Firelilly hat recht, es ist vollkommen egal, ob man erst die Klassenarbeit erstellt und dann einen passenden Notenschlüssel festlegt, oder ob man einen vorgegebenen Notenschlüssel hat und passende Aufgaben wählt. Man kann in beiden Fällen jedes gewünschte Ergebnis bekommen, wenn man es darauf anlegt.
Aber selbst, wenn die Parallelklassen die gleichen Arbeiten mit dem gleichen Notenschlüssel schreiben, kann das ungerecht sein, weil der Unterricht abhängig von Lehrer und Klasse sicherlich unterschiedlich abgelaufen ist.
Das mit dem unterschiedlich abgelaufenen Unterricht ist selbst bei einem selber so.
Ich kann einen Reaktionsmechanismus abfragen und vorher nur bekannt geben, dass alles zu dem Thema drankommt. Ich kann aber vorher sagen: Lernt auch diesen Reaktionsmechanismus.
Und ich ich kann zusätzlich diesen auch in der Stunde davor nochmal an der Tafel durchsprechen.
In der Klausur wird man unterschiedliche gute Schülerleistungen bekommen, je nachdem wie genau man bekannt gibt, dass der für die Klausur wichtig ist und, wie sehr man ihn vorher übt. Danach passe ich sogar meine Bepunktung an. Bei einem Mechanismus, den ich wenig geübt habe, bin ich großzügiger, wenn SuS den richtigen Ansatz haben, aber es im Detail nicht ganz hinbekommen. Habe ich den explizit eingetrichtert, dann wird auch sehr streng bewertet. Vor allem, wenn ich vorher gesagt habe "Achtet hier auf die Polarisierungen der Atome, die müssen unbedingt angegeben werden". Also man hat sogar über das "Wann gebe ich nur einen halben Fehler, wann einen Ganzen" auch noch Steuerungsmöglichkeiten.
Übrigens gebe ich immer sehr genau bekannt, was dran kommt in der Klausur. Bin da ultra transparent, verlange dafür aber auch viel. Also im Sinne von, ich verlange komplizierte Mechanismen und Rechenwege, gebe aber recht genau an, dass diese drankommen.
Ist einfach eine Typfrage, es gibt auch KuK die nicht so sehr in die Tiefe abfragen, aber die Angabe was dran kommt, eher vage halten.
Achso, und natürlich hat man auch, wenn man einen Reaktionsmechanismus abfragt, die Möglichkeit die Anforderungsbereiche zu variieren. Kommt er mit genau dem Molekül von der Übung dran, ist selbst ein komplizierter Reaktionsmechanismus AFB I (reine Reproduktion, von dem, was ander Tafel stand), wenn auch vielleicht ein anspruchsvoller AFB I.
Verändere ich das Molekül etwas unter Beibehaltung der funktionellen Gruppen wird es (für manche) SuS schwieriger und man könnte von AFB II (Transfer) sprechen, wenn auch, wie ich finde, recht einfachem Transfer. Kannste den Reaktionsmechanismus mit den funktionellen Gruppen, ist es ja fast egal, wie der Rest des Moleküls aussieht.
Tja, und dann kann man noch AFB III daraus machen, wenn man einen ähnlichen Reaktionsmechanismus entwickeln lässt und sich die SuS anhand des gelernten Reaktionsmechanismus in Kombination mit anderen gelernten Gesetzmäßigkeiten den neuen Reaktionsmechanismus herleiten können.
Beispielsweise bei einer auswendig gelernten Kondensationsreaktion mit Wasserabspaltung könnten die SuS in der Klausur auch auf die Chlorwasserstoffabspaltung kommen, wenn man Hinweise zu den Produkten gibt (z.B. Universalindikatorlösung färbt sich bei der Reaktion rot). Das wäre für mich AFB III.
Man hat abseits der prozentualen Verteilung sooooo unendlich viele Möglichkeiten zu steuern und kein Test und keine Klausur wird je objektiv gleichwertig schwer sein. Es geht darum ein eigenes Gefühl zu entwickeln, was man verlangt, dass es für die SuS fair aber anspruchsvoll ist, dass es möglichst viele Kompetenzen abprüft und die Aufgaben so einen gestaffelten SChwierigkeitsgrad über die Anforderungsbereiche haben, dass man möglichst viele Aussagen über Leistungsfähigkeit der SuS bekommt. Das meint vor allem jetzt Klausuren, aber selbst bei einem Test kann man sich extremst viele Gedanken machen, was dieser genau abprüft und wie die Korrelation Vorbereitung im Unterricht / Aufgaben ist.
Da interessieren irgendwelche Prozentpunktevorgaben wirklich an aller letzter Stelle.