Es ist nicht nur eine Frage des Wollens. Die Probleme sind systemimmanent. Wir arbeiten und mit Menschen und können die Arbeiten nicht einfach an eine andere Person übergeben. Die Verkäuferin macht ihre Kasse zu und die nächste macht einfach an gleicher Stelle weiter. Das geht im Unterricht nicht.
Wenn Du Religion an der Sek 1 unterrichtest, kann man sicherlich einen guten Stundenplan basteln. Aber was ist, wenn Du Deutsch in der ersten Klasse unterrichtest? Unterrichtet dann Person A die Klasse Montags und Dienstags, Person B übernimmt Mittwoch und Donnerstags den Unterricht und Freitag kommt Person C?
Wir haben an den Grundschulen einen immensen Teilzeitkräfteanteil. Vielleicht sind 20% Vollzeitkräfte. Wie soll es mit Konferenzen, Ordnungsmaßnahmen, Elterngesprächen, Expertengesprächen funktionieren? Irgendjemand hat immer seinen freien Tag. Dann kannst Du auch Kollegen nicht einfach ersetzen, weil alle nur Teilzeit arbeiten wollen.
Sicherlich muss nicht jede Klasse das gleiche Programm haben. Aber irgendwann werden Eltern und Schüler auch meckern. Und grundsätzlich sollte es doch zu mindestens auch ähnlich sein. Wenn Klasse 3a nur Montags und Dienstags Ausflüge machen kann, weil sonst Frau Müller ihren freie Tage hat, ist das ein Problem. Und wenn wir 80% Teilzeitquote haben, kann man sie auch nicht ersetzen.
Überregionale Veranstaltungen können kaum einzelne Lehrkräfte berücksichtigen. Für bestimmte Fortbildungen muss ich einfach an bestimmten Zeiten präsent sein.
Es gibt einfach unteilbare Aufgaben. Nicht aus Sicht des Arbeitsrechtes sondern aus der Realität heraus. Wenn ich in der Grundschule ein extrem auffälliges Kind habe, ist es vielleicht nur die Klassenlehrkraft, die es wieder einfangen kann. Wenn sich eine Schülerin gerade ihre Lehrkraft anvertraut hat, kann nicht am nächsten Tag Kollege XY kommen und dort weitermachen. Wenn ich Kinder zielgerichtet fördern will, kann man das oft nur schwierig aufteilen.
Alles hängt auch wieder von den Fächern ab. Die Sportlehrkraft wird es eher umsetzen können als jemand der Hauptfächer unterrichtet. Wenn dann Elternsprechtag ist, will mich jedes Elternteil ausführlich sprechen. Dann kann ich nicht sagen, ich habe aber Teilzeit.
Letztlich ist es auch bei Vollzeitkräften nicht anders. Keiner von uns kann sagen, das sind meine 40 Stunden und nur innerhalb dieses Zeitraumes stehe ich zur Verfügung. Wie oft ist man abends in der Schule. Wenn ich sagen würde, dass ich täglich von 8 - 17 Uhr zur Verfügung stehe und außerhalb dieser Zeit nicht, klappt es auch nicht. Schule muss auch mal spontan reagieren. Wenn etwas schlimmes passiert, muss man kurzfristig einen gemeinsam Termin vereinbaren.
Auch ein Notarzt, ein Polizist oder was auch immer, muss damit rechnen. Dafür sind die meisten Lehrkräfte auch verbeamtet.
Letztlich kann man gemeinsam vieles erreichen und gute Kompromisse finden. Aber als Teilzeitlehrkraft muss man auch wissen, dass Teilzeit in unserem Bereich nur schwierig umzusetzen ist und sich oft nicht so lohnt.