Beiträge von Maylin85

    Ich finde Hausaufgaben in der Sek II auch nicht sonderlich wichtig, außer es geht um Dinge wie das Ausformulieren von Analysen - sollte man vor der Klausur mal irgendwann gemacht haben und dafür Unterrichtsstunden zu verschwenden, finde ich etwas witzlos. Mache ich trotzdem manchmal, weil einige Kandidaten zu Hause einfach nichts machen, aber prinzipiell wäre es da besser aufgehoben.

    In der Sek I muss man halt mindestens Vokabeln zu Hause lernen. Ansonsten habe ich es so gehandhabt: ist die Klasse verhaltensnormal und man schafft den vorgesehenen Unterrichtsstoff, braucht es keine Hausaufgaben. Wird zu viel Zeit mit Störungen und Erziehungskram verplempert, rutscht alles, was deswegen nicht geschafft wurde, automatisch in die Hausaufgabe. Hatte den Effekt, dass von 2 parallel laufenden Klassen eine mal quasi nie Hausaufgaben hatte, die andere ständig. In letzterer wäre ich ohne Hausaufgaben nicht mit dem Stoff durchgekommen.

    Mir war das alles immer sehr egal, aber ich denke heute im Rückblick, dass man ruhig anders hätte feiern können.

    Abiball mit hyperteuren Kleidern und Tanzkurs fand ich seinerzeit albern; mein Kleid kam für 20€ von ebay und war auch keine nie wieder woanders tragbare Abendrobe, sondern ein 80er Jahre Cocktailkleid (mit Puffärmeln und lila und Glitzer und Tüllunterrock^^), das man danach noch prima aufgepeppt im Karneval nutzen konnte 😄 Abgesehen davon, dass die eine Korsagenstange mir den ganzen Abend in die Achsel bohrte, fand ichs damals völlig okay. Für die Zeugnisübergabe morgens (war bei uns getrennt) hab ich gar nix neu gekauft und wollte meine Eltern auch gar nicht mitnehmen, weil ich den Akt völlig unwichtig fand. Mein Papa hat sich trotzdem "aufgedrängt" und wir waren danach noch essen. Wichtig waren mir beide Veranstaltungen nicht. Was der Abschluss der Schulzeit für ein Meilenstein ist und dass es durchaus wert ist, das gebührend zu feiern, ist mir erst bei Abschlussveranstaltungen meiner eigenen Schüler aufgegangen... heute würde ichs wahrscheinlich anders machen 😊

    ...superteure Locations finde ich dennoch übertrieben und kann den Trend nicht so recht nachvollziehen.

    Ich weiß noch nicht, ob ich an meine alte Schule zurückkehren kann. Der Anspruch darauf ist nach mehr als 1 Jahr Elternzeit nicht gegeben.

    Insofern brauche ich die Zeit der Ferien selbstverständlich als Arbeitszeit. Schulprogramm, schulinterne Curricula, Schülerakten einsehen von den Klassen, die ich unterrichten werde, welche Fächer werde ich in welcher Jahrgangsstufe unterrichten. Das alles will vorbereitet sein. Ich kann und will vor allem doch nicht einfach am 27.08. in die Schule gehen, komplett unvorbereitet, und sagen: "Hier bin ich, wo soll ich hin?"

    Wieso nicht? Das ist bei jeder Neueinstellung doch auch so.

    Bei uns ist es derzeit auch ganz furchtbar, es wird gefühlt keine einzige Klausur mehr ohne KI geschrieben. Und dann stellen sie sich dabei auch noch so dämlich an, dass allein letzte Woche mehrfach irgendein Sprachassistent lautstark zu quatschen anfing..

    Was mich stört, ist dass überhaupt kein Unrechtsbewusstsein vorhanden ist. Wir haben früher auch geschummelt; wurde man erwischt, hat man halt ohne große Diskutiererei mit den Konsequenzen gelebt und es beim nächsten Mal lieber wieder sein gelassen. Inzwischen erwischt man mehrfach die gleichen Kandidaten und es juckt sie gar nicht, dafür hat man aber jedes einzelne Mal Diskussionen. Sehr anstrengend.

