Beiträge von Firelilly

    Chlorid-Ion bezeichnet in der Tat das einfach negativ geladene Chlor-Atom, welches durch Elektronenaufnahme entsteht. Das -id ist ein Hinweis auf diese negative Ladung. Unter einem Chlor-Ion würde ich erstmal eine umgangssprachliche Variante davon erwarten. Prinzipiell ist es aber ein Begriff, der auch ein Chlor-Kation zulässt. Diese sind natürlich selten, es benötigt viel Energie die Elektronen von Chlor-Atomen aus der Hülle zu entfernen, im Plasma aber natürlich möglich. Hat aber im Schulkontext so gut wie keine Bedeutung, weswegen ich davon ausgehe, dass mit Chlor-Ion einfach das Chlorid-Anion gemeint ist.

    Der Fehler liegt nicht im System, sondern in deiner Behauptung, es handele sich hier um Mehrarbeit (oder gar "unbezahlte Mehrarbeit in gigantischen Umfang"). Zu den Aufgaben von Lehrkräften gehört - wie hinreichend bekannt sein dürfte - eben nicht nur der eigentliche Unterricht mit Vor- und Nachbereitung, sondern u.a. auch die Mitwirkung bei der Schulentwicklung. Die Heranziehung zu diesen Aufgaben hat auch nichts mit "Unrecht" oder ähnlichen starken Begriffen, wie von dir verwendet, zu tun.

    Dass bei solchen Gelegenheiten einige Kolleginnen und Kollegen von anderen zeitgleichen Aufgaben entbunden werden ("Freisetzung"), steht nicht im Widerspruch dazu und ist immer mal wieder erforderlich. Über das Jahr gemittelt dürfte sich das tatsächlich die Waage halten. Und damit ist nicht gemeint, dass alle mal zu Mehrarbeit herangezogen werden (was wie gesagt sachlich falsch ist), sondern dass die Heranziehung zu weiteren Aufgaben über den Unterricht und dessen Vor- und Nachbereitung bei allen Lehrkräften entsprechend ihrer Teilzeitquote/Vollzeit vergleichbar ist und innerhalb der mittleren vorgegebenen Arbeitszeit zu bewältigen ist.

    Andersherum schadet es überhaupt nicht, die eigene Arbeitszeit zu erfassen, um rechtzeitig Häufungen solcher Aufgaben auf unterrichtsfreien Zeiten anzeigen und ins Gespräch gehen zu können, an welcher Stelle dafür andere Arbeiten kürzer ausfallen sollen.

    Der Fehler liegt sehr wohl im System!

    Angenommen für die Hälfte des Kollegiums (vornehmlich die Vollzeitler) macht man es folgendermaßen:

    4 Wochen vor den Sommerferien fällt bei diesen der Unterricht aus, stattdessen machen sie Schulentwicklung in derselben Zeit.

    Bei der anderen Hälfte des Kollegiums (vornehmlich Teilzeitler) macht man es so:

    4 Wochen der unterrichtsfreien Zeit (kein Urlaub!) in den Sommerferien machen sie Schulentwicklung, die 4 Wochen vor den Ferien unterichten sie stattdessen normal.

    Dann würde es vermutlich mehr auffallen, dass da einige Leute gehörig über den Tisch gezogen werden. Dieses Beispiel ist extrem, aber im Kleinen ist es bei SE-Tagen usw. genau so!

    Natürlich ist es ein Fehler im System, wenn ein Teil der Kollegen damit ruhig gestellt wird, dass "ja auch Unterricht ausfällt", de facto aber einige KuK unbezahlt mehr arbeiten müssen als andere KuK!

    Warum macht man Schulentwicklungstage (Gott bewahre) nicht komplett nach dem Unterricht aller KuK oder in den Ferien?

    Richtig, weil dann alle aufwachen würden und sagen würden, dass das zu viel Belastung ist.

    Stattdessen macht man es ganz perfide: Man lässt dafür einen Tag Unterricht ausfallen, damit immer ein gewisser Teil des Kollegiums Stunden hat die entfallen. Dann schwingt man das Argument "trifft ja jeden einmal" und vor allem "es fällt ja Unterricht dafür weg" (was allein bei Teilzeitlern nicht der Fall ist, überproportionale Belastung) und schon sind alle Schäfchen beruhigt.

    Dasselbe läuft bei uns mit Fachtagen, dafür wird eine Fachschaft am Nachmittag freigestellt vom Unterricht um den Nachmittag wichtige Dinge in der Fachschaft zu machen. Die Hälfte hat vormittags 6 Stunden und muss dann noch den ganzen Nachmittag arbeiten, die andere Hälfte hat morgens wenig und hauptsächlich Nachmittagsunterricht. Trifft jeden mal? Nein, aufgrund des 2. Faches haben manche Kollegen meist nachmittagsunterricht bei uns, die anderen vormittags. Auch hier sind teilzeitler wieder überproportional belastet.

    Ich könnt tausend Beispiele nennen.

    So und nun einmal zu dem von Schulleitungen (so klingst du auch total) oft genanntem Satz "Na, dann muss man seine frei einteilbare Arbeitszeit eben so enteilen, dass man das kompensiert".

    Das Geschrei ist groß, wenn man dann nicht mit auf Klassenfahrt möchte (Dienstpflicht!!!!) oder sagt "Nein, auf den Elternabend gehe ich nicht". Da bleibt doch nur schluderig korrigieren oder nur Filme reinschieben statt "guten Unterricht" vorzubereiten. Und dann streikt die Technik...

    Schludering korrigieren und Unterrichten ist das, was wohl noch am ehesten durchgeht (bei der Schulleitung, alles andere ist ja DIENSTPFLICHT!) um Zeit zu sparen.

