Beiträge von Valerianus

    Die Schüler haben davon gar nichts, weshalb in NRW z.B. auch geregelt ist, dass "Lernstandserhebungen ein Diagnoseinstrument [sind] und nicht als Klassenarbeit gewertet und nicht benotet [werden]." Die Individualrückmeldungen die es für die Schüler gibt sind eigentlich Unsinn, weil der Test nicht darauf ausgelegt ist (Multiple Choice zur Erfassung individueller Leistung geht schon, nur brauchst du dann keine 25 sondern 250 Aufgaben), aber ich gehe mal davon aus, dass die Eltern das sehr vehement verlangt haben und das Land nicht nein sagen wollte...
    Der Lehrer hat davon im besten Fall eine Bestätigung seiner bisherigen Leistungseinschätzung der Klasse im Vergleich zu anderen Klassen der Schule.
    Die Schule hat eine Einschätzung davon wie gut sie ihre Arbeit im Vergleich zu anderen Schulen des Landes (mit ähnlichen Voraussetzungen - in NRW wird nach Standortfaktoren unterschieden) macht.
    Das Land hat eine Rückmeldung wie die Schulen sich insgesamt und im Vergleich zu anderen Bundesländern machen (die Aufgaben sind ja alle vom IQB und über die Raschmodelle der Pilotierung direkt vergleichbar).

    Moebius: Hast du mal Statistik an der Universität belegt? Ungefähr alles was du da schreibst ist statistisch übler Unsinn. Die Lernstandserhebungen (genauso wie Aufgaben aus PISA, etc.) werden allesamt raschskaliert, wenn du da 15 Aufgaben hättest die alle können und 5 die niemand kann, wären diese nach der ersten Pilotierung raus aus dem Aufgabensatz (der mit deutlich mehr Aufgaben beginnt in der ersten Pilotphase) und Verzerrungen durch Zufallsantworten bei Multiple-Choice mitteln sich bei dem was die Lernstandserhebungen erheben sollen völlig raus. Sie sind für individuelle Schülerrückmeldung schlicht nicht gedacht, sondern sollen Rückmeldung über den Lernstand im Land, an Einzelschulen und im besten Fall noch in Klassen liefern.

    Wenn alle Schüler mit den reinen Übungsaufgaben nach 30 Minuten fertig sind, dann kannst du gerne mal raten welche Schüler in der Lage sind Anwendungsaufgaben lösen zu können und welche nicht (und für die sind dann keine Übungen mehr im Buch). Und nur mal so gefragt: Du glaubst echt, dass Schüler der 6. Klasse die Anwendungsaufgaben die ich da zitiert habe (die sind alle aus diesem einen Kapitel) irgendwie für relevant für ihr eigenes Leben halten?
    Natürlich wollen Schüler wissen wofür sie das alles brauchen und Problemlösen und Modellieren sind tatsächlich wichtige Kompetenzen, die in Mathematik mit am ehesten erworben werden können. Aber ich kann keine Probleme lösen, wenn ich die Grundlagen nicht kann und diese nicht ansatzweise schülergerecht (im Buch) erklärt werden. Natürlich kann ich das als Lehrer schülergerecht erklären und ich kann auch Übungen (oder Anwendungen) nach Wunsch aus dem Ärmel schütteln, aber wozu hab ich dann überhaupt das Schulbuch?

    Beispiel Mathe: Von Wahrscheinlichkeiten und Zufallsexperimenten habe ich (Grundschule 80 bis 84) am Gymnasium erstmals gehört, mittlerweile scheint das Stoff der 4. Klasse zu sein. In einem 2.-Klass-Mathebuch fand ich kürzlich den Begriff "Ungleichungen" als Kapitelüberschrift. Auch davon habe ich vor dem Gymnasium nichts gewusst (und danach zu wenig, aber das gehört hier nicht hin). Aber vielleicht liegt genau hier auch der Hund begraben - dass die Kinder mit Ungleichungen traktiert werden, bevor sie den Begriff halbwegs verstehen.

