Was sagt ihr dazu? Sollte ich doch aufhören oder einfach versuchen, an meinem Anspruch und meiner Unsicherheit zu arbeiten? Ich persönlich kann mir momentan aber gar keinen anderen Job vorstellen.
Back on Teppich:
Nach zwei Jahren kannst du das noch gar nicht beurteilen. Mit der Zeit wächst das Vertrauen und auch die emotionale Unterstützung durch Kolleg*innen. Unterrichtsstoffe wiederholen sich, du wirst "textsicher" und legst dir ein Repertoire an Varianten zu, wie du im Unterricht reagieren kannst. Irgendwann kommst du mit dem Chaos, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest klar: Don't panic!
In der Klasse hast du es mit 20 bis 30 Individuen, je nach Alter auch Hormonbomben und Kids mit unterschiedlicher Lebens- und Beziehungsgeschichten zu tun. Da geschehen auf dem Schulweg, Zuhause, in der Pause oder sonstwo Geschichten, die in das Beziehungsgefüge der Klasse hinein wirken. Und daraus folgt: Du bist nicht schuld. Nimm nichts persönlich. Du wirst eine Gruppe von 20 Individuen nie "im Griff" haben. Dazu gibt es zu viele Unwägbarkeiten, die von außen einwirken.
Wenn Schüler motzig werden, liegt es an deiner Rolle als Lehrkraft, nicht an deiner Person. Starte die Beziehungsarbeit jeden Tag neu und sei nicht nachtragend. Das bedeutet nicht, dass du keine Grenzen setzen musst. Es muss immer klar sein, wer Chef im Ring ist und die Spur weist.
Versuche deine Klassenarbeiten so zu strukturieren, dass sich die Korrektur zügig "abhaken" lässt. Nachdem ich Klassenarbeitshefte abgeschafft hatte und die Arbeiten als kopierte Broschüren konzipiert hatte, war das sowohl zeitlich als auch intellektuell leichter durchzuarbeiten. Broschüre auf den Stapel, dann zunächst alle Tests in Aufgabe 1 und 2 durchkorrigiert, danach Aufgabe 3 and so on. Da fallen dann auch gemeinsame Fehlerstrukturen leichter auf, die im Unterrichtsgespräch aufgegriffen werden müssen. Aufgabe 1 und 2 hatte ich immer im Schwierigkeitsgrad als "Warm-Up" konzipiert, um eine Erfolgszuversicht anzustoßen.
Zitat
Grundsätzlich bekomme ich auch viel positives Feedback von Eltern, SuS, dem Kollegium und der Schulleitung. Ich habe auch eine sehr gute Beziehung zu meinen SuS. Lernziele werden meiner Meinung nach auch erreicht und alle Klassenarbeiten sind bisher gut oder zumindest in Ordnung ausgefallen. Also lernen die Kinder auch was. Neulich hatte ich meine erste Klassenfahrt mit meiner zehnten Klasse und es lief mehr als reibungslos ab. In meinem Gutachten nach dem ersten Jahr von der SL stand nur Positives drin.
Was du machen musst, formulierst du doch selbst. Anscheinend bist du nicht am falschen Platz. Du musst nur noch besser ankommen.
Nachtrag: Den Lohn, das Gehalt, die Besoldung, die Penunze, das Schmerzensgeld, die Aufwandsentschädigung oder wie man das sonst nennen mag, lässt Spielraum, sich als Entschädigung etwas zur Aufheiterung oder zum Stressabbau zu gönnen. Mach.