Es überrascht mich positiv, dass Du tatsächlich die Studien angesehen hast. Es handelt sich um die weiterführenden Literaturangaben der Seite der britischen NHS zum Phänomen long covid.
Bei der Qualität der Literatur hätte ich eher nicht auf den NHS oder irgendeine andere professionelle Einrichtung getippt.
ZitatEs gibt zu Longcovid allerlei Ergebnisse und bei Zeit.de wurde heute die Einschätzung von ca. 30% Betroffenen verbreitet. Leider habe ich dort keine Primärquelle gefunden.
Wie sooft in den Medien hat vermutlich ein Autor die eine Quelle oben gesehen, in der von 30% die Rede ist und das so widergegeben. Ist aber nur eine Vermutung.
ZitatStattdessen hier eine Studie, die deiner Fragestellung entgegen kommen dürfte:
https://www.medrxiv.org/content/10.110…2555v1.full.pdf
Aus einer Gruppe von 200 Jungen, low-risk Patienten wiesen 70% nach Ende der akuten Infektionsphase nachweisbare Organ- oder Multiorganschäden auf.
Die Studie sagt, dass 70% der Personen, die nach offiziellem Ende der Infektion noch Symptome hatten auch nachweisliche Organschädigungen hatten. Das ist auf jeden Fall relevant, beantwortet aber meine Frage nicht. Diese lautet immer noch: Wie groß ist der Anteil derjenigen mit längerfristigen Einschränkungen nach der Infektion, an allen Infizierten? Vielleicht noch besser, mit messbaren Schädigungen.
ZitatEine italienische Studie zu vormals hospitalisierten Patienten ergab, dass immerhin 87% nach 2 Monaten noch über relevante Symptome klagten.
Die hatten mer oben schon.
ZitatAufgrund der unsicheren Dunkelziffer ist schwer zu sagen, wieviele Leute das wirklich betrifft. Jedenfalls hat heute auch die Gesellschaft für Virologe eindringlich vor Verharmlosung gewarnt und dabei ausdrücklich in ihrer Stellungnahme auf Long Covid verwiesen. Mir sind auch persönlich einige Fälle von Long Covid bekannt.
Es würde mir ja schon reichen, wenn es belastbare Aussagen über die nachweislich infizierten gäbe.
Dass Virologen da gebiast sind und überall Infektionsfolgen sehen, wundert mich nicht. Nachweise, insbesondere über nicht-hospitalisierte Infizierte, fehlen aber noch.
ZitatMir ist bewusst, dass wir einigermaßen im Dunkeln tappen (noch) wie hoch der Prozentsätze derjenigen ist, die Spätfolgen erleiden. Sicher kann aber gesagt werden, dass potentiell massive Schäden an diversen Organsystemen dokumentiert wurden. Diese können auch bei leichten Verläufen und Gesunden auftreten. Der Anteil der Betroffenen ist mindestens substanziell, nach oben potentiell noch offen.
Allesmögliche kann massive Schäden verursachen, das nennt sich Leben. Deshalb ist es durchaus relevant, von welchen Größenordnungne hier gesprochen wird.
Die Anzahl der Verkehrstoten ist theoretisch auch nach oben offen. Praktisch, nunja.
ZitatOhnehin müssen wir das Virus so gut es geht bekämpfen, allein weil eine Dauerhafte natürliche Immunisierung höchst fraglich erscheint und eine Herdenimmunität dementsprechend eine Chimäre ist. Was bleibt uns also anderes über, als den Weg von Taiwan und Co einzuschlagen?
Die Influenza kommt auch jedes Jahr in diversen Mutationen zurück, mal gefährlicher, mal weniger gefährlich. Auch für Covid-19 und seine Stämme wird es aller Wahrscheinlichkeit nach einen Impfstoff geben, der zumindest temporär schützt und regelmäßig erneuert werden muss. Ob es zu echten Reinfektionen kam, die Infektionen einfach noch mal aufgelebt sind oder ob die Infektion durch andere Stämme erfolgt ist, ist auch noch nicht nachgewiesen. Was uns anderes übrig bleibt ist, Covid besser zu verstehen und uns damit zu arrangien, dass es jetzt eben da ist.