Beiträge von tibo

    Wir haben täglich in der Schule Situationen, die man sich nicht ausmalen könnte, wenn man nicht irgdendwann mal im Brennpunkt gearbeitet hat. Dort hat man einfach Schüler*innen, die aus Verhältnissen kommen, die man sich vermutlich selbst vorher nicht ausmalen konnte. Hinter jedem Verhalten liegen Gründe und Probleme. Einen Brennpunkt zeichnet dann eben auch besonders aus, dass dort viele dieser Kinder zusammenkommen und das Verhalten sich entsprechend gegenseitig verstärkt bzw. ungünstig aufeinanderprallt. Für die Kinder erfüllt dieses Verhalten immer auch einen Zweck, der meist in Grundbedürfnissen zu finden ist, die nicht erfüllt werden oder wurden. Du wirst diese Symptome und erst Recht nicht die dahinterliegenden Probleme nicht lösen können. Für viele Kinder am Brennpunkt ist das Verhalten normal (und erfüllt für sie wie gesagt einen Zweck). Du solltest dieses Verhalten entsprechend auch nicht auf dich als Person beziehen, denn so meinen Kinder es nicht. Du kannst den Kindern in der Schule im Rahmen der Möglichkeiten andere Wege und eine andere Normalität aufzeigen und anbieten.

    Das ist fordernd und für alle Lehrkräfte dann und wann auch überfordernd, wir sind ja auch nur Menschen*. Da bist du nicht alleine. Wichtig ist, dass man pädagogisch handlungsfähig bleibt. Wir können nur jeden Tag daran arbeiten, dass die Probleme an der Schule etwas aufgefangen werden und die Kinder etwas besser mit herausfordernden Situationen umgehen können. Wir können uns jeden Tag auf die Schulter klopfen, welch anspruchsvolle Profession wir haben, denn sie ist sehr umfangreich. Strukturen, Beziehungsarbeit, Konfliktmanagement und Gruppendynamik sind nur einige komplexe Bereiche, die mir gerade spontan einfallen, die wir jeden Tag bewältigen müssen neben unserer Aufgabe des Lehrens. Das bedeutet aber auch, dass wir ganz viele pädagogische Handlungsmöglichkeiten haben, die wir nutzen können. Du brauchst und solltest also nicht aufgeben, sondern Wege suchen, jeden Tag aufs Neue mit den Kindern daran zu arbeiten. Strukturen etablieren, Beziehungen aufbauen, den Kindern Handlungsweisen zum Umgang mit Konflikten und Gefühlen wir Wut an die Hand geben, das Geschehen in der Schule steuern durch Anpassungen des Systems an die Bedürfnisse der Kinder. Schritt für Schritt und immer im Hinterkopf haben, dass das alles ein langer Weg ist, der nicht am Ende der Grundschulzeit endet. Habe die Grenzen des eigenen Wirkens im Hinterkopf. Das ist auf jeden Fall zu komplex für einen Forenbeitrag und ja auch individuell auf die verschiedenen Fälle bezogen.

    Ich empfehle also auch, dir konkrete Unterstützung vor Ort zu suchen. Der Austausch im Kollegium ist ein erster Schritt und allein für das Teilen des Leids super wertvoll. Ich profitiere immer davon, mir auch die Perspektiven anderer Professionen anzuschauen und mir hat zum Beispiel der Podcast "Systemsprenger" von Menno Baumann sowie seine Bücher "Verstehende Diagnostik in der Pädagogik" und "Systemsprenger in der Schule" geholfen. Ich hatte zuletzt das erste Mal eine Fallberatung durch den schulpsychologischen Dienst und fand dies ebenfalls sehr gewinnbringend. Überleg dir möglichst mit Unterstützung, was du als erstes angehen möchtest, was du realistisch angehen kannst. Die Probleme sind zahlreich, entsprechend sind es auch die Lösungsmöglichkeiten.

    *Das merke ich besonders, wenn meine Grundbedürfnisse mal nicht so wie gewohnt erfüllt sind und ich dann ähnlich emotionsgeladen agiere wie manche Kinder - und dabei sind wir als Lehrkräfte sehr viel privilegierter und ressourcenreicher als die Kinder. Mit der Perspektive fällt mir erst Recht auf, welche Leistungen die Kinder trotz ihrer Päckchen, die sie mit oft wenig Unterstützun tragen müssen, vollbringen. Da erwarten wir generell schon sehr viel von Kindern, habe ich für micht gelernt.