    Darf man da vielleicht aber mal darüber nachdenken, in welche Situation man die KuK dadurch bringt? Um die Arbeitszeit wieder reinzuholen muss also schlampig korrigiert werden, der Unterricht dödelig vorbereitet werden. Wem fällt das denn auf die Füße? Der Lehrkraft selber! Wir alle haben auch ein Gesicht zu wahren vor Schülern, Eltern, uns selbst usw. und es macht unglaublich unangenehmes Gefühl, wenn man in diesen Kernbereichen Zeit sparen muss. Die Schüler halten einen für weniger kompetent ("Die zeigt ja nur Dokus") oder ("Die

    macht dauernd Fehler bein Korrigieren") und es kollidiert mit dem eigenen Grundsatz im Lehrerberuf "Ich möchte etwas beibringen", warum viele Lehrer geworden sind.

    Ich finde es pervers, dass man als Schulleitung wie Du, Seph, möchte, dass KuK das erleben müssen! Das möchte niemand erleben und ich finde es ein perfides System, das so darauf ausgelegt ist.

    Was ist das Resultat? Anstatt dort Zeit zu sparen, wird die eigene Freizeit beschnitten und der Dienstherr und Schulleitung Seph freut sich!

    Und dann kommt so jemand wie Du daher, Seph, und tönt da rum und brüstet sich mit "Dann muss man sich die Zeit eben selber einteilen, der Termin ist lange bekannt". Nenn mir mal etwas, wo ich locker die 8 Zeitstunden,

    die ich als Teilzeitlerin (die ich zum Glück nicht bin, aber es gibt ja KuK in Teilzeit) zusätzlich habe, wenn der SE-Tag auf meinem unterrichtsfreien Tag liegt, bei der Vollzeit-Kollegin aber 7 Stunden Unterricht + Vorbereitung ausfallen,

    wieder reinholen kann, ohne, dass ich mein Gesicht verlieren muss? Gleiches gilt aber für Vollzeit-KuK die an dem Tag ausgerechnet mal wenig Stunden hätten.

    Und jetzt auch mal ganz ehrlich: Mit wieviel KuK führst Du nach einem SE-Tag ein Gespräch darüber, wie die einen Ausgleich schaffen könnten?

    Darüber darf man einfach mal nachdenken. Das funktioniert nur, weil

    1) Im Lehrerberuf seit jeher üblich

    2) Keiner richtig darüber nachdenkt und sich das bewusst macht

    3) Es mit Veschleierung und (Psycho-)tricks gearbeitet wird ("trifft jeden Mal", "fällt doch auch Unterricht für aus")

    4) Man ekelhafterweise darauf baut, dass Lehrer/innen so ein großes Schamgefühl haben schlechten Unterricht / Korrekturen zu machen, dass sie lieber doch ihre Freizeit beschneiden als "Ausgleich" für die Stunden.

    Das mag in NRW so sein, Berlin hat z.B. drin stehen, dass "freie Tage" in der Regel nicht auf Konferenz oder sonstige Tage gelegt werden dürfen und ersetzt werden müssen, steht im Frauenförderplan, falls gleich wieder jemand kommt und fragt, wo ich das denn her habe (hatten wir hier schon alles verlinkt und haben sogar Leute aus NRW anerkennen müssen).
    Und wird bei uns im Bezirk auch fast ausnahmslos so gehandhabt, sonst würde nämlich die Frauenvertreterin der ein oder anderen Schulleitung deutlich aufs Dach steigen (hat sie schon getan, bei uns auch).

    Achso und nein, bei uns trifft es nicht jeden Mal, weil immer nur die selben Wochentage genommen werden, weil man keinen Dienstag nimmt, wo DB der Erzieher ist und keinen Donnerstag wo schwimmen ist usw. Da trifft es dann immer die gleichen!
    (Wobei gerade der Dienstag der eh Konferenztag ist und deshalb da kaum einer frei hat, hervorragend geeignet wäre)

    Dann ist Berlin da deutlich fortschrittlicher. Ich bleibe dabei, so, wie es in SLH und anscheinend NRW ist, ist es eine Frechheit und Ausbeutung.

    Ich finde es toll, Susannea, dass es bei euch so etwas gibt.

    2) Die genannten Lehrkräfte haben einen unterrichtsfreien Tag, keinen freien Tag.

    Hast Du mein Beispiel eigentlich gelesen? Der einen Kollegin fallen durch den SE Tag 7 Stunden Unterricht + Vorbereitung weg, die andere Kollegin hat dadurch ca. 5-6 Zeitstunden Mehrarbeit.

    Ich möchte außerhalb der Schule mal den in Teilzeit arbeitenden Arbeitnehmer mal sehen, wie der guckt.

    Chef: "Du arbeitest diese Woche (unbezahlt!) 6 Stunden mehr, weil Du Betriebsentwicklung zusätzlich machst."

    Teilzeitler: "Und wie ist das mit meinem Vollzeitkollegen?"

    Chef:"Der arbeitet genau gleich viel, dem fällt hält seine andere Arbeit aus"

    Teilzeitler:"Aber dann arbeite ich in der Woche ja genauso viel wie ein Vollzeitkollege, bekomme ja aber nur die Hälfte von dem Geld?"

    Chef:"Tja, das trifft jeden Mal"

    anderer Vollzeitler:"Moment, ich habe auch dieses Problem, an dem Tag hätte ich auch eine kurze Schicht. Ich arbeite dadurch nun ca. 4 Stunden mehr in der Woche! Außerdem schaffe ich das durch diesen Tag dann nicht am nächsten Tag alles vorbereitet zu haben, mir fehlt dadurch effektiv Zeit!"

    Chef:"Naja, Du kannst doch am Wochenende vorarbeiten, wenn du das an dem Tag dann nicht mehr schaffst. Oder in der Woche davor machst du einfach unbezahlte Überstunden. Es trifft jeden Mal, dass der Tag Zusatzuarbeit bedeutet. Das machen wir hier im Betrieb so"


    Und so läuft es in der Schule ständig! Also ganz ehrlich, wenn Teilzeitkollegen an ihrem unterrichtsfreien Tag oder Vollzeitler an ihrem kurzen Tag den ganzen Tag arbeiten müssen wegen so eines Termins, und nächsten Tag ihren 7 Stunden Schultatag haben, dann ist eine Aussage "man könne das ja langfristig vorbereiten" eine A****lochaussage. Das kann man nicht anders bezeichnen. Du wird Menschen unbezahlte Mehrarbeit in einem gigantischen Umfang aufgedrückt. Nur, weil dieses Unrecht mal jeden treffen kann (könnte, denn wie Susannea schreibt, es trifft ganz sicher nicht symmetrisch das Kollegium, allein wegen Teilzeit / Vollzeit nicht), ist es nicht gleich kein Unrecht mehr.

