Beiträge von SchmidtsKatze

    Ja, das Referendariat ist eine absolute Zerreißprobe. Man befindet sich immer in der Doppelrolle des "Lehrerschülers", der zwar vor den Schülern die Kompetenz ist, vor den Kollegen aber die Inkompetenz (nicht, weil man zu dämlich ist, sondern weil man das Handwerk noch nicht beherrscht.)


    Ich habe vieles auch als absolut unnötig empfunden, was von mir zu Beginn verlangt wurde, vor allem das Erstellen von Material, Unterrichten nach "den Vorstellungen der Fachleiterinnen" und so weiter...


    Bis es mir irgendwann wie Schuppen von den Augen fiel: Handwerk muss man von der Pieke auf lernen. In der Industrie braucht man ja auch erstmal einen Gesellenbrief, bevor man einen Meistertitel tragen darf.

    Das Erstellen von Material und Verlaufsplan muss geübt werden und zwar von dir, indem du es selbst tust.

    Und zwar am Anfang muss man erstmal die Standards einüben und das ist eben die "Vorstellung der Fachleiter:innen".

    Was aber hilfreich ist zum Üben, sind die Lehrermaterialien zu deinem Lehrbuch. Die geben schon mal eine Struktur und didaktische Idee vor und sind gute Inspirationsquellen.



    Mein wichtigster Tipp (übrigens auch eine der Maximen, die ich in meinem Klassenzimmer immer aufstelle): Sieh die Kritik als Lernchance!

    Versuche nicht, die Fachleiter:innen als Feinde zu sehen, sondern sieh sie als Coaches, die dich zu einem möglichst sehr guten Lehrer machen wollen. Deswegen kritisieren sie so scharf.


    Richtig. Jeder kann selber mit fertigen Materialien unterrichten

    Dieser Aussage würde ich übrigens nicht zustimmen. Dann müsste man ja kein Ref mehr machen, sondern jeder würde zur Kopierkraft und wäre mit den Verlagsmaterialien vollends bedient.


    Fertiges Material so auszuwählen und anzupassen, dass die individuelle Lerngruppe gut damit lernen kann, ist mMn mindestens genauso schwierig wie Material passgenau zu erstellen, wenn nicht sogar komplizierter.

    Hallo hogwash ,


    ich habe deine Geschichte hier zunächst nur still verfolgt, möchte dir gerne meine Ref-Geschichzte erzählen. Vielleicht kannst du ja daraus etwas ziehen, was dir hilft.


    Ich hatte eine ähnliche Situation wie du, als ich mein Examen um ein Semester verlängern musste. Meine Stunden waren nicht bis ins kleinste Jota geplant und dadurch haperte es an der Durchführung und der anschließenden Reflexion. Meine Impulse waren oft zu offen und führten nicht zum Ziel. Dementsprechend litt die Gesprächsführung.


    Um das Examen gut zu Meistern, habe ich mich Folgendermaßen vorbereitet:


    1. Ich habe mir zu Beginn des Schuljahres schon geplant, was ich in der Examenslehrprobe zeigen werde, sowohl inhaltlich als auch methodisch. So wusste ich direkt zu Beginn des Schuljahres, wo es hingehen sollte.


    2. Ich habe konkret überlegt, was man auf meine Impulse hin sagen oder tun könnte. Daraufhin habe ich die Impulse immer weiter gefeilt und geschliffen, bis sie optimal zu meinen antizipierten Antworten führen würden.


    3. Ich habe es gemacht, wie chilipaprika vorgeschlagen hat: ich bin auf Nr. Sicher gegangen.

    Lieber ein gut funktionierendes Schema F als in der Lehrprobe rumexperimentieren. Das habe ich mit den Schülys immer wieder in den Unterricht eingebaut, so hatten wir alle immer mehr Sicherheit und Routine.


    4. Ich habe reflektieren geübt, was das Zeug hält. So lernte ich superschnell, die Schwachstellen in der Stunde zu erkennen und entsprechend zu überarbeiten.


    Ich habe zudem ein lehrercoaching gemacht.


    Wenn du jetzt reinhaust, kann das was werden🌈

    Aber du musst jetzt starten und langfristig planen

    Wichtige Leute, deren Namen man sich schnell draufschaffen sollte:


    Schulleitung (ist klar)

    Fachachaftsleitungen (kennt die Curricula und hat den Überblick über das Fach an der Schule)

    Fachkolleg:innen (unterrichten sie Parallel oder haben deine Klasse im Jahr davor unterrichtet?)