    Wollen wir mal nicht vergessen, dass der ÖRR nicht neutral, sondern der Verfassung verpflichtet ist. Die AfD wurde ja nun anscheinend nur der vorgezogenen Bundestagswahl wegen vom Verfassungsschutz nicht schon als komplett verfassungsfeindlich eingestuft. Entsprechend gäbe es genug Argumente, die AfD bzw. deren Vertreter*innen von Sendungen im ÖRR auszuschließen. Aber stattdessen setzen zu viele Leute auf die längst widerlegte Idee, die AfD könne man ja entzaubern oder Wähler*innen zurückgewinnen, indem man ihre vermeintlichen Themen ernst nehme. Dabei sind populistische Parteien gar nicht an Themen gebunden. Sie können jedes Thema so wenden, dass es sich gegen die demokratischen Institutionen und die demokratischen Parteien richtet, weil ein angeblicher Volkswille von diesen nicht umgesetzt werde. Nein, man muss die AfD als das bekämpfen, was sie ist: verfassungs und demokratiefeindlich. Der ÖRR verpasst es, da mit gutem Beispiel voran zu gehen, aber der ÖRR soll ja auch irgendwie die Gesellschaft widerspiegeln und das macht er in der Hinsicht sehr gut.

    Zu dem Thema finde ich die Beiträge von Dr. Ismail Küpeli immer sehr wertvoll. Er war wohl die letzten Tage auch viel in den deutschen Medien unterwegs, ich verfolge seine Arbeit auf Social Media. Es ist also keineswegs so, dass es die Perspektive nicht auch (im linken Spektrum) gibt.

    Ich habe mir den Test in Mathe angeguckt und finde ihn vor allem vom Umfang her absurd. Manche Aufgabenformate sind auch vollkommen grundschuluntypisch. Da müsste man dann gezielter drauf vorbereiten und das finde ich wiederum ebenso verkehrt, denn die Kinder brauchen nicht noch mehr Stress, die Kolleg:innen nicht noch mehr Arbeit und das Schulsystem braucht nicht noch mehr Selektion.

    Ist das die 100. Studie dazu, ob man Ludwig besser bewertet als Özdemir?

    Tja, wenn wir es nicht schaffen, diese Praxis zu ändern, werden wir weiterhin auf diesen Missstand hingewiesen.

    Dass in unseren Schulen Herkunftseffekte wirksam sind, die Kinder aus armen oder migrantischen Familien benachteiligen, ist seit langem bekannt (siehe Literaturliste). Die Ergebnisse der neuen TIMSS-Studie zeigen, dass dies in den vergangenen Jahren nicht besser geworden ist, im Gegenteil.

    (...)

    Kinder aus der oberen Dienstklasse erhalten von den Lehrer:innen ab gemittelten 526 Kompetenzpunkten eine Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums. Kinder von un- oder angelernten Arbeiter:innen müssen 573 Punkte erreichen, ehe sie diese Empfehlung erhalten, also 47 Punkte, bzw. 8,9 Prozent mehr! Das spiegelt den so genannten „tertiären Herkunftseffekt“ wider, für den die Lehrkräfte verantwortlich sind.

    Ich finde es super, dass du offen für Kritik bist und dich rückversicherst. Du gehst auf die Schüler*innen ein und man merkt, dass dir etwas an ihnen und ihrem Lernerfolg liegt.

    Ich möchte mich außerdem anschließen, dass der Ton und die Art und Weise der Kritik absolut nicht in Ordnung ist. Da kannst du eine Entschuldigung erwarten, die vielleicht nach einem Gespräch der Schülerin mit der SL kommen könnte. Sicher stimmt es auch, dass die Schülerin vermutlich ganz andere Probleme hat, die dahinter stecken und nichts mit dir zu tun haben.

    Der Kurs an sich war eigentlich - trotz schlechterer Noten - insgesamt relativ reflektiert und ehrlich an Möglichkeiten interessiert, sich zu verbessern.

    Wenn du das Thema nochmal im Kurs ansprechen möchtest, würde ich empfehlen, das Positive, das du hier benennst, und die reflektierten Schüler*innen zu betonen. Es ist effektiver gutes Verhalten zu loben als schlechtes Verhalten zu kritisieren.