    Wie müsste man das machen? Natürlich müsste jedem KuK die Unterrichtsverpflichtung in dieser Woche um dasselbe Maß reduziert werden.
    Und wenn das nicht praktisch machbar ist mit dem Ausfallen, dann eben die Stunden bezahlt oder angerechnet und wann anders ausfallen gelassen werden. Würde man so eine Ungleichbehandlung in einem Unternehmen durchziehen als Unternehmensleitung, da würde der Betriebsrat aber sowas von Sturm laufen! Wie kann das im Lehrerberuf möglich sein. Und viel schlimmer: Wie können hier KuK das auch noch gut heißen? Das könnte ich höchstens von karrieregeilen Schulleitungen nachvollziehen, die eben bereit sind "über Leichen" zu gehen.

    Und sind wir mal ganz ehrlich. Der SE-Tag ist doch nur eines von tausenden Beispielen im Lehrerberuf, wo mit der Arbeitsbelastung von KuK völlig gewissenlos umgegangen wird. Das liegt daran, dass wir pauschal bezahlt werden. Würde man alles abrechnen können, dann würde sich der Dienstherr sehr gut überlegen, was er überhaupt verlangt. Ist es ihm finanziell wert, dass ein Lehrer noch XY zusätzlich macht? Der reicht das nämlich ein.

    Und zack, hätten wir pädagogisches Personal für Pausenaufsichten, Laborgeräte spülen usw.

    Das geht alles nur so billig, weil man mit unserer Arbeits- und Lebenszeit gewissenlos umgeht!

    3) Man kann den Unterricht für den Tag nach einem "Schulentwicklungstag" auch durchaus mal mittel- oder gar langfristig planen. Der Schulentwicklungstag kommt ja nicht urplötzlich, sondern steht im Idealfall im Jahreskalender am Anfang des Schuljahres.

    Von uns werden dagegen 3 Schulstunden (also 5 Zeitstunden) pro Monat unbezahlt verlangt. Kein Wunder, dass in manchen Fächern der Mangel noch größer ist. Bei uns sind gute Referendare abgesprungen, weil sie zu gute Angebote erhalten haben.

    Finde ich auch nach wie vor eine unglaubliche Frechheit, jede Stunde müsste sofort ab der ersten (und zwar nach ordentlichem Satz, nicht dieser Abzockersatz!) Stunde bezahlt werden.

    Da wundert es mich persönlich z.B. nicht, wenn KuK sich die Zeit der unbezahlten Überstunden "wiederholen", sie wird ja schließlich auch gestohlen.

    Das System ist auch einfach pervers!

    Beispiel: Schulentwicklungstag

    Kollegin A: für sie fallen an diesem Tag 7 Schulstunden + Vorbereitung weg, also in Zeitstunden gerechnet bedeutet der SE-Tag keine Mehrarbeit und am nächsten Schultag hat sie 2 Schulstunden, diese bekommt sie nach dem SE-Tag noch halbwegs zeiteffizient vorbereitet.

    Kollegin B: sie hätte an diesem Tag nur 2 Schulstunden, nächsten Tag aber 7 Schulstunden. Für sie ist der SE-Tag extrem viel Mehrarbeit. Bis spät in die Nacht müsste sie sitzen, da sie die Vorbereitung für den nächsten, langen Schultag eigentlich an ihrem kurzen zwei Stunden Tag machen würde.

    Dass Kollegin B sich sehr gut überlegt, ob sie nicht entweder am SE-Tag oder dem danach überlastungskrank ist, ist doch bei so einem System kein Wunder. Wenn es wenigstens bezahlt würde für diejenigen, die an dem Tag wenig Unterrichtsverpflichtung hätten.

    Und das Argument "Es trifft jeden Mal" ist einfach eine Frechheit. Es ist Unrecht, jedes Mal, wenn es einen trifft. Das muss anders geregelt werden. Bei uns müssen sogar KuK an ihrem freien Tag kommen. Da kommt es bei ungünstiger Konstellation vor, dass ein Teilzeitkollege in der Woche mehr arbeitet als ein Vollzeitkollege für die Hälfte des Geldes. Absolut unhaltbar!

    Man stelle sich das in jedem anderen Beruf vor. Jemand im Einzelhandel machen zwei Kolleginnen Teilzeit und jede hat einen Tag pro Woche frei. Nun kommt gerade an dem Tag für Kollegin B eine Lieferung und alle Mitarbeiter/innen müssen kommen um zu helfen. Sie arbeitet unentgeldlich den ganzen Tag beim Auspacken der Lieferung, muss nächsten Tag arbeiten, während Kollegin A ihren freien Tag genießt. Das würde doch niemals durchkommen?!

    Im Lehrerberuf ständig!

    Hast du das? Glaube ich dir nicht. Im Zweifel fällt bei einem Totalausfall der Technik auch der Unterricht aus und das geht nicht zu deinen Lasten sondern zu Lasten der Schülerinnen und Schüler.

    zu 100% fällt Unterricht bei uns bei Technikausfall NICHT aus. Es wird immer verlangt den Unterricht stattfinden zu lassen, immer! Egal wie die Rahmenbedingungen sind.

    Und: Selbst, wenn ich keine voll ausgearbeitete Alternative habe, so bedeutet Technikausfall im mindesten eines: Extrem hohes Stresslevel.In der Folge zieht sich dann meist auch zusätzliche Arbeit nach, man schafft nicht das, was man vor hatte, muss sich für die nächste Stunde überlegen, wie man die Inhalte doch noch nachholt etc.