    Beauftragte:r über die Lehrmittelbücherei (von dem dir die Schulbücher und zusätzliche Materialien besorgen)


    Und die wichtigsten Namen überhaupt:

    Sekretariat und Hausmeister (sie retten dich und wissen immer ziemlich genau über alles Bescheid!)

    Moin,


    ich mache das häufig tatsächlich "zwischen Tür und Angel", auch wenn ich das eher unschön finde.


    Sich nach dem Unterricht zu treffen, ist deswegen meist schwierig, weil die I-Helfer nicht so lange bleiben wollen oder diese Stunden ihnen nicht gezahlt werden.

    Mit einigen habe ich Mailkontakt, das ist dann oft auch ergiebig und sinnvoll.


    Es kommt aber immer ganz auf die I-Helfer an. Je nachdem, ob sie ausgebildete SoPäds nach SGB VIII oder eben SGB XII angestellt sind, ist es oft leichter oder schwieriger, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

    Könnt ihr mir schildern, wie ihr vorgegangen seid? Haben die Schüler selbst im Internet recherchiert oder habt ihr Materialien mitgebracht?

    also, ich habe es tatsächlich so gemacht, dass ich viel Material selbst mitgebracht habe und dann später, als die Schüler ein bisschen orientiert waren im jeweiligen Thema, auch einiges an Freiarbeit mit Recherche im Internet oder wo sie auch als selbst hergestellt haben an Zeug.

    In unserer Spanisch-AG lernt man spanisch und das würde ich als Schülerin auch so erwarten bei dem Namen. 🤷🏼‍♀️

    So ist es mir auch zunächst ergangen. Allerdings sollte kein weiterer Sprachkurs aufgemacht werden, da ich die einzige Spanischlehrerin bin und die AG nur eine Stunde pro Woche lief.

    Also hieß unsere AG aus dem Grund, dass sie genau NICHT ein Sprachkurs sein sollte, auch nicht konkret "Spanisch"-AG, sondern Viva España.


    Ich hatte in den vergangenen zwei Schuljahren eine Spanisch-AG und habe einiges in Verbindung mit Kunst gemacht:


    Frida Kahlo haben wir uns angeschaut und Salvador Dali.


    Außerdem haben wir uns mit der Semana Santa, dem Dia de los Muertos und spanischen Weihnachtstraditionen beschäftigt.


    Gekocht haben wir Tortilla, Tapas und auch mexikanische Küche.


    Und wir haben ein bisschen Touristen-Spanisch gelernt :)

    Hey liebe Amelie444 ,


    ich kann es dir so nachfühlen, wie es dir geht.

    Ich war sowas von im Eimer, jeden Tag unglaublich müde und fühlte mich nicht gut genug und überfordert.


    Fakt war: Ich war nicht so gut organisiert, wie ich es hätte sein müssen und ich hatte nicht die mentale und fachliche Unterstützung, die ich gebraucht hätte.


    Mir hat ein persönliches Coaching unglaublich geholfen. Dadurch konnte ich mich sortieren und wurde in meinen Fähigkeiten gestärkt. Meine Baustellen konnte ich dadurch bis zum Examen weitestgehend abbauen. Ich hab kein Superexamen gemacht (2 er-Schnitt), aber in meiner aktuellen Stelle arbeite ich erfolgreich in Vollzeit, ohne zu viel Stress und mit guter Work-Life-Balance.


    Vielleicht gibt es so etwas ja in deinem Bundesland.


    Viele liebe Grüße und Kopf hoch, bald sind Ferien!!


    SchmidtsKatze

    Kommentar unterm Artikel: "Die Universitäten haben es vorgemacht. Innerhalb eines Semsters wurden alle Vorlesungen auf digital umgestellt. Die Student*innen brauchen nur noch einen Internetzugang und ein Laptop oder Tablet um den Vorlesungen zu folgen. Warum klappt das an den Schulen nicht?"


    Man sieht an dem Kommentar, wieviel Ahnungslosigkeit bei den Lesern bzw. der allg. Bevölkerung herrscht. Viele denken und sagen, die Lehrer seien zu doof, zu alt, zu starrsinnig, zu faul, zu verbeamtet, um Videokonferenzen zu machen oder digitale Tools für den Distanzunterricht zu nutzen.