    Ich habe hier zuhause eine recht brauchbare Sammlung an Mathebüchern, u.a. mit folgenden Sätzen (für die Sek I):
    - Realschule NRW 50er Jahre
    - Gymnasium NRW 50er Jahre
    - Polytechnische Oberschule (DDR) 80er Jahre
    - Gymnasium Bayern 90er Jahre
    - Gymnasium NRW 90er Jahre
    - Gymnasium NRW aktuell diverse Verlage

    Ja, die Schüler behandeln jetzt einige Themengebiete die früher nicht Schulthema gewesen sind, dafür wurden andere (mathematisch weitaus relevantere) Themengebiete ersatzlos gestrichen. Sich darüber zu unterhalten führt also kaum weiter. Um einen Vergleich ziehen zu können, muss man also ein Themengebiet nehmen, dass damals wie heute behandelt wurde und das vor der "Taschenrechnerzeit" liegt, ansonsten sind die Aufgaben nicht realistisch vergleichbar. Nehmen wir also z.B. Addition und Subtraktion von Brüchen

    Ich hab mir gerade das Buch aus der Polytechnischen Oberschule gegriffen, weil die bei mir weit vorne (neben den Realschulbüchern) stehen, da ich die Aufgabenformate und Merksätze darin sehr gerne mag (über den "imperialistischen Klassenfeind" und die "MG-Nester der NVA" muss man bei den Sachaufgaben hinwegsehen). Als Vergleich den aktuellen Lambacher Schweizer daneben:


    Mathematik 5 (POS 80er Jahre) Lambacher Schweizer 6 (Gymnasium heute)
    1 Problematisierungsaufgabe 1 Problematisierungsaufgabe
    1 Beispiel mit Bildern und vollständiger Rechnung 10 Zeilen Text
    1 Beispiel mit Bildern zur eigenständigen Berechnung je ein Bild (Tortenstücke) zur Addition/Subtraktion von Brüchen
    gleichnamig/ungleichnamig
    Merksatz Addition gleichnamiger Brüche Merksatz Brüche addieren und subtrahieren (alles zusammen)
    1 Beispiel mit Bildern und vollständiger Rechnung Erläuterung: Überschlag von Brüchen
    1 Beispiel mit Bildern zur eigenständigen Berechnung 4 Beispiele (in einem Unterpunkt):


    je ein Beispiel zur
    Addition/Subtraktion von Brüchen
    gleichnamig/ungleichnamig
    Merksatz Subtraktion gleichnamiger Brücher 1 Beispiel Überschlag Brüche subtrahieren
    3 Beispiele aus anderen Kontexten


    (Ungleichungen, Variablen, Geometrie)
    8 Aufgaben Rechenübungen,


    die Hälfte davon am Bild (teilweise Aufgaben erst zu finden)
    12 Aufgaben Rechenübungen 10 Aufgaben Anwendung/Textaufgaben/Fehler finden
    7 Aufgaben Anwendung/Textaufgaben 3 Aufgaben


    Anwendung/Begründung/Textaufgaben
    2 Aufgaben Begründung/Vertiefung 1 Aufgabe Wiederholung Einheiten umrechnen
    danach dasselbe (!) für ungleichnamige


