Wenn der Schüler dann die Ausbildung nicht schafft, liegt es ja aber nicht an seinem Abschluss. Oder meinst du, er bewirbt sich auf zu schwierige Ausbildungen, weil er denkt, er kann das?
Entschuldigung, dass ich erst jetzt antworte. Am Freitag ist die Situation bei mir dermaßen eskaliert, dass mich meine Kollegen mitten am Schultag nach Hause geschickt haben bevor ich komplett zusammenbreche. Ich habe einfach zu viele dieser Schüler mit außergewöhnlichem Förderbedarf.
Das Problem ist, dass der Schüler bei uns in Vollzeit ist, weil er gar keinen Ausbildungsplatz bekommt. Er schafft es weder eine Bewerbung zu schreiben noch an Ausbildertagen, da kommen die Betriebe zu uns, bauen Stände auf und die Schüler können sich direkt mündlich bewerben, überhaupt zu erscheinen.
Der Mann braucht also wirklich Unterstützung dabei, zu lernen, zu erscheinen, denn dafür kann es ja 1000 Gründe geben, dass das nicht klappt.
Das Problem ist, dass meine Kolleginnen schon mitunter Angst vor ihm haben. Wenn man nur im geringsten Druck ausübt und sei es nur in der Form, dass ihn jemand an die Hand nimmt und zum Ausbilderstand geht, tickt er manchmal aus und das mit 25 Jahren, 1,90m und ca. 100kg. Da höre ich von mehreren Kolleginnen, dass sie nicht mit ihm alleine in einem Raum sitzen wollen, eben weil sie selber Angst haben.
Die Diagnose Autismus gibt es ja auch nur, wenn es Unterstützungsbedarf gibt und Autismus ist nichts, was man wegerziehen oder überwinden kann. Sondern man kann nur schauen, dass mit dem Autisten Strategien entwickelt werden, wie ein gesundes Arbeitsleben trotzdem möglich sein kann. "Man" ist hier aber wohl nicht die Schule, so dass ich nur hoffen kann, dass der Mann die Hilfe bekommt, die er braucht, z.B. in einem Autismus-Zentrum.
Da ist gleich das nächste Problem. Ich weiß zwar von den Eltern, dass er ein Authist ist, aber sie wollen die entsprechenden Atteste uns als Schule nicht vorlegen, weil diese ja ihren Sohn stigmatisieren und damit benachteiligen würden.
Wie gesagt bin ich selber gesundheitlich angeschlagen, weil ich zu viele solcher Pflegefälle zu bearbeiten habe. Entsprechend ziehe ich mich da inzw. auf den Standpunkt zurück: Wenn die Eltern oder der Mann selber entsprechende Atteste nicht liefern will, ist er gesund und auch entsprechend wie ein Gesunder zu behandeln. Dann auch mit allen Konsequenzen.