    Technikausfall geht immer zu lasten der Lehrkaft

    Der Vergleich hinkt...mal abgesehen davon, dass es durchaus Ärzte geben mag, die aus absurden Gründen eine überhöhte Rechnung auszustellen versuchen (ich kenne das bislang nur von einer großen Klinikkette, die auf entsprechenden Hinweis die Rechnung zähneknirschend korrigierte), führen tatsächlich erschwerte Bedingungen zu längeren Behandlungsdauern als üblich, sodass der erhöhte Satz den Verdienstausfall durch weniger behandelbare Patienten oder einen Überstundenausgleich kompensiert. Als Lehrkraft führen erschwerte Bedingungen gerade nicht zu längeren Arbeitszeiten oder gar zu Verdienstausfällen und müssten daher auch nicht gesondert abgerechnet werden. (Fettmarkierung durch Firelilly)

    Moment, als Lehrer immer ein Alternativprogramm vorbereitet zu haben kostet keine zuätzliche Arbeitszeit?

    Die beste Antwort war allerdings, dass man als Lehrkraft damit zu rechnen habe, dass die Technik nicht liefe und man ein Alternativprogramm vorzubereiten habe.

    Wenn eine Klasse besonders schwierig ist und man sich, im Gegensatz zu einer leicht laufenden Klasse, zig Dinge überlegen muss, um den Unterricht darauf anzupassen ist das keine Extra Zeit?

    Wenn problematische Kinder dazu führen, dass man Klassenkonferenzen abhalten muss, die man sonst nicht müsste?
    Wenn Schüler dazu führen, dass man Gespräche mit Eltern, Sozialarbeitern usw. zu führen hat sorgt das nicht für Überstunden?


    Mit diesem Beitrag von Dir, Seph, hast Du ganz deutlich gemacht, dass Du keinen Kontakt mehr zum Unterrichten an der Front hast.
    Es gibt tausend Situationen im Schulalltag, die vergleichbar sind mit verlängerten Behandlungsdauern bei Ärzten!

    Wir haben zwar keinen Verdienstausfall, aber Freizeitausfall. Und das ist genau dasselbe, denn wenn man nicht mehr abrechnen kann, dann schmälert das den Stundenlohn genauso wie bei einem Arzt!

    Nur nehmen das die meisten KuK so hin, weil es ja üblich ist.

    Und wenn es dann offiziell heißt, man kann sich die Arbeitszeit selber einteilen um so etwas auszugleichen... und man das dann macht.... kriegt man einen Anraunzer, wenn man eben schluderig korrigiert, sich nicht im Schulleben engagiert etc.

    Eigentlich müsste wirklich alles abgerechnet werden, jedes Elterngespräch, alles. Diese "Pauschalbezahlung" durch den Dienstherrn ist nur dann sinnvoll aus Lehrersicht, wenn man massiv selber Tätigkeiten kürzt.

    Da das wenige KuK machen und die meisten brav wie die Schafe alle Aufgaben machen, lacht sich der Dienstherr ins Fäustchen und wird einen Teufel tun das System zu ändern.

    Überlegt doch mal, wäre das Beamtensystem zum Vorteil der Arbeitnehmer, dann wäre es schon längst abgeschafft worden!

    Wenigstens ehrlich. Wo die Zeit für die doppelte Vorbereitung herkommen soll, frage ich mich allerdings.

    Wenn Ärzt "erschwerte" Bedingungen haben, z.B. bei einer Magenspiegelung der Patient rülpst (ungelogen!), dann rechnen die 3,5 fachen Satz ab.

    Wenn die Technik ausfällt und ich erschwerte Bedingungen habe, weil ich meinen Unterricht spontan umwerfen und improvisieren muss (ggf. ein Backup haben muss), wie rechne ich das ab? Achso, gar nicht?

    Ich weiß auf jeden Fall, dass meine Mitstudenten, zu denen ich Kontakt habe, weitaus mehr verdienen. (Ich habe zwei fast komplette Diplomstudiengänge, fehlendes hätte ich teilweise direkt anerkennen lassen können oder in einem Semester nachholen können. Ich wollte aber Lehrer werden und natürlich ist längst keine Änderung mehr möglich. Lehramtstudiengänge gab es an meiner Uni nicht, wir waren viel zu wenige.)

    Ja, ist bei mir auch der Fall. Und es wird bei solchen Seiten (siehe ISD Beitrag 509) wird immer der Median angegeben. Das heißt, die besonders erfolgreichen und die unerfolgreichen Vertreter des Berufsstands werden gemittelt. Das heißt wenn man im Beruf XY gut ist, dann verdient man (potentiell) deutlich mehr als die Durchschnittswerte. Da lohnt sich Engagement und Erfolg.

    Das gilt bei Lehrern nicht, da bringt es gar nichts, dass Du ein super Examen hast, täglich sehr gute Arbeit leistest, gute "Kundenbewertungen" hast...

    Wozu also?

    Ich war mal mit einem (Sport)orthopäden zusammen. Laut stepstone hätte er "nur" 8.467 Euro brutto pro Monat verdient, das ist der Median für alle Orthopäden. https://www.stepstone.de/gehalt/Orthopaede-in.html

    Er war da aber deutlich drüber. Zwischen einem engagierten Lehrer, der am Wochenende korrigiert, abends Elterngespräche führt, 24 Stunden Schichten auf Klassenfahrten schiebt, und seiner Arbeitsleistung als Orthopäde konnte ich keinen signifikanten Unterschied sehen. Am Wochenende gingen wir immer in Kiel an den Strand oder waren irgendwo außerhalb Kitesurfen. Er konnte es sich zeitlich leisten viel Sport zu machen und ich musste teilweise eher schauen, dass ich Abiklausuren vorbereitet bekomme (kein Zentral-Abi) etc. und war eher diejenige, die mal sagen musste, ich schaffe es nicht heute.

