Was war das für eine Persönlichkeit der du vom Lehrerberuf abgeraten hattest?
Also, mir hat ein älterer, sehr menschenfreundlicher und von mir sehr geschätzter Lehrer am Ende der Oberstufe deutlich abgeraten, Lehrerin zu werden. Er hat sich, was mich sehr berührt hat, mehrere originelle Alternativen für mich überlegt, die zu meiner Persönlichkeit, wie er sie damals wahrgenommen hat, besser gepasst haben. Ich konnte sein Bild von mir nachvollziehen, aber ich habe gespürt, dass er dennoch nicht richtig lag. Und tatsächlich bin ich in dem von mir gewählten Beruf von Anfang an und inzwischen seit Jahrzehnten sehr glücklich gewesen.
Ja, klar, es gibt auch eitle, wichtigtuerische, unsensible oder destruktive Leute, aber viele meinen es sicherlich auch gut und sehen manches vielleicht richtig, aber eben immer nur einen Teil der Persönlichkeit. Oft hat man außerdem selbst das deutliche Gefühl, dass man sich entwickeln und in seine Aufgaben hineinwachsen wird. Und schließlich gibt es nicht DIE Lehrerpersönlichkeit. Der eine ist lustig und charmant, die andere strukturiert und klar, der nächste kreativ und originell oder hat ein gutes Verständnis für schwierige Lebenslagen oder die Psychodynamik einer Klasse. Die eine ist charismatisch und kann Jugendliche begeistern, der andere überzeugt fachlich und durch gute Vorbereitung. Ich habe so viele gute Lehrer*innen kennen gelernt, und jede*r von ihnen ist anders. Es gibt ganz verschiedene Wege, von Jugendlichen ernst genommen zu werden und einen guten Kontakt zu ihnen aufzubauen. Zwar ist ein gutes Standing zu haben oder zügig zu entwickeln für Lehrer tatsächlich nötig. Aber ansonsten ist man, vorausgesetzt, man hat Freude an seinen Aufgaben, als genau der, der man ist, für einen Teil der Schüler genau die richtige Antwort (und für die anderen auch keine schlechte). Daher: nur Mut, du bist schon richtig und wirst ganz von allein viel dazulernen.