mir macht es übrigens gar nichts aus, mit den sehr schwachen Schülern in meinen Lerngruppen zu arbeiten. Ich würde das nur gerne tun können ohne parallel noch Leute im Raum sitzen zu haben, die 2-3 Sprachkompetenzlevel höher unterwegs sind und ganz andere Bedürfnisse haben. Will sagen, ich würde gar nicht unbedingt zustimmen, dass es primär darum geht, sich nicht um diese Schüler kümmern zu müssen. Es geht darum (jedenfalls mir), dass das Kümmern um ALLE Schülergruppen in heterogeneren Gruppen einfacher und zielführender wäre.

    Ich weiß nur aus meinem Freundeskreis, dass viele Eltern über das Ende der Grundschulzeit froh sind, weil sie meinen, dass die Schule ihren Kindern gar nicht mehr gerecht wird. Für stärkere Schüler ist die Trennung nach 4 sicherlich vorteilhaft.

    Aber es ist doch besser, diejenigen, die den Rest behindern, gesammelt irgendwo "aufzubewahren", als eine permanente Störung und Behinderung der breiten Masse systemisch hinzunehmen. Zumal dort ja bestenfalls auch bedürfnisgerecht gefördert werden sollte.

    Ist nicht ganz korrekt, sehe ich auch so. Letztlich sind aber doch insgeheim alle froh und dankbar für diese Sprengung, die uns vor monatelangem Entscheidungseiertanz bewahrt hat. Da kann man Dinge schonmal pragmatisch abhaken (was das Gericht getan hat) und muss nicht bis zum Letzten ausverhandeln.

    Ich sehe trotzdem nicht, inwiefern das die "Schuld" der Gesamtschule als solcher sein soll. Wenn man als Schule feststellt, dass man im Niveau absackt, wieso ändert man das nicht?

    Zunächst mal ist es logisch, dass die Klientel insgesamt schwächer ist als an einem Gymnasium. Das ist ja das Ziel der Gesamtschule, alle Kinder sollen auf eine Schule gehen. Wenn aber auch das Niveau der Sek II schlechter ist, weil man die Noten nach Sozialnorm vergibt und gar den Abschluss anpasst, dann hat die Schulleitung samt ihrem Kollegium versagt, nicht der einzelne aka "die anderen", nicht die SuS und nicht die Grundschule.

    Nicht böse gemeint, aber das liest sich furchtbar naiv. Das Problem, dass Kinder keine altesgerechten Kompetenzen mitbringen, haben ja schon die Grundschulen und schaffen es nicht, das aufzuarbeiten. Und egal ob Grundschule oder weiterführende Schule, niemand lässt die Hälfte eines Jahrgangs wiederholen. Müsste und sollte man eigentlich, ja, diese Haltung ist aber nicht konsensfähig - weder bei Schulleitungen, die sich damit in einen grandiosen Shitstorm von allen Seiten stellen würden, noch bei vielen Kollegen. Letztlich hat der einzelne Kollege, der tatsächlich authentische Noten setzt und nicht mitspielen möchte, einen Arsch voll Mehrarbeit, weil er stundenlang unsinnige Förderpläne schreibt und Förderplangespräche führt, die Schüler aber trotzdem durchrutschen, weil am Ende irgendwie doch immer ausreichend Kollegen meinen, jemand, der keinen fehlerfreien Satz schreiben kann, kriegt trotzdem noch die Ausgleich-3 in Deutsch o.ä.

    Man kann die soziale Norm auch nicht einfach außer Acht lassen. Ich habe vor +10 Jahren an zwei kirchlichen Gymnasien mal jeweils die gleiche Klassenarbeit in Klasse 8 geschrieben, die meines Erachten ein für die Jahrgangsstufe angemessenes Niveau hatte und an beiden Schulen völlig problemlos funktionierte. Im dritten Jahr hab ich die gleiche Klassenarbeit am Gymnasium im Ruhrpott geschrieben, meine erste KA an dieser Schule, und hatte eine hohe zweistellige Anzahl an Mangelhafts. Dafür durfte ich bei der Schulleitung antanzen und hatte beim Elternsprechtag Schlangen von empörten Eltern vor der Tür stehen. Ich meine noch heute, dass das die einzige niveauangemessene Klassenarbeit war, die ich jemals an dieser Schule geschrieben habe, aber natürlich sahen die Folgearbeiten anders aus. An Gesamtschulen greifen die gleichen Mechanismen und Zwänge vermutlich nochmal auf anderem Niveau. Und natürlich rutschen die Schüler dann unterhalb des eigentlich angestrebten Standards auch in die Oberstufen durch.