    Mit meinem Gehalt wäre ich zufrieden, wenn man dafür einzig und allein gutes Unterrichten (+ Elterngespräche) erwarten würde, nichts drüber hinaus.

    Da es anscheinend aber unumgänglich ist da mehr Firlefanz zu wollen, stimmt das Gehalt einfach nicht mehr. Oder man müsste die Pflichtstunden auf unter 20 absenken.

    Dann lieber im ersten Jahr erkennen, daß es nichts wird mit Fachhochschulreife und Studium, abbrechen, eine Lehre anfangen und ggf. nach besagten 5 Jahren nicht nur den Gesellen- sondern sogar den Meisterbrief in der Tasche haben.

    Das halte ich für sehr weise Worte. Bei uns herrscht leider die Mentalität, dass Kinder von der Grundschule erstmal am Gymnasium "ankommen" müssen. Das mag für ganz wenige auch gelten, dass sie sich erstmal daran gewöhnen müssen. Bei den meisten zeigt sich meiner Meinung nach sehr schnell, wer wirklich gymnasial ist, das erkenne sogar ich in Bio. Da schreiben die ja auch Texte oder sie müssen argumentieren mit Informationen aus dem Material oder Hypothesen und Leitfragen aufstellen. Alles natürlich noch auch einfachem Niveau.

    Da müsste man viel rigoroser benoten, aber da werden so viele noch mit Samthandschuhen bewertet (inklusive von mir... man will den überforderten Kids manchmal nicht zusätzlich noch Frust machen durch eine 5 im ersten Schuljahr, dabei müsste man das DRINGEND!!!).

    Je früher desto besser!

    Eigentlich wäre es am besten wieder eine verbindliche Schulartempfehlung in der Grundschule zu vergeben.....

    Ich gebe dir vollumfänglich Recht und war in der Vergangenheit auch deutlich rigoroser. Wenn man allerdings zahlentechnisch um jeden Schüler kämpft, macht das die Sache nicht einfacher.

    Ich tendiere zähneknirschend zur Wiederholung der Klausur. Oder zumindest zu einer ergänzenden schriftlichen Übung, um noch was rauszureißen.

    Bei uns ist es anders herum, es hat sich herumgesprochen, dass man bei uns anscheinend recht leicht Abi bekommt beziehungsweise wir haben echt unglaublich viele junge, engagierte, (über)motivierte, aber fachlich meist maue KuK. Dieses (aufopfernde Über-)Engagement, kombiniert mit eher wenig Anspruch und einer "Auge zu drück Mentalität" zieht SuS in Massen an (wir müssen anbauen), sorgt aber für ein immer schwächeres Klientel.

    Deshalb tendiere ich (fachlich anspruchsvoll, aber fair und auch tendenziell mal ein Auge zudrückend) dazu eher strenger zu werden mit Bewertung und Notenvergabe. Denn es braucht wirklich ein Gegengewicht gegen all die KuK, die ihre Zeit eher in fancy AGs, Schulaktionen usw. stecken und dabei aber leider das fachliche Niveau absenken. Ist ja auch irgendwie klar, beides gewissenhaft zu machen (Unterricht + Außerunterrichtlich) ist einfach zeitlich nicht drin, man kann nur entweder oder, oder eine Mischung wo beides leidet.

    Wenn einem dieser Dorfklüngel so nahe geht, sollte man vielleicht einfach mal die Region wechseln.

    Das ist eigentlich echt ein super Empfehlung. Außerdem bist Du dann (falls Du es hast) auch in einem ganz anderen Tinder-Pool und das ist auch einfach spannend. Pro Region gibt es ja nur eine sehr begrenzte Auswahl wirklich attraktiver Männer und so hat man mal Abwechslung. (Entsprechendes eigenes Aussehen für die gute Auswahl vorausgesetzt) kann das auch mal dein Selbstbewusstsein pushen, ich glaube das wäre für dich auch mal ganz gut.

    Auf jeden Fall wärst Du weg von den Menschen, die dir ans Bein pinkeln wollen.

    An der Uni Basel studieren gar nicht mal so wenige sowas wie Mathe und Informatik. Dass das kaum jemand im Lehramt landet liegt schlicht daran, dass die alle in gut bezahlte Jobs in der Wirtschaft verschwinden. Der Bedarf ist in dem Bereich einfach sehr viel höher als bei den Geisteswissenschaften. Die Studiengang-Verantwortlichen in der Informatik rühren ganz kräftig die Werbetrommel fürs Lehramt. Es gibt ein sehr herziges Projekt zusammen mit den Primarschulen in der Stadt, bei dem Studis als Assistent*innen im Unterricht eingespannt werden. Erfreulich viele meiner jungen (langhaarigen und bärtigen) Mitstudis interessieren sich dafür.

    Hier im Forum wird halt gebetsmühlenartig behauptet, dass man in der Wirtschaft nicht mehr verdienen würde, selbst bezogen auf MINT-Fächer.

    Um bei deinem Beispiel zu bleiben, als studierte Informatiker an eine Schule zu gehen ist geradezu lächerlich absurd.

    Das ist so eine Goldgrube und dann versauert man in der Schule und muss sich vermutlich noch unbezahlt um die EDV zusätzlich an der Schule kümmern, weil man ja "Informatik studiert hat und Ahnung hat".

    Das Problem ist, dass mit dem Unterricht allein eben nicht die "Arbeit erledigt" ist, wie manch ein Kollege oder eine Kollegin glaubt, mit dem/der man so ins Gespräch kommt. Zumindest die ADO in NRW (gültig seit 1979, jede aktive NRW-Lehrkraft konnte also wissen, auf was sie sich einlässt) kennt da schon noch mehr Tätigkeiten.

    Für das Außerunterrichtliche fehlt aber schlicht die Bezahlung / Zeit. Wenn ich meinen Unterricht ordentlich mache, Elterngespräche, Schülergespräche, Konferenzen und all die Dinge, die man eben nicht weglassen kann, dann bin ich zeitlich vollkommen ausgelastet. Selbst Korrekturen müssen in Hochzeiten mal oberflächlicher laufen, damit es hinkommt.