    Es kann keiner reinpfuschen, aber eine "indirekte Aufforderung" sich die ein oder andere Note nochmal zu überlegen, kann schon ausgesprochen werden.

    Das ist klar, aber Schokozwerg schreibt ja, dass der Bildungsgangleiter aktiv die Note geändert hat. Das finde ich schon krass. Und untergräbt ja auch nicht zuletzt massiv die Autorität der Lehrkaft..

    Mit einer solchen Anweisung überschreitet der SL seine Kompetenzen (zumindest in NRW) . Wer sich danach richtet macht sich sogar angreifbar

    Nein diesen Trend finde ich unerträglich, weil wir damit aktiv dazu beitragen den Realschulabschluss zu entwerten. Ich möchte, dass ein zukünftiger Arbeitgeber auch Realschüler einstellt.

    Alle Realschüler, die damals in meiner Zeit am Gymnasium zu uns rübergewechselt sind, waren gut aufgestellt und haben das Abitur später oft in der Spitzengruppe abgeschlossen. Auch als ich selbst mal kurz an einer Realschule gearbeitet habe, hatte ich den Eindruck, dass man dort sehr authentisch bewertet hat und der Abschluss erheblich weniger oft verschenkt wurde, als ich es an Schulen anderer Schulformen erlebt habe. Ist natürlich ein sehr subjektives Erleben auf Basis sehr weniger Schulen/Absolventen, aber mir scheint, dass der Realschulabschluss derzeit evtl. sogar noch mehr Wert und Aussagekraft als so manch anderer Abschluss hat. Würde ich bei der Schulformwahl für Kinder auch immer Gesamtschulen vorziehen.

    BIldungsgangleitungen, die Noten einfach aus päd. Gründen anpassen

    Danke für den Einblick. Unser Fachabi ist ebenfalls oft verschenkt und so eigentlich nicht zu rechtfertigen. Der zitierte Satz wundert mich allerdings - ist das wirklich möglich? Ich nahm bisher immer an, man sei in NRW in seiner Notengebung grundsätzlich autark und da kann auch keiner mal eben so reinpfuschen.

    Ein Systemsprenger ist imo nicht einfach "nur" ein Störer. Ich hatte mal jemanden, den ich evtl. so bezeichnen würde, und das war unerträglich. Klasse 6, Junge mit Förderschwerpunkt LE und GE, hatte schon diverse Schulen hinter sich und kam dann zu uns an Gymnasium in der Hoffnung auf ein "ruhigeres" soziales Umfeld, mit dem er besser zurecht kommt. Er hatte eine extrem kurze Zündschnur, war den Mitschülern körperlich überlegen, und ging im Unterricht ständig bei kleinsten Auslösern mit Stühlen oder Besen auf seine Mitschüler los. Oder schrie sehr laut und anhaltend, wenn ihn was angetriggert hat. Niemand der Anwesenden (ich, Schulbegleitung, Mitschüler) konnte ihn verlässlich stoppen, wenn er einmal losgelegt hat. In den Stunden, in denen er anwesend war, bin ich in keiner einzigen (!) auch nur ansatzweise zum Stundenziel gekommen. Ich hab hinterher komplett auf Freiarbeit mit Selbstkontrollmöglichkeiten umgestellt, die Regelklasse quasi sich selbst überlassen und die komplette Stunde neben diesem einen Kind gesessen in dem Versuch, ihn in 1:1 Betreuung auf seinem Niveau irgendwie sinnvoll zu beschäftigen (wozu er meist keine Lust hatte und was er meist verweigert hat, weil blödes Fach udn interessiert ihn nicht etc.). Ich war nach diesen Stunden fix und fertig mit den Nerven und heilfroh, dass ich nur mit 2 Wochenstunden im Nebenfach in dieser Klasse eingesetzt war. Dieses Kind war mit "dem System" leider überhaupt nicht kompatibel und sprengte damit den kompletten Unterricht.

    Ein gelangweilter Störer kann einen auch massiv Nerven kosten, ist aber meines Erachtens was anderes als ein Systemsprenger.

    Was eben nur immer wieder auffällt: die Lehkraft tendiert doch Im allgemeinen zum "Früher war alles besser".