    Irgendwo vorher schriebst du sinngemäß "beschult die Kinder doch einfach". Meines Erachtens braucht es für eine effektive Beschulung ein schulangemessenes Verhalten und dass dies oftmals nicht gegeben ist, ist eines der Hauptprobleme, die dem Vorhaben im Weg stehen. Ich hatte beim Wechsel ins Ruhrgebiet einen absoluten Kulturschock. Dass Schüler im Unterricht permanent durch die Gegend laufen, notorisch laut sind, Arbeitsanweisungen nicht folgen und so komplett unbeeindruckt von schulischen Maßnahmen sind, wie es dort der Fall war, kannte ich vorher nicht. Und natürlich leidet die Beschulung, wenn signifikante Teile der Unterrichtszeit für Erziehungskrempel draufgehen. Gerade unter G8 war die Dichte an Unterrichtsinhalten sowieso schon sportlich gestrickt, so dass die ganze verplemperte Zeit sich bitter gerächt hat. Dann kam Corona, wo niemand sitzen bleiben durfte, zu schülerfreundlicher Benotung angehalten wurde und die eh schon jahrelang geschönten Noten zu kompletten Phantasienoten mutierten.

    Meinem Eindruck nach sind wir in einer multifaktorell bedingten Abwärtsspirale, der man mit "beschult halt und gebt halt authentische Noten" nicht gerecht wird. An keiner Schulform, aber an Gesamtschulen, wo sich tendenziell die " herausforderndere" Klientel versammelt, erst recht nicht.

    Soziale Ungleichheit schön und gut, entscheidener fände ich aber die Frage, mit welchem System man insgesamt höhere Outputwerte erzielt. Und damit meine ich konkret messbare Fähigkeiten, nicht (verschenkte) Schulabschlüsse. Seit hier politisch der Fokus auf "Bildungsgerechtigkeit" statt Leistung gelegt wird, kann man in der Gesamtheit nicht unbedingt positive Effekte beobachten, vorsichtig ausgedrückt.

    Die Gesamtschule ist (zumindest in NRW) auch schon deswegen gescheitert, weil das Abitur nicht vergleichbar ist. Formell zwar schon, aber jeder, der mal Klausuren und Bewertungen der jeweils anderen Schulform gesehen hat, weiß, dass das ein Witz ist.

    Für mich wird die Einheitsschule bereits durch den Elternwunsch bei der Schulformwahl forciert. Es ist doch völlig egal, was auf dem Schild über der Tür steht, wenn hinterher 40% Kinder ohne Gymnasialempfehlung am Gymnasium landen, wie in meiner letzten 5. Klasse (und am Ende der Erprobungsstufe nur schwer wieder abgeschult werden können wegen angeblichen Schulplatzmangels).

    Wenn ich das richtig sehe, hat keins der Top-PISA-Länder ein so stark gegliedertes Schulsystem, das noch dazu besonders früh trennt, wie Deutschland. Stattdessen wird mindestens bis zur 6. Klasse, meist aber sogar bis zur 9. gemeinsam gelernt.

    Ich denke, längeres gemeinsames Lernen funktioniert in sehr homogenen Gesellschaften mit gut erzogenen Kindern, in denen man Bildung und Leistung hohe Priorität einräumt, deutlich besser, als bei uns.

    Singapur, Südkorea, Japan etc. setzen außerdem weiter auf Sonderschulen oder Sonderschulklassen an Regelschulen und haben nur sehr wenig Inklusion.

    Mir ist hängen geblieben, dass es "echte" LE Kinder gibt und welche, die einfach sehr viel Unterstützungsbedarf haben, weil im bisherigen Leben viel versäumt wurde. Kann natürlich falsch sein, das ist nicht gerade mein Themengebiet.. aber so ist es hängen geblieben und dementsprechend war das Ziel für diese Kinder, dass sie bei uns bestenfalls den Hauptschulabschluss schaffen.

    Der Fehler ist doch, dass wir überhaupt Förderpläne schreiben. Ich hab selten Arbeit als sinnloser empfunden. Schreibt man in Singapur oder Japan oder Südkorea oder was sonst noch so oben im Pisa-Ranking steht Förderpläne? Das ist für mich ein klassisches Beispiel für ineffizient genutzte Lehrerarbeitsstunden.

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