    Es sind (anscheinend?) gegenüber früheren Zeiten so viele neue Aufgaben hinzugekommen, dass die Pflichtstundenzahl nicht (mehr) passend ist.

    Irgendwo muss man dann etwas streichen und werde das sicher nicht bei meiner Freizeit tun!

    Am Ende des Lebens bereuen die meisten Menschen, dass sie zu viel (!) gearbeitet haben, keiner sagt "Ach, hätte ich man mehr gearbeitet und weniger Zeit für mich gehabt". https://www.mementi-urnen.de/ratgeber/was-m…lebens-bereuen/

    Jede Stunde, die ich mir spare etwas für die Schule zu tun ist eine gewonnene Stunde für mich! Und ich arbeite eigentlich immer noch zu viel... das böse schlechte Gewissen, wenn man bei Zeitmangel eigentlich schluderig werden müsste... es aber dann doch zu gewissenhaft macht. Ein ständiger Kampf.

    Mir muss aber niemand erzählen "Ich genieße die Arbeit auch als Lebenszeit". Es mag schlimmere Arbeit geben, ja, aber gegen die Option das Gehalt zu bekommen OHNE Arbeiten zu müssen kommt es einfach nicht an.

    Ergebnis, einen Haufen 6en und ich kann mir jetzt kreativ überlegen, wie ich auf eine versetzungsfähige Endnote komme 😕

    Wenn die sonstige Mitarbeit, verechnet mit der Klausur, nicht zu einer versetzungsfähigen Endnote führt, dann gibst Du vielleicht einfach die nicht versetzungsfähige Endnote?
    Wenn sie nur in Deinem Fach so schwach sind, dann gleichen sie das aus. Vielleicht sind sie aber auch in anderen Fächern so schwach, dann werden sie nicht versetzt. Ich fände es schön da konsequent zu sein. Gelingt mir aber auch nicht immer, auch ich drücke viel zu oft ein Auge zu... und ärgere mich dann doch immer wieder, wie schwach manche in der Oberstufe sind und eigentlich schon viel früher hätten gestoppt werden müssen "Wer hat die denn in die Oberstufe gelassen?" (Ja, teilweise auch mal ich...)

    Zitat

    Nur weil DU dich in jungen Jahren "falsch" entschieden hast, gibt dir das jetzt das Recht, dir einen lauen Lenz zu machen, dich auf deiner Besoldung auszuruhen und dich in Dauerschleife über deine schreckliche Berufswahl zu beschweren?

    Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite. Aber bitte, dann wechsle doch die Seiten. Mal sehen, ob sich deine in jahrelanger Verbitterung gewachsenen Träume von der rosaroten Welt der freien Wirtschaft mit Spitzengehalt erfüllen. Zumindest müssen dann die Jugendlichen nicht mehr unter deiner "mäßigen Arbeit" leiden.

    Auch wenn Du es mir vermutlich nicht glauben wirst, mein Unterricht ist fachlich sehr gut und pädagogisch mindestens gut. Wo ich dran arbeiten könnte ist sicher Methodenvielfalt. Wo es bei mir mangelhaft ist, ist mein Einbringen "in die Schulgemeinsschaft" oder das Übernehmen von Extraufgaben an der Schule. Ich mache guten bis sehr guten Unterricht und komme super mit SuS, aber außer Unterricht versuche ich tatsächlich gar nichts zu machen. Dazu stehe ich aber auch.

    Aber unter meiner Arbeit leiden tun die SuS nicht, da bin ich mir ganz sicher. Meine Profile sind immer sehr voll (es sickert immer durch, wer das nächste Profil übernimmt), ich experimentiere mit denen viel, bereite sie gut aufs Abi vor und und ich habe einen guten Draht zu den SuS. Es studieren viele SuS Medizin und Chemie von meinem letzten Profil, ein paar andere machen Ausbildungen zu CTA und ich bekomme öfter mal eine Mail aus dem Studium mit Dank darüber, gut vorbereitet worden zu sein. Ich bin bei SuS beliebt (auch wenn das kein Indikator für gute Arbeit sein muss, das ist mir klar), vermutlich gerade weil ich meine Fächer mag, aber den Schulzirkus nicht. Selbst in der Unterstufe, die mir eigentlich nicht liegt, sind die SuS sehr positiv auf mich zu sprechen, kommen in der Pause an. So schlimm kann es nicht sein pädagogisch und fachlich bin ich mir sicher, dass ich (weil recht hoher Anspruch, aber auch viel gutes Material und strukturiertes Erklären) Gutes leiste.

    Verbittert bin ich tatsächlich über das Gehalt und den Zirkus, der außerhalb des Unterrichts läuft. Und dazu stehe ich.

    Einen lauen Lenz mache ich was Unterrichtsvorbereitung angeht nicht, da steckt sehr viel Arbeit drin. Wo ich Zeit spare ist alles außerunterrichtliche und alle stupiden Aufgaben. Insgesamt habe ich eher noch das Gefühl zu viel zu arbeiten für die Alimentation. Mir sind vom Land SH schon einige Zehntausend Euro unterschlagen worden. Da müsste ich mittlerweile ein ganzes Jahr frei haben um das irgendwie auszugleichen, so wenig kann man gar nicht arbeiten um das zu kompensieren.

    Ich habe eine Vertretungslehrerstelle ergattert und neben der Freude mischt sich auch viel Angst.

    Ich fühle mich vom Studium her überhaupt nicht auf den jetzigen Weg vorbereitet.

    Eigentlich habe ich gar keine Vorbereitung erhalten, wie ich mit schwierigen Eltern umgehe, was ich in Sachen Krisensituation mache, wenn ein Todesfall auftritt oder wie ich mit schwierigen Schülern umgehe.

    Es wird im Studium einfach nicht vermittelt und ich muss mich auf meine Intuition verlassen.