    Brüche
    zwischendurch 2x2 Aufgaben mit Lösungen zum Selbsttest


    Links erkenne ich eine klare mathematische Struktur, die Erläuterungsschritte sind zwar sehr kleinschrittig, aber für Schüler selbständig nachvollziehbar, die Aufgaben mit klarem Fokus auf Einübung der Rechenregel, aber auch mir Sachaufgaben und Begründungsaufgaben (allerdings: sehr viel weniger Text, nur sehr kurze und knappe Formulierungen - mathematisch präzise halt). Rechts erkenne ich in der ersten Seite im Besten Fall eine Wiederholung für die Eltern, der Merksatz ist ok, fasst aber vier verschiedene Aufgabentypen in einen Merksatz zusammen, die Aufgaben haben einen Fokus auf Verständnis des Prinzips, die Anwendung steht eher im Hintergrund. Anwendungs- und Begründungsaufgaben haben extrem viel Fließtext, weil kaum mathematische Probleme, sondern "Alltagsprobleme" der Schüler angesprochen werden sollen (wie Zimmer renovieren, Pizzen exakt in Bruchteile aufteilen, Geld der Schultombola aufteilen oder berechnen wie viel Plätze belegt sind, wenn ein Bus zu 2/7 voll ist - all die Dinge über die Sechstklässler halt so nachdenken, wenn sie nicht an die Schule denken)

    Ich kann jetzt nur für NRW sprechen und auch direkt vorweg: Ich halte das keinesfalls für die Schuld der Grundschullehrkräfte, sondern für die der bescheuerten Vorgaben aus dem Schulministerium in NRW.

    1.) Die Lesekompetenz am Gymnasium ist in Ordnung, wenn es um das rein mechanische Lesen geht, aber ich bin entsetzt, wenn ich Kinder mit uneingeschränkter Gymnasialempfehlung bekomme, die die Aufgabenstellungen im Mathebuch nicht verstehen (wenn ich selbst was schreibe, könnte es ja sein, dass ich das zu kompliziert formuliere und es nicht merke...ich empfinde die Anweisungen im Mathebuch schon als nicht kompliziert) und vor einer Aufgabe stehen und nicht anfangen können, weil sie nicht wissen was sie machen sollen oder nur den ersten Halbsatz der Aufgabenstellung lesen, anfangen und alles falsch machen, was man falsch machen kann. Reines Vorlesen klappt problemfrei, sinnentnehmendes Lesen ist eine Vollkatastrophe, wobei es häufig auch an fehlender Frustrationstoleranz oder Faulheit liegt: Meine erste Anforderung bei "Ich versteh das nicht" ist immer "Lies mir die Aufgabenstellung laut vor.", aber das hilft auch nur in der Hälfte der Fälle

    2.) Die Schreibkompetenz ist jenseits von Gut und Böse. Aber wenn man keine Diktate mehr schreibt, Rechtschreibtraining (aka echtes Training im Sinne von vielen, vielen Wiederholungen) als unwichtig ansieht und die Kreativität der Kinder lobt, dafür dass sie irgendeinen Murks geschrieben haben...

    3.) In Mathe fehlt mir auch ein wenig das Training. Zumindest das kleine 1+1 und 1x1 sollte man auswendig können, es spart so viel Zeit bei ungefähr allen schriftlichen Rechenarten...

    Morse: Wenn Angebot und Nachfrage im Lehramt irgendwas regeln würden, würden wie gesagt NaWi-Lehrer an Hauptschulen A16 bekommen müssen und auch die Problematik der fehlenden Physik/Informatik/Latein-Lehrer am Gymnasium wäre sicher leicht zu beenden. Und die Lehrbeauftragten die in deinen Artikeln beschrieben werden sind fast immer Personen die habilitiert sind, keine Professur bekommen haben und nun ihr "venia legendi" nicht verlieren wollen (sonst wäre der Traum von der späten Berufung auf eine Professur nämlich ausgeträumt) und sich dann, das kann man fast echt so sagen "zwangsprostituieren". Das ist wirklich eine Riesensauerei, betrifft aber nicht so unglaublich viele Lehrbeauftragte an Universitäten.

    Warum das Ministerium ein gewisses Interesse daran hat, dass Lehrer die Elternzeit nicht genau zwischen Oster- und Sommerferien legen dürfen, sollte jedem einsichtig sein.