    Ich lese mir tatsächlich solche Artikel nicht mehr durch und nehme auch so einen Mist nicht als etwas an, das sich auf mich bezieht.

    Solche Frechheiten zu verbreiten, die zum Großteil nichts mit der Realität zu tun haben, ist einfach ne Sauerei allererster Güte.

    Dass ich pro Woche 6 Videokonferenzen plus Korrekturen und Betreuung nebst Dauererreichbarkeit für Schüler, Eltern und Kollegen organisiere, während ich zwei mal pro Woche in der Notbetreuung sitze, muss ich hier wohl keinem erzählen.

    Das Feedback von meinen Schülern und das der Eltern nehme ich gerne ernst und an.

    Alles Andere ist für mich eine mediale Hexenjagd sondergleichen.

    Ich weiß, ich bin leicht spät für diesen Thread :D

    Mein dienstliches Telefon zu Hause wird auch nicht überstrapaziert, tatsächlich hat es sich eingebürgert, dass die Eltern mir vorher eine Mail schreiben und ich Ihnen eine Uhrzeit nenne, zu der ich erreichbar bin.


    Jetzt, in Zeiten des Distanzunterrichts, hat es sich sehr bewährt, denn die Kinder, die ich unterrichte, haben besagte Nummer und wir können sie nutzen, wenn es Probleme mit IServ oder ähnlichem gibt. Die Hemmschwelle, ihre Lehrerin anzurufen, ist eher gering, weil sie wissen, dass nur ich ans Telefon gehe und nicht etwa auch mal mein Mann. Aber zugespammt mit Anrufen werde ich eigentlich nicht.


    Man kann es ja auch einfach abschalten am Wochenende 😊

    Ich denke, dass es die Asynchronität zwischen Stoff erarbeiten, Fragen hierzu stellen und Stoff anwenden ist, die mich hierbei stört. Gerade den Vorbereitungsaufwand finde ich hierbei auf Schüler- und Lehrerseite auffällig hoch.

    Ich habe das Konzept im Referendariat sowohl als Lernende im Modul als auch als Lehrende kennen und lieben gelernt.

    Den Stoff intensiv (mit vorbereitenden Aufgaben, Aufgaben während und nach dem Schauen des Lernvideos bspw.) und im eigenen Tempo zu erarbeiten, halte ich für den größten Vorteil des Flipped Classroom-Konzepts. Auch dass man im Unterricht recht flott ins Üben und Anwenden kommt, ist ebenfalls sehr vorteilhaft m. E. n.


    Für die Lehrkräfte ist es tatsächlich, vor allem, wenn man noch keinen großen Fundus an Lern/Erklärvideos gefunden/erstellt hat, nicht so klein, aber nachhaltig und lohnt sich sehr.

    Der Aufwand für die Kinder ist in Relation zu "normalen" Hausaufgaben in etwa gleich hoch, wenn wir davon ausgehen, die Kinder machen die Hausaufgaben gewissenhaft und ordentlich.


    Von daher würd ich das nicht so kategorisch ablehnen. Ich denke, das ist die Zukunft von Schule, mit viel Anwendung und dadurch lebensnah.

    @Lindbergh das ist sie wohl, aber das haben sich auch keine Lehrer oder Schulleiter ausgedacht. Auch Eltern haben das nicht bestimmt. Das sind tatsächlich die ministerialen Vorgaben, wie der Einstieg zurück in den Präsenzunterricht aussehen wird.


    Ich finde übrigens tatsächlich, dass einige Aspekte des Distanzunterrichts, wie das des Flipped Classrooms, gerne im Präsenzunterricht integriert werden dürfen (auch nach Corona).


    Ich hasse übrigens den Begriff "Homeschooling", weil er suggeriert, dass Eltern und Schüler das Lernen allein organisieren müssen und die Lehrer nichts dazu beitragen.

    Also, so funktioniert das Wechselmodell weder in Niedersachen noch hier in SH.

    Wir mussten die Klassen teilen, um die täglichen Kontakte zu reduzieren. Bei uns ist auch nur ein wochenweiser Wechsel möglich.

    Also ich mache eine Woche Unterricht mit einer Hälfte der Klasse und dann eine Woche Unterricht mit je der anderen Hälfte..Aber das ist noch Zukunftsmusik. Welche Klassen wann zurückkommen dürfen, steht noch nicht fest.

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