    Das würde das Lehramtsstudium ja noch weiter zu einem Schmalspurstudium degradieren, wenn man solche Dinge an einer Hochschule vermitteln würde. So etwas hat an einer Uni einfach nichts zu suchen, dass muss ich schon mal ganz klar sagen.
    Im Referendariat "lernt" man zu den von dir angesprochenen Themen etwas, bzw. es wird so getan, als würde man dort so etwas lernen. Im Endeffekt kommen 95% des Umgangs mit solchen Situationen aus dem gewöhnlichen Menschenverstand, die 5% die rein mechanisch / methodisch sind, kann man sich eben durchs Ref. oder Bücher aneignen, machen den Kohl aber auch nicht fett.

    Im Übrigen kann man an Schulen nahezu nichts Effizientes unternehmen, wenn man schwierige Schüler hat. Jegliche, effektive Maßnahme zum Schutz der Lerngruppe vor schwierigen Schülern wird untergeordnet gegenüber dem Recht des schwierigen Schülers auf Beschulung.

    Erstmal musste ich, sorry, herzlich lachen, neidisch auf den Lehrerberuf? Fährst Du mit dem Lambo vor und die denken den hast du dir durch deinen Beruf leisten können? Ich erlebe es unglaublich selten, dass jemand mal neidisch auf den Beruf ist, meistens hört man Mitleid wegen der Arbeitsbedingungen, dem Verhalten der Jugendlichen heutzutage oder dem überschaubaren Gehalt. Einzig und allein auf die Ferien und Arbeitszeiten hört man mal Neid, aber das ist meist sehr unreflektiert und lässt außer acht, dass auch zuhause und in den Ferien gearbeitet wird.

    Aber gut, als Schulbegleitung ist man ja sogar noch weiter unten in der Nahrungskette, das stimmt schon. Die Leute in Deiner Familie scheinen auch nicht gerade erfolgreiche Menchen zu sein.

    Es kommt auf das Umfeld an. Wenn Du eher Mitleid als Neid haben möchtest, umgib dich mehr mit Menschen, die erfolgreicher sind, das ist nicht so schwer. Im Idealfall findest du sogar Menschen, denen dein Beruf egal ist.

    Ich versuche mich mittlerweile nur noch mit Menschen zu umgeben, die nicht raushängen lassen, dass sie einen besseren Beruf haben, selbst wenn dem so ist. Das sollte auch für Familie gelten, die Leute die dich da beneiden kannst du getrost aussortieren.

    Ich will auch mal Fehler machen können, fernab, dass meine Eltern sofort erfahren was ich wie versaut habe. Noch dazu kennen mich alle Kollegen da von klein auf, mit allen Schwächen.

    Ich hab ehrlich Angst vorm Einstieg und weiß nicht, für welche Schule ich mich entscheiden soll?

    Ich wünschte, die hätten mir die Schulentscheidung nicht überlassen, sondern selbst getroffen, aber da ist eben massiv Bedarf da.

    Ist meine Angst normal oder seid ihr alle super selbstsicher in den Schulalltag gestartet?

    Eltern die sich über Fehler ja anscheinend freuen, das ist ganz schön widerlich. Wenn man sich nicht für das Kind freut, wenn es gut läuft, und es nicht aufbaut, wenn es schlecht läuft, dann ist man scheiß Eltern. Punkt.

    Fehler gehören in jedem Beruf dazu. Ich finde gerade im unterbezahlten, arbeitsüberlasteten Lehrerberuf darf man sich Fehler leisten.

    Fachliche Fehler mache ich fast nie (dazu bin ich viel zu gut an der Uni gewesen), Flüchtigkeitsfehler durchaus. Gerade letzte Woche habe ich bei einer Schülerin im Chemie-Profil in ihrem Text etwas überlesen, wofür sie Punkte bekommen hätte. Na klar passiert sowas, ich lese vieles auch nur flüchtig, in Belastunghochzeiten habe ich zu mehr als einem Überfliegen manchmal auch gar keine Zeit oder Lust. Wenn (vereinzelt) dann mal sowas vorkommt, ja man, dann gibt man das zu und sagt "oh, das muss ich überlesen haben, du hast recht" und ändert die Note.

    Was meinst du wieviel Fehler in anderen Berufen passieren. Berufe in denen keine Fehler passieren dürfen bzw. Konsequenzen für die Person haben düren, werden entsprechend anders entlohnt (Fluglotse, Pilot, Chirurg, Manager), zu dieser Gruppe gehören wir aber nicht.

    Du darfst dir da mehr Selbstbewusstsein aneignen, du darfst Fehler machen und unter den Arbeitsbedingungen, die dir an einer Schule aufgedrückt werden, passieren automatisch Fehler. Das ist vom System so gewollt.

    Wenn die wollten, dass man qualitativ gute Arbeit leistet, würden wir nach langem Studium mehr Geld verdienen, weniger Pflichtstunden pro Woche unterrichten und richtig kleine Lerngruppen haben. Die wollen aber eine Massenabfertigung mit ensprechenden Fehlertoleranzen.

    Es tut mir leid, aber dem ist nicht so. Das ist ein Ammenmärchem, das man sich gerne im Lehrerzimmer erzählt.

    So gut wie niemand, der Germanistik, Anglistik, Kunst, Geschichte, Politikwissenschaften, Sport, Musik, Philosophie (Ethik), usw. studiert hat, verdient auch nur annähernd so viel wie eine A13 Lehrkraft. In MINT-Fächern kann das eher der Fall sein. Allerdings hat man da ein paar mehr CreditPoints in seinem Fach gemacht und häufig auch noch einen Dr. Die sind also fachlich nochmal auf einem ganz anderen Level. Dazu kommen häufig projektbezogene Arbeitsverträge. Alle paar Jahre zieht man um fürbirgendwelche Projekte, muss regelmäßig zu Dienstreisen durch die Weltgeschichte reisen und man muss vor allem

    a b l i e f e r n.

    Es fällt sehr schnell auf, ob man fähig ist oder nicht.

