Beiträge von WillG

    Das gilt aber theoretisch für alle Bundesländer?

    Das Beamtenstatusgesetz gilt für Landesbeamte aller Bundesländer.
    In der Regel haben Bundesländer noch eigene Beamtengesetze, die die Vorgaben des BeamtStG genauer umsetzen.
    Es lohnt sich, sich mit dem Dienstrecht (Dienstordnung, Schulrecht, Beamtenrecht) zu beschäftigen. So ein Gesetz ist erstaunlich schnell gelesen und verschafft enorm viel Handlungssicherheit und Souveränität.

    So, ich mach jetzt was, was ich eigentlich nicht mache: Ich antworte, ohne alle Beiträge gelesen zu haben, deshalb doppelt es sich vielleicht, dann ist es aber auch nicht schlecht, diese Aussage aus mehreren Mündern zu hören:

    Ich unterrichte Deutsch und Englisch am Gymnasium, habe immer überwiegend Oberstufe.
    Und ja, die Korrekturen sind für mich das Härteste am Job und zumindest für mich hat sich das nicht grundlegend geändert, auch wenn ich natürlich deutlich souveräner und schneller geworden bin. Aber emotional belaten sie mich auch nach 20 Jahren noch.

    Aber:

    • Ich komme nur sehr selten mal über meine Wochenarbeitszeit von 41-46 Stunden (- die 46 Stunden als PI-mal-Daumen Berechnung, um die Ferien jenseits des Urlaubsanspruches weitestgehend frei zu haben).
    • Ich korrigiere in den meisten Herbst-, Weihnachts-, Faschings-, Oster- und Pfingstferien, aber nie (!) die gesamten Ferien und selbstverständlich nie einen ganzen Arbeitstag lang.
    • Man darf nie vergessen, dass Deutsch und Englisch Hauptfächer mit entsprechender Stundenzahl sind. Kollegen mit Nebenfächern haben entpsrechend mehr Lerngruppen und dadurch ihre eigenen Belastungen.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ja, die Belastung ist real. Aber die Entlastungsmöglichkeiten sind es auch. Allerdings muss man halt auch Tipps und Hilfestellungen annehmen und darf nicht einfach alles ablehnen, weil man sich in seinem eigenen Elend suhlt.

    Und jetzt gehe ich zurück an den Schreibtisch, obwohl ich heute schon bis 16.30 Uhr Unterricht hatte. Aber morgen habe ich nur zwei Stunden und da möchte ich danach auch nicht so viel machen. Die freie Zeiteinteiung ist nämlich ebenfalls real.

    Ich kenne mich in RLP nicht aus, aber ganz allgemein:
    Als ich vor vielen, vielen Jahren das Bundesland gewechselt habe, habe ich jeden angeschrieben. Ständig. Zuständiger Dezernent, oder wie auch immer die Aufgabe im jeweiligen Bundesland heißt, in meinem Bundesland und im Zielbundesland. Zuständiger Personalrat in meinem Bundesland und im Zielbundesland. Potentielle Schulen. Dort Schulleiter und Personalräte. Ich habe Beförderungsstellen gesichtet und mich darauf beworben.

    Mit anderen Worten: Ich bin allen so lange auf die Nerven gegangen, bis sie meinen Namen kannten und bis sie sich gedacht haben "Wir versetzen den jetzt, damit er endlich aufhört zu nerven."

    Der Bundeslandwechsel, vor allem über das planstellenneutrale Länderaustauschverfahren, ist so intransparent, dass man meiner Meinung nach mit "nur abwarten" nicht weit kommt.

    (Die Darstellung ist überspitzt formuliert, im Kern aber korrekt.)

    Dienst nach Vorschrift.

    Ich habe mal die interessante Interpretation gelesen, dass "Dienst nach Vorschrift" bedeute, dass man alle Vorschriften haargenau und wortwörtlich einhalte. Da es im Öffentlichen Dienst nicht selten vorkomme, dass unterschiedliche Vorschriften sich gegenseitig widersprächen, führe das automatisch zu einem absoluten Stillstand.