    Ist ja auch nicht falsch. Du hast ja selbst beschrieben, wie anders es noch zu deiner Schulzeit war - nichts davon ist schlechter als das, was heute läuft (abgesehen vom Zentralabitur vielleicht, das finde ich vom Ansatz her grundsätzlich richtig).


    Schokozwerg

    Rein interessenshalber: bist du nach deinen ganzen Schulformwechseln zufrieden damit, wo du am Ende herausgekommen bist?

    Du kannst Schüler nicht nur isoliert im Deutschunterricht sprachlich fördern, sondern es muss in der Breite über alle Fächer gestreut sprachsensibler Unterricht stattfinden. Auch in Sachfächern sind fehlende Lese- bzw. Texterschließungskompetenzen und unzureichende Textproduktionsfähigkeiten ein erhebliches Problem, an dem man gezielt arbeiten muss. Dazu braucht es am besten eine entsprechende Fortbildung für das gesamte Kollegium, um Problembewusstsein zu schaffen und Strategien an die Hand zu geben.

    Ich finde es schade. Als hier 2012 die verbindliche Grundschulempfehlung wegfiel und sehr viele Kinder in die Gymnasien strömten, hat das örtliche Gymnasium schon viel abgeschult. Bei meinem Sohn gab es nach Klasse 6 anstatt 5 Parallelklassen nur noch 4.

    Ist es. Wir "durften" seitens des Schulamts als sechszügige Schule immer so 6-8 Kinder abgeben (konkrete Zahlenrichtschnur kam im April, dann war die implizite Erwartungshaltung, es bitte möglichst passend zu machen). Mir fiel beim ersten Mal schwer zu glauben, dass das tatsächlich gelebte Praxis ist und alle mitziehen.

    Bei einer schwerwiegenden Erkrankung, die zeitnahe Behandlung erfordert und wo die Termine bei Spezialisten eben begrenzt sind, ist die Reaktion des sv. SL in meiner Wahrnehmung unangemessen.

    Ganz grundsätzlich hat man aber schon öfters den Eindruck, dass Eltern die Spielräume fragwürdig weit ausreizen. Ich denke da an Kollegen, die während der Unterrichtsszeit Termine beim Kieferorthopäden legen, bei 11jährigen mit Infekt noch mit zu Hause bleiben, angeblich partout keine Betreuung für Konferenzen am späten Nachmittag geregelt kriegen, grundsätzlich nicht zu früh/zu spät arbeiten wollen usw. Wenn man sich als Stundenplaner und Schulleitung ständig mit sowas rumschlagen muss, ist die nächste Extrawurst - wenn auch in diesem Fall wohl gerechtfertigt - vielleicht einfach der berühmte Tropfen, der das Nervenkostüm sprengt. Ich würde es dabei belassen und kein Fass aufmachen, auch wenn man menschlich sicherlich angefasst und enttäuscht ist von so einer Reaktion.

    Der Grundfehler ist, dass heute alles zwanghaft vertreten werden muss. Früher wurden nach Möglichkeit Pläne zusammenschoben, dafür entfielen Randstunden, fertig. Erheblich weniger Vertretungsbedarf.

    Ich finde es nicht richtig, das Niveau in den Klassenarbeiten (und im Unterricht) abzusenken, nur damit ein erquicklicher Durchschnitt herauskommt. Wer sagt denn, dass man das muss? Wer die Anforderungen trotz Förderung nicht erfüllt, hat eine schlechte Note und bei vielen schlechten Noten ist man vermutlich an der falschen Schulform. Dieses Weichspülen führt doch zu den geschenkten Abituren und der nicht vorhandenen Studierfähigkeit.

    100% Zustimmung. Ich hätte mir damals gewünscht, dass die Gesamtheit des Kollegiums diese Auffassung teilt und eben entsprechend bewertet wird. Wenn dann nach der Erprobungsstufe massiv abgeschult werden muss, ist das eben so. So läuft es in der Praxis aber eben nicht. In der Praxis übt das Schulamt Druck aus, weil es keine Schulplätze an anderen Schulformen gibt, die Lokalpresse kritisiert lautstark die Gymnasien, die es sich angeblich zu einfach machen und zu viel abschulen, und die Schulleitungen appellieren an die Kollegien, man möge doch bitte bedenken, dass wir bei sinkenden Schülerzahlen abordnen müssen usw. Dazu kommt noch, dass nicht wenige meiner Kollegen (junges Kollegium, viele dort in der Ecke ausgebildet und nie was anderes gesehen) das Niveau selbst für völlig angemessen und normal hielten.