    Stimme ich in vielen Punkten zu. Für mich ein klarer Grund, warum man die genannten Fächer (Germanistik usw.) mit A12 bezahlen könnte und die MINT-Fächer mit A14. Dass man mit Kunst / Sport genauso viel verdient wie jemand mit Physik / Mathe ist einfach eine Frechheit. Da braucht man mindestens so ein ARbeitsmodell, dass ersterer Kollege deutlich mehr Stunden unterrichten muss. Naja, Augen auf bei der Fächerwahl, ich würde mit Sicherheit nicht noch einmal Chemie / Bio machen (mal abgesehen davon, dass ich mit Diplom in den Lehrerberuf gegangen bin und dies vermutlich nicht nochmal tun würde).

    Ich stimme dir zu, würde ich nochmal Lehramt machen, dann würde ich Sport als Fach nehmen, macht mir Spaß, ist kein vergleichbarer Korrekturaufwand, Vorbereitungsaufwand, mündliche Prüfungsbelastung wie Chemie / Bio.

    Und ja, als MINTlerin in der Wirtschaft muss man performenen und kriegt dann auch angemessen Geld. Hätte ich statt Referendariat meinen Dr. in Chemie gemacht und wäre zu BASF statt zu einem Gymnasium gegangen, dann hätte ich lockerst mehr verdient (sehe ich ja an ehemaligen Kommilitonen).

    "Hättest ja machen können"

    Ja, habe ich nicht. Aber genau da kommt der Punkt... und da stimme ich dir zu.

    Dafür will ich aber eben auch nicht performen müssen! Für die Bedingungen an der Schule mit dem mäßigen Gehalt, den übrigens ebenfalls nötigen Dienstreisen (aka Klassenfahrt) mit scheiß Bedingungen (nachts Lärm, ganzen Tag Verantwortung, kein teures Hotel etc.) usw. will ich auch einfach nur mäßig viel arbeiten.

    Und das muss legitim sein! Es kann nicht sein, dass an der Schule mau bezahlt wird, dann aber irgendwie erwartet wird, dass die Leute top motiviert sind und performen.

    Entweder man zahlt mir deutlich mehr, oder man akzeptiert eben, dass man eben alles andere als abliefert.

    Das ist aber komischerweise verpönt und das ist eine Frechheit, warum ich mich so oft über das Gehalt aufrege. Die wollen immer Leistung, Leistung, Engagement und das ist total vermessen.

    Aber ich fürchte, wenn man trotzdem (am Schreibtisch arbeitet) geht dennoch ein Kindkranktag verloren.

    Denn wenn du dich selber krank meldest, es dir aber nachmittags oder abends besser geht, so dass du noch was arbeitest, zählt das trotzdem als Kranktag. Arbeit zu Hause zählt nicht, nur ob du in der Schule warst oder nicht.

    Na, damit ist ja dann klar, dass ich weder Aufträge schicken noch sonst etwas arbeiten würde. (Es sei denn ich würde einen Kindkranktag für Arbeit wie Korrigieren nutzen, was sonst eben, wie leider so Vieles in unserem Beruf, liegen bleiben würde).

    Aber das wäre ja noch schöner, man verbraucht einen Kindkranktag und schickt trotzdem Aufträge. Das hätte der Dienstherr wohl gerne haha. Sowas gibt es glaube ich auch fast nur im Lehrerberuf. Wie ich an andere Stelle schon schrieb, manche haben "das System" so verinnerlicht, dass sie solche Ausbeutungen fast wie selbstverständlich machen. Traurig eigentlich, zeigt aber, wie Referendariat, Seminar- und Schulleitungen erfolgreich Gehirnwäsche betreiben (manchmal vielleicht ja nicht einmal bewusst und aus reflektierter Entscheidung, sondern, weil sie auch so im System sozialisiert wurden).

    Was hat denn aus eurer Sicht eine Schulleitung konkret für akzeptierte Möglichkeiten, unwillige und/oder unfähige Kollegen zu einer Verbesserung der Aufgabenumsetzung zu bewegen, ohne gleich den Hammer (Disziplinarverfahren) herauszuholen?

    Dass es unwillige und/oder unfähige Kollegen gibt, bezweifelt ja vermutlich auch genauso niemand wie oben nicht bezweifelt wird, dass es ungeeignete SL gibt.

    Warum sollte es ein Problem sein, dass es unwillige oder unfähige Kolleginnen gibt? Es gibt unfähige und unwillige Ärztinnen, Kassiererinnen, Kellnerinnen, Postbotinnen, Verkäuferinnen usw.

    Solange das Mindeste (Dienst nach Vorschrift) geleistet wird, und davon gibt es in jedem Beruf viele, gibt es doch nichts zu tun.

    Ja, diese Leute werden keine Karriere machen. Ein Koch, der unmotiviert kocht, wird mit Sicherheit kein Sternerrestaurant führen und eine unmotivierte Lehrkraft wird auch bei A13 bleiben. So what?

    Ich sage ja nicht, dass alle so sein sollen. Ich mache auch mehr als das Mindeste (in manchen Bereichen der Schule), aber aus eigener Entscheidung.

    Aber warum sollte es im Lehrerberuf nicht möglich sein unfähig oder unmotiviert zu sein, in anderen Berufen aber schon?

    Gerade in einem Beruf, in dem eben nicht (!) nach Leistung bezahlt wird, denn ich bekomme auch nicht mehr Geld, wenn ich besonders ausführlich korrigiere oder viele Stunden in binnendifferenzierte ABs stecke, sollte es doch völlig legitim zu sein mit wenig Einsatz zu arbeiten.

    Ich halte es so, dass ich nur in den Bereichen, wo ich Spaß (!) dran habe (denn bezahlt werde ich nicht!), mehr mache. Und das sind im Schulbereich sehr wenige. Und das muss absolut fein sein. Wollt ihr mehr, zahlt mir mehr!

    Wenn mir das Land SH erstmal über 30 000 Euro Weihnachtsgeld nachzahlt können wir mal drüber reden, dass man auch "Sondereinsatzbereitschaft" erwarten kann. Ohne Sonderzahlung, ach, danke, nein!

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