    Ob diese Etymologie korrekt ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist ein interessanter Gedankengang, vor allem wenn man ihn mit exakter Erfassung der Arbeitszeit verbindet und die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften mit einbezieht.

    Mach dir bewusst, in 30 Jahren wirst du im Forum rumhängen und allen erzählen, dass Mitte der 2020er alles noch gut war und dann alles immer schlimmer geworden ist.

    Also genieße jetzt, wie toll jetzt alles im Vergleich gewesen sein wird.

    Das ist auch vollkommen nachvollziehbar. Bisher haben die Personen genau zu diesen Konditionen ja auch gearbeitet und "verschlechtern" sich damit nicht. Nur scheint es hier seltsamerweise eben doch für manche eine Rolle zu spielen, dass sich andere "verbessert" haben.

    Es würde dich nicht stören, wenn Gymnasiallehrer plötzlich alle A15 bekommen, so wie du, ohne dabei aber die Koordinatorenaufgaben zu übernehmen, die du ausführst?

    D.h., wenn ich pünktlich im Klassenzimmer bin, kann ich mir dort erstmal ne Kippe anszünden?
    Vielleicht sind das genau die vier Minuten, die manche Kollegen zu spät kommen, weil sie erst noch fertigrauchen müssen, bevor sie das Schulgelände betreten...

    [Disclaimer: Natürlich nicht ernst gemeint]

    Der §36 BeamtStG (gilt für Landesbeamte aller Bundesländer) spricht in (2) explizit von "Anordnungen", und in (1) dafür, dass Beamte "für die Rechtmäßigkeit ihrer dienstlichen Handlungen die volle persönliche Verantwortung" tragen. Das scheint erstmal dafür zu sprechen, dass hier eine Remonstration rein formal gesehen nicht der richtige Weg ist, denn dem Kollege wird ja nicht angeordnet, die Hausordnung zu ändern oder selbst Insta-Videos aufzunehmen.

    Wie man stattdessen vorgeht, ist im Detail sicherlich bundeslandabhängig, aber in der Regel dürfte es ähnlich sein:
    Ich kenne es so, dass es Aufgabe der Schulleitung ist, Beschlüsse der GeKo auf ihre Rechtsmäßigkeit hin zu prüfen. Kommt die Schulleitung dieser Aufgabe nicht nach, wäre der korrekte Schritt - sofern man es ernst meint - eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der übergeordneten Behörde.

    Ja, das ist der interessante Punkt: wie könnte das anders geschehen? Ich glaube auch nicht, dass die Tatsache angezweifelt wird, aber so wie mit Kollegen umgegangen wird, geht es nicht. Ständig kontrolliert, ständig wird was angemeckert (zu spät, zu wenig vorbereitet, vergessen etc.), aber die ganze Arbeit, die die Leute leisten, wird nicht erwähnt.

    Ich glaube, du hast mich falsch verstanden.
    Ich bin durchaus der Meinung, dass die Einaldung zu einem Gespräch hier die richtige Reaktion ist. Warum so viele Kollegen (nicht unbedingt hier, ich erlebe das auch real) sich hier am Begriff "Dienstgespräch" so aufhängen, erschließt sich mir nicht. Mir ist keine formaljuristische Definition des Begriffs bekannt, die ein Dienstgespräch eng als Disziplinarmaßnahme definiert. Es ist halt ein Gespräch, das dienstlichen Rahmen hat, und durchaus auch disziplinarisch sein kann. Und ja, wenn jemand alle zwei Wochen zu spät kommt, dann ist das angebracht.

    Was ich meinte: Bei mir ist das Bild eines Wilhelm-Busch-artig karikaturhaften "Schulstubenmeister" (8)) entstanden, der mit einer überdimensionierten Taschenuhr an einer Kette in der Eingangshalle wartet, wer zu spät kommt und die Kollegen an Ort und Stelle zur Rede stellt. Das wäre etwas, was ich im Sinne des Schulfriedens anmerken würde - nämlich, ob das auch diskreter geht. Aber, eben, nicht in der Sache an sich, nur in der Art und Weise.