    Diese Abstandsvorschrift gilt jedoch nicht, wenn für den fehlenden Abstand ein Sachgrund vorliegt, insbesondere nicht in den folgenden Fällen:

    a) Für die Mutter in direktem Anschluss an den Mutterschutz
    b) Im Falle der Teilung 12/2, wenn die 2 Monate des zweiten Partners unmittelbar an die 12 Monate des ersten Partners anschließen.
    c) im Falle von zwei verheirateten Lehrern bei einem Tausch wie von euch vorgesehen, weil das fürs Land scheißegal ist und auf b zurückzuführen ist
    d) falls bei späterer Inanspruchnahme der Anspruch auf Elterngeld verfällt (die beiden Dinge sind ja unabhängig voneinander)

    Moment! Das ist keine Begründung des Dienstherrn, sondern Deine Interpretation - oder? Wo begründet der Dienstherr, wie die Gehaltsunterschiede zustande kommen?
    (By the way: promovierte Lehrbeauftragte an der Uni verdienen weniger als Lehrer, trotz höherer Qualifikation.)

    Für einen Lehrauftrag an der Universität ist in der Regel ein abgeschlossenes Universitätsstudium Voraussetzung, d.h. die Bezahlung erfolgt nach E13, außer man bekommt eine der wenigen Stellen als akademischer Rat. Den Lehrauftrag kann man annehmen, ob man nun promoviert hat oder nicht, dadurch ändert sich die Bezahlung nicht. Das ist das Argument von oben mit der Putzfrau...ein Arbeitsplatz im ÖD erfordert einen Fachhochschulabschluss --> gehobener Dienst, unabhängig davon ob der Stelleninhaber eventuell sogar ein Universitätsstudium abgeschlossen hat.

    Sorry, für minimalen Einsatz müsste es natürlich "gegebenes" Ziel sein, auch wenn ich die BWLer nie verstanden habe. Fast niemanden arbeitet nach einem Maximal- oder Minimalprinzip, die meisten Menschen dürften nach Effizienzkriterien agieren, das sollte auch für Unternehmen übertragbar sein, also Ertrag/Einsatz...wo werden die anderen beiden Ziele im Alltag zuverlässig benutzt (Minimalprinzip vielleicht bei Schülern der Klassen 7-9)?

    Das ökonomische Prinzip besagt, dass man bei Knappheit der Güter die eingesetzten Mittel mit dem Ergebnis ins Verhältnis setzt. Wenn ich nur begrenzt Zeit habe und in dieser begrenzten Zeit irgendwie meinen Lebensunterhalt sichern muss (das musste man übrigens auch schon vor Adam Smith), dann erscheint es dienlich, wenn man persönliche Interessen und die Sicherung des Lebensunterhalts verbindet um bei möglichst geringem Mitteleinsatz, ein erwünschtes Ergebnis zu erzielen (Minimalprinzip). Ich finde ökonomische Aspekte für die Lebensplanung nicht völlig sinnlos.

    P.S.: Minimalprinzip nach Rückmeldung von Veronica Mars editiert.

    Warum gehe ich wohl in einem Thread der "Schulfreier Tag möglich?" heißt nicht auf nicht fundierte und sachlich falsche Kapitalismuskritik ein?

    1.) Alle Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen stehen vor Optimierungsproblemen, weil es schlicht nicht möglich ist Freiheit, Gleichheit, Wohlstand, Zufriedenheit, Gesundheit, Freizeit, etc. gleichzeitig zu optimieren. Kernziel der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist die Optimierung des Wohlstandes und es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass dieser Wohlstand bei möglichst vielen Bürgern ankommt (in Deutschland: soziale Marktwirtschaft). Diese Aufgabe erfüllen die kapitalistischen Staaten offensichtlich recht gut, geht es doch ihren ärmsten Bürgern fast immer sogar besser als den oberen 10% von Staaten anderer Wirtschaftsordnungen.

    2.) Selbstverständlich ist es möglich an der Gesellschaft etwas zu ändern, aber zum einen ist das hier der falsche Thread und zum anderen habe ich einen solchen Vorschlag hier nicht gesehen. Ich sehe nur dass Morse zum wiederholten Mal einen Thread völlig zweckentfremdet um Kapitalismuskritik zu äußern (und selbstverständlich gibt es da was zu kritisieren, wie gesagt: Optimierungsproblem).

