Wie und wo hat der Beruf eurer Eltern- gleich ob diese nur letztlich Lehrkräfte waren oder nicht- spürbar in eurem Leben ausgewirkt? (Beruf bitte nennen, damit wir möglichst viel zum Mitschmunzeln oder auch Nachdenken bekommen.)
Beruf eigentlich weniger, sondern das, was ich in der Kindheit so mitbekommen habe. Meine Eltern haben beide einen bäuerlichen Hintergrund. So halfen sie oft noch ihren Eltern, wenn bäuerliche Arbeiten anstanden. Meine Eltern hatten ein paar wenige Felder, die sie zuerst um Geld zu sparen und später hobbymäßig - wir hatten große Vorräte von geernteten Sachen - bewirtschafteten. Als Kind war ich bei den Arbeiten auf dem Feld oft dabei und wir spielten, als wir noch jünger waren, z.B. zwischen Rüben, die von den Großeltern in Handarbeit bearbeitet wurden und erfanden die interessantesten Spiele auf einem normalen Acker. Irgendwie hat sich da Fantasie entwickelt, so mein Eindruck. Als wir älter waren, mussten wir allerdings mit aufs eigene Feld helfen, wovor wir uns leider nicht drücken konnten ("Mit aufs Feld müssen" war ein Dauerthema - Ausnahme war, wenn wir rumjammerten, dass wir so viel für die Schule tun müssen), denn das war manchmal ganz schön anstrengend. Man sagt mir viel Durchhaltevermögen nach. Vielleicht habe ich es hier gelernt?
Meine Mutter hatte z.B. die Fähigkeit, banale Sachen, Wanderungen und vieles spannend zu machen. Ich habe mich z.B. gefreut, dass wir bei einem Picknick an einen idyllischen Ort eine Dose (die gab's bei uns nie) auf dem Spirituskocher erwärmt haben. Ich rieche jetzt noch den Spiritus, so hat sich das bei mir eingeprägt. (Sarek hat mich bei seiner Schilderung daran erinnert.)
Als Lehrerin zeigte sich oft mein besonderer Bezug zur erlebten Natur und dem bäuerlichen Leben. Wenn z.B. in der Schule die Jahreszeiten anstanden, erinnerte ich mich besonders an die Erlebnisse auf dem Bauernhof und in der Kindheit. Gerade Grundschullieder- und Lesetexte erinnerten mich daran. Meine Naturverbundenheit nahm in der Kindheit den Anfang.
Gewisse Charaktereigenschaften von meinem Vater finde ich schon mir. Nach einer Drogerie -Lehre schulte er um (das müssen so 2-3 Jahre gewesen sein) und war dann schlussendlich Beamter in einem Amt. Sein privates Schriftwesen hielt er im wahrsten Sinne des Wortes gut in Ordnung. Er hatte nämlich viele Ordner. Diese Art von Ordnung ist bei mir dasselbe und auch bei meinen Schülern war mir Ordnung und Übersicht nicht gleichgültig.
Mein Vater war zusätzlich noch Hobbymusiker und förderte bei meinen Geschwistern und mir die musikalische Ausbildung. Das hat mich ganz schön geprägt, denn ich habe Musik als Fach studiert. Das Üben war als Kind manchmal lästig, aber jetzt finde ich es toll, dass ich so aus dem FF Musik machen kann.
Meine Eltern wollten mich übrigens trotz guter Noten in der Grundschule auf Anraten meines Klavierlehrers, der Realschullehrer war (ich war nicht immer die fleißigste Klavierschülerin), auf die Realschule schicken, denn ein Mädchen heiratet so oder so.
Ich bin meiner Grundschullehrerin sehr dankbar, dass sie sich für mich eingesetzt hat, damit ich aufs Gymnasium komme. Mein Vater sagte zu mir - seine Worte höre ich jetzt noch: "Ich kann dir höchstens in der 5. oder 6. Klasse helfen, mache mir später keine Vorwürfe." Er hat meine Aufsätze mit seinem Beamtendeutsch korrigiert, denn ich hatte einige Schwierigkeiten im Ausdruck, weil wir Dialekt sprachen und ich das Hochdeutsche nur aus Büchern und aus der Schule kannte. Das Fernsehen steckte noch in seinen Anfängen. Meine Mutter hat mir aber auch geholfen, obwohl sie nur die Hauptschule gemacht hat. Sie hat mit mir als erstem Kind aufgehört in einer Fabrik zu arbeiten. Man konnte immer zu ihr kommen und sich abhören lassen. Lerntechniken waren ja damals noch nicht so bekannt.
Meine Mutter war sozial eingestellt (sie half in der Kirchengemeinde mit) und hasste Streit und Auseinandersetzungen. Sie wollte mit allen Nachbarn gut auskommen und hat alle Versuche, die in Richtung Missgunst und Streit gingen, abgewiegelt. Natürlich ist sie, als wir Jugendliche waren, um Auseinandersetzungen mit uns nicht herumgekommen, denn da hatten wir unseren eigenen Kopf.
Die soziale Ader habe ich wahrscheinlich durch sie mitbekommen und Streits zettele ich auch nicht unbedingt an.
Kindheit und Eltern haben mich geprägt, es gibt Ähnliches, aber auch Verschiedenes. Man entwickelt sich weiter, trifft Menschen, die einem wieder neue Impulse geben usw. Man bleibt nicht stehen. Außerdem entdecke ich Dinge an mir, wo ich keine Ahnung habe, wo das herkommt (von früher).