Beiträge von Conni

    Was ich vorhin vergaß: Es wird ja nun Abhilfe geschaffen (siehe verlinkter Artikel):
    - zusätzlich zu VERA gibt es nun jährliche Tests,
    - mehr Fortbildungen für Lehrer, damit diese endlich ausgelastet sind,
    - mehr Fortbildungen für Quereinsteiger, denn man hat festgestellt, dass diese mehr didaktische und pädagogische Grundlagen benötigen,
    - Respekt-Teams aus Sozialarbeitern an Problemschulen, (Es gibt dort schon Sozialarbeiter und auch Gewaltpräventionsbeauftragte sowie Tridems, die hießen nur bisher nicht Respekt-Teams.)
    - eine zusätzliche Deutschstunde in den unteren Klassenstufen. Die dafür nötigen 200 Stellen werden aus dem Pool qualifizierter und erfahrener Grundschullehrer, die derzeit keine Arbeit haben und nur darauf warten, in Berlin angestellt zu werden, besetzt. Wir nehmen hier nur die Besten der Besten!

    Erst einmal: VERA 3 fragt die Standards der 4. Klasse ab. Von Drittklässlern werden die Kompetenzen abgefragt, die sie also rund 14 Monate später - zum Ende des 4. Schuljahres - erreicht haben sollten.
    Für das obige Zitat heißt das: "3/4 der Schüler würden im Mai des 3. Schuljahres eine 4, 5 oder 6 bekommen, wenn sie sich am Ende der 4. Klasse befinden würden, d.h. sie haben den Regelstandard ("Note 3 am Ende der 4. Klasse") im Bereich Rechtschreiben am Ende der 3. Klasse nicht erreicht."

    Verbessert das Bild etwas, aber natürlich ist auch das noch traurig.

    Immerhin gibt es für die Standards am Ende des 4. Schuljahres aber mal einen Vergleich der Bundesländer. (Für VERA 3 habe ich keinen für alle Bundesländer gefunden.) Alle drei Stadtstaaten sind auf den vier Schlussplätzen.

    Ich bekräftige / ergänze mal:
    Arme Familien, ghettoartige Wohngegenden mit eigenen Sprachen oder eigenen Varianten der deutschen Sprache, die weit jenseits von Duden & co liegen. Ghettoartige Gegenden mit vielen bildungsfernen Elternhäusern, vielen Alleinerziehenden, einigen Eltern, die so viel arbeiten, dass sie keine Zeit für die Kinder haben und trotzdem aufstocken müssen. Elternhäuser, in denen nicht ein Buch existiert und für die Lesen und Schreiben keinerlei Bedeutung haben. Völlige Egal-Einstellung gegenüber Arbeit, Leistung, Lernen, Gessellschaft. Ich hatte mal ein Kind mit einer Farbsehschwäche, das hatten die Eltern in 6 Jahren nicht bemerkt.
    Mangelnde Leistungsmotivation. Eltern leben das den Kindern vor. ("Ich habe eh HartzIV, ich bekomme keinen Job." - "Meine Mutter kann drei Dinge auf einmal: Rauchen, Bier trinken und Onlinespiele spielen." Kind X., 11 Jahre alt, mit vermutlich durch Alkohol in der Schwangerschaft ausgelöster Lerneinschränkung über ihre Mutter.)
    Sprachverarmte Elternhäuser. Kinder mit der Muttersprache Deutsch, die mit weniger Sprachkenntnissen als DAZ-Kinder in die Schule kommen. Zweiwortsätze, Wortschatz weit zurück, Dysgrammatismus etc.
    Viele dieser Kinder haben ein sehr schwaches Gedächtnis, oft auch besonders ein sehr schwaches Arbeitsgedächtnis. (Schwaches Arbeitsgedächtnis heißt, dass du spätestens jetzt vergessen hast, wie der Anfang des Satzes hieß.) Die schaffen es nicht, sich ein Wort mit 5 Buchstaben vom Anfang bis zum Ende zu merken. Die müssten das Wort vermutlich 200- bis 500mal schreiben, bis es möglicherweise irgendwo im Gedächtnis landen würde. (Und wozu, am Smartphone / Tablet gibt es doch die Rechtschreibkorrektur.)

    Die Bildungsprogramme der KiTas wurden heruntergefahren. Kinder kommen mit immer weniger Voraussetzungen in die Schule. Ich habe in der 1. regelmäßig mit einem Vorschulprogramm (Raumorientierung, Figur-Grundwahrnehmung, Hörwahrnehmung, Schulung des Gleichgewichtssinnes, der Sinneswahrnehmungen generell, der Feinmotorik, Üben des Sprechens von ganzen Sätzen, Bildung des Plurals, Erfassen kleiner Mengen, z.B. der Anzahl der Finger an einer Hand etc. pp.) angefangen und wenn ich sehr schnell war, quasi ein Vierteljahr der 1. Klasse dafür benötigt. Damit waren das Mittelfeld und die leistungsstärkeren grundlegend versorgt. Die leistungsschwächeren Schüler hätten weit mehr Zeit dafür benötigt.

    Quereinsteiger.
    Zusätzlich wurden viele Jahre lang fast keine Grundschullehrer eingestellt. Ein Ersatz fehlender Grundschullehrer erfolgte - schon viele Jahre, bevor von Quereinstieg die Rede war - durch Kolleginnen mit der Ausbildung für die Klassen 5 bis 10. Diese wurden an die Grundschule versetzt und mussten auch in jüngeren Klassen (mindestens ab der 3.) unterrichten. An meiner ehemaligen Schule lag der Anteil der Grundschullehrer längere Zeit bei unter 30%. Das reichte dann nicht einmal mehr flächendeckend für Klasse 1/2.