    Mit einem Diktat kann man messen wie gut oder schlecht das diktierte aufs Papier gebracht werden kann. Was soll das mit Effektivität zu tun haben?

    Tests sind interessanterweise für die Leistungsmessung eigentlich recht ineffektiv, dafür durch den Testeffekt allerdings effektiv für das Lernen.

    Quelle:

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    Dabei sind niedrigschwellige Tests z.B. mit peer-to-peer Feedback und ohne Note als "retrieval practice" besonders empfehlenswert zum Lernen. Entsprechend wird das vermutlich auch für Diktate gelten.

    Verfassungsrechtler sehen Aussicht auf Erfolg für AfD-Verbotsverfahren:

    https://www.spiegel.de/politik/deutsc…ref=re-xx-cp-sh

    Die Strategie, die AfD inhaltlich zu stellen, zu entzaubern oder Inhalte zu übernehmen, ist gescheitert. Es wird Zeit, die verfassungsrechtlichen Lehren aus 1933 in die Tat umzusetzen! Mit einer der modernsten Verfassungen können wir Vorbild im Umgang mit rechtsextremen Parteien sein und beweisen, dass Demokratie wehrhafter ist denn je.

    Ich weiss nicht, an welcher Wahrnehmungsverzerrung man leiden muss um zu behaupten, ZON würde nicht tendentiös links schreiben

    Das hoffe ich nicht behauptet zu haben. Klar ist die Zeit im linksliberalen Spektrum einzuordnen, aber dort gibt es eben keine Anweisungen, eine Partei in den Bundestag zu retten. Außerdem erschien dieser Artikel in der Ausgabe, in der Angela Merkel, eine prägende Figur des konservativen Spektrums, ausführlich zu Wort kommt und Thema ist. Das hat ja auch etwas mit Ausgewogenheit zu tun. Ich hätte bei der Überschrift aber jetzt auch ehrlich ein Label als Kommentar erwartet. Trotzdem ist das kein Vergleich zu dem, was bei Bild, Welt oder Nius abläuft.

    Das ist auch nur deine Meinung.

    Die FDP hat in der Koalition von 12% auf 3% abgebaut, weil 3 von 4 ehemaligen FDP Wählern offensichtlich mit der Arbeit der FDP in der Koalition nicht zufrieden waren (und das ganz sicher nicht, weil die FDP bei Rot-Grünen Projekten auf die Schuldenbremse geschaut hat). Dass diese den Ausstieg positiv bewerten werden, muss man doch auch erkennen können, auch wenn man nicht zu dieser Gruppe gehört. Und dass die es auch nicht negativ sehen werden, wenn der Ausstieg geplant und mit einer Strategie erfolgt ist, sollte doch auch offensichtlich sein. Stattdessen wird so getan, als ob eine große Verschwörung aufgedeckt worden wäre, über die man sich nur empören könne.

    Keine Meinung ist: Die Zeit arbeitet anders als die Springer-Presse nach Grundsätzen des journalistischen Ethos und pusht nicht auf Zuruf des Chefs eine Partei.

    Deine Argumentation nach dem Motto "Das ist halt, was die Menschen wollen" schwächelt wie im US-Wahl-Thread halt an der Stelle, an der man erkennt, dass der Zeitgeist und manche Mehrheiten aktuell eben zunehmend autokratisch, gruppenbezogen menschenfeindlich und / oder schlicht verantwortungslos sind. Aber gut, vielleicht muss ich mir dann einfach denken "Hey klasse, ich kann jetzt höchstens noch darauf hoffen, dass es nach der Wahl eine Regierung aus SPD, Grünen und BSW gibt, weil ein nennenswerter Teil der Linken eben einfach Putin geil findet und Die Linke nicht schon Putin-beeinflusst genug war. Und die Esos bei den Grünen sind sicher ein toller Anschlusspunkt, um die ganzen Corona-Leugner*innen für sich zu überzeugen". Mache ich aber aus Gründen auch nicht.