    Beamte arbeiten immer noch in einem kameralistischen System, deine Gesellschaftskritik in allen Ehren, aber entweder kritisierst du dass dich deine Arbeitsbedingungen unglücklich machen oder dass dich der Zweck deiner Arbeit unglücklich macht, im ersten Fall bist du tatsächlich im System gefangen (aber wie gesagt, in einem kameralistischen System), im zweiten Fall gibt es einfache Abhilfe: Auswanderung in nicht kapitalistische Wirtschaftssysteme. Venezuela soll um die Jahreszeit sehr schön sein und die Leute dort...alle unglaublich zufrieden mit den Lebensbedingungen... :P

    Ich hab vor den Weihnachtsferien die letzten Schüler um 7:00h in der Schule gehabt, allerdings haben die da Mathe und Englisch nachgearbeitet, weil sie im Unterricht zu oft Blödsinn gemacht haben. Putzen muss im letzten Schuljahr gewesen sein, die letzte Nacharbeit für wiederholte Verspätungen (dabei ging es allerdings um wiederholtes "ich wollte nur noch kurz am Kiosk was kaufen" in Klasse 8 nach den Pausen) war irgendwann dieses Schuljahr, ist aber schon länger her. Ich muss allerdings zugeben, dass die Mehrzahl meiner momentanen Schüler und auch Eltern relativ pflegeleicht sind und fast alle Eltern an ihren Kindern Interesse haben. Ohne Unterstützung aus dem Elternhaus kannst du ein Kind auch fünfmal nacharbeiten lassen, wenn dann zuhause nur kommt "ist doch nicht so schlimm gewesen", ist das wenig hilfreich.

    ...ich finde es eher erstaunlich - glaubst du das wirklich, @Valerianus? Also von wegen "dann steht das Kind um 5:00h auf" - das klingt so blauäugig als hätte es @Lehramtsstudent geschrieben, an den Weihnachtsmann glaubst du auch noch? Das kind, das das in so einem Fall "tut", das zeigst du mir mal... denn... die das "täten" provozieren solche Maßnahmen gar nicht erst. Die, denen du diese aufdrücken wollen würdest, zeigen dir bestenfalls nen Vogel, sonstige Reaktionen nach oben offen.Auch dieses "wenn" die Eltern nicht kooperieren... in solchen Fällen überhaupt damit zu rechnen ist schon mehr als blauäugig...
    Ich bin wenn ich das so lese froh, dieses Problem quasi nicht zu haben. Ich habe nicht unbedingt immer zur ersten Stunde, und wenn doch mal jemand zu spät ist, war es bisher wirklich nie "Absicht", und nachvollziehbar.

    @Miss Jones:
    1.) Ich weiß nicht in welchem Jugendgefängnis du wo du unterrichtest, aber das war keine phantastische Wunschvorstellung. Natürlich gibt es Schüler die mehrfach ihrer Ordnungsdienst nicht machen, die einmalig ihren Tisch bemalen oder die regelmäßig zu spät kommen, die ein völlig intaktes Elternhaus haben, in dem die Eltern Sanktionen auch mittragen. Die Sachen hab ich mir nicht ausgedacht, die sind alle passiert. Die Schüler mussten vorher antanzen, die Eltern fanden das mäßig witzig, einer der Schüler musste eine Stunde früher mit dem Bus fahren, weil die Eltern nicht eingesehen haben für ihn auch früher aufzustehen.
    2.) Darüber dass es pädagogisch höchst sinnvoll ist, dass jemand der etwas dreckig macht, als Ausgleich etwas wieder sauber macht müssen wir hoffentlich nicht reden. Dankenswerterweise sieht das die Verwaltungsgerichtsbarkeit genauso. Schüler putzen lassen ist keine Strafarbeit und juristisch völlig einwandfrei (man könnte evtl. darüber reden ob es sinnvoll ist Schüler putzen zu lassen weil sie zu spät kommen, da ist der Zusammenhang etwas schwieriger zu konstruieren). ;)
    3.) Wenn ein Schüler tatsächlich meint, dass er sich an elementare Regeln menschlichen Zusammenlebens fortgesetzt und dauerhaft nicht zu halten hat (denn anders fliegt man kaum von der Schule, außer man verkauft Drogen oder sowas) mit Verlaub, dann braucht er eine Form von Unterstützung für die wir am Gymnasium weder ausgebildet noch zuständig sind.