    Also, ich finde mich hier ja selten in der Position, Schulleitungshandeln zu verteidigen, aber dass wir das hier seit acht Seiten immer noch diskutieren, finde ich schon verwunderlich.
    Ja, man kann darüber reden, ob die Art und Weise der Kontrolle und der Kommunikation geglückt ist. Als Personalrat würde ich hier mal mit dem Schulleiter im Sinne der vertrauensvollen Zusammenarbeit darüber reden, wie das wirkt und wie es sich auf das Schulklima auswirkt, dass er seine Rolle als Dienstaufsicht in dieser Art und Weise umsetzt.
    Dass es aber selbstverständlich seine Aufgabe ist, die Einhaltung der Unterrichtszeiten, die Einhaltung der Aufsichtspflicht und das dienstliche Verhalten zu überwachen, kann doch nicht ernsthaft in Frage gestellt werden?

    Das wurde übrigens alles bereits auf der ersten Seite gesagt.

    Ich meine, jetzt mal ehrlich, ganz unabhängig von irgendwelchen Phantasien über glamouröse Karrieren außerhalb des Schuldiensts, in irgendwelchen Forschunglaboren, Lektoraren, Redaktionen, Unternehmensberatungen oder was sonst so in den Köpfen der Kollegen herumspukt, wenn sie unzufrieden sind, muss der Beruf als Lehrer nicht so einseitig sein, wie viele sich ihn schlechtreden - wenn man denn ein wenig offen und kreativ ist.

    Man kann sich im AG-Bereich profilieren, in der Beratung, in der pädagogischen Weiterentwicklung der Schule, in der Verwaltung, in der Schulentwicklung allgemein.
    Man kann sich für Beförderungs- und Funktionsstellen qualifizieren und damit in Richtung Schulleitung gehen. Hier gibt es am Gymnasium sicher mehr Möglichkeiten als an anderen Schulformen, aber Schulleitung gibt es überall.
    Man kann andersherum in die Personalvertretung gehen, als Personalrat oder Gleichstellungsbeauftragte, ggf. auch als Schwerbehindertenbeauftragter.
    Das alles trägt dazu bei, das eigene Arbeitsumfeld aktiv mitzugestalten, es erzeugt Selbstwirksamkeit und damit Berufszufriedenheit.
    Love it, change it or leave it.

    Im Kontext von "leave it": Man kann sich in die Behörde abordnen lassen, in verschiedene Arbeitsgruppen und Kommissionen. Man kann sich an die Uni abordnen lassen oder einfach nur einen Lehrauftrag übernehmen.
    Man kann in den Auslandsschuldienst gehen.

    Ich habe sicherlich einiges vergessen.

    Ja, für viele dieser Optionen muss man sich vorher qualifiziert haben, aber wer sich an der Schule auf das Kerngeschäft konzentriert (- was völlig okay), sollte sich die Frage stellen, ob er das nicht in einem anderen Job auch machen würde - und ob er dann auf Dauer dort glücklicher wäre.

    Abgesehen davon genieße ich es sehr, dass ich meine Zeit überwiegend frei einteilen kann und selten "Zeit absitzen" muss, bis endlich Feierabend ist. Und ich genieße es sehr bewusst, dass ich zwar vieles machen muss, was wenig Mehrwert hat, dass mein Job an sich aber durchaus gesamtgesellschaftliche Relevanz hat.

    Mich trägt derzeit sehr häufig der Gedanke, dass ich immerhin nur weniger als 10% der Stunden einer Woche unmittelbar im Unterricht verbringen muss

    Wenn das der einzige Gedanke wäre, der mich über Wasser hält, hätte ich längst hingeworfen - Pensionsansprüche hin oder her. Dafür wäre mir meine Lebenszeit zu schade.
    Ich bin durchaus der Meinung, dass sich jeder seine Nische schaffen kann. Nicht immer sofort und nicht immer ganz genau zugeschnitten das, was man möchte, aber doch so, dass man Selbstwirksamkeit und damit Berufszufriedenheit erfahren kann.

    Aber klar, der Job ist nicht für jeden - so wie jeder andere Job auch.

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