    Jetzt kommt das alles zusammen in einer Klasse. Die Kinder sitzen da und sehen rundherum, dass alle leistungsschwach sind. Die Motivation, besser zu werden, ist gering, man passt sich doch hervorragend in den Klassenschnitt ein. Man kommt durch's Leben, Mama tröstet, wenn man was nicht kann: "Ach, das ist nicht so schlimm, du hast mich als Vorbild. Ich hatte auch immer eine 5 in Deutsch/Mathe."
    Diagnosen kommen dazu: "Ich habe LRS, ich kann das sowieso nicht." - "Ich habe LRS, mich hat das angestrengt, ich brauche eine Pause."
    Hausaufgaben vergessen? Schulterzucken. Nachholen? Schulterzucken.
    Meine Klasse und meine ehemalige Schule hatten Ergebnisse, die weit unter dem Berliner Durchschnitt lagen. Die besseren Schüler waren überwiegend diejenigen, deren Eltern mal als Gastarbeiter kamen und ihren Kindern vorlebten, dass man viel und fleißig arbeiten muss und sich das selbst dann lohnt, wenn man sehr wenig verdient.
    Ein Kind aus der Verwandschaft, mit Abstand schlechtester Schüler seiner Klasse in gut situierter Wohngegend (LRS und Rechenschwäche), hätte in meiner Klasse zur Leistungsspitze gehört.


    Und nein: Das betraf nicht nur eine Schule, das sind ganze Bezirke. Die anderen Bezirke reißen es nur bedingt wieder heraus.

    Ich hätte ein paar jüngere Schüler anzubieten, die kann man als Wichtel einsetzen oder an ihnen üben, falls man eine Ausbildung im erzieherischen Bereich plant oder gerne ein Geschwisterkind hätte.


    Im Ernst:
    Bei uns läuft es auf Kuchenbasar hinaus. Alternativ gab es auch Würstchenbasare, da braucht man entsprechend Kochplatten und evtl. Geflügelwürstchen.
    Meine Ex-Schulleitung und ein paar Kolleginnen regten dann "gesunde Basare" an: Obst, Müsli etc. Lief meist auf eine niedrigere Gewinnspanne und viel Müll hinaus, würde ich eher nicht empfehlen.

    Ich habe heute Hefter kontrolliert. Eine der Überschriften, die von der Tafel abzuschreiben waren, heißt "Kindersinfonie".
    In einem Hefter stand "Kinderdeponie".

    hast du das eigentlich inzwischen bekommen? :lach:

    Was ich in diesen Zusammenhang gerne wüsste: Wieso werden heutzutage auf Facebook eigentlich von vielen die Fälle grundsätzlich vertauscht? Hihi, ich hoffe, es tat euch auch beim Lesen ein bisschen weh, geteiltes Leid ist halbes Leid 8)

    1. Nein, leider nicht.
    2. Vertauscht? Was meinst du? Ich kenne die Varianten "Nominativ für alle Fälle" und "Nominativ und Akkusativ wild durcheinander". Mehr geht selten, selbst der Dativ ist inzwischen selten geworden, das sind dann meist Akademiker.

    Du Arme! Das kann ich gut nachempfinden. Die Kinder staunen ja in der 4. Bauklötze, wenn man ihnen erzählt, dass manche Komponisten schon vor ihren Omas und Opas gelebt haben. Mal abgesehen von Mozart und Vivaldi, die derzeit immer wieder auch live auftreten und ihre Werke spielen.
    Ich glaube, da fehlt einfach die Vorstellung - und das ist ja eine Grundschule mit normalintelligenten Kindern, keine Förderschule. (Ich nehme an, du hast viele LE-Kinder?)
    Wie eng ist denn der Lehrplan, dem du folgen musst? Hast du die Möglichkeit weiter runterzubrechen?
    Kannst du dich von der Zeitvorstellung verabschieden und die Themen wie eine Art "Zeitreise" angehen? Ich stelle mir vor einen Zahlenstrahl mit groben Jahresahlen (ob das den Kindern nun was sagt, sei dahingestellt, eher nicht). Irgendwo ein Bild von einer Pyramide, irgendwo ... naja, was auch immer. Und da reist ihr dann hin und stellt euch vor, wie es zu der Zeit war. Eine kleine Geschichte nachspielen. Mit Legopüppchen und Schleich-Tieren was nachspielen vielleicht? Vielleicht wirklich wie in der Grundschule?
    Ich war immer gut und fit in Geschichte und in Mathe sowieso, habe mir immer ausgerechnet wie lange das her ist. Trotzdem war ich dann doch fasziniert, als ich SIlvester statt geschichtsträchtiger Schlagerhitparaden Geschichtsdokus angeschaut habe. Mir wurde bewusst, wie eingeschränkt meine Vorstellungskraft bzgl. früherer Zeiten dann doch war. Wie lebte es sich in so einem Schloss? Haben die sich nicht ständig halbtot gefroren? Wie doll haben die wohl gestunken? Räuber im Wald etc. pp.


    Geografie:
    Land = gesamte Schule
    Bundesland = Klasse
    Stadt = Gruppentisch
    Wird das so ev. anschaulicher?

    Es gibt zusätzlich zum Simsalasing diverse Liederbücher, Gitarrenakkorde stehen standardmäßig bei den neueren dabei. Ich nehme oft das Duett-Liederbuch und manchmal auch "Mein Liederbuch" von Volk und Wissen. Aktuelle Hits sind da nicht drin aus nachvollziehbaren Gründen, die muss man sich irgendwie aus dem Internet raussuchen. Alternativ gibt es die Zeitschrift "Popmusik in der Grundschule", die ich aber überwiegend doch etwas zu schwierig finde.

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