    Außerdem: Was passiert, wenn die Eltern das Kind im zweiten Fall eben nicht um 6.30 zum Sauber machen an die Schule bringen bzw. dafür sorgen, dass es dort ist? Bei uns herrscht ein gewisser Konkurrenzdruck unter den Schulen, man darf sicher sein, dass die Eltern bei so einer Lage ihre Kinder nicht mehr bei uns anmelden.

    Mal ganz davon abgesehen würde unsere Schulleitung nie so konsequent sein und sich schon gar nicht gegen Eltern stellen. Ich glaube (!) auch, dass früher oder später Eltern gegen solche Maßnahmen juristisch vorgehen würden - mit durchaus wahrscheinlichem Erfolg.

    Bei uns sind die Eltern im Regelfall sehr angetan von Schulen die bei Fehlverhalten Erziehungsmaßnahmen durchsetzt. Bei Ordnungsmaßnahmen sind die betroffenen Eltern zwar üblicher- und verständlicherweise weniger angetan, aber wenn es zu Ordnungsmaßnahmen kommt ist da im Regelfall bereits so viel vorgefallen, dass sich die Trauer im Kollegium da eher im Rahmen hält. Und wenn die Eltern ihr Kind um 7:00h (eigene Erfahrung) nicht bringen, dann bin ich hocherfreut, denn dann steht das Kind um 5:00h auf und fährt mit dem Bus, was die Erfahrung sehr viel einprägsamer gestaltet. Ich weiß dass du meintest, was passiert wenn die Eltern nicht kooperieren...aber das ist auch einfach: Gemeinsames Gespräch mit der Schulleitung und im Zweifel Ordnungsmaßnahmen.

    Das "Um 6:30 Uhr zur Schule kommen und putzen" ist zumindest in NRW nicht mit dem Katalog der Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen vereinbar.
    Wenn das eine meiner Kolleginnen machen würde, würde ich sagen: "Nette Idee. Aber das geht nicht."

    Kl.gr.Frosch

    Der Katalog für Erziehungsmaßnahmen endet in NRW mit "usw.", ich sehe gerade nicht das Problem. Ich hab auch schon Schüler um 7:00h zur Schule kommen lassen um alle Tafeln der Sekundarstufe I zu putzen (vier Wochen am Stück den Tafeldienst nicht ordentlich gemacht, normale Sanktion ist einfach eine Woche länger, aber irgendwann war es mir zu blöd) oder um alle Tische im Klassenraum zu putzen (auf den eigenen Tisch gemalt). Ich sehe da irgendwie das rechtliche Problem nicht, aus dem ich das nicht dürfte...

    @Arbeitszeiten: Ich bin normalerweise sowieso um 7:30 in der Schule (Unterrichtsbeginn 8:00) und ich kann die Zeit nutzen um Noten einzutragen, damit spare ich mir Zeit am Nachmittag ein. Alternativ habe ich auch schon: Tests oder Hefte kontrolliert, Kopien für den Unterricht angefertigt (Aufsichtspflicht heißt ja nicht, dass ich die ganze Zeit daneben stehen muss) oder das Klassenbuch auf Vordermann gebracht um nachher wahlweise Kollegen oder den Klassenbuchdienst an Versäumnisse zu erinnern (und meine eigenen auszugleichen). :)

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