Als Mitglied der CDU halte ich die AfD für eine Partei, die nicht mehr vollständig auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Das muss ich als dem Grundgesetz verpflichteter Beamter zumindest benennen dürfen. Da meine Schüler:innen in Mehrzahl eh Repressalien von dieser Partei (bzw. ihren Anhängern) zu befürchten hätten, sehe ich es als wenig problematisch an, da klare Position zu beziehen. Was übrigens den Beutelsbacher Konsens in keiner Weise betrifft, der bezieht sich auf ein Überwältigungsverbot, nicht auf ein Neutralitätsgebot. Auch "Kontroversität" oder "Schülerorientierung" verbietet dem Lehrer nicht, eine eigene politische Position zu vertreten.
Ich zitiere:
"Selbstverständlich sind Lehrkräfte zuallererst dazu verpflichtet, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und damit die Werte des Grundgesetzes und der Landesverfassung einzutreten. Zudem haben sie die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler im Geiste der Demokratie, Menschenwürde und Gleichberechtigung zu erziehen."
"Dasselbe gilt auch für politische Parteien, die Antisemiten in ihren Reihen dulden, erkennbare personelle Überlappungen in die rechtsradikale und rechtsextremistische Szene aufweisen und deren Abgeordnete bei Demonstrationen mitlaufen, bei denen offen der unter Strafe stehende Hitler-Gruß gezeigt wird."
https://www.lpb-bw.de/beutelsbacher-konsens/
Spannend, dass Politiklehrer den Konsens offenbar falsch verstehen. Passt aber zu folgendem Satz aus dem Wikipedia-Artikel:
"In Untersuchungen unter Politiklehrkräften zeigt sich zudem, dass diese den Beutelsbacher Konsens vielfach als Neutralitätsgebot missverstehen und fälschlicherweise davon ausgehen, dass der Beutelsbacher Konsens sie zur gleichberechtigten Darstellung extremistischer Positionen im Unterricht verpflichte."
Quelle laut Wikipedia: Monika Oberle, Sven Ivens, Johanna Leunig: Grenzenlose Toleranz? Lehrervorstellungen zum Beutelsbacher Konsens und dem Umgang mit Extremismus im Unterricht. In: Laura Möllers, Sabine Manzel (Hrsg.): Populismus und politische Bildung (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Politikdidaktik und Politische Jugend- und Erwachsenenbildung). Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-7344-0680-5, S. 53–61.