    Diese Tendenzen kann man übrigens weltweit beobachten, weshalb ich es für sehr falsch halte, dies am vermeintlichen Scheitern der linken oder demokratischen Parteien, die Menschen anzusprechen, festzumachen. An der aktuellen Koalition waren 2/3 der demokratischen Parteien des Bundestags beteiligt und man stärkt die Rechten und schwächt die Demokratie, wenn man ständig so tut, als wären diese alle gleich (unfähig).* Dieses Negieren von Unterschieden passt auch dazu, die Zeit nun ernsthaft mit der Springer-Presse in einen Topf zu schmeißen. Oder zu meinen, es wäre ja das Gleiche, sich auf den Bruch der Koalition vorzubereiten wie den Bruch der Koalition unter Zitaten wie "Die Fressen kann ich nicht mehr sehen" oder Namen wie "Operation D-Day" vorzubereiten. Das sind schräge Verrenkungen, um dieses verantwortungslose und unkollegiale Verhalten zu rechtfertigen - ähnliche Verrenkungen wie im US-Wahl-Thread übrigens.

    Selbst die nun wirklich bürgerlichen Zeitungen wie die FAZ bringen Meinungsstücke dazu heraus, die das Verhalten der FDP scharf kritisieren. Aber gleich erklärt mir jemand bestimmt, warum es vollkommen okay ist, die eigenen Koalitionsmitglieder als "Fressen" zu bezeichnen.


    *

    Festmachen kann man das eher daran - und das ist keine Meinung, sondern das kann ich durch politikwissenschaftliche Untersuchungen belegen - dass demokratische Parteien den falschen Umgang mit den rechtspopulistischen Tendenzen wählen und versuchen, durch Übernehmen dieser Inhalte Wähler*innen zurückzugewinnen. Das ist aber in Deutschland nachweislich nicht erfolgreich.

    Es gibt einen Unterschied zwischen Meinung und Recherche im Journalismus. Die engen Verbindungen Döpfners mit der FDP ist keine Meinung, sondern durch Recherchen nachgewiesen. Die daraus resultierende nicht einmal tendenziöse, sondern Grenzen des Lobbyismus überschreitende Berichterstattung der Springer-Medien über die FDP ist ebenfalls belegbar: https://uebermedien.de/99846/please-s…istian-lindner/

    Das mit Qualitätsmedien wie der Zeit relativierend zu vergleichen, ist abstrus.

    "Dissen" hat nichts mit ernsthaftem Journalismus zu tun. Außer in Meinungsbeiträgen vielleicht. Die dann auch bitte gekennzeichnet sind. Ebenso wie Verbindungen in die Politik bestenfalls offengelegt werden.

    Und es wird gerne vergessen, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen zB die Schuldenbremse befürwortet, was als Verbohrtheit der FDP abgetan wird, entspricht dem Willen der Mehrheit der Bundesbürger.

    Das kann man so pauschal nicht sagen. Investitionen in die öffentliche Infrastruktur können durchaus eine Mehrheit in der Bevölkerung finden: https://www.mdr.de/nachrichten/de…bremse-100.html.

    Ganz davon abgesehen, dass der Tenor in der Wirtschaftswissenschaft anscheinend ist, dass die FDP mit dem Festhalten an der Schuldenbremse der Wirtschaft einen Bärendienst tut. 'Die Wirtschaft' steht auch keineswegs hinter der FDP, sondern schon eher hinter Habeck, der sein Ressort sehr vernünftig und verantwortungsvoll führt.

    Stand jetzt ist die FDP die einzige Ampelpartei, die zumindest ansatzweise vom Ampel-Aus profitiert, sie liegt in den letzten Umfragen zumindest wieder bei 5%.

    Das ist so auch nicht wahr. Die FDP bewegt sich unverändert höchstens bei fünf Prozent. Wenn ich es richtig sehe, hat die FDP lediglich bei Infratest Dimap im Vergleich zu vor dem Koalitionsbruch einen Prozentpunkt gewonnen. Dort haben aber auch die Grünen einen Prozentpunkt gewonnen. Die SPD blieb bei 16 Prozent: https://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm

    Ich bin mal gespannt, wie es bei den nächsten Befragungen aussieht, denn die Enthüllungen über das unverantwortliche und hinterhältige Verhalten der FDP wird ja jetzt erst journalistisch aufgedeckt. Nicht, dass man es sich nicht vorher denken konnte ...

    Aber die FDP wird natürlich weiter gepudert von Springer, Döpfner und Co. Diese Allianz ist ja schon länger aufgedeckt worden. Da sieht man auch wieder, welche Interessen da verfolgt werden und wie perfide dort Geld in Macht umgewandelt wird, um Privilegien weiter auszubauen. Auch hier arbeiten wieder Libertäre und Superreiche Hand in Hand zusammen.

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