    Aber mit A13 oder 14 nach Hause gehen.

    Natürlich. Es ist nicht mein Fehler, wenn ich am Einsatzort nicht die Ausgangslage vorfinde, die eigentlich für diese Schulform vorgesehen ist.

    Bei authentischer Notengebung und anspruchsvollen Klassenarbeiten passiert Folgendes: du schreibst dich dumm und dämlich an Förderplänen (insbesondere auch im "Nebenfach"). Ich erinnere mich an ein Jahr mit einer zweistelligen Anzahl Förderpläne + Förderplanelterngespräche + Begleitung dieser ganzen Maßahmen. Du hast Mehrarbeit ohne Ende. Der Effekt ist ziemlich exakt null. Du stellst fest, dass du die Einzige bist, die sich das antut. Da der Rest deiner Kollegen "pragmatischer" arbeitet, wird das Kind am Ende des Jahres trotz deiner authentischen Noten versetzt. Du machst das 2 oder 3 Jahre, bis dir langsam dämmert, dass du idiotischerweise versuchst einen Standard zu halten, den du selbst zwar für richtig und angemessen hältst, für den sich aber außer dir schon längst niemand mehr an dieser Schule interessiert. In Jahr 4 machst du es wie alle anderen und hast ein erheblich schöneres Leben 💁‍♀️

    Die Wahrheit ist, dass in einigen Gegenden schon lange vor den Zuständen kapituliert wird.

    Ähnliche Erfahrungen: ja. Nach 2 leistunggstarken (wie ich damals fand "normalen" Gymnasien) bin ich im Ruhrgebiet gestrandet und bin 7 Jahre lang nicht mit dem absolut unterirdischen Leistungsniveau dort warm geworden. Man hätte nach der Erprobungsstufe eigentlich die Hälfte eines Jahrgangs abschulen müssen, um wieder ein passendes Arbeitslevel herzustellen. Passiert natürlich nicht, statt dessen verlassen Schüler mit okayishen Abiturdurchschnitten die Schule, die keinen geraden Satz formulieren können.

    Im Nachhinein betrachtet: entweder man bemüht sich zeitnah, dort wieder weg zu kommen, oder man arrangiert sich und hält sich vor Augen, dass die Zustände ja systemisch so gewollt sind, wenn angemessene Schulformselektion nicht mehr stattfinden darf/soll. Pragmatischer Ansatz: anspruchsvoller Unterricht für eine angemessene Förderung der Leistungsstarken (mit ein bissi Differenzierung nach unten, klar), aber bilige Klassenarbeiten, um die passenden Notendurchschnitte zu generieren, die das nutzlose Förderplanschreiben nicht notwendig machen.

    Ich verstehe immer noch nicht, wieso man zwingend externe Räumlichkeiten braucht. Die meisten Schulen, die ich kenne, haben eine ausreichend große Aula oder Foyer,was sich mit moderaten Investitionen in Deko und passender Beleuchtung jeweils nett gestalten lässt. Dazu Catering bestellen, fertig.

    Ich finde es schwierig, hier von "Tätern" zu sprechen, denn das impliziert für mich ein intentionales Handeln. Auch wenn sich bestätigt, dass die Kolleginnen fahrlässig gehandelt haben, war es ganz sicher keine Absicht. Ein solcher Unfall darf nicht passieren, ich neige aber immer noch dazu zu denken, dass niemand 100%ig ausschließen kann, mal eine Minute lang nicht jedes Kind explizit nicht im Blick zu haben.

    Mein Mitgefühl haben die Lehrkräfte jedenfalls ebenfalls, trotz aller Fehler.


    Ganz anderer Fall übrigens bei dem in London verstorbenen Kind. Wie man ein Kind, dem es schlecht geht, nicht ein einziges Mal selbst aufsuchen und sich ein Bild über den Zustand machen kann, kann ich nicht nachvollziehen und macht sprachlos.

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